Dat Naijste

2020
 

20.03.2020

Dank an die GN für diese Info!

Wie Corona in die Grafschaft kam

Die Chronik einer Krise: Protokoll der GN-Berichterstattung
Von Steffen Burkert

Januar
7. Auf Seite 12   berichten die Grafschafter Nachrichten am 7. Januar 2020 in einer kleinen Meldung über eine „mysteriöse Krankheit in China“. Nur 66 Tage später wird die Schlagzeile auf der GN-Titelseite lauten: „Corona lähmt die Grafschaft“.

10. GN-Leser müssen bis Seite 18   blättern, um in einem Bericht erstmals über das neuartige Coronavirus zu lesen, das sich im fernen China ausbreitet. „Mysteriöse Lungenkrankheit enträtselt“, lautet an jenem 10. Januar die Schlagzeile auf der GN-Seite „Gut zu wissen“. Der Artikel beginnt mit den Sätzen: „Die Ausbreitung einer zuvor unbekannten Lungenkrankheit in der zentralchinesischen Metropole Wuhan geht wahrscheinlich auf ein neuartiges Coronavirus zurück. Chinesische Experten hätten die Gensequenz des Erregers entziffert, teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gestern in Peking mit. Demnach stecken sich Menschen nicht allzu leicht gegenseitig mit dem Erreger an.“

13. Nur drei Tage später lautet die Schlagzeile bereits: „Erster Toter durch Lungenkrankheit“. Auch diese Meldung aus China schafft es in den GN nur auf Seite 18.

17. Das Virus breitet sich schneller aus als erwartet. Nun gibt es bereits Verdachtsfälle in Japan, Thailand, Hongkong, Singapur und Südkorea.

21. Die GN berichten über einen starken Anstieg bei der Zahl der Erkrankten. Und: „Experten befürchten, dass der vermutlich von einem Tier übergesprungene Erreger anders als anfangs angenommen auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.“ All das steht auf Seite 26. Das Top-Thema auf der GN-Titelseite lautet an diesem Tag: „Millionen haben Zweit- oder Drittjob: Zahl der Mehrfachbeschäftigten steigt deutlich an“.

22. Nur einen Tag später taucht im Zusammenhang mit dem Coronavirus erstmals der Begriff „Pandemie“ auf – und die GN widmen dem Thema die halbe Seite 4. „Wie groß ist die Gefahr für Deutschland?“, lautet eine zentrale Frage. „Nach dem Anstieg der Patientenzahl in China halten Experten vereinzelte Einschleppungen der Krankheit nach Europa für immer wahrscheinlicher“, vermelden Nachrichtenagenturen. Das Gesundheitsrisiko werde vom Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin jedoch weiterhin als „sehr gering“ eingestuft. Zwar könne es einzelne Fälle von Importen geben, fortgesetzte Infektionsketten – also anschließende Übertragungen von Mensch zu Mensch – seien nach derzeitigem Stand aber unwahrscheinlich.

23. Die „Zahl der Corona- Toten steigt abrupt“, melden die GN nun schon groß auf Seite 2. Nach Einschätzung der Bundesregierung bedeutet die Ausbreitung der neuen Lungenkrankheit jedoch nur ein „sehr geringes“ Gesundheitsrisiko für die Menschen in Deutschland. Es gebe keinen Grund, jetzt in Alarmismus zu verfallen, sagte ein Sprecher von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

24. Die Berichterstattung über das Coronavirus nimmt spürbar zu. Tauchte der Begriff bislang ein-, höchstens zweimal pro Zeitungsausgabe auf, befassen sich an diesem Tag bereits fünf Artikel mit diesem Thema. Darunter erstmals auch eine – allerdings noch recht kleine – Meldung auf der Titelseite.

25. Allmählich wird das tatsächliche Ausmaß erkennbar. Auf der GN-Titelseite heißt es heute: „41 Millionen Chinesen unter Quarantäne“. Im Innern beginnt ein ausführlicher Bericht mit den Worten: „Millionenstädte abgeschottet, das Militär im Einsatz, keine Pauschalreisen mehr ins Inund Ausland: China reagiert mit immer neuen Maßnahmen auf die grassierende Lungenkrankheit.“ Und trotz dieser ohnehin schon dramatischen Berichte werden sogar Zweifel laut, ob die offiziellen Angaben überhaupt das wahre Ausmaß der Infektionswelle im Land wiedergeben.

29. Das Virus kommt näher. Erstmals befasst sich auch unsere Lokalredaktion mit dem Thema. „Man ist so gut vorbereitet, wie man vorbereitet sein kann“, sagt Jürgen Hartmann, Sprecher des Landkreises Grafschaft Bentheim, den GN. Im Verdachtsfall würden die gleichen Vorkehrungen getroffen, die auch bei anderen Infektionskrankheiten gelten: Das Grafschafter Gesundheitsamt leite eine Reihe Schutzmaßnahmen ein, angefangen bei der Isolierung des Patienten in der Euregio-Klinik in Nordhorn bis zur Diagnostik. Derzeit würden laut Hartmann jedoch keine gesonderten Maßnahmen wegen des Virus getroffen.

Wirklich ernst nimmt diese Bedrohung in Deutschland weiterhin kaum jemand. Auf der GN-Titelseite wird Gesundheitsminister Spahn mit den Worten zitiert: „Kein Grund zur Sorge.“ Und in einem Kommentar heißt es: „Nach Lage der Dinge deutet nichts darauf hin, dass das Coronavirus bei uns auch nur annähernd so gefährlich werden könnte, wie es die Grippe längst ist.“

30. In einem GN-Interview erklären Ärzte der Euregio-Klinik in Nordhorn das Vorgehen im Ernstfall. Ein Virologe warnt vor Panikmache. Er habe mehr Angst vor der jährlichen Influenza als vor dem Corona-Virus.

Februar

1. „Riesenreich in Schockstarre“, lautet eine GNSchlagzeile. Das Coronavirus bringe China zum Stillstand. Dass Deutschland Ähnliches bevorstehen könnte, daran glaubt hierzulande weiterhin kaum jemand.

4. Die GN melden einen „Rekordanstieg“ beim Coronavirus – in China. In Deutschland lautet die Schlagzeile auf der Titelseite hingegen: „Luft in Niedersachsens Städten besser“.

5. Erster Corona-Verdacht in der Region: Eine 50-jährige Chinesin, die am 2. Februar mit grippeartigen Symptomen am Flughafen Münster-Osnabrück gelandet war, sei jedoch „definitiv nicht vom Coronavirus“ betroffen, teilt das Mathias- Spital in Rheine mit.

7. Die Zahl der Corona Fälle steigt weltweit rasant. In Deutschland liegt die Gesamtzahl der Infizierten mittlerweile bei 13.

8. Trauer um den „Corona- Held von Wuhan“: In China hat der Tod eines jungen Arztes, der als einer der Ersten vor dem neuartigen Coronavirus warnte, die Kritik am Umgang der Behörden mit der Epidemie angeheizt. Der Augenarzt Li Wenliang zählt zu den inzwischen mehr als 630 Todesopfern.

10. Die Zahl der Todesopfer durch das neue Virus ist mittlerweile höher als bei der Sars-Pandemie vor 17 Jahren.

12. Rund 3600 Passagiere, darunter zehn Deutsche, sitzen in Japan auf dem Kreuzfahrtschiff „Diamond Princess“ fest – isoliert von der Außenwelt, seitdem das Coronavirus auf dem Schiff ausgebrochen ist. 14 Tage beträgt die Inkubationszeit. So vermutet man zu diesem Zeitpunkt zumindest. Sicher sind sich die Fachleute noch nicht.

17. Was, wenn in Deutschland die Seuche ausbricht? 40 Tage, nachdem die Nachricht vom neuen Coronavirus in Deutschland publik wurde, mahnen Behörden zwar zur Besonnenheit. Dennoch fürchten viele um ihre Gesundheit. „Coronavirus. Eine Welt in Sorge“, lautet der Titel einer Artikelserie in den GN.

19. Noch ist die Krankheit nur vereinzelt in Deutschland angekommen. Doch die Epidemie schlägt bereits auf die hiesige Wirtschaft durch. Grund ist der Ausfall von Zulieferungen aus China. „Coronavirus infiziert regionale Firmen“, titeln die GN groß auf ihrer ersten Seite.

24. Inzwischen ist nicht mehr zu übersehen, dass das Virus auch in Europa dramatische Folgen haben kann. Italien riegelt ganze Städte ab. Doch ungeachtet drastischer Maßnahmen zur Eindämmung steigt die Zahl der Infektionen unvermindert weiter. Zahlreiche Veranstaltungen werden vorsorglich abgesagt, der Karneval in Venedig wird vorzeitig beendet.

25. „Kommt das Virus nach Deutschland?“, fragen die GN in großen Lettern auf ihrer Titelseite. Mit dem Coronavirus-Ausbruch in Italien mit mehr als 200 Infizierten und mehreren Toten ist die Epidemie nah herangerückt. „Deshalb müssen wir damit rechnen, dass sie sich auch in Deutschland ausbreiten kann“, sagt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Erste Folgen des Coronavirus- Ausbruchs treffen mittlerweile auch die Grafschaft – vorerst aber nur wirtschaftlich. Die Wilsumer Firma WKS ist unter anderem in Italien tätig, wo am Montag bereits Sperrzonen eingerichtet wurden. Das chinesische Werk der Firma Neuenhauser leidet unter einem Exportstopp.

26. Zwei Bürger aus dem Emsland waren an Bord des wegen des Coronavirus vor zwei Wochen im japanischen Yokohama unter Quarantäne gestellten Kreuzfahrtschiffes „Diamond Princess“. Nun stehen sie daheim unter „häuslicher Absonderung“.

27. Der Gesundheitsminister spricht erstmals eine deutliche Warnung aus: Jens Spahn erwartet eine viel stärkere Verbreitung des Coronavirus in Deutschland. „Wir befinden uns am Beginn einer Corona- Epidemie in Deutschland“, zitieren ihn die GN auf ihrer Titelseite. „Die Infektionsketten sind teilweise – und das ist eine neue Qualität – nicht nachzuvollziehen.“ Vor diesem Hintergrund sei es fraglich, ob die bisherige Strategie zum Eingrenzen des Virus und zum Beenden der Infektionsketten weiter aufgehe. 28.

Nein, das Coronavirus sei ausdrücklich nicht in der Grafschaft Bentheim angekommen, betont Amtsarzt Dr. Gerhard Vogelsang im Ausschuss für Soziales und Gesundheit. Bislang wurden im Kreis keine Fälle nachgewiesen. Aber: „Ich gehe davon aus, dass wir welche bekommen werden“, sagt der Leiter des Gesundheitsamtes mit Blick auf die kommenden Monate. Zwei Reisende aus der Grafschaft Bentheim befinden sich zu diesem Zeitpunkt in häuslicher Quarantäne. Eine reine Vorsichtsmaßnahme, wie der Arzt betont. Denn die beiden waren Passagiere auf dem Kreuzfahrtschiff „Diamond Princess“.

Die Grafschafter sorgen derweil vor: Masken und Desinfektionsmittel in Apo- theken und Drogerien werden knapp.

März

2. Unweit der Grafschaft ist am Sonntag, 1. März, im niederländischen Coevorden der erste Corona-Erkrankte gemeldet worden. Der Mann soll sich beim Karneval in Tilburg infiziert haben. Er lebt in der Ortschaft Dalen, nur wenige Kilometer von der Grenze bei Emlichheim entfernt – und arbeitet im grenzüberschreitenden Europark, wo er auch mit Kollegen aus der Grafschaft in Kontakt gekommen ist. „Corona-Virus plötzlich ganz nah“, schreiben die Grafschafter Nachrichten.

5. „Coronavirus erreicht die Grafschaft“, titeln nun die GN. Ein 27-jähriger Mann aus Schüttorf steht zuhause unter Quarantäne. Dasselbe gilt vorsorglich für alle Angehörigen, die mit ihm im selben Haushalt leben. „Nach bisherigen Erkenntnissen hatte er sich durch Kontakt zum Infizierten in Coevorden mit dem Virus infiziert“, teilt die Kreisverwaltung mit. Der Niederländer, dessen Infektion am 1. März bekannt geworden war, ist ein Arbeitskollege des Schüttorfers.

7. „Die Bevölkerung muss sich wirklich nicht verrückt machen!“, sagt Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), im Interview mit unserer Redaktion. Das Coronavirus sei „viel zu harmlos“, um das Gesundheitssystem auf eine ernste Probe zu stellen. Er wendet sich deswegen auch energisch gegen Schulschließungen oder das Absagen von Großveranstaltungen.

Ein Bürgertelefon des Landkreises zum Thema Coronavirus wird bereits rege in Anspruch genommen. Bis Freitagnachmittag, 6. März, haben sich mehr als 80 Grafschafter mit Fragen an die Hotline gewandt.

10. Während die Zahlen der Corona-Infizierten weltweit weiter stei-

11. 12. Auch im Emsland und in der Grafschaft kursieren Fotos von Hamsterkäufen und leeren Nudelregalen in Supermärkten. Immer wieder kommt die Frage auf, ob die Versorgung mit Lebensmitteln im Fall einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus überhaupt sichergestellt sei. Aus Sicht des Grafschafter CDUBundestagsabgeordneten Albert Stegemann aus Ringe ist diese Sorge jedoch unbegründet. Der Landwirt und CDU/ CSU-Fraktionssprecher für Ernährung und Landwirtschaft verweist auf regionale Produkte und die Stärke der

13. „Veranstaltungen bis Ende April abgesagt“, melden die GN. Immer stärker wirkt sich die Verbreitung des Erregers auf das öffentliche Leben in der Grafschaft aus. Landkreis und Kommunen sagen alle eigenen Veranstaltungen bis Ende April ab. Ob ab Montag auch die Schulen in Niedersachsen geschlossen bleiben, darüber herrscht Rätselraten.

„Die Euregio-Klinik ist auf die Aufnahme ernsthafter Corona-Fälle vorbereitet“, erklärte Klinik- Geschäftsführer Michael Kamp auf Nachfrage der GN. Am Donnerstagvormittag waren zwei weitere Fälle in der Grafschaft – in Neuenhaus sowie in Wietmarschen – bestätigt worden.

14. „Corona lähmt die Grafschaft“, lautet die Schlagzeile auf der GN-Titelseite – 66 Tage, nachdem der erste Bericht über die „mysteriöse Krankheit in China“ erschienen war. In der Grafschaft Bentheim gibt es inzwischen einen vierten Coronafall. Ein 50-jähriger Neuenhauser hat sich offenbar während eines Aufenthalts in Österreich infiziert. Wegen der Coronakrise sind ab sofort in der Grafschaft – wie in ganz Niedersachsen – Schulen, Kitas und viele weitere Einrichtungen geschlossen. Kommunen bemühen sich um eine Notfallbetreuung für die Kinder. Sämtliche öffentlichen Veranstaltungen sind abgesagt, die Euregio-Klinik schränkt die Besuchserlaubnis ein.

17. Inzwischen dreht sich in der Tageszeitung (nahezu) alles um die Coronakrise. Das Leben in Deutschland beschränkt sich fast völlig auf die eigenen vier Wände. Bund und Länder schränken mit drastischen Maßnahmen das öffentliche Leben weiter ein, um die Ausbreitung des Virus zu bremsen, erfahren GN-Leser schon auf der Titelseite. Viele Geschäfte werden geschlossen, Gottesdienste und Freizeitaktivitäten verboten. Der Landkreis Grafschaft Bentheim setzt diese Ankündigung mit einer weitreichenden Allgemeinverfügung um.

Zugleich stellt das zunehmende Infektionsrisiko auch die GN-Redaktion vor bislang unbekannte Herausforderungen. Immer mehr Reporter arbeiten von zuhause aus, sollen sich von ihren Kollegen fernhalten, damit eine mögliche Quarantäne nicht die gesamte Redaktion auf einen Schlag außer Gefecht setzen kann. „Die GN wollen in diesen ungewissen Zeiten ein verlässlicher Partner bleiben, der Information und Orientierung bietet“, verspricht die Chefredaktion. Wie stark das Bedürfnis nach Information und Orientierung ist, zeigt sich täglich an den enormen Zugriffszahlen auf GN-Online und den weiteren digitalen Kanälen der Grafschafter Nachrichten, die sich zuletzt verdreifacht haben.

18. Die Gesamtzahl der Infektionen in der Grafschaft beläuft sich nun auf zehn und hat sich somit auf einen Schlag verdoppelt. Nicht mitgezählt sind in dieser Statistik sieben auswärtige Patienten in der Fachklinik Bad Bentheim, die ebenfalls infiziert sind. Das wurde erst nach GN-Recherchen bekannt. „Fachklinik in Bad Bentheim unter Druck“, lautet an diesem Tag eine Schlagzeile. Weil kaum noch Geschäfte geöffnet sind, gleiche auch Nordhorn inzwischen einer „Geisterstadt“, berichtet ein GN-Reporter.

19. Der Landkreis schließt die Fachklinik in Bad Bentheim. Landrat Uwe Fietzek bezeichnet die Situation in dem Krankenhaus, in dem es mittlerweile zwölf Corona-Fälle gibt, in einem Gespräch mit den GN als „nicht mehr verantwortbar“. In der Grafschaft Bentheim gibt es nun 15 Menschen, die mit dem Coronavirus infiziert sind. Auswärtige Patienten in der Fachklinik sind in dieser Statistik nicht mitgezählt. Insgesamt befinden sich laut Landkreis 100 Grafschafter in häuslicher Quarantäne. Der Schüttorfer, der als erster Grafschafter positiv auf das Virus getestet worden war, wurde unterdessen bereits wieder aus der Quarantäne entlassen.

20. „Grafschafter Landrat Fietzek: Bedrohung steigt von Tag zu Tag“, titeln die Grafschafter Nachrichten. Fietzek hatte sich während einer Kreistagssitzung direkt an die Grafschafter Bevölkerung gewandt. „Wir befinden uns in einer Situation, die bedrohlich ist und deren Bedrohung von Tag zu Tag steigt“, sagte der Verwaltungschef in einer live auf GN-Online übertragenen Rede. Das Coronavirus breite sich nach wie vor mit hohem Tempo aus – auch in der Grafschaft. Am Mittag seien im Landkreis 19 positiv Getestete zu verzeichnen gewesen.

Er habe angeordnet, dass auch der Katastrophenschutzstab in der Grafschaft langsam hochgefahren werde. „Ich habe den Katastrophenfall noch nicht ausgerufen“, betonte der Landrat: „Aber, das will ich offen sagen: Dieser Schritt wird bald eintreten.“ Fietzek kündigte an: „Wir alle ahnen und wissen: Es werden weitere Einschränkungen kommen.“ Und er stellte klar: „Wer jetzt noch ohne triftigen Grund unter Menschen geht, schadet allen.“

21. „Ab heute nur noch Grundversorgung“, kündigen die GN an. Das Land Niedersachsen hat eine neue Regelung zur Eindämmung der Corona-Pandemie erlassen, die der Landkreis Grafschaft Bentheim mit einer neuen Allgemeinverfügung umsetzt: „Neben Bars, Clubs, Diskotheken und Kneipen werden ab heute – 21. März – vorerst bis einschließlich 18. April auch alle Restaurants, Speisegaststätten, Imbisse und Mensen geschlossen.“

■ Auf GN-Online wird dieses Protokoll – ergänzt um Videos – fortgeschrieben. Einfach Online-ID @3667 im Suchfeld eingeben.

Nahaufnahme: Coronavirus unter dem Mikroskop.

 

17.03.2020

Es gibt auch etwas Erfreuliches!

Heute haben wir vom Quickborn Verlag, Zeitschrift für plattdeutsche Sprache und Literatur,
Wilgfried Zilz, die Rezension über unser Buch
"De Tied bilf Baas" erhalten.

Über den Bericht haben wir (Berend und Klaus) sich sehr gefreut!


Rezension

De Tied blif Baas

 

Siet 2005 word van de Carl-Toepfer-Stiften dat »Plattdüütsk Book van 't Jahr« utköört. 2019 full de Wahl up »De Tied blif Baas«, en Book over un van Karl Sauvagerd (1906 bit 1992), de Sniederbaas ut de Graafskupp Bentheim. En Wahl, de mehr as recht was. Dat mehr as 400 Sieden dick Book, in en Umslag inwickelt, de eenfach upfallen mutt (vigelett!), is indeelt in veer groot Kapitels: Inföhrt word de Leesder in dat Levend un Wark van Karl Sauvagerd van Verena Kleymann (S. 14 bit 21). De Hauptdeel höört - mit Recht - de Schrieversmann sülvst: Hier sünd Riemseis, Vertellsels, Gebeden un so wieder tosamenstellt worden (S. 23 bit 277). Is man blot en Utwahl, wat wiesen deit, wo flietig de Autor west hett. ln dat Kapitel daarna schrifft Helmut Lensing wat over sien Levend un dat, wat Sauvagerd för de Gesellschupp daan hett (S. 279 bit 335). Ton Sluss verklaart Dieter Stellmacher wat over de Spraken-Achtergrund (S. 337 bit 399). Inrahmt worden disse Kapitels van Vörut-Woorden (S. 7 bit 11) un - neet to verachten - en Anhang mit Woordenverklarens un Nawiesen, waar wat to finnen is (S. 401 bit 412).

Kennt hebben hum de Lüü as Sniederbaas, de he ja ok was. Man he was heel vööl mehr, wat dit Book bewiesen deit: Karl Sauvagerd stunn un steiht - tosamen mit de Jööd Carl van der Linde (1861 bit 1930) 1 - för plattdüütske Literatuur in sien Heimaat, de Graafskupp Bentheim. Up Hoog un vor allup Platt hett he siet 1932 schreven un daarbi all Literatuur-Knopen drückt, de dat gifft: Riemseis, Vertellsels un Romanen, Leder, Gebeden, Raadsels un ok Theaterstücken. Toeerst wassen sien Warken in de Zeitungen un Kalenners ut de Region to finnen. 1948 kweem denn sien eerst Gedicht-Band »Häideblomen« rut (kiek S. 14, 297 un 389), 1955 de tweed »De Tied blif Baas« mit 68 Riemseis. In de »Grafschafter Tagespost« wassen - Deel för Deel, Dag för Dag - veer van sien Romanen ofdrückt, to'n Bispööl »Dat teken van de doadenburg« (1963 bit 1964). To sien Prosawark hören ok Märkens, so as »De Doadkiste« (S. 238 bit 239). - Hier un in anner Texten kann man marken, dat de Autor sien Landslüü un hör Olldag nipp un nau kennde un beschrieven kunn. Bit 1989 hett Karl Sauvagerd schreven, tosamenkomen mehr as 600 Titels, de meesten daarvan Riemseis. Un de hebben en besünners »hohe Qualität«, as Verena Kleymann dat to Recht up S. 16 schrieven deit. He versteiht sien Handwark, weet mit Förm un Spraak umtogahn, schrifft over Beleevnissen van vandaag un güstern, over Personen, de Natüür (ok Deren un Planten) un noch vööl anner Saken. Daarbi spaart he nix ut, to 'n Bispööl geiht dat ok um »Kr â nkhäit« (S. 62 bit 63), um en »Manöver« (S. 163) un um de Schuul van uns Umwelt in »O, maakt nicht alle Grund terecht ...« (S. 166; kiek ok S. 14, 16, 296, 323 bit 325 un 334). In »Plecotus auritus (Fleermuus)« (S. 88 bit 89; kiek ok S. 17) geiht dat wall um dat Deer, man dat lett hum an sein Tied as Suldaat in de Normandie denken.

Dat Karl Sauvagerd fast an Gott glöövt hett, wiest sük bi »Gebeete en Besinnliches« (S. 175 bit 185; kiek ok S. 325 bit 326). He wuss, wat »Golgatha« (S. 182), aver ok »Poaschen« (S. 184)

(1 Kick hier: Helga VORRINK / Siegfried KESSEMEIER (Rutgevers): Carl van der Linde. Löö un Tied. Ausgewählte Texte und ein Lebensbild. Veldhausen 2008. - Dat Wark was 2009 dat »Plattdüütsk Book van 't Jahr«.)

för en groot Bedüden in sien Levend un dat van all Minsken hett. Well de beid kört Riemseis mit Bedacht lesen deit, hollt de Aam an - un freit sük over dat löss Grafft.

Updeelt sünd de utsöcht Texten in negen Kapitels: 1. » Û t û se Heimat«, 2. »Dat Mensschenleewen«, 3. » Û t de Natur«, 4. »Döör 't heele Johr«, 5. »Blick in de Tied«, 6. »Gebeete en Besinnliches«, 7. »Nije Leedties«, 8. »Dit en dat«, 9. »Bij 't Heerdfüür - Märchen en Vertellsels«. As een Bispööl för all de anner Texten sali hier »Stormteken« (S. 160) stahn, en Riemsei ttisken Natüürbeschrieven, Politik un de Nood för en neei Krieg:

Stormteken

An de see de möwen fleget,
upgereegd se sik beweget
up en daal in 'n groten sworm;
Stil wöörd't eerst, nu wodt et düster,
schipper seg: 't lat orig biester,
löö, geewt acht, dat düüd't up storm!

Ower 't land de wolkentöppe
' trekt heel wild, en grummelköppe
swelt in rare klöör en form;
noch will 't onweer nich beginnen,
man de buur rop: gaww na binnen,
löö, geewt acht, dat düdd't up storm!

»Nooit weer Krieg!«, s å heb wij ropen.
Men nu möt't de jungs weer lopen
in soldaten-uniform;
rüstung wod weer groot bedrewen,
wat is van unse ropen blewen?
Löö, geewt acht, - dat düdd't up storm!

Dat Karl Sauvagerd sien Heimaat un Spraak, man ok de Minsken um sük to leev hadd hett, kann man bi 't Lesen marken. Un man leest geern, wat hum dör de Kopp g å hn is, ok wenn 't neet immer licht fallt. Dat liggt vör all an sien Schrievwies (to 'n Bispööl sünd Nomen deelwies lütt schreven, so as in »Stormteken«), de de Rutgevers so laten hebben, as se hör vörfunnen hebben - en Entscheden, de man good verstahn kann. De Text-Utwahl spegelt dat Wark van de Autor over sess Jahrteihnten weer, un in disse Tied hett he maal so un maal so schreven (kiek S. 20).

Heel genau tekent Helmut Lensing dat Levend van Karl Sauvagerd na. Un he verklaart mit Hülp van sien Wark, wo vööl he för de Gesellskupp doon hett. - Up Welt körnen in Gronau (Münsterland), hier un in Wilsen (Nedergraafskupp) upwassen, was Karl Sauvagerd de nederlandsk Spraak, man ok dat Nedersakse (dat heet dat Platt güntsied de Grenz) neet frömd. In de Jahren na de Volksschool lehrde he de Beroop van un bi sien Vader, de Sniedermeister Hermanus Sauvagerd, denn wurr he Gesell in Bentheim, ehr- dat he weer bi sien Vader - nu in Neuenhaus - arbeidde. In disse Tied kunn man al sehn, dat Karl sien Hart neet blot för de Sniederee, man ok för Spraken, Musik, de Natüür un dat Malen sloog. In de Tweed Weltkrieg was Karl Sauvagerd an verscheden Steden, de up de Sieden 290 bit 292 genau beschreven worden, Suldaat. Van Krieg un Wapens wull he tiedlevens nix weten un schreev ok daartegen an (kiek de al nöömt Riemseis »Manöver« un »Stormteken«). Siet 1932 wassen sein Texten in de Regionaal-Zeitungen un Heimat-Kalenners to lesen. He arbeidde eng mit Dr. Arnold Rakers, Erna Düx-Bornemann, Prof. Dr. Hendricus Johannes Prakke un annem tosamen un was Deel van de »De Jonge Graofschup«, en Koppel van jung Lüü, de modeern plattdüütsk Texten schreven un rutbrochen. Mehr un mehr kennden hum de Minsken in 't Bentheimer Land as »de dichtende Sniederbaas«.

Up vööl Heimaatavenden stellde he sien Riemseis un Geschichten vör, so to 'n Bispööl in Emlichheim, Groß Ringe un in Veldhausen. Sien beid Gedicht-Bannen wassen feil vergrepen; »De Tied blif Baas« overarbeidde de Autor 1976 för en tweed Uplaag. De een of anner Text is ok van hum sülvst vertoont worden. Butendeem settde he sük daarför in, dat de Jöögd Plattdüütsk lehrde (kiek S. 329 bit 330), un was Juror bi vööl Vörleesweddstrieden (kiek S. 300 [Foto] un 301). Umdat de meesten Texten van Karl Sauvagerd kört sünd, egen se sük ok daarto, vörlesen to worden. So sünd einige seker ok van Kinner to hören west un vandaag noch to hören. Unner de Titel »Unser Grafschafter Platt« hett Karl Sauvagerd Woorden un Seggwiesen sammelt un 1975 rutgeven, 1986 noch en tweed Band: »die Krönung seines Lebenswerkes zur Bewahrung und Förderung der niederdeutschen Sprache« (S. 303). Denn dat gung hum neet blot um en Woordenbook of en »Vokabellist«, man vöölmehr um dat Verklären van de Woorden, so dat man dat Plattdüütske ut de Graafskupp verstahn un lehren kunn (kiek ok S. 369,384 bit 385 un 389). - Helmut Lensing geiht in sien körtwielig un good to lesen Bidrag ok up de Verenen un Schrieverskringen in, in de Karl Sauvagerd Lidd was. To denken is hier an de »Verkehrs- un Veranstaltungsvereen« (VVV) Neuenhaus, de Heimatvereen van de Graafskupp Bentheim, de »Schrieverkring an Ems un Vechte«, »De Spieker« (Ollenbörg), de Hambörger »Fehrs-Gilde« un so wieder. He was 1955 bi 't Utarbeiden van de »Vösbergen-Schrievwies« bedeligt, de för Platt-Schrievers in Düütskland un in de Nederlanden gellt (kiek S. 310 bit 312, 362 bit 363 un 369 bit 370), un was van hör overtüügt, umdat man hör eenfach lesen kann. So wassen de Texten van Karl Sauvagerd ok faak in nedersaks Tiedschriften to finnen, vör al in de »Swieniegeltje« un in »Moderspräke en Näberschüp«.

Sauvagerd verstunn dat, Brüggen to slaan tüsken ditsied un güntsied, dat heet tüsken de Nederlanden un Düütskland, tüsken Oostnederland (de Twente, dat Salland, de Provinz Drenthe) un Westnederdüütskland (Bentheim), tüsken Nedersaks un Plattdüütsk. He wull, dat sük de Lüü na de Krieg un all de Stried un Lawai weer verdragen un utsöhnen deen. Un

de Literatuur, schreven in en gemeensaam Wies - de na »Vosbergen« -, sull de Minsken daarbi helpen. Hiervan geiht ok Dieter Stellmacher in dat lest groot Kapitel van dat Book ut. Wat sien Bidrag besünners maakt, sünd dree Saken: Toeerst maal weet he de Leesders vööl over de Spraakachtergrund, de Histoorje un de Kultuur to verteilen. Dat geiht um de Dialekten dit- un güntsied de Grenz, de so vööl gemeensaam hebben, um de beid Hoogspraken, de Wert van Dialektliteratuur, de Heimatbewegens un so wieder. Vor disse Achtergrund kann he dann Karl Sauvagerd un sein Wark vörstellen, inörnen un loven. Dat Riemsei »Gräfschupper Plat« is to 'n Bispööl - so Dieter Stellmacher - en »sprachwissenschaftlich beachtenswertes Beispiel für den Umgang mit zwei verwandten und doch verschiedenen Sprachen« (S. 378). Dat Darde, wat besünners is, is, dat de heel Text ok up nederlandsk to lesen is. En wunnerbaar Infall, steiht disse Mehrsprakigheid doch för dat, wat Karl Sauvagerd wullt un leevt hett: De Minsken to verbinnen. Dat dick »Plattdüütsk Book van 't Jahr 2019« liggt för mi un ik kann mi neet recht satt lesen, so vööl Texten un Themen gefallen mi. Mit Uppass is 't all tosamendragen, schreven un maakt worden. 2 Eenzig fehlen deit mi en Upstellen mit all de Titels van Karl Sauvagerd, de in Düütskland un in de Nederlanden rutkomen sünd; man dat sünd mehr as 600 Stück, de kunn dat Book neet mehr verknusen. So en Bibliographie hett Helmut Lensing al meest tosamenstellt. Hum, all Literatuurwetenskuppers un all Spraakfrünnen is to wünsken, dat se bold in uns Hannen liggt.

Karl Sauvagerd: De Tied blif Baas. Ausgewählte Texte und ein Lebensbild. Hg. im Auftrag der Heimatfreunde Neuenhaus e.V. von Berend Vette und Klaus Vorrink. o.J.u.O. [Haselünne 2019] (=Studien und Quellen zur Geschichte des Emslandes und der Grafschaft Bentheim 3). 417 S. ISBN 978-3-9818393-7-1.

2 Fehlers/Versehns sünd mi blot upfallcn up de Sieden 181, 350, 360, 368, 378 (hier mutt dat »Strophen« un neet »Verse« heten), 381 un 397.

Wilfried Zils

 

Oldenburg (dpa/lni) –
Das Land Niedersachsen

will Plattdeutsch stärker fördern und stellt dafür 350 000 Euro jährlich zur Verfügung. Plattdeutsch soll mit dem Geld als eigenes Unterrichtsfach ausgewiesen werden, wie das niedersächsische Wissenschaftsministerium am Mittwoch bestätigte. Die Universität Oldenburg richtet dafür einen eigenen Lehrstuhl ein. Zunächst hatte die «Neue Osnabrücker Zeitung» darüber berichtet.

In Oldenburg soll zeitnah ein Lehrstuhl für Niederdeutsche Literatur entstehen, wie eine Sprecherin der dortigen Carl von Ossietzky Universität bestätigte. Bis Ende Oktober lief hier die Ausschreibung für eine Juniorprofessur, aktuell befinde man sich im Auswahlverfahren. Nach Angaben des Ministeriums und der Universität soll der Lehrstuhl mit zwei ganzen und zwei halben Stellen ausgestattet werden. Für den Haushalt 2020 sind zwei weitere Stellen vorgesehen. Plattdeutsch ist einer von mehreren niederdeutschen Dialekten.

Mit der neuen Professur wird Plattdeutsch aber nicht komplett neu an der Universität eingeführt: Seit mehr als zehn Jahren können Studierende der Germanistik hier Niederdeutsch und Saterfriesisch als Schwerpunkt belegen. Angehende Lehrer bekommen dabei vermittelt, wie sie den Dialekt an Schulen unterrichten und damit zum Erhalt der Sprache beitragen können. In vielen Grundschulen vor allem im Nordwesten wird der Unterricht in bestimmten Fächern wie etwa Sport «op platt» abgehalten.

Studierende lernen in Seminaren, sich kreativ mit der plattdeutschen Sprache auseinanderzusetzen - zum Beispiel in Form von Black-Out-Poetry (niederdeutsch: Swarttexten). Die Idee: Ein Gedicht entsteht dadurch, dass man in einem bestehenden Text die nicht benötigten Wörter streicht. Foto: Universität Oldenburg.

Kontakt

Schwerpunkt Niederdeutsch und Saterfriesisch
Prof. Dr. Jörg Peters
Institut für Germanistik
+49 (0)441 798-4589
joerg.peters@uol.de

Nedderdüütsch studeern

Niederdeutsch soll sich als Unterrichtsfach an niedersächsischen Schulen etablieren – und auch als solches studiert werden können. Die Universität baut gerade ihr Studienangebot aus. Germanistik-Studierende können die Sprache schon heute als Schwerpunkt wählen.

Über die Frage, ob er ein plattdeutsches Lieblingswort habe, muss Tobias Kremer nicht lange grübeln. „Ketteket – Eichhörnchen“, antwortet er wie aus der Pistole geschossen. „Das Wort hat sich in meiner Kindheit eingeprägt. Meine Mutter hat es immer verwendet.“ Der 23-jährige Masterstudent ist im Nordwesten Niedersachsens, nahe der niederländischen Grenze mit der niederdeutschen Sprache aufgewachsen: „Für meine Großeltern war Plattdeutsch die Haussprache, auch meine Mutter spricht es fließend.“ Im Alltag sei dennoch vor allem Hochdeutsch gesprochen worden, auch in der Schule, erzählt Kremer, sodass er selbst nur rudimentär platt spreche.

Mit seiner Erfahrung steht Kremer beispielhaft für eine Generation, die Plattdeutsch zwar noch versteht, aber nicht mehr sprechen kann. Um die Sprache vor dem Aussterben zu bewahren, wird sie seit einigen Jahren in den Schulen wieder verstärkt unterrichtet. Wer sich als angehender Lehrer für diese Aufgabe interessiert, hat in Oldenburg die Möglichkeit, sich im Studium entsprechend zu profilieren: „Die Universität Oldenburg ist die einzige in Niedersachsen, an der man im Germanistik-Studium den Schwerpunkt Niederdeutsch wählen kann“, erzählt Prof. Dr. Jörg Peters, Hochschullehrer für Pragmatik und Soziolinguistik sowie Niederdeutsch. Tobias Kremer, der heute im Master Germanistik und Politik-Wirtschaft für das Gymnasiallehramt studiert, hatte sich bereits im Bachelor für den Schwerpunkt entschieden. Für ihn ist es eine Herzenssache: „Ich möchte die Sprache meiner Großeltern erhalten“, sagt er.

Vorteile für die kognitive Entwicklung

Lange Zeit hatte Niederdeutsch einen schlechten Ruf. „Bis in die 1970er Jahre hinein gab es in der Soziolinguistik die Auffassung, dass Plattdeutsch eine eher bildungsferne Sprache ist. Man ging davon aus, dass Kinder Nachteile in der Schule haben, wenn sie zu Hause platt sprechen – denn die Schulsprache war Hochdeutsch“, erklärt Peters. Entsprechend sei Plattdeutsch als Familiensprache zurückgedrängt worden.

Dass Niederdeutsch heute als bedeutendes regionales Kulturgut wieder an Bedeutung gewinnt und sich auch die Politik um die Erhaltung der Sprache bemüht, hat verschiedene Gründe. 1998 trat in Deutschland die Europäische „Charta der Regional- oder Minderheitensprachen“ in Kraft, mit der Regional- und Minderheitensprachen als Teil des kulturellen Erbes Europas anerkannt, geschützt und gefördert werden. Als einzige deutsche Regionalsprache steht Niederdeutsch unter dem Schutz der Charta – in Niedersachsen ebenso die Minderheitensprache Saterfriesisch. „Das war ein wichtiger Schritt“, betont Peters.

Mit der Ratifizierung der Charta haben sich die Bundesländer verpflichtet, die sogenannten kleinen Sprachen zu fördern. Zudem sei heute wissenschaftlich belegt, dass es Kindern nicht schade, wenn sie mehrsprachig aufwachsen. „Man geht davon aus, dass es sogar Vorteile für die kognitive Entwicklung hat“, sagt Peters. Für ihn ein gewichtiges Argument, um Eltern und Großeltern davon zu überzeugen, mit ihren Kindern und Enkeln im Alltag wieder Plattdeutsch zu reden. „Für die Kinder ist das die Chance, eine natürliche Mehrsprachigkeit zu erwerben.“

"Zertifikat Niederdeutsch" bereitet auf Plattdeutsch-Unterricht in der Schule vor

Dennoch stehen vor allem die Bildungseinrichtungen in der Verantwortung, entsprechende Angebote zu unterbreiten. Schulen setzen dafür häufig auf AGs oder Vorlesewettbewerbe. In Ostfriesland, wo die Sprache noch am weitesten verbreitet ist, bieten viele Grundschulen außerdem Immersionsunterricht an – dabei werden Fächer wie Sport oder Sachkunde auf Plattdeutsch unterrichtet. Das Engagement hat offensichtlich Erfolg: Einer Studie des Bremer Instituts für Niederdeutsche Sprache zufolge ist die Zahl der Plattdeutschsprecher seit 2007 einigermaßen stabil geblieben.

Mit welchen Methoden sie Niederdeutsch in den Schulen vermitteln können, lernen angehende Lehrer im Oldenburger Niederdeutsch-Studium. Hinzu kommen Seminare und Übungen zur Sprachgeschichte und Dialektik sowie Sprachkurse. Sind alle für den Schwerpunkt vorgesehenen Veranstaltungen erfolgreich abgeschlossen, wird dies mit dem „Zertifikat Niederdeutsch“ bestätigt. Tobias Kremer war schon von der Einführungsveranstaltung begeistert. Besonders viel Spaß habe ihm dann der Sprachkurs gemacht. „Man muss zwar auch Vokabeln lernen, aber statt stumpfem Auswendiglernen haben wir viel anhand von Geschichten, Liedern oder populären Formaten wie ‚Inas Nacht‘ erarbeitet.“ Durch die persönliche Verbindung zur Sprache sei es ihm leicht gefallen, sich zum Lernen zu motivieren.

Niederdeutsch als eigenes Schulfach

Um künftig Niederdeutsch im Bildungssystem fester zu verankern, hat die Landesregierung 2017 beschlossen, ein eigenes Unterrichtsfach einzurichten – als Fremdsprache im Wahlpflichtbereich der Sekundarstufen I und II. „Das ist ein Riesenfortschritt“, freut sich Peters. Für die Universität Oldenburg geht mit dieser Entscheidung der Auftrag einher, die Aus- und Weiterbildung der Lehrerinnen und Lehrer für das Fach aufzubauen. „Zunächst soll es möglich sein, Niederdeutsch als Erweiterungsfach zu studieren.“ In einigen Jahren habe sich das Fach dann hoffentlich soweit etabliert, dass es zusätzlich auch als vollwertiges Zweitfach studiert werden könne. Als Erweiterungsfach werde es aber bestehen bleiben und insbesondere für die Lehrerfortbildung offenstehen, so Peters.

Das Interesse der Studierenden ist in jedem Falle da: Derzeit kommt von den Oldenburger Germanistik-Studierenden etwa jeder Dritte im Laufe seines Studiums mit dem Fach Niederdeutsch in Berührung. Rund zehn bis fünfzehn Studierende pro Jahrgang erwerben darüber hinaus das Zertifikat Niederdeutsch. Von ihnen kämen viele aus Regionen, in denen Plattdeutsch noch verbreitet ist, sagt Peters. „Es ist nicht unwahrscheinlich, dass diejenigen, die Niederdeutsch in der Schule unterrichten wollen, schließlich auch in ihre Heimatregion zurückkehren“, so seine Vermutung. Auch Tobias Kremer kann sich vorstellen, später in der Schule Plattdeutsch zu unterrichten: „Eine Plattdeutsch-AG anzubieten würde ich mir schon zutrauen.“

 

Grafschafter Platt, Wörterbuch Hochdeutsch – Plattdeutsch für Kindertageseinrichtungen und Grundschulen der Grafschaft Bentheim

Ein Wörterbuch in einem handlichen Taschenbuchformat. Es wurde unter erheblichem Zeitaufwand und großer Sorgfalt ehrenamtlich erstellt und wird in seiner Art grundlegend und wegweisend für die Grafschaft zur Förderung, Verbreitung und Weitergabe der plattdeutschen Sprache wirken. Den Redaktionsmitgliedern ist es gelungen, ein benutzerfreundliches Wörterbuch zu erstellen, das sowohl den Erzieherinnen der Kindertageseinrichtungen als auch den Lehrkräften an den Schulen als Hilfestellung dienen kann, den Kleinkindern und Schülern das  Grafschafter Platt zu vermitteln.

Das Buch ist natürlich auch für alle gedacht, die sich für Plattdeutsch interessieren und sich das Buch zulegen wollen. Hier sind auch besonders die Eltern der Kinder angesprochen.

Das Wörterbuch enthält einen Grundwortschatz von rund 3000 hochdeutschen Wörtern, die ins Plattdeutsche übersetzt wurden. Da schon von Ort zu Ort verschiedene plattdeutschen Sprachvarianten festzustellen sind, hat man sich in der Arbeitsgruppe auf das sogenannte Uelser Hügellandplatt als Grundlage für die Aussprache und Schreibweise geeinigt. Begriffe, die jedoch besonders in der Obergrafschaft abweichend ausgesprochen werden, sind im Wörterbuch

zusätzlich aufgeführt.

Ebenfalls zusätzlich zur alphabetischen Auflistung der Wörter findet man im Lexikon einen umfangreichen Anhang mit zum Beispiel der früher gebräuchlichsten Vornamen, Pflanzen-, Tier- und Ortsnamen, Zeitangaben, Grund- und Ordnungszahlen, sowie häufig wiederkehrende Alltagssätze in Kindertageseinrichtungen und Schulen und einem Grammatikteil mit allen starken und unregelmäßigen Verben, den jeder Benutzer begrüßen wird. Erleichtert er doch dem Sprecher die richtige Verwendung dieser Wörter und ihrer variierenden Formen.

Außer dem eigentlichen Hauptteil mit seinem Anhang bietet das Wörterbuch noch mehr. So wird auf den ersten einleitenden Seiten dargestellt, wie welches Wort ausgesprochen und geschrieben wird. Diese Erläuterungen sind angelehnt an Aufzeichnungen von Dr. Arnold Rakers, der als Lehrer vor rund siebzig bis achtzig Jahren von jedem Ort der Grafschaft festgehalten hat, wie die Menschen dort sprechen. Eine entsprechende Übersichtskarte von ihm mit Erläuterungen zu den Sprachgebieten ist in der Darstellung mit aufgenommen worden.

Das Ende des rund 180 Seiten umfassenden handlichen Wörterbuches schließt mit einem Autorenregister ab, in dem sich die fünf Mitarbeiter persönlich vorstellen.

Alles in allem, für die Grafschaft Bentheim ist mit diesem Wörterbuch Hochdeutsch–Plattdeutsch ein Nachschlagewerk entstanden, das in den Kindertageseinrichtungen und Grundschulen ein unabdingbares Hilfsmittel sein kann, die nachwachsende Generation mit dem Grafschafter Platt vertraut zu machen. Darüber hinaus kann es dem plattdeutsch Interessierten zu einer wichtigen Quelle werden.

Herausgegeben wurde das Wörterbuch vom Groafschupper Plattproater Kring in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Grafschaft Bentheim. ISBN 3-922428-85-1, gleichzeitig in der Reihe „Das Bentheimer Land“ Nr. 179. Es ist im Buchhandel zum Preis von 12,00 Euro erhältlich.

 

Bi Mi To Huus

Mit dem neuen Projekt Bi mi to Huus - Lebendige Traditionen an Ems und Vechte möchte die Emsländische Landschaft ihre Arbeit im Bereich des immateriellen kulturellen Erbes der Region fortführen. Maßgeblich gefördert wird diese Arbeit bis April 2021 von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung im Rahmen von LandKULTUR. Als Projektpartner sind der Emsländische Heimatbund e.V., das Emslandmuseum Lingen und der Heimatverein Grafschaft Bentheim e.V. beteiligt.

Ziel von Bi mi to Huus ist es, anhand von ausgewählten Teilprojekten einen interessanten Überblick über Traditionen aus dem Emsland und der Grafschaft Bentheim zu bieten. Brauchtum soll hierfür in vielfältiger Weise dokumentiert und in ein virtuelles Museum überführt werden. Die Projekte werden Einblick bieten in das reichhaltige und lebendige Kulturerbe der Region.

Beteiligen können sich Heimatvereine und Museen. In vier Informationsveranstaltungen im Januar/Februar 2020 erhalten diese die Möglichkeit, sich näher über Ziele und Fördermöglichkeiten (jeweils bis zu 2.000 €) zu informieren. Themen sollen nach dem Bottom Up-Prinzip entwickelt werden, d.h. es werden Vorschläge und Konzepte entgegen genommen statt fest vorgegeben. Zehn der beantragten Projekte werden zur Durchführung ausgewählt. Ziel ist es, dabei auch die Öffentlichkeit in die Dokumentation und Präsentation regionaler Traditionen einzubinden.

Kontakt:

Birgit Baumann                          baumann@emslaendische-landschaft.de

 

Würdigung eines Ausnahmekünstlers auf Platt

Kinder aus Rhede drehen Film über Bernhard Heller

 

Schülerinnen und Schüler der Ludgerusschule Rhede beteiligten sich an dem Plattdeutsch-Projekt „Platt-Patt“ der Emsländischen Landschaft e.V. Dabei haben sie sich mit einem berühmten Bürger der Gemeinde auseinandergesetzt: Dem Bildhauer, Schriftsteller und Tischler Bernhard Heller, genannt "Hellerbernd". Der 1878 geborene und 1937 verstorbene Künstler schuf im Laufe seines Lebens rund 500 Werke. Viele davon entstanden in Rhede, wo er fast fünfzehn Jahre lang lebte. Daran erinnert ein Denkmal, das heute auf dem Marktplatz der Gemeinde steht.

Neben dem Denkmal können sich Vorübergehende nun genauer über Hellerbernd informieren. Die Platt-AG der Ludgerusschule hat einen plattdeutschen Film über den Künstler gedreht. Das Drehbuch schrieben sie mit Unterstützung der pädagogischen Mitarbeiterin Edeltraud Wotte. Hilfreich war dabei die Biografie von Hellerbernd, die unter anderem vom Heimatforscher Albert Vinke geschrieben wurde. Er und seine Frau Magdalena haben es sich nicht nehmen lassen, auch in dem Film mitzuspielen. Auch Gerd Conens als Mitglied der Fachgruppe Niederdeutsch der Emsländischen Landschaft freute sich über die Fertigstellung der neuen Schautafel.

Der Film kann über eine Schautafel am Denkmal von Hellerbernd abgerufen und über Handy oder Smartphone angesehen werden. Ein QR-Code führt zum richtigen Link. Der Film kann aber auch über die Homepage der Emsländischen Landschaft angeschaut werden.

Dort sind auch weitere Filme zu finden, die von der Ludgerusschule über Sehenswürdigkeiten der Gemeinde auf Platt gedreht wurde. „Auf diese Weise wird die Begegnung regionaler Sprache und Geschichte mit der Begegnung digitaler Medien verknüpft.“, so Schulleiter Otto Büning. Der Film reiht sich ein in die zahlreichen Aktionen, die der Ludgerusschule im vergangenen Jahr die Auszeichnung „Plattdeutsche Schule“ eingebracht haben.

Auch das Projekt „Platt-Patt“ soll weitergeführt werden. „Auf dem „Platt-Patt“ ist es möglich, spannende Orte aus dem Emsland und der Grafschaft Bentheim digital und auf Plattdeutsch zu erleben. Dabei kann es um interessante Gebäude, Historisches über die Gemeinde aber auch um Aktivitäten von örtlichen Kultureinrichtungen, Schulen oder Vereinen gehen“, so Linda Wilken von der Emsländischen Landschaft. Es sollen noch weitere Stationen entstehen, dabei unterstützt die Emsländische Landschaft. Interessierte können sich unter wilken@emslaendische-landschaft.de oder Tel. 05931-4964213 melden.

Bildunterschrift: Otto Büning, die Kinder der Platt-AG, Gerd Conens, Edeltraud Wotte, Linda Wilken, Magdalena und Albert Vinke (v. li.) bei der Übergabe der Schautafel am Hellerbernd-Denkmal (Foto: Ludgerusschule Rhede).Kontakt: Emsländische Landschaft e.V. , Linda Wilken M.A., Am Neuen Markt 1, 49716 Meppen, Tel: 059314964213. Mail: wilken@emslaendische-landschaft.de,
www.emslaendische-landschaft.de

 

2019

 

 

 

 

 

Marie Diot aus Hannover gewinnt den
Plattsounds Bandcontest in Stade

Auch Bewerber aus der Grafschaft Bentheim dabei

Emlichheim/Stade. Das beste plattdeutsche Lied des Jahres 2019 kommt aus Hannover: Die Liedermacherin Marie Diot hat das Finale des plattdeutschen Bandcontests Plattsounds gewonnen und erhält dafür die Siegprämie von 1000 Euro. Junge Bands aus ganz Niedersachsen haben am Samstag das Publikum im Alten Schlachthof in Stade mit plattdeutschem Rock, Singer/Songwriter, Pop, Punk und Reggae begeistert. Mit ihrem Titel „Huh, ik bün bang“ zeigte Marie Diot, wie gut Plattdeutsch und moderne Musik zusammenpassen. Die Singer-Songwriterin und ihr Gitarrist Fabian Großberg zogen das Publikum mit ihrem authentischen Auftreten und einer charmant erzählten Geschichte in ihren Bann, die durch die plattdeutsche Sprache noch persönlicher klang.

Auf dem zweiten Platz landete die Band Whale in the desert aus Buxtehude und Neu Wulmstorf. Die Vorjahresdritten überzeugten die Jury mit ihrem Titel „Jümmers sutje“ und erhielten dafür ein Preisgeld von 600 Euro. Auf dem dritten Platz landete Julia Giampietro (16) aus Wittstedt mit ihrem Song "Sülvige Boot", die gemeinsam mit ihrer Schwester Gina (14) auftrat. Das brachte den jüngsten Teilnehmerinnen am Contest 300 Euro ein. Noch einmal 300 Euro gewann Whale in the desert im Online-Voting. Aus der Ferne wählten die Internetnutzer so den groovigen Titel „Jümmers sutje“ zum Publikumsliebling.

Die Punkrocker Pitfeynte aus Emlicheim konnten sich mit ihrem Song leider nicht durchsetzen, lagen beim Online-Voting aber lange vorne und hatten Spaß daran, erstmals auf Platt zu singen. „Die Konkurrenz war hart und die Qualität der diesjährigen Beiträge erfreulich hoch. Es gab sehr viele Bewerber“, so Linda Wilken von der Emsländischen Landschaft, die in der Jury saß. Letztlich schafften es nur elf Bands und Solokünstler ins Finale in Stade. „Das heißt aber nicht, dass man es im nächsten Jahr nicht noch einmal probieren kann“, so Wilken. Für Beratung und Unterstützung, zum Beispiel bei Textübersetzungen, könnten Musiker sie gerne kontaktieren.

Neben Linda Wilken saßen in der Jury auch die plattdeutsche Poetry Slammerin Gesche Gloystein, die Musiklehrerin Angela Martens und Patrick Frerichs, der mit seiner Band „De Winnewupps“ zu den Plattsounds-Urgesteinen gehört. Sie mussten nicht nur Musik, Textqualität und Bühnenperformance bewerten, sondern heraushören, welches Lied das meiste Hitpotential hat.

"Wir waren richtig begeistert von Plattsounds", sagte Gewinnerin Marie Diot. "Die Stimmung hinter der Bühne war sehr spaßig, super Essen, super Sound, super Planung, super Publikum. Alle Bands waren klasse und der Abend war sehr vielfältig und abwechslungsreich. Wir fühlen uns geehrt, dass wir den 1. Platz gemacht haben und verwenden das Preisgeld für die Produktion unseres neuen Albums, das im Frühjahr fertig sein soll."

Moderatorin Annie Heger war teilweise ganz gerührt von den Auftritten. "Wo Plattdeutsch gesprochen wird, fühle ich mich gleich zuhause," sagte die gebürtige Ostfriesin. „Mich hat mit jeder weiteren Band des Abends die unfassbare Qualität beeindruckt und ich wurde immer dankbarer die Moderatorin dieser Veranstaltung sein zu dürfen! In der Haut der Jury hätte ich nicht stecken wollen. Außerdem war ich beeindruckt, dass alle sich ausnahmslos zu gesellschaftspolitischen Themen positioniert haben, entweder in ihren Songs oder aber im Interview.“

Den Auftakt zur Veranstaltung spielten die Platt-Punker „De Schkandolmokers“. Die Oldenburger überbrückten ebenfalls die Jurypause, in der über die Gewinner beraten wurde, und brachten das Publikum zum Tanzen und Mitsingen.

Im kommenden Jahr findet Plattsounds erneut statt. Interessierte Bands finden Informationen zum Bandcontest auf www.plattsounds.de Plattsounds ist ein plattdeutscher „Grand Prix“, der Zeitgeist und Heimatgefühl in moderner Musik vereint und mit dem der beste plattdeutsche Song des Jahres gesucht wird. Seit dem Jahr 2011 sind durch Plattsounds etwa 150 Songs junger Musiker auf Plattdeutsch entstanden.

Der Bandcontest fand bereits zum neunten Mal statt. Veranstalter war in diesem Jahr der Landschaftsverband Stade e.V. Plattsounds ist ein Kooperationsprojekt von sieben Landschaften und Landschaftsverbänden aus Niedersachsen, die das Projekt im Rahmen der Initiative „Platt is cool“ ( www.platt-is-cool.de) durchführen.

 

Ansprechpartner:

Landschaftsverband Stade
Frau Kerstin Tolkiehn
Johannisstraße 3 (im Johanniskloster), 21682 Stade Telefon: 04141 410520 / 0174 4710085
E-Mail: tolkiehn@landschaftsverband-stade.de

Projektleitung / Musikerbetreuung:

Matthias Kahrs
E-Mail: m.kahrs@plattsounds.de Telefon: 0176 – 7709 4838

Informationen:

http://www.plattsounds.de facebook.com/plattsounds.bandcontest

 

„PlattSatt“
der Emsländischen Landschaft 2019

Vorlesefrühstück bringt drei Generationen zusammen

Neue plattdeutsche Formate in der Papenburger HÖB sehr erfolgreich

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „PlattSatt“ der Emsländischen Landschaft fanden im Zentrum für Generationen der Historisch-ökologischen Bildungsstätte HÖB in Papenburg erstmals zwei Vorlesefrühstücke statt. Die Nachfrage bei dem zweiten Frühstückstermin war so groß, dass kurzfristig auf das Don Bosco-Heim ausgewichen wurde. Interessierte Plattprooter waren eingeladen, Geschichten oder Gedichte vorzutragen. Wer wollte, konnte auch einfach nur zuhören und ein Frühstück mit vielen selbstgemachten Leckereien genießen.

An den Vormittagen beteiligte sich die Ludgerusschule Rhede mit ihren Schülern Finn Esselmann, Gerd-Folkert Conens und Elia Schütte mit der pädagogischen Mitarbeiterin Edeltraud Wotte. Die Schüler hatten bereits erfolgreich am plattdeutschen Lesewettbewerb teilgenommen und beeindruckten die zahlreichen Zuhörer mit ihren lebendigen Vorträgen. Ihr Können kommt nicht von ungefähr, schließlich steht Platt in der Ludgerusschule schon lange auf dem Stundenplan, was ihr im vergangenen Jahr die Auszeichnung „Plattdeutsche Schule“ des Niedersächsischen Kultusministeriums eingebracht hat.

Auch die pensionierte Lehrerin Angela Klaßen unterhielt mit ihren selbstgeschriebenen humorvollen und nachdenklichen Geschichten und Gedichten, die sich zum Beispiel kritisch mit modernen Erziehungsmethoden oder der heutigen Bedeutung von Weihnachten auseinandersetzen.

Helena Brune von der HÖB und Linda Wilken von der Emsländischen Landschaft trugen ebenfalls einige ihrer Lieblingstexte vor. Die Idee für das Vorlesefrühstück kam Linda Wilken, als sie nach einem niedrigschwelligen Angebot suchte, an dem sich alle beteiligen können. „Wir haben im Rahmen zweier Veranstaltungen nun vor insgesamt 90 Leuten gelesen und die Vormittage kam nicht zuletzt wegen des tollen Frühstücksangebots und der qualitativ guten Texte super an“, so ihr Fazit. Eine Wiederholung des Vorlesefrühstücks und weitere plattdeutsche Veranstaltungen sind geplant. „Die Ideen gehen uns nicht aus und es ist schön zu sehen, dass sie so gut angenommen werden.“, freut sich Helena Brune.

Bildunterschrift: Gerd-Folkert Conens, Edeltraud Wotte, Finn Esselmann und Elia Schütte (v.li.) gestalteten das plattdeutsche Vorlesefrühstück (Foto: Emsländische Landschaft).

 
„Plattdeutsches Buch des Jahres“

HAMBURG

Eine zehnköpfige Delegation um die beiden Neuenhauser Heimatfreunde Berend Vette und Klaus Vorrink hat Anfang November in Hamburg den Preis für das „Plattdeutsche Buch des Jahres“ angenommen. „Uns ist eine sehr große Wertschätzung entgegengebracht worden“, sagte Klaus Vorrink. Ausgezeichnet wurde das Buch „De Tied blif Baas“, das Leben und Wirken des 1992 im Alter von 85 Jahren verstorbenen Neuenhauser Heimatdichters Karl Sauvagerd darstellt. Der Preis, der von der Carl-Toepfer-Stiftung verliehen wird, ist mit 2000 Euro dotiert. Die Verleihung war eingebettet in die 22. Plattdeutsche Buchmesse in Hamburg.

„Der Preis ist eine öffentliche Anerkennung nicht nur für die Herausgeber und die Autoren, sondern vor allem eine Würdigung für das Lebenswerk Karl Sauvagerds und somit auch für die Dialektliteratur in Deutschland und in den Niederlanden“, erläuterten Berend Vette und Klaus Vorrink bei der Feierstunde in der Niederdeutschen Bibliothek der Carl-Toepfer-Stiftung. Die aus fünf Mitgliedern bestehende Jury hatte das Werk für ein „herausragendes Beispiel für die Auseinandersetzung mit regionalen Autoren“ gehalten. Das Buch sei „reichhaltig ausgestattet und liebevoll gestaltet“, hieß es. „Die Herausgeber Berend Vette und Klaus Vorrink haben einen Querschnitt des literarischen Schaffens des Autors aus der Grafschaft Bentheim mit Beiträgen kenntnisreicher Fachleute zu einem herausragenden Lesebuch kombiniert“, befanden der Stiftungsvorsitzende Bernd Toepfer sowie Heiko Block, Präsident des Instituts für Niederdeutsche Sprache.

Das Buch kostet 25 Euro. Es ist erhältlich in Emlichheim bei Hannes Laden und bei Borghorst-Unverfehrt, in Neuenhaus bei „by Heike“, in Uelsen bei Mine, in Nordhorn bei „Aus Liebe zum Buch“ (nicht bei Thalia), in Schüttorf bei Moldwurf und in Bad Bentheim in der „Buchhandlung am Schloßpark“. Außerdem ist es bei Amazon zu bestellen. Geplant ist ferner ein Buchverkauf auf den Weihnachtsmärkten in der Innenstadt von Nordhorn und im Tierpark Nordhorn.


Ablauf der Preisverleihung
am Sonnabend 2. November 2019 um 11.00 in der Niederdeutschen Bibliothek in Hamburg

 

Die Carl-Toepfer-Stiftung ist eine Stiftung, die gemeinnützige und mildtätige Ziele verfolgt. Soweit das Formale. In Hamburg bekannt ist sie durch die Renovierung, Wiederherstellung, Restaurierung der Gegend um die Neanderstraße und Peterstraße mit dem neuen Namen "KomponistenQuartier". Ein gelungene historische Wiederherstellung eines alten Hamburger Quartiers. Dies unter dem Begriff der Denkmal- und Heimatpflege. Zusätzlich beschäftigt sich die Stiftung mit Jugendförderung und sozialem Wirken, Förderung von Kunst, Wissenschaft und Kultur in Hamburg und seinem Umland. Und letztendlich um die Förderung der niederdeutschen Sprache und Literatur.

Begrüßung
Bernd Toepfer,
Vorsitzender des Vorstandes der Carl-Toepfer-Stiftung

Laudatio auf die Preisträgerin/den Preisträger des Preises „Plattdeutsches Buch des Jahres“
des Instituts für niederdeutsche Sprache, Bremen, und der Carl-Toepfer-Stiftung, Hamburg
durch Heiko Block, Bremen

De Tied blif Baas – Karl Sauvagerd – Ausgewählte Texte und ein Lebensbild Plattdeutsches Buch des Jahres 2019 Laudatio zur Preisverleihung am 02.11.2019 Heiko Block, INS Bremen

Karl Sauvergerd, geboren 1906 in Gronau – Quelle: Lexikon niederdeutscher Autoren, Leer, Schuster Verlag 1976, herausgegeben vom Institut für niederdeutsche Sprache. So lautete der Eintrag auf einer Karteikarte, die ich irgendwann Ende der siebziger Jahre anlegte. Ein Stück spärlich beschriebener Karton, eingereiht in eine sich langsam aufbauende Sammlung von Namen niedersächsischer Autorinnen und Autoren, ein Projekt der Niederdeutschen Abteilung des Seminars für Deutsche Philologie der Uni Göttingen.

Ein Resultat meiner Sammlung von Namen war später meine Magisterarbeit zur Regionalliteratur in Niedersachen – Karl Sauvagerd blieb darin eine Fußnote, neben Karl von der Linde genannt als ein Autor, der in der Grafschaft Bentheim lebte, arbeitete und sich literarisch betätigte. Er blieb für mich ein weitgehend unbeschriebenes Blatt – eine fast leere Karteikarte.

Vor dem Hintergrund dieser spärlichen Kenntnisse können Sie sicherlich meine Verwunderung, mein Erstaunen nachvollziehen, als ich nun das heute zu lobende Buch in die Hand bekam. Die ebenso mutige wie signifikante Aufmachung – die Farbe Lila der Latzhosen der Frauenbewegung der siebziger Jahre als Grundierung für das Portrait eines älteren, sehr zufrieden wirkenden Mannes. Arrangiert vor dem Hintergrund einer Handschrift, wohl seiner Handschrift. Dann das schiere Gewicht der 418 Seiten im festen Einband, aus der ein lilafarbenes Lesebändchen herauslugt. Dieser Titel – „De Tiet blif Baas“. Und dann seine Texte, die mehr als die Hälfte des Buches ausmachen. Zu entdecken ist ein sprachlich versierter Autor, seine Themen sind breit gestreut, seine Texte empfindsam bis nahezu polemisch. Und immer am eigenen Erleben oder am Erleben der Menschen in seiner Umgebung orientiert. Verankert in seiner Umgebung, seiner Heimat im besten Sinne, selten volkstümelnd, selten idealisierend.

„De Tiet blif Baas“ - wiewohl der Dialektgeographie durchaus mächtig, staunte und staune ich über diesen Titel. - „Baas bliewen“, dat kennt een. Vörweg ween, babenup ween, dat Leit hebben - an so wat denk ik. Blots: kann de Tiet „Baas bliewen“, wo geiht dat an und wat hett Karl Sauvagerd meent? De dat rutfinnen will, mutt dat Book in de Hand nehmen - man to!

Un denn maak ik as een, de in de Masch in de Neegde vun Hamborg mit dat – dialektgeographisch - „nordniedersächsische“ Platt groot worrn is, mi so Gedanken, wo denn wull dat „t“ afbleven is, dat för mi to „De Tied blif Baas“ eegens noch darto gehört. – Ik segg blots: In dat Book kieken!

„De Tiet blif Baas“ ist ein hervorragend gestaltetes, klar gegliedertes, höchst informatives und ebenso anspruchsvolles Lesebuch. Es lädt dazu ein, sich mit Karl Sauvagerd, seinem Schreiben und seinem Leben intensiv zu beschäftigen – und gibt dieser Beschäftigung reichlich Lesestoff. Da ist die kurze, informative Einordnung der Texte Sauvagerds in die niederdeutsche Literatur des 20. Jahrhunderts. Da ist eine kenntnisreiche, sorgfältige Auswahl seiner Gedichte, Geschichten, Romane und Erzählungen. Und da sind die ausführlichen Kapitel über Leben und gesellschaftliches Engagement Sauvagerds sowie über seinen sprachlichen Hintergrund. Allesamt ordnen diese Kapitel den Autor und sein Schaffen in seinen Zeitbezügen, in seiner lokalen und regionalen Verankerung und in seiner Geschichte verständlich und nachvollziehbar ein. Dieses Lesebuch eröffnet somit zahlreiche Zugänge zu Karl Sauvagerd und seiner Bedeutung für seine Heimat und weist gleichzeitig über diesen manchmal als eng empfundenen Horizont hinaus.

Eine Preisverleihung wie diese ist nicht der Ort und die Zeit, sich umfassend mit Leben und Werk Sauvagerds auseinander zu setzen. Das zu lobende Buch lädt jedoch jede Leserin, jeden Leser dazu auf höchst attraktive Weise ein.

Zitat

Das sind die Leitlinien für die Jury, die aus jedem Buchjahrgang das „plattdeutsche Buch des Jahres“ auswählt. Die Jury war am Ende einhellig der Meinung, dass für „De Tief blif Baas“ mehrere preiswürdige Leistungen hervorzuheben sind. Verena Kleymann, Dr. Helmut Lensing und Prof. Dr. Dieter Stellmacher eröffnen in den von ihnen verfassten Kapiteln aus unterschiedlichen Perspektiven ebenso kenntnisreich wie umfassend Zugänge zu Leben und Werk Sauvagerds. Das Büro für Gestaltung in Nordhorn hat jede Menge kreative Ideen entwickelt und umgesetzt. Typographie, Komposition von Bild und Text in den einzelnen Artikeln, die sorgfältige Reproduktion der zahlreichen Fotografien folgen einer klaren Gestaltungsidee, die der Orientierung des Lesenden trefflich dient. Besonders zu ehren sind die Herausgeber Berend Vette und Klaus Vorrink, die zusammen mit einem großen Team ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer unter dem Dach der Heimatfreunde Neuenhaus dieses bemerkenswerte Buchprojekt auf die Beine gestellt haben. Von dem eher zufälligen Fund des Nachlasses über die konzeptionelle Arbeit an einem ambitionierten Projekt, die Gewinnung kompetenter Autoren und nicht zuletzt die Finanzierung einer Auflage von 3.000 Exemplaren war es sicher ein langer, anstrengender Weg. Diesen Weg bis zum Erscheinungsdatum Mitte dieses Jahres zu gehen, dafür gebührt Berend Vette und Klaus Vorrink hohe Anerkennung.

Karl Sauvagerd ist nun für mich kein unbeschriebenes Blatt mehr – Dank dieses herausragenden Buches. Gestorben ist der Autor am 6.2.1992 im Krankenhaus in Nordhorn. Selbst dieses biografische Detail rückt dieses Werk zurecht. Man hätte ihm zu seinen Lebzeiten ein solches Werk gewünscht.

Dank an die Carl-Toepfer-Stimmung, Dank an Herrn Töpfer für die großzügige Auslobung des Preises.

Dank an Frau Dr. Möller für die großartige Organisation und fachkundige Beratung rund um diesen Preis und

Dank an meine Mitstreiterin und meine Mitstreiter in der Jury, an Benita Brunnert, Volker Holm und Volker Ipsen.

„De Tiet blif Baas“ – lassen Sie sich von den zahlreichen Freundinnen und Freunden Karl Sauvagerds, die eigens zur Preisverleihung heute nach Hamburg gekommen sind, erklären, was sie unter diesem Titel verstehen. Gestatten Sie mir zum Schluss einen Gedanken abseits der eigentlichen Laudatio: Prägend für den heutigen plattdeutschen Büchermarkts ist es, dass Bücher dieses Formats nicht ohne kräftige finanzielle Unterstützung Dritter auskommen. Eine Bank, die Landschaft Emsland / Bentheim und die Stadt Neuenhaus haben zur Finanzierung eines aufwändigen Buchprojektes entscheidend beigetragen, ohne sie wäre dieses Projekt nicht möglich gewesen. Gibt es vor diesem Hintergrund eigentlich noch einen wirklichen Wettbewerb um das plattdeutsche Buch des Jahres? Namhafte Geldflüsse hier versus verlegerisches Risiko dort? Ist das noch fair? Und: kann und darf ein Wettbewerb derart unterschiedliche Publikations- und Distributionsbedingungen außer Acht lassen? Die Jury hat diese Frage nicht diskutiert, aber meines Erachtens ist sie aufgeworfen und sollte in naher Zukunft diskutiert werden.

Den Wert, den herausragenden Stellenwert von „De Tiet blif Baas“ unter den Publikationen des Jahrgangs 2018 / 2019 schmälern diese Erwägungen allerdings nicht. Nach der Publikation zu Carl von der Linde, die 2008 ebenfalls plattdeutsches Buch des Jahres wurde, ist aus der Grafschafter Ecke wiederum eine Publikation in den Büchermarkt gegeben, die durchaus Maßstäbe setzt.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit

Berend Vette, Heiko Block, Bernd Toepfer, Klaus Vorrink, Simone van Neß

Überreichung des Preises durch Bernd Toepfer

 

Danksagung Klaus Vorrink

Sehr geehrter Herr Töpfer, sehr geehrter Herr Block, sehr geehrte Jury, liebe Freunde der plattdeutschen Sprache.

Bernd Vette und ich, wir fühlen uns zutiefst geehrt, die Auszeichnung „Plattdeutsches Buch des Jahres“ für die Heimatfreunde Neuenhaus entgegennehmen zu dürfen. Wir freuen uns riesig über diese Ehrung, denn durch sie wird die viele Arbeit, unser Einsatz und das Herzblut, dass wir in dieses Werk gelegt haben wertgeschätzt und anerkannt.

Aber dieses Werk ist ein Gemeinschaftswerk und nur deshalb ist es so gut geworden! Bernd Vette und ich, wir waren die Initiatoren, verantwortlich für die Konzeption, die Organisation, die Durchführung und die Finanzierung.

Gefördert wurde diese Buch von der Grafschafter Volksbank, der Emsländischen Landschaft und der Stadt Neuenhaus.

Für das Auswählen, Ordnen und Auswerten der über 400 Werke Sauvagerds konnten wir die Autorin und Expertin Verena Kleymann gewinnen.

Die Biographie Sauvagerds und ihre Einordnung in die Zeitgeschichte lag in der Verantwortung des Historikers Dr. Lensing.

Sauvagerds Bemühungen zur Aussöhnung mit den Niederländern jenseits der Grenze nach dem 2. Weltkrieg durch die gemeinsame Sprache wurden durch
Prof. Dr. Dr. Stellmacher ausgewertet und beurteilt.

Für das Layout, die moderne, leserfreundliche Gestaltung war die Buchdesignerin Simone van Nes, die heute leider aus persönlichen Gründen nicht hier sein kann, verantwortlich.

Alle vier waren Experten! Jeder konnte seine umfangreichen Kenntnisse, Ansichten und Ideen einbringen. An dieser Stelle noch einmal ein ganz herzliches Danke dem ganzen Team für die gute Zusammenarbeit! Dieser Preis gehört uns allen!

Aber---, er gehört auch, und zwar vorrangig, unserem Heimatdichter Karl Sauvagerd! Die Aufgabe des Teams war es, das Vermächtnis dieses Heimatdichters zu erhalten und auszuwerten, damit es nicht verloren geht. Indem Sie, liebe Jury, dieses Buch auszeichnen, ehren und wertschätzen Sie Sauvagerds Lebenswerk und bestätigen uns, dass wir seine Bedeutung richtig eingeschätzt haben.

Was macht nun dieses Buch für alle Freunde der plattdeutschen Sprache so lesenswert?

Da sind zunächst einmal die vielen plattdeutschen Werke zur Heimat, zu nahezu allen Lebenslagen, den Jahreszeiten und zur Natur. Er kannte und beobachtete die Natur sehr gut und legte sogar ein umfangreiches Herbarium an, welches sich auch in seinem Nachlass befand. Wir haben es dem Naturwissenschaftlichen Museum in Münster übergeben. In fast prophetischer Voraussicht sah Sauvagerd die Bedrohung unserer Natur durch uns Menschen und verarbeitete diese Einsichten in seinen Werken. Bedenken Sie, dass seine Werke 50 Jahre und älter sind! Deshalb sind sie auch heute noch aktuell, man darf sie als klassisch bezeichnen.

Zu den Zielen der Heimatfreunde Neuenhaus gehört es, die plattdeutsche Sprache zu fördern, das hat sie mit der Töpferstiftung gemein. Wir tun dies mit diesem Buch und versuchen gleichzeitig, Plattdeutsch für zukünftige Generationen zu erhalten. Bei der Vorstellung unseres Sauvagerd Buches konnten wir 1200 Menschen, junge und alte, für die plattdeutsche Sprache begeistern, auch weil wir ein gutes Rahmenprogramm hatten! In Neuenhaus ist längst angekommen: „Plattdüitsch is cool“!
„To huus dat is doar, woar man miene Sproake proat“ ist der Heimatbegriff vieler Menschen.
Aber „To Huus is ok doar, woar di woarm üm´t Hatte word!“
Möge allen Lesern unseres Buches der Begriff Heimat wieder nähergebracht und dadurch warm ums Herz werden!

Danke

Harald Burmeister (Cello)

Lesung des Preisträgers/der Preisträgerin

Berend Vette

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

auch ich will meiner Freunde darüber, dass dieses Buch, „De Tied blif Baas“ zum plattdeutschen Buch des Jahres gekürt wurde, Ausdruck geben. Der Jury und allen Beteiligten meinen aufrichtigen Dank. Und ich habe mit Freude zur Kenntnis genommen, dass nun auch im Norden des Landes bekannt geworden ist, dass das Emsland und die Grafschaft Bentheim zwei zumindest selbständige Landkreise sind, aber in gewisser Weise auch unterschiedliche Regionen.

Die Auszeichnung „Plattdeutsches Buch des Jahres“ geht also in diesem Jahr in die Grafschaft Bentheim. Noch genauer nach Neuenhaus. Neuenhaus hat das große Glück, zwei bedeutende und über ihre Heimatgrenzen hinaus bekannte Heimatdichter gehabt zu haben: Das waren aus dem Ortsteil Veldhausen Carl van der Linde und aus Neuenhaus Karl Sauvagerd.

Das dichterische Werk des des Erstgenannten, Carl van der Linde, wurde vor 10 Jahren mit dem vielbeachteten Buch „Löö en Tieden“ gewürdigt und auch an dieser Stelle auch ausgezeichnet.

Bei der Arbeit mit Carl van der Linde stießen wir immer, auch weil er jünger war, auf den Namen des Heimatdichters Karl Sauvagerd. Außerdem war er vielen Mitgliedern in unserem Heimatverein noch bekannt.

Und dann trafen einige glückliche Umstände zusammen: Es gab natürlich zahlreiche noch bekannte Geschichten und Gedichte, die zwar in verblichenen, aber gesammelten Tageszeitungen, in Heimatkalendern, in Jahrbüchern des Kreisheimatvereins und in einigen herausgegebenen Büchern verwahrt wurden, aber keinen angemessenen Platz hatten.
Aber dann traf es sich, dass uns eines Tages die Tochter Sauvagerds einen erheblichen Teil aus dem Nachlass ihres Vaters überließ zum Verbleib und zur Verwendung bei dem und durch den Heimatverein Neuenhaus und sie teilte mit, dass auch noch Vieles an Nachlass zu erwarten sei, da es nach Neuenhaus gehöre. Und so sind wir dann eines Tages nach Uelsen, dem Nachbarort von Neuenhaus gefahren, wo die Tochter Sauvagerds lebt, um uns über diesen Nachlass zu erkundigen. Und sie stellte uns dabei den gesamten „dichterischen“ Nachlass ihres Vaters zur Verfügung.

Es war kaum zu fassen, was da an Material vorhanden war. Es war nahezu unfassbar, wieviel Sauvagerd geschrieben hatte: Gedichte, Geschichten, Romane, Lieder, Märchen.

So sind wir zunächst daran gegegangen, das dichterische Material zu digitalisieren. Vieles gab es nur als vergilbte, kaum lesbare Kopien und musste mühevoll abgeschrieben werden, Handschriftliches sowieso.

Bei der Beschäftigung mit dieser Literatur fiel uns auf, welch innige Verbundenheit bestanden haben muss zwischen diesem Dichter, seiner Heimat und seiner Lebenswirklichkeit.

Dabei merkten wir als Laien auch, dass das vorhandene „Material“ eine Qualität haben musste, das der Aufarbeitung von fachkundiger Stelle wert war. Wir waren davon überzeugt, dass das vorhandene Schriftgut mehr war als „plattdeutsches Geschreibsel“. Es sollte bewahrt, im wahrsten Sinn des Wortes aufgehoben und bewertet werden. Dabei entstand die Entscheidung, über das Werk Sauvagerds ein Buch herauszubringen, das allen diesen Ansprüchen genügte. Und davon konnten wir drei sehr kompetente Autoren überzeugen, die dieses Buch besonders wertvoll machen:

Verena Kleymann gibt als Lieraturwissenschaftlerin und Historikerin eine Hinführung in das Werk Sauvagerds und hat die Auswahl der Stücke vorgenommen, die in diesem Buch enthalten sind. Sie wird uns auch gleich noch einige Beispiele und die Begründungen für diese Auswahl nennen.

Dr. Helmut Lensing stellt im Anschluss daran eine Biografie Sauvagerds vor, in dem er auch die umgangreichen Interessensgebiete, Fähigkeiten und Intentionen dieses Mannes darstellt.

Prof. Dr. Stellmacher gibt in seinem besonders wertvollen Aufsatz eine Einordnung der plattdeutschen Literatur Sauvagerds als Dialektliteratur im ostniederländischen- westdeutschen Sprachraum.

Für das Erscheinungsbild dieses Buches haben wir Simone van Nes, eine sehr fähige Buchgestalterin, gewinnen können.

Wenn dann im Augenblick dieses Werk vor uns liegt, dann ist das eine Gemeinschaftsleistung, an der viele beteiligt sind, wobei Klaus Vorrink und ich nur die Fäden in der Hand hatten und zusammengehalten haben.

Worauf wir ein wenig stolz sind, ist die Tatsache, dass mit diesem Werk und auch mit der Herausgabe des Buches an einem Heimatabend am 25. September dieses Jahres mit 1200 Gästen eine posthume Ehrung und Würdigung dieses Mannes vorgenommen worden ist und noch wird, die ihm zeitlebens in seinem Heimatort versagt geblieben ist. Nicht ohne Grund taucht der Begriff „Heimat“ in seinem Werk überdurchschnittlich oft auf.

Heimatland

En as du sochs dat mööjste Lånd,
dann loop men nich soa wie -
de Heimat is dat mööjste Lånd,
dat bliff’t för alle Tied

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

 

Lesung Autorin Verena Kleymann

Sehr geehrte Damen und Herren,

er vermochte es, durch seine Worte das bäuerlich-ländliche Leben einer anderen Zeit, die heimatlich-idyllische Natur – aber auch den Fortschritt mit all seinen positiven wie negativen Seiten zum Leben zu erwecken.

Die Rede ist von Karl Sauvagerd (1906-1992), der in den Jahren von 1932 bis 1989 über 600 Titel (davon über 30 Prosatexte) verfasst hat.

Sein Repertoire umfaßte Gedichte, Märchen, Gebete, Lieder, Theaterstücke und Romane. Thematisch finden sich neben zahlreichen Naturschilderungen und Landschafts-betrachtungen Szenen aus dem täglichen Leben sowie einige wenige politisch motivierte Texte.

Im Folgenden möchte ich Ihnen einen Einblick in das Lebenswerk Karl Sauvagerds geben. Dafür habe ich exemplarisch fünf Gedichte und einen Prosatext ausgewählt, die ich Ihnen nun vortragen möchte. Ich bitte Sie im Vorfeld, eventuelle Versprecher zu entschuldigen. Ich habe plattdeutsch nicht als Muttersprache gelernt. Es ist gewissermaßen eine Fremdsprache für mich. Ich werde mich aber bemühen, alles verständlich vorzutragen.

Ich beginne mit „O, maakt nicht alle Grund terecht...“ (1936; S. 166-167)

Karl Sauvagerd hat sich in vielen Texten intensiv mit der heimatlichen Flora und Fauna beschäftigt. Dieses Gedicht ist ein Beispiel dafür. Er nutzt den Text, um den Rezipienten zu ermahnen, nicht all seine geliebten Moore und Heidegebiete zu vernichten, um Landwirtschaft zu betreiben, wenngleich er die Notwendigkeit dieses Handelns im Zuge der Nahrungsmittelknappheit durchaus nachvollziehen konnte. Sein besonderes Engagement gilt dem heimatliche Lebensraum. Seine Bewahrung ist ihm eine Herzensangelegenheit.

Ich habe dieses Gedicht u.a. ausgewählt, weil es eine gewisse Aktualität birgt. Auch in der heutigen Zeit wird immer wieder die Diskussion um Nachhaltigkeit und Naturbelassenheit im Gegensatz zur industiellen Landwirtschaft geführt gerade im politischen Umfeld.

Politisch wird Karl Sauvagerd auch in dem Antikriegsgedicht: „Stormteken“ (1959; S. 160).

„Nie wieder Krieg“ war das Motto der Friedensbewegung der Weimarer Republik, das in den 50-er Jahren wieder aufgegriffen wurde.

Das Gedicht „Stormteken“ finde ich so beeindruckend, da es gewissermaßen einem musikalischen Stück gleicht: Nach einem sanften Anfang in der ersten Strophe, in der eine Ahnung von Krieg liegt, steigert sich die Intensität des Textes in der zweiten Strophe einem Crescendo (lit. Klimax) gleich, um in der dritten Strophe seinen Höhepunkt zu finden. Gleichzeitig arbeitet Sauvagerd mit einer eindringlich vorgetragenen Wiederholung (löö, geewt acht, dat düüd’t up storm!), die bei dem Rezipienten eine gewisse Beklemmung hervorruft.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges hat sich Karl Sauvagerd gemeinsam mit anderen Autoren der Grenzregion um eine Annäherung mit den niederländischen Nachbarn bemüht. Das Gedicht „Unse Noabers“ (1953; S. 43-44) zeugt von diesen Bestrebungen.

Die grenzüberschreitenden Gemeinsamkeiten werden zum einen landschaftlich hervorgehoben (dieselben Gewächse und Landschaftsbilder sind diesseits wie jenseits der Grenze zu finden); zum anderen finden sich Gemeinsamkeiten zwischen den Bewohnern der Grenzregion. Das ausschlaggebende Merkmal hierfür ist die Sprache, die die Menschen der Grafschaft mit den holländischen Nachbarn verbindet.

Karl Sauvagerd zeigt immer wieder ein besonderes Feingespür für Stimmungen. Das Gedicht „Erinnerung“ (1955; S. 70-71) ist ein Beispiel dafür.

Ich finde, Sauvagerds Wortwahl zeugt von einem besonderen Einfühlungsvermögen. Sie ist präzise und stark, klar und bildgewaltig. Freudige Ereignisse werden neben traurige gestellt – ohne jede Wertung. Im Leben gibt es alles, Anfang und Ende, Kindheit und Alter, Fröhlichkeit und Trauer. Nichts hat Bestand, alles ist in Bewegung und verändert sich. Aber die Erinnerung, die bleibt uns.

Nach diesen vier Gedichten möchte ich Ihnen eine Schauergeschichte mit dem Titel „Dat Brandhuus“ (1948; S. 261) vortragen.

Bei dieser Geschichte handelt es sich um eine Zusammenfassung verwandter Erzählungen aus der Niedergra

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Autoren lesen und signieren
13:00 Uhr Yared Dibaba: „Swatt un platt“

 

Yared Dibaba begrüßte uns als seine Neuenhauser Freunde Und erzählte Spannende plattdeutsche Geschichten aus dem wahren Leben!

Das Leben kann schon kurios sein: da trifft Yared Dibaba bei einem Besuch in seiner Heimat Oromia einen weißen Plattsnacker aus Norddeutschland, der sich bannig freut und in Yared ein Stück Heimat findet – dies ist nur eine von über 30 Geschichten, in denen der swatte Plattsnacker auf seine unverwechselbare Art und Weise über all das erzählt, was ihm so in seinem Alltag begegnet.

14:00 Uhr Ingrid Straumer: „Mammut Hansen“
15:00 Uhr Wolfgang Mahnke: „Returkutsch“
16:00 Uhr Rainer Schobeß: „De Ehrengäst“
17:00 Uhr Carl-Heinz Dirks: „Hayo Schütte -
De Ünnergang vun de Rawalpindi“
17:30 Uhr Günther Ihmels: „Boot un Dood“

Sonntag, 3. November 2019
Evangelische Messe op Platt
Hauptkirche St. Michaelis
10:00 - 11:30 Uhr

Hamburgs Michel

453 Stufen hat der Hamburger Michel, vom Eingang bis zur Spitze. Und die größte Turmuhr Deutschlands - allein der große Zeiger ist fast fünf Meter lang. Das Gotteshaus war lange Zeit das Erste und Letzte, was Seeleute auf großer Fahrt von Hamburg sahen. Das machte ihn zum Wahrzeichen der Hansestadt, denn der Anblick des Michels bedeutet für viele Heimat.

Mehr als eine Kirche

Heute wird die Kirche St. Michaelis nicht nur für Gottesdienste, Konzerte und Hochzeiten genutzt. Auch Wirtschaftskongresse, Motorradgottesdienste und Trauerfeiern finden dort statt. 2015 etwa wurde im Michel die Trauerfeier für den früheren Bundeskanzler Helmut Schmidt ausgerichtet, an der 1.800 geladene Gäste aus dem In- und Ausland teilnahmen.

Zehn Glocken und vier Orgeln

Der Turm des Michels ist mit 132 Metern nach dem Fernsehturm (272 Meter) und dem Turm an der Ruine der Kirche St. Nikolai (147 Meter) der dritthöchste Turm Hamburgs und besitzt insgesamt zehn Glocken. Die beiden Uhrschlagglocken fehlten jedoch fast einhundert Jahre, sie waren 1917 während des Ersten Weltkriegs für die Waffenproduktion eingeschmolzen worden und wurden erst 2016 - finanziert durch Spenden - ersetzt.

Mehr als eine Kirche

Heute wird die Kirche St. Michaelis nicht nur für Gottesdienste, Konzerte und Hochzeiten genutzt. Auch Wirtschaftskongresse, Motorradgottesdienste und Trauerfeiern finden dort statt. 2015 etwa wurde im Michel die Trauerfeier für den früheren Bundeskanzler Helmut Schmidt ausgerichtet, an der 1.800 geladene Gäste aus dem In- und Ausland teilnahmen.

Zehn Glocken und vier Orgeln

Der Turm des Michels ist mit 132 Metern nach dem Fernsehturm (272 Meter) und dem Turm an der Ruine der Kirche St. Nikolai (147 Meter) der dritthöchste Turm Hamburgs und besitzt insgesamt zehn Glocken. Die beiden Uhrschlagglocken fehlten jedoch fast einhundert Jahre, sie waren 1917 während des Ersten Weltkriegs für die Waffenproduktion eingeschmolzen worden und wurden erst 2016 - finanziert durch Spenden - ersetzt.

Evangelische Messe op Plattdüütsch
zur plattdeutsvchen Buchmesse der Carl Toepfer Stiftung

20 . Sonntag nach Trinitatis
3. November

Mitwirkende
Die Gemephinde der Michaeliskirche
Predigt: Gerd Spiekermann
Liturgie: Pastor em. Volker Schauer
Lektor: Peter Bossen
Orgel: Cristoph Schoener
vielleicht werden wir den Gottesdienst noch in Plattdeutsch veröffentlichen

Ab 11.30 wieder zur Buchmesse in den Lichtwarksaal

Autoren lesen und signieren

11:30 Uhr Silke Frakstein: „Voß un Haas“
12:00 Uhr Christoph Prang: „In de Nootopnahm“
13:00 Uhr Matthias Stührwoldt: „Knackwust“
15:00 Uhr Rainer Kramer: „Voltaire - Candid“
15:30 Uhr Anke Ortlieb: „Mäh! Maa! Möh! Versteihst?“
16:00 Uhr Abschlusskonzert in der Bibliothek „Fofftein“

Beantwortung von vielen Fragen auf der Buchmesse:

1. Was beinhaltet dieser Preis?

Der Preis ist eine öffentliche Anerkennung nicht nur für die Herausgeber und die Autoren, sondern vor allem eine Würdigung für das Lebenswerk Karl Sauvagerds und somit auch für die Dialektliteratur in Deutschland und in den Niederlanden.

2. Welches Gedicht Karl Sauvagerds sollte jeder lesen?

I heb gin tied

As Jan noch so ’n kläin jünkien was,
dan mus hee nå de schole hen,
want hee sul jå wat leer’n.
Hee wol nich, – hee wüs noch nich völ
van mötten en van söll’n, –
hee sä: Nå schole gåån? Nee, nee,
ik heb gin tied – , möt spöll’n!

Jan mus wal hen, et hölp em niks,
Nu was ’t mangs så, dat hee in huus
bij schoolarbäiden sat,
sul hee dan dit of dat is doon,
dan wol hee dat nich geern,
dan sä hee: nu bin ’k völls te drock,
ik heb gin tied, – möt leer’n!

As Jan dan later grötter wöörd
door wöörd hee ’n iewrig drocken keerl,
was dull heer achter’t geld.
As eene sä: röst dij is uut!
dan rööp hee: ik bin stark!
Uutrösten? Nee, – ik heb gin tied,
ik heb noch så völ wark!

Jan knoojde, warkde dag en nacht,
hee kennde ginne röst,
hee at nich völ en drünk nich völ
en wöörd schattriek antlest.
Met füftig joor’ mål was’t dåån,
door wöörd hee krank, – o nååd!
„Ik-heb-gin-tied!“, rööp Jan. – En dan,
dan haalde em de Dååd.

O maakt nicht alle Grund torecht

O, maakt nich alle Grund terecht,
to Ackerland, to Moat enn Wäide,
loat’t hier enn doar enn Hökin fry,
enn Streepien Fenn, enn Stückin Häide,
datt hier und doar enn Hökin bliff,
soa, aß ett uns de Herrgott giff.

O, haut nich alle Heegen futt,
verbrannt nich all de Brömmelbüsche,
enn maakt nich alle Kölke to,
woar wijlt noch waßt Wee’n, Löis enn Rüschen,
loat’t wassen doch denn gellen Broam,
denn Woagebuß, denn Barkenboam!

Woar is ’t, uns Vaderland bruukt Broat,
doarföär mött wy nu eärst wall sorgen,
enn hebb’ wy nu ock noch ginn Noat,
wy mött’ doch däinken ock an morgen,
drüm geet datt upp de Duur ock nich,
datt all de Grund doar soa menn ligg!

Men doch: ’t was naar, als all de Grund
Nu wott to Land, to Wege, Stroaten!
Want woarföär heff de Herrgott uns
de Häide doar dann wassen loaten?
Is de Natur hier denn nich weärt,
datt man se ’n bettin acht enn eährt?

Noch is ’t in unse Groafschupp moj,
o sorgt doch, datt datt soa mag bliewen!
Mött wy ut unse Heimatland
dann alle Mojegkäit verdriewen?
En ’n mojsten Goaren upp de Dur,
datt is en bliff doch de Natur!

Drüm maakt nicht alle Grund terecht
loat’t hier enn doar enn Hökin frÿ,
enn Streepien Fenn, enn Stückin Häide,
datt hier und doar enn Hökin blif,
soa, aß ett uns de Herrgott gif.

 

Stormteken

An de see de möwen fleget,
upgereegd se sik beweget
up en daal in ’n groten sworm;
stil wöörd’t eerst, nu wodt et düster,
schipper seg: ’t lat orig biester,
löö, geewt acht, dat düüd ’t up storm!

Ower ’t land de wolkentöppe
trekt heel wild, en grummelköppe
swelt in rare klöör en form;
noch wil ’t onweer nich beginnen,
men de buur rop: gaww na binnen,
löö, geewt acht, dat düdd’t up storm!

„Nooit weer Krieg!“, så heb wij ropen.
Men nu möt’t de jungs weer lopen
in soldaten–uniform;
rüstung wod weer groot bedrewen,
wat is van unse ropen blewen?
Löö, geewt acht, – dat düdd’t up storm!

  Twee Welten

„Die Bäume verschwinden!“
Met ’n füüråd gesicht
steet den planer, en bit up de tande:
„Der Fortschritt braucht Straßen! Kapiert ihr das nicht?
Ihr steht uns im Weg – sture Bande!“

„De boeme bliewt ståån! Dit is miene grund,
baut doch wieder door buten uw’ stråten, –
hier wunn ick, hier hebt miene vööraulers wunnt,
will ij uns verdriewen, verståten?“

„Was alt ist, muß fort! Denn was kümmert die Welt
euer Eigentum, Recht und solch’ Sachen?
Und hinter uns steht doch die Macht und das Geld,
wir bestimmen, da könnt ihr nichts machen!“


„Dat wi ’k doch versöken! Noch gif ’t en gericht,
en nen anwalt kan ’k ok noch betalen,
miene heimat, dat seg ik uw glat in ’t gesicht,
dee söl ij så makkelk nich halen!“

Twee welten:
fanatisch rop een ’n: so möt ’t fut,
de mensschen, göörns, hüse en karken!
Den andern wil fastholl’n, wat stark is en guud,
woor ok noch de kinder könnt warken.

En ’t äinde?

Aarm, fut jaagd döör planer, gericht,
verloren goorn, boeme en hüüssien. –
Up ’n asphalt door luurd men sien lepe gesicht
Dan de düwel en lacht sik in ’t füüssien!

Men – baas blif he nich!
Unverdachts kump den slag,
den löt em en sien hoogmootswark starwen ...
De baas blif doch een’n, den besit alle macht,
en den lat sik sien wark nich verdarwen!

Du aule stadt, ik söög dij kottens weer,
tofallig köm ik hier is mål weer döör,
wu lange hadd’ ik dij al nich meer seen,
mij dünkt, hååst dattig jore kun ’t wal wee’n.

Du was så mooj, de stråten schier en schåån,
prachtvulle aule hüse söög men ståån,
nen kläinen see, nen park, nen mojen wall,
en göörns, en blomen, büssche owerall.

Så was dat froger, en ick söög dij geern,
men du bis wassen, du bis nu modeern,
ik was nijsgierig, – man vertellde mij
van grote bauten, grote industrie.

Nu söög ik dij, – ik söög dij met pläseer,
du grote stadt, ik kennde dij foorts weer,
du moje stadt, men hef gin kwååd dij dåån,
wat ault en guut was, dat bleef wal beståån.

De nije große stråte geet ümtoo,
met völ verkeer, völ hååsten en gedoo,
dat aule deel lig up de rechte siet,
en links dat nije industriegebied.

hoog van de brügge keek ik up dij daal,
tweel welten söög ik, – jå, så was et wal:
rechts menschlik wunnen, in natuur en gröön,
en linkerhand niks as beton en steen.

Rechts hüse, groot en kläin, så wij se kennd,
links hoge töörns, wunnsilo’s uut zement,
hier parks, – en hoge wolkenkrabbers door,
men unse tied wil bäides, dat is woor.

 

Twee welten könnt beståån in eene stadt,
as ieder ok den andern lewen lat, –
men: is mål narg’ns meer ’n „Babeltoorn“ te seen,
dan kump weer de natuur döör met eer gröön!

Use Noabers

As wij ower ’n streep gooat kieken,
dan kom wij nich in ’n heel frömd land;
want de natuur döt net soa lieken
an disse as an genne kant’.

Dat sölwde land, de sölwde wäide,
de sölwden boeme hier an door,
de sölwde grund, de sölwde häide,
dat sölwde weer ok joor föör joor.

De äigschen löö ok an weers kanten,
– en of du hier of door nu gees,
du sös de sölwden deer’ en planten,
hoast al’s is hier en door allees.

De Vechte flööjt bij uns.
En later, dan geet se in uns noaberland,
et blif doch een en ’t sölwde water
an disse an an genne kant’.

Best kump ok met ’n streep terechte de
Dinkel: see flööjt Neerland döör,
dan weer, bij Nijnhuus, in de Vechte,
en doormet dann noa ’t Ysselmeer.

In wekke land bint eere quellen,
woor se gooat hen, woor se kommt
heer, dat alles kan eer garniks schellen,
ne grense gif ´t nich föör eer.

Föör us bint nich soa licht de saken,
men as wij ’t us recht owerlegt,
dan denk’ wij: kunn wij ok soa maken,
dan was dat spillechien nich slecht!

As wij is ower’n streep goat kieken,
dan kom wij nich in ’n heel frömd land,
want alles döt presies soa lieken
n disse as an genne kant’.

Weers kanten wunt de äigschen mensschen,
weers kanten wod allees hooast proat’t,
soa kump ’t ok, dat de Groafschup Benthem
en Holland sik soa best verstooat.

En dit verstooan sal altied bliewen,
– lop ok de tied mangs noch soa raar,
möögt mensschen ’t ok mangs arig driewen,
– want noaberlöö holt to mekaar!

Unse Heimatland

Mooj is unse heimatland,
mooj de klippen, fen en sand.
sappig gröön löcht’t feld en wäide,
heerlik blööjt de wiede häide;
blomen blööjd an ieder kant’,
mooj is unse heimatland!

Mooij is unse heimatland!
De Vechte flööjd as sülwern band
tüschen land met gauld´ne sååten,


tüschen busch en gröne måten,
bunte klören an den rand,
mooj is unse heimatland!

Mooj is unse heimatland,
’t hault uns fast met gauldnen band.
Aule hüse, fast en krachtig,
starke Eken, breed en machtig,
flietig buur’n en börgerstand,
mooj is unse heimatland!

Mooj is unse heimatland,
woor wij güngen hand in hand,
woor up flinke junge föte
uns de leewde kömp temöte,
fast sik hef in’t harte brannd:
mooj is unse heimatland! 43

Heimatland

En as du sochs dat mööjste Lând,
dann loop men nich soa wiet –
de Heimat is dat mööjste Lând,
dat bliff’t för alle Tied.

3. Wie groß war der Anteil der Holländer an dieser "niederdeutschen Koproduktion"?

Der Anteil der Holländer liegt in der Sache selbst begründet, nämlich in einer gemeinsamen Sprachgeschichte mit den "Oosterburen" und den damit zusammenhängenden Gefühlen von "wir" und "ihr".

4. Was lässt sich zwar platt sagen, aber nicht in den beiden Hochsprachen?

Prinzipiell lässt sich alles so oder so sagen. Allerdings transportiert jede Sprachform, die dialektale und die standardsprachliche, verschiedene Gefühlswerte und das Wissen, wann und  wo man wie etwas äußern sollte. So kann man niederdeutsch Moors sagen, wo man es hochdeutsch nicht tun würde und umgekehrt. Also, jede Sprache kennt ihre (historisch veränderbaren) Anwendungsregeln, d.h. ihre sozialen Zuständigkeiten.

5. Was hätte Karl Sauvagerd von dieser Anerkennung gehalten?

Er hätte sich sicher gefreut, bestätigt gefühlt und in der Hoffnung bestärkt, dass dat aule Platt diesseits und jenseits der Grenze eine Zukunft hat.

Danke Verena, Berend, Dieter, Helmut, Carsten, Edeltraut, Dita + Helga

 

Kulturfestival „PlattSatt“ beginnt mit lautem Startschuss

Plattdeutsch-Künstler begeistern in Freren

Das Kulturfestival „PlattSatt“ der Emsländischen Landschaft e.V. mit insgesamt 15 Veranstaltungen für alle Altersgruppen startete am vergangenen Freitag in Freren. Im Kulturzentrum Alte Molkerei begeisterte der Entertainer Gerd Spiekermann mit seinen gewohnt trocken präsentierten Alltagsbeobachtungen die rund 80 Zuschauer, während Jochen Wiegandt mit bekannten Stücken zum Mitsingen animierte. Doch auch andere Akteure des Festivals waren eingeladen und präsentierten in kleinen „Appetithappen“, was die Besucher des Festivals in den kommenden zehn Tagen noch erwarten würde. Maria Lögering berichtete in einer von Gerlinde Schmidt-Hood moderierten Talkrunde vom geplanten Erzählcafé im Professorenhaus in Lingen und hatte sogar ihre alte Kaffeemühle mitgebracht, um die sich viele Geschichten ranken. „Wir werden uns unter anderem darüber unterhalten, wie es früher war, wenn es sonntags Bohnenkaffee gab und das ganze Haus danach duftete.“

Gerd Lübben von Groafschupper Plattproater Kring informierte über den Leseabend in Itterbeck, an dem sich über 20 Vereinsmitglieder beteiligen und Texte Grafschafter Autoren vortrugen. Gerd Spiekermann präsentierte nicht nur Geschichten aus seinem Bühnenprogramm, sondern berichtete auch über seine Mitwirkung am Zeichentrickfilm „Ritter Trenk op Platt“. Dort schlüpfte er in die Rolle eines alten, gediegenen Grafen. „Das passt“, fand Spiekermann. Der erste und mit dem plattdeutschen Jugendpreis „Lüttjepütt“ ausgezeichnete plattdeutsche Film wird am kommenden Sonntag zweimal im Rahmen von PlattSatt aufgeführt, im Hasetor-Kino in Haselünne und im Jugendhaus „Treff 10“ in Bad Bentheim.

Auch in die Alte Molkerei gekommen waren Tim Mahn und Hermann May, die am kommenden Freitag gemeinsam im Ludmillenhof Sögel einen „Hümmlinger Abend“ gestalten. Hermann May hat 2016 mit seiner Anthologie „Hüügen un Haefst“ den Preis „Plattdeutsches Buch des Jahres“ gewonnen und präsentierte seine unsentimentale und vielschichtige Lyrik. Aber auch eine unterhaltsame Kurzgeschichte darüber, was einem auf einer Autobahnraststätte widerfahren kann, hatte er im Gepäck. Zusammen mit Tim Mahn ist er bereits im vergangenen Jahr in Börger aufgetreten und mittlerweile sind der Autor und der Musiker ein eingespieltes Team. So hat Mahn aus dem Gedicht „Maemme-Blues“ von May eine mitreißende Version komponiert und wagte sich auch an plattdeutsche Varianten von „Let it be“ und „Imagine“ heran. Dabei gab der Werlter Mahn zu, dass er sich damit vor einem Jahr auf ungewohntes Terrain begeben hatte. Eigentlich ist er mit eigenen hochdeutschen und englischen Songs unterwegs und hat erst im September erfolgreich am Musikwettbewerb „Hümmstar“ der Stadt Werlte teilgenommen. Den ersten Platz belegte er dort mit seiner Band „Bourbon Connection“, den dritten Platz als Solokünstler. In Freren anwesend war auch Helena Brune vom Historisch-ökologischen Zentrum in Papenburg. Sie veranstaltet dort ein plattdeutsches Vorlesefrühstück, bei dem Plattproater aus drei Generationen ihre Lieblingstexte vorlesen. Dazu gibt es ein leckeres Frühstück mit selbstgebackenem Brot und regionalen Produkten. Auch in der Alten Molkerei war für das leibliche Wohl mit Weggen und Spiegeleiern bestens gesorgt. Organisatorin und Vorsitzende des Vereins Kulturkreis Impulse e.V. Bärbel Bründermann betonte bei ihrer Begrüßung, wie sehr sie sich freue, dass die Alte Molkerei als Veranstaltungsort für die Eröffnung von PlattSatt ausgewählt worden wäre, da das Festival zur Förderung der Sprache beitrüge.

Linda Wilken von der Emsländischen Landschaft hat bereits mit den Planungen für „PlattSatt“ 2020 begonnen. „Die Mitmachangebote wie das Vorlesefrühstück und das Erzählcafé waren in diesem Jahr sehr schnell ausverkauft.“ Für nächstes Jahr habe sie daher schon weitere Formate geplant, an denen sich Plattdeutschbegeisterte aktiv beteiligen können. „Ob Einzelperson, Gruppe oder Verein: Wer Interesse hat, sich in der nächsten Runde „PlattSatt“ einzubringen und zum Gelingen des Festivals beizutragen, ist herzlich willkommen und kann sich gerne an mich wenden.“, so Wilken. Ihre Kontaktdaten sind unter www.emslaendische-landschaft.de zu finden.

Foto: Gerd Spiekermann nimmt Alltagserlebnisse gekonnt unter die Lupe (Foto: Emsländische Landschaft).
Vorlesefrühstück bringt drei Generationen zusammen
Neue plattdeutsche Formate in der Papenburger HÖB sehr erfolgreich

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „PlattSatt“ der Emsländischen Landschaft fanden im Zentrum für Generationen der Historisch-ökologischen Bildungsstätte HÖB in Papenburg erstmals zwei Vorlesefrühstücke statt. Die Nachfrage bei dem zweiten Frühstückstermin war so groß, dass kurzfristig auf das Don Bosco-Heim ausgewichen wurde. Interessierte Plattprooter waren eingeladen, Geschichten oder Gedichte vorzutragen. Wer wollte, konnte auch einfach nur zuhören und ein Frühstück mit vielen selbstgemachten Leckereien genießen.

An den Vormittagen beteiligte sich die Ludgerusschule Rhede mit ihren Schülern Finn Esselmann, Gerd-Folkert Conens und Elia Schütte mit der pädagogischen Mitarbeiterin Edeltraud Wotte. Die Schüler hatten bereits erfolgreich am plattdeutschen Lesewettbewerb teilgenommen und beeindruckten die zahlreichen Zuhörer mit ihren lebendigen Vorträgen. Ihr Können kommt nicht von ungefähr, schließlich steht Platt in der Ludgerusschule schon lange auf dem Stundenplan, was ihr im vergangenen Jahr die Auszeichnung „Plattdeutsche Schule“ des Niedersächsischen Kultusministeriums eingebracht hat.

Auch die pensionierte Lehrerin Angela Klaßen unterhielt mit ihren selbstgeschriebenen humorvollen und nachdenklichen Geschichten und Gedichten, die sich zum Beispiel kritisch mit modernen Erziehungsmethoden oder der heutigen Bedeutung von Weihnachten auseinandersetzen.

Helena Brune von der HÖB und Linda Wilken von der Emsländischen Landschaft trugen ebenfalls einige ihrer Lieblingstexte vor. Die Idee für das Vorlesefrühstück kam Linda Wilken, als sie nach einem niedrigschwelligen Angebot suchte, an dem sich alle beteiligen können. „Wir haben im Rahmen zweier Veranstaltungen nun vor insgesamt 90 Leuten gelesen und die Vormittage kam nicht zuletzt wegen des tollen Frühstücksangebots und der qualitativ guten Texte super an“, so ihr Fazit. Eine Wiederholung des Vorlesefrühstücks und weitere plattdeutsche Veranstaltungen sind geplant. „Die Ideen gehen uns nicht aus und es ist schön zu sehen, dass sie so gut angenommen werden.“, freut sich Helena Brune.

Bildunterschrift: Gerd-Folkert Conens, Edeltraud Wotte, Finn Esselmann und Elia Schütte (v.li.) gestalteten das plattdeutsche Vorlesefrühstück (Foto: Emsländische Landschaft).

 

Märchen un Musik up Platt

Kulturfestival „PlattSatt“ macht Station in Emsbüren

Schüttorf | Samstag, 19. Oktober 2019 | 20:00 Uhr „Laat di nich piesacken!“ Comedy und Musik mit „Wolfmeier und Lorenzen“ Bärbel Wolfmeier und Inge Lorenzen nehmen Alltagserlebnisse humorvoll unter die Lupe und bieten Unter - haltung ganz anderer Art, nämlich plattdeutsche Textperformance in Kombination mit Folk/Jazz/Rock. IngeSophie Lorenzen interpretiert den irischen Folksong genauso gekonnt wie ihre plattdeutsche Version von „Mercedes Benz“. Selbst vor den Toten Hosen macht sie nicht halt. Mit ihren Liedern begleitet sie die Texte von Bärbel Wolfmeier, erfolgreiche Poetry-Slam-Poetin, Lyrikerin und Radiosprecherin beim NDR für die platt - deutsche Sendung „Hör mal´n beten to“. Gemeinsam legen die Powerfrauen ein plattdeutsches Programm aufs Parkett, das man so noch nicht erlebt hat. Veranstaltungsort: KunstWerk, Ohner Str. 12, 48465 Schüttorf Eintritt: 7 Euro; Eintrittskarten können Sie direkt im KunstWerk, telefonisch unter 05923 9023554, per E-Mail unter info@kunstwerk-schuettorf.de oder unter www.proticket.de (zzgl. Systemgebühren) und bei allen ProTicket Vorverkaufsstellen erhalten.

Die Veranstaltung ist Teil des Kulturfestivals „PlattSatt“ der Emsländischen Landschaft e.V. und findet in Kooperation mit dem Kulturkreis Emsbüren statt. Das vollständige Programm des PlattSatt-Festivals ist auf der Homepage der Emsländischen Landschaft einsehbar ( www.emslaendiche-landschaft.de ) oder kann telefonisch bestellt werden. Für Auskünfte steht die Fachstelle Plattdeutsch (Tel: 059314964213, plattsatt@emslaendische-landschaft.de ) zur Verfügung.

 

Programm PlattSatt! - Festival

GN 28.10.2019

 

Bunter Abend mit „Vertellsels“ und Gedichten

Plattdeutscher Lese- und Liederabend sorgt für gute Stimmung auf Hof für Heimatpflege in Itterbeck

Von Johann Vogel

ITTERBECK Im Rahmen des niederdeutschen Kulturfestivals „PlattSatt“ hatte die Emsländische Landschaft vom 18. bis zum 27. Oktober ein vielfältiges Programm für die Grafschaft Bentheim und das Emsland organisiert. Bekannte Künstler aus der Plattdeutschszene begeisterten mit ihren Geschichten und Liedern und zahlreiche Veranstaltungen luden zum Mitmachen ein.

In der fast bis auf den letzten Platz besetzten Konzertscheune auf dem Hof für Heimatpflege in Itterbeck fand am Freitagabend ein „Groafschupper Lese- en Lederoawend“ statt. Der Groafschupper Plattproater Kring bot den Besuchern einen bunten Mix aus nachdenklichen und heiteren plattdeutschen „Vertellsels“ und Gedichten, vorgetragen von den Mitgliedern des Plattproater Krings, und viele musikalische Beiträge, begleitet von den Kring-Musikern Heinrich Vos, Jan Lübben, Alfred Semlow und Marcel Boermann. Durch das Programm führten Gerda Künnen und Albert Rötterink.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung am Freitagabend standen Geschichten und Gedichte der „plattdüütschen Dichter und Schriewer ut de Unnergroafschup“. Dazu gehörten unter anderem Hermann Bleumer aus Tinholt („Bij Besseva up’n Hoff is schlacht wödden“), Wilhelm Buddenberg aus Neuenhaus (u.a. „Huusbesöök“), Heinrich Hensen aus Osterwald („Denn Wiehnachtsboam“), Karl Naber („Wat’n Weär“) und Carl van der Linde („Dat aule Platt“) aus Veldhausen, Jan Smoor aus Alte Piccardie („Harwst en Sommer“), Karl Sauvagerd aus Neuenhaus („De Burenfrau“ und „Denn Burenstand“), Janette Boeerigter aus Wilsum („Dat Krijntenstütien“) und andere.

Besondere Aufmerksamkeit und viel Beifall erhielten Jana Balder aus Hestrup und Joah Gerritzen aus Wilsum für ihre Siegerbeiträge, mit denen sie beim plattdeutschen Lesewettbewerb auf Landesebene den ersten Platz belegten. Die 17-jährige Jana beeindruckte mit „Ienparken is gar nich soa licht“ und „De nije Buckse“, der 12jährige Joah trug „Fröinde“ und „Slimm undöönkt“ vor.

Die Kringmusiker unterhielten zusammen mit dem großen Chor der Plattproater das Publikum mit „Oh, wat is‘t moij iene Groafschup“, dem „Itterbecker Leed“,

„Groafschupper Platt“, „Dat Huus met gröne Gewels“, „O Häideland – mien Heimatland“, „Du liggs mij an’t Hatte“, „Wees du wovöll Steernties stoat“, „Wijnd en Meer nich vergeet“ und zum Abschluss mit dem gemeinsam gesungenen „Ginn moijer Land“.

In seinem „Woard an’t Äinde“ der fast dreistündigen, sehr kurzweiligen Veranstaltung gab Albert Rötterink den 140 Besuchern zum Abschluss mit auf den Weg: „En vegett’t nich, platt te proaten, woar’t ock geet en met well ock all.“

 

Für gute Stimmung in Itterbeck sorgten die Kringmusiker (von links) Heinrich Vos, Jan Lübben, Alfred Semlow und Marcel Boermann.

Mitglieder des Plattproater Krings mit dem 1. Vorsitzenden Albert Rötterink (rechts) und den Landessiegern im plattdeutschen Lesewettbewerb: Jana Balder und Joah Gerritzen.

Freitag 25. Oktober 2019 19.30 Uhr

Plattdüütschen Lese- en Lederoawend
up'n Heimathoff in Itterbeck

De Groafschup Bäinthem, en besünners de Unnergroafschup, heff in de vegoanene Joaren 'ne heele Riege plattüütsche Dichter en Schriewer had. Doarto täilden Hermann Bleumer, Willhelm Buddenberg, Heinrich Hensen, Karl Naber, Carl van der Linde en Karl Sauvagerd. Eene Utwaal van eäre Gedichte en van dat wat se schrewen hebbt, wödd an dissen Oawend van Lidds van'n Groafschupper Plattproater Kring vöardrögen. Ock twee Schoolkinner, de bij denn plattdüütschen Lesewettbewerb van dit Joar metdoan hebbt, bint debij.
Denn Groafschupper Plattpraoter Kring maakt ock Musik dorabij en sijng plattdüütsche Leder.

Musik to'n Beginn

Willkummenswoart ( Albert Rötterink van'n .Groafschupper Plattproater Kring)

Grußwoart ( Birgit Baumann van de Emsländische Landschup )

Leed: Itterbecker Leed, up hochdüütsch

Das Glöckchen schweigt (up hochdüütsch), von Gerhard Rökker (Gerda Rieger)

Leed: Groafschupper Platt

Gedicht: Dat aule Platt, von Carl van der Linde (Gerda Künnen)

Van unse aule Modersproak’,
De ny kump wer to Ehre,
Groafschupper Platt, vertell ick U
De echten aulen Wöre.

Dat Platt, wat all in frohste Tied
Wörr in de Groafschupp sprocken,
Wo slicht en eenfach, fromm en gut
Dat Volk met up is trocken.

Dat Platt, wat an de Wege all
De Moder uns heff sungen,
Wat uns van alle Sproaken noch
An moijsten altied klungen.

Als kläine Kinder, wo de Moor
Noch harr up uns te passen,
Dor was dat aule, gude Platt
Uns all an’t Hatte was wassen,

En düssen in de Schole wy
Ok nix as Hochdütsch proaten,
Wy spröken Platt, soa gau as wy
Men kwammen up de Stroaten.

En worüm sull’n wy dat ok nich?
Platt harr nen guden Namen,
Wy bruukden met uns’ Modersproak
Uns vör gineen te schamen.

In use Böke fünnen wy
Plattdütsch wall nich te lesen,
Men Vaar en Moder spröken Platt,
D’rüm kunnt soa slecht nich wesen.

En wy proat unse Platt verdann
En hault et hoch in Ehren,
En unse Kinder alle söllt
Groafschupper Platt wer leren.

Soa hault de aule Sproake sick,
De wy soa geern mögd lieden,
Noch Dusende van Joahren noch
Bis in de laatsten Tieden.

Gedicht: Holland en de Groafschup Bäinthem, v. C.v.d. Linde (Herman Schepers)

O, wat was dat Lewen heerlik,
O, wat was dat Lewen fien,
Wenn de Menschen nich begehrlik,
Wenn sick alle muggen lien!
Nu kiekt in de wiede Runde:
Harre, harre geht’t mangs drupp ¾
Men de Groafschupp hault met Holland
Altied gude Noaberschupp!

Seht noa’t Oosten, Süden, Westen,
Overall datsölve Spill:
Een will andre owerwinnen,
Willt se nich, as he wall will,
Soa wot Freundschupp dann vergetten,
Free en Eendracht giff men up,
Holland en de Groafschupp Benthem
De hault gude Noaberschupp.

In den lesten grooten Oorlog
O, wat günk dat slimm derher!
Achtentwintig grote Staaten
Stünnen under dat Gewehr.
Wat en Fechten, wat en Moorden!
Gar nich wullt wer hören up,
Men de Groafshupp hölt met Holland
Altied gude Noaberschupp!

Noabers hebbt soa vake Arger,
Kwoad, Verdreet se sick andot,
Wo se sick söllt nützen, stütten,
Target se sick mangs up’t Bloot,
Byt Verschell geht dann dat beste
Menßlichkäitsgeföhl derup! ¾
Holland en de Groafschupp Benthem
De hault gude Noaberschupp.

Holland en de Groafschupp Benthem
Hebbt gin Mißgunst, kennt gin Haß,
Holland en de Groafschupp Benthem
Helpt sick, wo et kump te paß;
Mögt sick andre Völker targen,
Dat de Leewde sick verkrupp,
Holland en de Groafschupp Benthem
De hault gude Noaberschupp.

Gedicht: Ick bin tofree, von Karl Sauvagerd ( Hindrike Jonker)

Leed: O, wat is't mooij in de Groafschup

Leed: Dat Huus met gröne Gewels

Anseggen: Gerda Künnen

Twee Kinner van'n Lesewettbewerb dreegt wat vöar: (Jana Balder ut Hestrup en Joa Gerritzen ut Wilßem)
In Parken is gar nioch so licht
Bennad un sijne näije Buxe

Vetellsel: Denn Krankenbesök, van Heinrich Hensen (Jan Lübben)

Leed: O Häideland – mien Heimatland

Gedicht: Herrgotts Natur, van Karl Sauvagerd (Berta van Wieren)

O, maakt nich alle grund torecht
to akkerland, to moat en weide,
loot hier en door een hökien free,
een striepien fen, een stükkien heide,
dat hier en door een steechien blif
soo as us de heergod gif.
verbrant nich all ' dee brömmelbüsche
en maakt nich alle kölke to,
woor wild noch grööjt, door loot en rüschen.

Loot wassen doch denn gellen broam,
denn woagebus, denn barkenboom.
O, sorgt doch, dat dat soo mag blieven!
Wij möt uut use Moderland
nich alle mojigheid verdrieven!

En‘n mööjsten goorn up de duur,
dat is en blif doch Gods natuurl
Drüm makt nich alle grund torecht,
too akkerland, too moat en weide,
loot hier en door een hökien frij,
een strepienfen, een stükkien heide,
dat hier en door een steechien blif,
soo at usen leven Heer us gif! ´

Vetellsel: Wat'n Weär, van Karl Naber (Jürgen Jonker en Bernd Scholte)

Potpourri

Pause van rund 20 Minüten

Musik begijnt

Anseggen: Gerda Künnen

Gedicht Mien Aulershuus, van Carl van der Linde) (Albert Rötterink)

Dor vöär in’t Dorp doar stünd en Hus,
Dat kann ick noit vergetten,
Doar he’ck miene Klümpies, de ersten de’ck harr,
Met Trippeln en Trappeln versletten.

Ick seh’ noch mien Moder, de flietigste Frau,
Van Morgen bis Oawend sick ploagen,
Ick seh noch de Winkel met allerläi Tüüg,
Met Elle, Gewichte en Woagen.

Ick stell’ my noch vör ieder Kamer en Hook,
De Köcken, de Dälle, de lange,
De ieserne Heerd en dat glöiende Für,
De Röäster, de Püster en Tange.

De swattbunte Katte ick düdlik noch seh’
Doar liggen by’t Für up de Plate,
Ick seh’ noch de Schildery’n an de Wand,
In de Floar de Gliewen en Gate. –

Völl hebb’ ick vergetten, wat fröger geböört,
Wat wall van Belang, üm te wetten,
Men vör int Dorp mien Aulershus
Dat kann ick noit vergetten.

Vetellsel: Well tefree, van Wilhelm Buddenberg (Henni Scholte)

Vetellsel: Huusbesök, van Wilhelm Buddenberg ( Alide Berends)

Leed: Wees du wovöll Steernties stoat...

Vetellsel: De frechen Hooner, van Bernhard Dreyer (Anni Semlow)

Gedicht: De Burenfrau, van Karl Sauvagerd (Gertrud Rötterink)

Gedicht: Denn Burenstand, van Karl Sauvagerd (Harm Hindrik Schoo)

Anseggen: Gerda Künnen

Leed: Du liggs mij an't Hatte

Vetellsel: Bij Besseva up'n Hoff is schlacht wödden, van Hermann Bleumer (Fenni Boermann)

Vetellsel: Dat Krijntenstütien, van Janette Boerrigter ( Georg Olthuis)

Vetellsel: Bakker Kluten (Heinrich Vos)

Leed: Wijnd en Meer

Gedicht: Harwst en Sommer, van Smoor (Hermann Kronemeyer)

 

Vetellsel: Denn Wienachtsboam, van Heinrich Hensen( (Johann Künnen)

Woart an'n Äinde: (Albert Rötterink)

Leed: Ginn mooijer Land

 

Sonntag 27. Oktober 2019 14.30 Uhr

 

Ökumenischen Karkdeenst up Platt  

Snoamidddaangs üm half dree, hault denn Groafschupper Plattproater Kring in de Karke in Loage 'nen ökumenischen Karkdeenst up Platt of. De Preeke hault denn Öllsterpreeker Georg Schüürhuis ut Wilßem. Wieter doot' denn Poater Wilhelm Ruhe van't Franziskannerkloaster Bardel, de Kantorin Inge Billeman en denn Chor van de Gemeende met. Albert Rötterink, Vöarsitter van'n Kring, en Josef Grave, Geschäftsführer van de Emsländische Landschup, willt to Beginn de Karkenbesöker willkummen hetten.

 

de reformeärde Karke in Loage

 

De Gemeende Loage heff bloos eene Karke. Se is in de Joaren 1687 en 88 as reformeärde Saalkarke ut Backsteene baut wodden. Denn Grundsteen doarto heff de Wedefrau van Adolf Hendrik van Raesfeld, Amadea van Flodroff, een Joar noa dat dat Heerenhuus baut wodden is, an 11. Juni 1687 leggt. In de Urkunde heff se vekloart: „Soa hebb ick nou met Gotts Segen dit Wark vullbracht en met mien äigen Gäild, sunner miene Noakummen doarmet to Last to fallen, 'ne Karke föar Loage bauen loaten.“ De Inschrift ower denn Iengang in'n Westen betügt da. Ower denn Iengang an de Südsiete sött man een Wappen, dat de Teken van de Femilien van Raesfeld en Flodroff wiss. De Karke is in de kotte Tied van 16 Moand upbaut en in Oktober 1688 van de Pestoar Paulus Putmann ut Delden inwäijt wodden.

Knapp hunnert Joar later, in den Joaren 1855/56 is de Karke van Grund of an renoveärt wodden. Se heff du ''n nijt Dack en doarup 'nen nijen Dackrieder kregen.

Lange Joaren hadde de Stichting Twickel as Noafolger van de Raesfelds en Flodroffs dat seggen. De Karke was ja 'ne Patronatskarke en de Stichting sörgde ock doarföar, dat de Karke in Ötter hölen wööd. Ock de Pestöars wöden van dat Huus Raesfeld-van Wassenaer (Stichting Twickel) owernömmen. Soa hadden se ock lange Tied 'n Woart doarower meettoproaten, at de 'nen nijen Pestoar ween muss. Dat bleef ock soa bis in't Joar 1978, du is dat Patronat ower de Karke uplöst wodden, dree Jaor noa denn Doad van de leste Herrin van Loage, Baroness Marie Amalie van Heeckeren van Wassenaer. De Karke is doarmet an de reformeärde Karkengemeende van Loage owergoan. De Gemeende heff vandag knapp 800 Lidds.

 

1. Örgelvörspöll
2. Wilkummenswoart (Albert Rötterink en Josef Grave van de Emsländische Landschaft)
3. Votum (Poater Wilhelm Ruhe)
4. Chor: Du büst en Gott, de mi ankiekt (Leitung Kantorin Inge Brilleman)
5. Iengangsgebett (Poater Wilhelm Ruhe)
6. Psalm 68, Vers 6

Anbeden, priesen will ick Gott,
van Hattenskracht ien Noat un Doad
un met mien hele Leewen,
denn Gott, denn Lasten up ouns legg
doch ouns mett ounse Lasten drögg
un ouns sien Huld will geewen.
He heff ouns leef, sien Macht is groot,
he geff ouns alltied weär datt Broad,
föar ounse dagliks Leewen.
He kann, he will, he sall ien Noat
bis an den Doad en döör den Doad
datt ewig Leewen geewen.

7. Lesen Psalm 118 (Hindrik Kuiper)
8. Leed 369 EG,De Gott, den Vader hollt in Ehren

1. De Gott, den Vader hollt in Ehren
un hoppt up em an iedern Dag
de gern sien hillge Woort mag hören,
denn steht he bij in Noat un Ploag;
de Gott den Allerhöchsten traut,
de heff up faste Grund hier baut.

2.Wat helpt ouns dann de swoaren Sörgen,
wat helpt ouns Jammern un Geschreäw,
wat helpt ouns, dat wij iedern Morgen
däinkt an dat düüster Weltgericht;
wij maakt dör ounse Krüs un Led
blooß grötter ounse Trörigkäit.

3. Gott weet, wat Mäinschenhatt kann quällen,
he weet ok, wat ouns bliede maakt,
sien Troost un Bijstand kann nich fehlen,
at een met Schrick de Nacht dörwaakt;
he steht to ieder Üür un Tied
up siene Kinner eäre Siet

4. Sing, beet un goah up Gottes Wegen
un doo, wat he dij te doon oplegg,
bis doch geborgen in sien Segen,
denn he ut Gnaaden dij tosegg;
de all sien Troost un Toversicht
op Gott set't, denn verlatt he nich.

9. Lesen Lukas 17, 11 – 19 ( Poater Wilhelm Ruhe)
10. Leed EG 406, Bij dij Jesus, will ick bliewen

1. Bij dij Jesus, will ick bliewen,
dij too Deenst un Willen stoahn.
Nix sall mij van dij verdriewen,
will up dijn Wegg alltied goahn.
Du brengs Leewen in mijn Leewen,
Hoppen, Gloaben, Moot un Sinn.
Alltied bliew ick dij ergewen.
Mett dij bin ick, watt ick bin.

2. Watt kann ick wall better packen,
ass dijn Hand, Herr Jesus Christ?
Heff denn Himmel föarr mij loaten,
heff em hier föar mij toorüst.
Kann ick eenfecher wall wandern,
ass mett dij, du Mäinsch un Gott?
Geff't wall in de Welt nen Armen,
de soa trösten kann in Noat?

3. Woar iss soa een' Herr te finnen,
de watt Jesus doan heff, dött;
de mij fräijmaakt van mijn' Sünden,
un in Schuldnoat bij mij steht?
Sall ick dann nich too em hören,
de sijn Leewen vöör mij gaff ?
Sall ick sööken nich denn Hafen,
de mij upnemp: Leef üm Leef ?

4. Joa, Herr Jesus, bij dij blief ick,
soa in Noat un soa in Freud
Bij dij blief ick, dij verschriev
ick mij föarTied un Ewigkäit.
Un wenn kump mijn leste Stunde,
un de Welt mott in't Gericht,
goah ick handfast an dij bünnen,
soa in'n Düüstern, soa int Lecht.

11. Chor: Singt Gott to Dank un brengt em Ehr (Leitung Kantorin Inge Brilleman)
12. Preeke, Kolosser 3, 15 – 17 (ÖP Georg Schüürhuis)
13. Örgelspöll
14. Leed EG 554, Eens dat wänsch ick mij föar alles anner

Chor un Gemeente singt ien Wessel (Chor begijnt)

1. Eens dat wänsch ick mij föar alles anner,
dat ick stark bin, froo en laat,
üm getrost döar Düsternis to wandern,
enn Eens alltied föar mij hat:
Faste hebb de Mann ien't Oage
de met Zittern en met Doadsgeploage
up sien Antlitz daale sünk,
en den Kelch van Gottsvaa drünk.

2. Alltied sall et mij föar Oagen stoane,
wo gedüllig he et drög,
wat man so erbärmlik em andooane
wo man em ant Krüüs doar slög.
Starwend heff he ock um mij noch rüngen,
miene Schuld en mienen Schrick bedwüngen,
en dann ock an mij noch dacht
as he rööp: Et is vullbracht!

3. Joa, mien Jesus, loat mij noit vergetten,
miene Schuld en diene Huld,
As ick ien de Düsternis hebb setten,
hass du noch met mij Geduld.
Wo 'nen Herder an sien Schoap all dacht heff,
lange föar et up sien Roopen acht geff,
hess du all föar miene Tied
mij de Weg noa Gott verblied't.

4. Ick hör Dij, segg Du doarup een Amen,
treuen Jesus, Du bis mien.
Schriew Du Dienen lewen Jesusnamen
faste ien mien Hatte ien.
Mett Dij alles doon enn alles loaten,
Diene Haund ien Doad en Lewen hollen,
doar seh ick mien' Gloawens Grund,
Dien Vermächtnis, ounsen Bund.

15. Abkündigungen
16. Gebett:Ounse Vader, de du bis ien'n Himmel (Poater Wilhelm Ruhe) (all tohoape soawiet at et geet, stoat't alle up)

Ounse Vader, de du bis ien ’ n Himmel,
häiligt wött dien'n Nam'.
Dien Riek sall kummen,
alles sall geböaren, watt die'n Will'n is,
ien'n Himmel en up Erden.
Ouns daangsche Broat geef ouns vandage,
enn v'geef ouns ounse Schould,
nett as wij ock v'gewen söllt,
de ouns wat schüllig bint.
En läi' ouns futt van alle Leepichkäit,
en geef, dat wij ginn Kwoat möögt doon,
want dien is dat Riek, en de Kracht
en de Heerlikkäit, ien Ewigkäit.
Amen!

17. Leed EG 170, Kumm Heer, segne ouns

1. Kumm Heer, segne ouns, loat ouns bij dij bliewen,
en loat ouns, o Heer, nich ut ’ n anner driewen.
Wij binnt nich alleen, loat to alle Tieden,
up ouns Freud‘ en Lieden, Heer die ’ n Segen ween.

2. Kinn een kann alleen fastholl’n Gott sien’n Segen.
Meär as nöarig is, geff Gott allerwegen.
Wenn wij ounsen Feind geärn bij Tied weär good sint,
helpen, de ien Noat bint, ouns dien’n Segen schient. 

3.Freeden gaffs du all, Freeden mött noch wönnen,
wu du toseggt hess: Ouns tot Wohl up Eärden.
Help, dat wij em doot, wat wij all könnt gewen.
De mett Troanen säijet, rösten söllt ien Fred’n.

18. Segen ( ÖP Georg Schüürhuis en Poater Wilhelm Ruhe)
19. Leed EG 170

4. Kumm Heer, segne ouns, loat ouns bij dij bliewen,
Nojt binnt wij alleen, loat to alle Tieden,
up ouns Freud‘ en Lieden, Heer die ’ n Segen ween.

20. Chor: Groafschupper Mäinschen

(Leitung Kantorin Inge Brilleman)

21. Örgelspöll to’n Utgaunk en Kollekte

Dissen Deenst ien ounse Modersproake is vöarmekaar maakt döar de Emsländische Landschaft e. V. en denn Groafschupper Plattproater Kring.

 

Wij bedankt ouns bij alle, de to dissen Karkdeenst bijdrögen hebbt, namentlik bij Öllstenpreeker Georg Schüürhuis ut Wilßen, bij Poater Wilhelm Ruhe van’t Kloaster Bardel en Kantorin Inge Brilleman ut Loage.

 

Platt Satt! - Festival

Die Emsländische Landschaft hält für den Herbst ein besonderes Kulturprogramm für das Emsland und die Grafschaft Bentheim bereit. Vom 19. bis zum 22. Oktober 2017 findet erstmals in mehreren Gemeinden der beiden Landkreise das plattdeutsche Festival „Platt Satt“ statt.

Eröffnet wird das Festival am Donnerstag, den 19. Oktober 2017 in der Grund- und Oberschule Lathen. Dort laden die Musikpädagoginnen Saskia Spinder und Marlene Bucher Kinder und Erwachsene zum „Singen un danzen up Platt“ ein. Zu den Highlights des Festivals zählen ein Rudelsingen in Meppen und ein Märchenabend in Werlte. Zusätzlich geplant sind ein Kneipenquiz in Spelle, ein Liederabend in Emlichheim und ein Poetry Slam in Papenburg. Wer seine Sprachkenntnisse auffrischen möchte, kann außerdem einen Platt-Crashkurs in Nordhorn besuchen. Für Kinder bietet das Festival die Theateraufführung des Stücks „Snick un Waal“ in Papenburg und Neuenhaus. Theater gibt es auch im Professorenhaus in Lingen mit der Gruppe „Platt up Zack“. Am Sonntag, den 22. Oktober wird das Festival feierlich mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Kapelle des Klosters Frenswegen beendet.

Landschaftspräsident Hermann Bröring sieht dem Festival freudig entgegen: „Das Festival passt sehr gut in unsere Region mit ihren vielen plattdeutschen Aktivitäten. Im Emsland und in der Grafschaft Bentheim ist die Sprache sehr lebendig und ein wichtiger Teil des Alltags. Das Festival möchte die Vielfalt des Plattdeutschen abbilden und ist ein Angebot für alle Altersgruppen.“

Für Auskünfte steht die Plattdeutschbeauftragte der Emsländischen Landschaft, Linda Wilken (Tel: 059314964213,     plattsatt@emslaendische-landschaft.de ), zur Verfügung. Den Flyer mit ausführlichen Informationen können Sie sich hier herunterladen.

 

 

 
Auch wir sind für Europa
 

 

Bilden eine „Einheit“: Die Lichtprojektionen in Nordhorn + Neuenhaus

Nordhorn

Um 18.30 Uhr eröffnet Andreas Kinser vom Vorstand der Grafschafter Volksbank eG die Veranstaltung auf der kleinen Bühne. „Wir sind viele, wir sind überall, wir sind Europa“, ruft er den Gästen zu, die es sich an Tischen und Bänken gemütlich gemacht haben. „Wir wollen dazu aufrufen, sich an der Europawahl zu beteiligen und für Europa zu wählen“, fasst er noch einmal das Anliegen des Bündnisses zusammen.

Gegen 20 Uhr betritt Hauptredner Christoph Almering, Geschäftsführer der Euregio, für seinen zehnminütigen Vortrag mit dem Titel „Vom Rand in die Mitte – darum ist Europa vor unserer Haustür so wichtig“ die Bühne. „Nur 5000 Schritte von hier entfernt befand sich die Grenze zu den Niederlanden“, erklärt er. „Heute hält mich kein Schlagbaum auf, ich muss keine Währung mehr wechseln und ich kann dort ohne Probleme arbeiten“, zählt er die Vorzüge des Staatenbundes auf. „Die EU ist das größte Friedensprojekt der Weltgeschichte, und die Feinde der Demokratie rütteln am Haus Europa. Lasst es euch nicht aus den Händen reißen“, schließt er sein Plädoyer für die Wahl.

Neuenhaus

Mit der Frage, wie es mit der Europäischen Union weitergehe, setzte sich auch Gerhard Herrenbrück in seiner zwanzigminütigen Rede auf dem Marktplatz vor der reformierten Kirche in Neuenhaus auseinander. Sowohl Herrenbrück als auch Schüler des Lise-Meitner-Gymnasiums aus Neuenhaus vertreten eine klare pro-europäische Position. Sie machen darauf aufmerksam, dass sie jeden Tag von der Europäischen Union profitieren. Offene Grenzen, eine einheitliche Währung und interkulturelle Kommunikation, Europa stehe für „Komfort, Sicherheit und Freiheit“. Schätzungsweise 300 Besucher hörten den Rednern zu. Abgerundet wurde das Programm durch das Trio „Tobias Bako & Friends“, die bekannte Pop-, Swing- und Folklieder spielten.

Ein Dankeschön an Gerhard List + Sponsoren für diese Aktion

 
2019

Plattdüütsch dat maakt Pleseär

Well platt proat of kürt, kann ´ne Sproake meär. Die VHS bietet wieder 2 Plattdeutsch Kurse an
Teilnehmer/innen ohne und mit Vorkenntnissen, Kursleiterin Anette Bardenhorst
Teilnehmer/innen mit Vorkenntnissen; Kusleiter Harm Hindrik Schoo

 

2019

Die Welt 30.03.2019
Nächste Schulstunde :
Niederdeutsch

Mundart macht schlau - davon sind immer mehr Bildungsexperten überzeugt. Einige Bundesländer integrieren Dialekt bereits in den Unterricht. Auch im Erwachsenenalter ist es nicht sinnvoll, ihn komplett abzutrainieren

Von Nina Bärschneider

Seit ihrer Kindheit war der Dialekt ein Teil von Annalena Bürk. Ob zu Hause in einem kleinen Ort nahe Offenburg oder in der Schule: Familie, Freunde und Lehrer sprachen Badisch. Zwar las und schrieb die heute
23-Jährige Hochdeutsch, doch in Gesprächen nutzte sie ganz selbstverständlich Dialekt. Bis zu dem Moment, als sie mit 17 Jahren nach Köln fuhr um sich auf ihren Freiwilligendienst im Ausland vorzubereiten. „Dort haben alle Hochdeutsch gesprochen", erinnert sich Bürk. „Ich habe mich wie ein Landei gefühlt. Manchmal traute ich mich nicht, etwas zu sagen.“ Zwar reagierten die anderen Freiwilligen nicht abwertend, dennoch fühlte sich Bürk nicht zugehörig. „Sie fanden das Badische süß. Aber ich bin eben immer aufgefallen." Das Vorurteil Dialekt sei die Sprache der Bauerntölpel, Mit sich bis heute. In den 7oer-Jahren bescheinigten Studien Dialektsprechern schlechtere Schulleistungen als ihren Hochdeutsch parlie­renden Mitschülern.

Die Sprache in Radio und Fernsehen ist in den vergangenen Jahren einheitlicher geworden, in überregionalen Medien sind Dialekte die Ausnahme. Junge Menschen vernetzen sich über die Grenzen ihrer Heimat hinweg und hören schon früh das Hochdeutsche. Es gibt sogar Kommunikationstrainer für Menschen, die Hochdeutsch lernen wollen, weil sie sonst ihre Karriere in Gefahr sehen. Gehört Mundart also in die Mottenkiste?

Ganz im Gegenteil, sagen Experten. So auch Anthony Roweley von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Der aus Großbritannien stammende Sprachwissenschaftler hat sich darauf spezialisiert, bayerische Dialekte zu erforschen. „Wer einen Dialekt spricht, hat ein ausgeprägteres Sprachgefühl und -verständnis als jemand, der nur Hochdeutsch spricht. Er rezipiert Wörter im Alltag besser.“ So haben etwa Langzeitstudien der Universität Oldenburg an Aufsätzen von Dritt- und Sechstklässlern gezeigt: Dialekt sprechende Kinder machen 30 Prozent weniger Rechtschreibfehler als jene, die ohne regionale Sprachfärbung aufgewachsen sind., Die guten Pisa-Ergebnisse der südlichen Bundesländer aus dem Jahr 2010 sind für viele ein weiterer Beweis, dass ein Dialekt die Schulleistung sogar steigert. „Zwar spielen bei der Pisa-Studie viele weitere Faktoren eine Rolle - etwa das Schulsystem-, doch einige Indizien weisen darauf hin, dass Mundart einen positiven Einfluss auf die schulischen Leistungen von Kindern hat“, sagt Sprachwissenschaftler Rowley.

Mehrere Bundesländer bemühen sich deshalb, das Dialektsprechen in den Lehrplan zu integrieren. So zielt etwa der aktuelle baden-württembergische Bildungsplan 2016 darauf ab, dass Schüler ,,zwischen Dialekten und Standardsprache unterscheiden und beide Sprachformen passend einsetzen können. In Bayern taucht das Thema Mund­art im sogenannten Lehrplan PLUS Deutsch auf, an-Gymnasien gibt es. Pflicht- und Wahlseminare zu Dialekten. Die Handreichung „Dialekte in Bayern“ des Kultusministeriums hält unter anderem eine Sendereihe des Bayerischen Rundfunks auf DVDs bereit, die Schüler und Lehrer in zehn Folgen über die verschiedenen Dialekte in dem Bun­desland informiert. Und die Stiftung Wertebündnis Bayern hat das Projekt „MundART WERTvoll“ ins Leben gerufen, mit dem sie junge Menschen für Dialekte begeistern will. Sie sollen Mundart als „Kernelement von Heimat und Brauchtum und gleichzeitig als Teil eines frischen und populären bayeri­schen Lebensgefühls“ erleben. Dafür sprechen die Projektverantwortlichen auch ganz gezielt Schulen an.

Eine davon ist die Schule von Josephine Brunnhuber. Die Leiterin der Grundschule Grabenstätt - einer bayerischen Gemeinde direkt am Chiemsee - spricht leidenschaftlich gern Bayerisch und will; ihre Schüler dafür begeistern. Als „MundART WERTvoll“ vor fünf Jahren anfragte, ob sie dazu ein Projekt auf die Beine stellen will, sagte sie zu. Nach fast einem Jahr Vorbereitung war es soweit: Brunnhuber führte mit ihrer Grundschule ein Musical in reinem Dialekt auf. Das Medienecho für das Stuck „Schuihofgschroa“ war groß, die Schule wurde im Bayerischen Landtag für ihr Engagement gewürdigt. Es folgte eine bayerische Interpretation der „Zauberflöte“ Aktuell üben die Grabenstätter Grundschüler die „Löwenkinni“ ein, die bayerische Version des Musicals „König der Löwen“.

Im Unterricht lässt Brunnhuber den Dialekt ganz selbstverständlich einfließen. Zwar ist die Unterrichtssprache Hochdeutsch, doch der Dialekt ist immer präsent. „Die Kinder müssen beides können: Ein Referat zum Beispiel sollte ein Schüler auf Hochdeutsch und im Dialekt vortragen können.“ Die Lehrerin ist überzeugt, dass Kinder sprach­begabter sind, wenn sie beides gleichermaßen beherrschen. Die Kinder haben dadurch eine innere Mehrsprachigkeit“, erklärt Brunnhuber. Sie vergrößerten ihren Wortschatz und könnten mühelos von der einen in die andere Sprache wechseln. Ein eigenes Fach für den bayerischen Dialekt hält die Schulleiterin jedoch für kontraproduktiv. „Werden Schüler benotet, wie sie einen Dialekt sprechen oder verstehen, nimmt ihnen das jegliche Motivation. Dialekt muss etwas Freiwilliges bleiben, damit
man ihn schätzen lernt.“ Bayern und Baden-Württemberg sind besonders bekannt für ihre Dialekte. Doch auch andere Regionen bemühen sich, Mundart zu bewahren. So soll in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen das Plattdüütsch nicht verloren gehen: Beide Länder wollen das Niederdeutsche als Unterrichtsfach verankern. In Schleswig-Holstein gibt es deshalb seit dem Jahr 2014 Niederdeutsch als Unterrichtsfach an Grundschulen. Schüler sollen die Sprache vor allem in Form von Liedern und Theaterstücken kennenlernen und dabei einen Grund­wortschatz in Niederdeutsch lernen. Das soll einerseits die Sprache erhalten, gleichzeitig aber auch den Schülern nut­zen - etwa weil sich Niederdeutsch als Brückensprache zum Englischen, Niederländischen und den skandinavischen Sprachen eignet. Auch im Regierungsbezirk Münster in Nordrhein-Westfalen läuft dazu seit fünf Jahren ein Schulver such mit speziell entwickelten Unterrichtsmaterialien.

Beide Länder haben sich über die Europäische Sprachencharta verpflichtet, das Niederdeutsche zu fordern. Diese seit 1998 bestehende Erklärung will die Sprachen nationaler Minderheiten schützen - und gibt Dialekten damit auf internationaler Ebene Rückenwind. Die Unesco will überdies mit dem „Weltatlas der bedrohten Sprachen“ auf Dialekte aufmerksam machen. 2500 weltweit bedrohte Sprachvarianten ordnet sie in ein Ranking ein: von „vulnerable“ (verwundbar) bis „extinct“ (ausgestorben). In Deutschland stehen 13 Sprachen auf der Liste. Bayerisch ist dabei noch am wenigsten gefährdet, da viele Kinder den Dialekt noch sprechen - wenn auch nur zu Hause. Nordfriesisch hingegen ist „severely endangered“ (ernsthaft bedroht) - nur noch rund 10.000 Menschen sprechen den Dialekt aus Norddeutschland, und sie alle gehören zur älteren Generation.

Es tut sich einiges in Sachen Mundart in Deutschland. Doch trotz aller Bemühungen haben es Dialektsprecher nicht immer leicht. Ariane Willikonsky hat jeden Tag mit Menschen zu tun, die aus beruflichen Gründen Hochdeutsch lernen müssen. „Im Job ist ein Dialekt nicht immer hilfreich. Er kann das Gegenüber schnell vom Gesprächsinhalt und der Persönlichkeit ablenken“, sagt die Kommunikationstrainerin, die in Stuttgart das FON-Institut für Sprache, und Stimme gegründet hat.

Menschen assoziierten Dialekte häufig mit regionalen Gebräuchen. Ein Dialektsprecher müsse also aufpassen, nicht unglaubwürdig oder unprofessionell zu wirken. „Je höher die Position, desto weniger wird ein Dialekt erwartet“, sagt sie. Selbst ein beliebter Dialekt wie das Bayerische könne der Karriere manchmal im Weg sein, sagt Willikonsko: „Oft verbindet man damit das ländliche, was in der Berufswelt ein Problem sein kann. Sächsisch wird mitunter mit fehlender Weltoffenheit assoziiert. Schwäbisch wiederum kann einen Eindruck vom fleißigen Arbeitnehmer vermitteln.“ Manche ihrer Kunden kommen freiwillig, andere werden von ihrem Unternehmen geschickt. Hochdeutsch zu lernen fällt nicht jedem leicht. Dialektale Worte ließen sich schnell umgehen, aber eine gewisse Färbung bleibe immer. „Dabei geht es nie darum, einen Dialekt abzutrainieren“, erklärt die Kommunikationstrainerin. Ein Mensch sollte allerdings in der Lage sein, in gewissen Situationen umzuschalten. Willikonsky bezeichnet es als wertvolle Gabe, sowohl Hochdeutsch als auch einen Dialekt zu sprechen. „Politiker zum Beispiel können sich in einer Situation als versierte Redner auf Hochdeutsch präsentieren und im nächsten Moment sehr volksnah wirken, wenn sie sich mit einem Bürger im Dialekt unterhalten.“ Auch die 23-jährige Annalena Bürk profitiert inzwischen davon, sich jeder Situation anpassen zu können. Verfällt sie zu Hause immer sofort in den badischen Dialekt, hat sie sich für ihr Studentenleben außerhalb von Baden- Württemberg aktiv Hochdeutsch antrainiert. Sie spricht zudem fließend Eng­lisch, Französisch und Spanisch, hat ein gutes Sprachgefühl. Für ihre Karriere empfand sie ihren Dialekt bisher nicht als Problem. In ihrem letzten Bewerbungsgespräch in Sachsen-Anhalt, wo sie jetzt wohnt, wechselte sie automatisch ins Badische. „Mein Bauchgefühl sagte mir, dass das in dem Moment sympathischer wirkt“, erzählt Bürk. Und sie behielt recht: Sie bekam den Job. Seitdem unterrichtet sie Frauen mit Migrationshintergrund in Deutsch.

 

2019

„Dat Trappenhuus weet alls“

Spielschar Nordhorn lädt ein zu plattdeutschem Theaterstück

NORDHORN Nach monatelanger Vorbereitungszeit ist es so weit: Die Laiendarsteller der Spielschar Nordhorn zeigen ab Sonntag, 6. Januar, das Theaterstück „up platt“. In der Komödie „Dat Trappenhuus weet alls“ (Originaltitel: Dat Trappenhuus ist Tüüg) von Helmut Schmidt ist Nachbarschaftshilfe garantiert: Der Müllplan ist stets griffbereit, beim Aussperren aus der Wohnung hilft man sich und auch ein Paket wird immer gerne für den Nachbarn angenommen.

Brömmelkamps Berta hat auf alles ein Auge! Das stört den einen oder anderen Mieter aber doch mehr, als er zugeben mag. Illegale Untermieter, verwirrte ältere Herren und Nachbarn, die kurz vor der Trennung stehen – all das können die Zuschauer an den Aufführungsterminen im Gemeindehaus am Markt sowie im Hotel Rammelkamp erleben.

Die Premiere findet statt am Sonntag, 6. Januar, um 14.30 Uhr mit Kaffee und Kuchen. Weitere Aufführungen im Gemeindehaus am Markt folgen am Mittwoch, 9. Januar, und Freitag, 11. Januar, jeweils um 20 Uhr, sowie am Sonntag, 13. Januar, um 17 Uhr, am Mittwoch, 16. Januar, um 20 Uhr, am Sonnabend, 19. Januar, und Sonntag 20. Januar, jeweils um 17 Uhr. Ab Sonnabend, 26. Januar, verlegt die Spielschar den Spielort zum Hotel Rammelkamp, Lingener Straße 306. Dort beginnt die erste Aufführung um 20 Uhr.

Weitere Aufführungen finden am 27. Januar um 14.30 Uhr sowie am 28., 29., 31. Januar und am Freitag, 1. Februar, jeweils um 20 Uhr statt.

Karten für das Theaterstück „Dat Trappenhuus weet alls“ gibt es nur an der Tageskasse. Der Eintritt beträgt 6 Euro. Der Erlös aus dem Kaffee- und Kuchenverkauf bei der Premiere geht an die reformierte Kirchengemeinde Nordhorn „Wo am nötigsten“.

 

An zwei Orten werden die aktuellen Bühnenaufführungen der Spielschar zu erleben sein: zunächst im Gemeindehaus am Markt, danach im Hotel Rammelkamp. Foto: Wohlrab

 

2019

Werlte liegt nun auf dem „Platt-Patt“
Stadt beteiligt sich an Niederdeutsch-Projekt
der Emsländischen Landschaft e.V.

Die Stadt Werlte ist nun Teil des neuen Niederdeutsch-Projekts „Platt-Patt“ der Emsländischen Landschaft e.V. Im Ort erzählen zwei Schautafeln über ein beliebtes Hümmlinger Lied und einen bekannten Bürger der Stadt. Das Besondere daran: Die Schautafeln führen zu plattdeutschen Filmen und Tonaufnahmen im Internet.

Landschaftspräsident Hermann Bröring und Plattdeutsch-Referentin Linda Wilken übergaben Bürgermeister Daniel Thele Schautafeln für das Albert-Trautmann-Denkmal sowie für die Kreutzmanns Mühle. Ebenso anwesend waren der Vorsitzende des Heimatvereins Werlte, Franz Wind, sowie sein Stellvertreter Thomas Schomaker.

Die Filme und Tonaufnahmen sind „up Platt“ mittels QR-Code abrufbar. Vor dem Albert-Trautmann-Denkmal ertönt dann ein Gedicht über den Heimatforscher und Schriftsteller. Es stammt von Hermann May, der sich die Teilnahme an der Übergabe in seinem ehemaligen Heimatort nicht nehmen ließ. Die Schautafel an der Kreutzmanns Mühle informiert über das Lied „De Hümmelske Bur“, das dort mit dem Smartphone aufgerufen und abgespielt werden kann. Z udem sind das Lied und das Gedicht auf der Homepage der Emsländischen Landschaft zugänglich. Dort sind auch Filme der Ludgerusschule Rhede abrufbar, wo die beiden ersten beiden Stationen des „Platt-Patts“ errichtet wurden.

„Auf dem „Platt-Patt“ ist es möglich, spannende Orte aus dem Emsland und der Grafschaft Bentheim digital und auf Plattdeutsch zu erleben. Dabei kann es um interessante Gebäude, Historisches über die Gemeinde aber auch um Aktivitäten von örtlichen Kultureinrichtungen, Schulen oder Vereinen gehen“, so Landschaftspräsident Hermann Bröring. Es sollen noch weitere Stationen entstehen, dabei unterstützt die Emsländische Landschaft. Interessierte können sich bei Linda Wilken unter wilken@emslaendische-landschaft.de oder Tel. 05931-4964213 melden.

Kontakt: Emsländische Landschaft e.V., Linda Wilken M.A., Am Neuen Markt 1, 49716 Meppen
Tel: 059314964213; Mail: wilken@emslaendische-landschaft.de, www.emslaendische-landschaft.de

 

2018

Programm: Schooltheaterdag up Platt am 15. Juni 2018
Aula der Oberschule Leschede, Schulstraße 14, 49838 Lengerich
9.00 Uhr bis 11.15 Uhr

Begrüßung

Hermann Bröring, Edith Sassen und Linda Wilken

Grundschule Lengerich
Lieder: Moin Moin, lewe Lüü, 2 kleine Wölfe
Frau Thünemann mit 14 Kindern
Grundschule Handrup (2. Klasse, 6 Kinder)
Lesestück, 1 Lied
Grundschule St. Vitus Spelle-Venhaus
Sketche: Bist du ock daa Aschenbrödel
Frau Hackmann mit 6 Kindern
Grundschule Handrup
Sketche: Reken in de Schoule und 2-3 kleine Sketche
10 Kinder
OBS Len erich
Sketche: In de Schole; 13 Kinder mit Frau Ehring
Hanni Heskamp, Lingen-Darme
Sketch: 180 Pund Päpper; 4 Kinder
Waldschule Leschede
Lieder: Joa vandage proot wi platt, Jan sitt inne Köke mit Trina, Pastor seine Koh
Sketche: Koffee un Appelkauken; Das Telefonat; April, April
Frau Löcken mit 9 Kindern
Urkundenverleihung/

Verabschiedung

 

2018

„Schoolmesterdag“ in Nordhorn gibt neue Impulse für Plattdeutschunterricht

Am Mittwoch, den 30. Mai 2018 um 15:00 Uhr veranstaltet die Emsländische Landschaft e.V. im Tagungshaus Kloster Frenswegen in Nordhorn bereits zum fünften Mal den „Schoolmesterdag“. Die Fortbildung richtet sich an alle Lehrkräfte, Schulleiter und pädagogische Mitarbeiter aus der Grafschaft Bentheim und dem Emsland, die sich für Plattdeutsch in der Schule einsetzen und Plattdeutsch auf dem Stundenplan haben. Auch Interessierte aus den Heimatvereinen und Kultureinrichtungen sind willkommen.

Eröffnet wird die Fortbildung vom Groafschupper Plattproaterkring, der unter dem Titel „Dat maakt Pleseär!“ einen Ordner mit plattdeutschen Materialien erarbeitet hat. Unter der Leitung von Anette Bardenhorst wird es eine Kostprobe einiger Lieder aus der Materialsammlung geben. Anschließend präsentiert Nele Ohlsen von der Kirsten-Boie-Grundschule in Wallhöfen bei Bremen das von ihr erarbeitete Lehrwerk „Plattsnack“. Das Lehrwerk wurde in mehrere plattdeutsche Sprachvarianten übertragen und wird vom niedersächsischen Kultusministerium zeitnah auch für die Grafschaft Bentheim und das Emsland herausgegeben werden. Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten am Schoolmesterdag die Chance, sich über den Einsatz der Materialien im Unterricht zu informieren und diese praktisch zu erproben.

Auch das Lehrwerk „Platt löppt“ von Edith Sassen wird vorgestellt, die sich als Beraterin für Regionen und ihre Sprachen im Unterricht für die Grafschaft Bentheim und das Emsland engagiert. Zwei Bände des Lehrwerks sind bereits beim Isensee-Verlag erschienen und richten sich mit vielen Liedern, Spielen und Dialogen an Kinder der 3. und 4. Klasse.

„Der Schoolmesterdag hat sich inzwischen zu einer wichtigen Plattform entwickelt, auf der Lehrkräfte und pädagogische Mitarbeiter miteinander in Kontakt treten und sich austauschen können“, meint Linda Wilken von der Emsländischen Landschaft, die den Schoolmesterdag organisiert. Anmeldungen sind unter wilken@emslaendische-landschaft.de noch bis zum 16. Mai möglich. Die Teilnahme ist kostenlos.

 

Ansprechpartner : Emsländische Landschaft e.V. , für die Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim, c/o Emsländischer Heimatbund e.V.
Linda Wilken M.A.; Am Neuen Markt 1;: 49716 Meppen; Tel.: (05931) 4964213
E-Mail: wilken@emslaendische-landschaft.de
www.emslaendische-landschaft.de

 

2018

80 Kinder sind sich sicher: Vandaage proat wi Platt
Zweiter „Schooltheaterdag up Platt“ in Osterwald hatte Format

Von Gerhard Herrenbrück

OSTERWALD. Donnerstagvormittag in Osterwald. In einem der schönsten Dorfgemeinschaftshäuser weit und breit tobt das Leben. Helle Kinderstimmen tönen aus dem Saal. Und ein Kehrvers erklingt, dessen Sprache aufhorchen lässt, und dessen Melodie eingängig ist: „Ja, vandaage proat wi Platt, dat ist use Motto.“ 80 Kinder aus fünf Schulen haben sich zum „Schooltheaterdag up Platt“ versammelt. Und natürlich wird nur Platt gesprochen und gesungen. Für das Singen ist Musikpädagogin Marlene Bucher zuständig. Für das Sprechen sind die Lehrerinnen aus den fünf Schulen verantwortlich. Das plattdeutsche Singen geht leichter, weil man da von den 80 anderen Kindern mitgetragen und mitgezogen wird. Die plattdeutsche Sprecherziehung der Lehrerinnen trägt schon hörbare Früchte. In jedem Falle ist die Mitmach-Freude am Plattproaten sehr groß.

Schon zum zweiten Mal hat die Emsländische Landschaft zu diesem Tag eingeladen. Linda Wilken ist heute „de Baas“. Sie leitet die „Fachstelle Plattdeutsch“ bei der Emsländischen Landschaft und sorgt dafür, dass der plattdeutschen Sprache immer wieder ein Forum gegeben wird. Sie hat dazu eine Idee der Grafschafter AG „Platt in der Schule“ unter der Leitung von Johanna Stiepel aufgegriffen. Und noch ein anderer „Baas“ ist da: Josef Brüggemann, Vize-Präsident der Emsländischen Landschaft, weist darauf hin, dass das Plattdeutsch unter Artenschutz gestellt gehört und dass er sich von der Veranstaltung einen neuen „Spirit“ für das Platt erhofft.

Denn das Plattdeutsche ist bedroht. Es gibt Pessimisten, die sagen, in einigen Generationen werde man vielleicht nur noch im Museum Platt hören können – von einem „Plattproater“-Roboter, den man per Münzeinwurf in Gang bringen muss. Doch Linda Wilken sagt: Das darf nicht sein. Und heute, am 12. April in Osterwald, wird für das Platt gekämpft: Die Kinder aus den Grundschulen in Osterwald, in Bookholt, in Veldhausen und in Georgsdorf sowie aus dem Gymnasium in Uelsen bringen mit ihren Lehrerinnen plattdeutsche Sketche auf die Bühne. Gegenüber dem plattdeutschen Vorlese-Wettbewerb, der auch eine gute Sache ist, hat das den Vorteil, dass sich hier Sprache und Aktion verbinden. Sprechen, sich bewegen, Gestik und Mimik bilden eine Einheit und lassen das „Plattproaten“ noch natürlicher, noch lebendiger werden. Sprechen und Spielfreude beflügeln sich.

Und besonders der Sketch, also eine kurze witzige Szene mit oftmals einer saftigen Pointe zum Schluss, ist für das Platt wie geschaffen. Denn gerade Plattdeutsch hat eine ausgeprägte Kraft zum Witz und zur Pointe. Plattdeutsche „Vetellsel“, aus denen sich Sketche entwickeln lassen, sind so alt wie das Plattdeutsche selbst. In Osterwald haben sie seit jeher eine Heimat gehabt – mit Heinrich Hensen als König.

Den Kindern machen ihre Auftritte Spaß und auch ihre Kostüme. Als Polizist mit Mütze, als Bauer am Küchentisch oder als Angler mit Klappstuhl: Auf der Bühne wird man ein anderer Mensch. Und man hat mit dem Plattdeutschen auch gleich eine andere Sprache dazu. Dann knallen die Pointen und der ganze Saal biegt sich vor Lachen. Wenn etwa ein Junge viermal sagt „Kann ick nich“, als man ihn zur Mitarbeit auf dem Hof auffordert. Warum nicht? „Weil ich die Hände in der Tasche habe“, antwortet er - natürlich auf Plattdeutsch. Oder was sagt der Mann ohne Angelschein, den der Polizist beim Angeln erwischt? „Ich habe gar nicht geangelt. Ich wollte nur den Würmern das Schwimmen beibringen.“ Auf Platt wirkt das alles natürlich noch viel besser.

 

2018

Denn Groafschupper Plattproater Kring hault an'n Söindag, 15. April, snoamiddaangs üm half dree
in de roomsche Karke in Nijnhuus  'nen ökumensichen Karkdeenst up Platt of. Alles sal up Platt gebören.
De Preeke hault denn Öllstenpreeker Georg Schüürhuis ut Wilßem.

Gottesdienst „up Platt“

Neuenhaus. Einen ökumenischen Gottesdienst“up Platt“ veranstaltet der Groafschupper Plattproater Kring am Sonntag, 15. April, um 14.30 Uhr in der katholischen Kirche in Neuenhaus. Die Predigt hält der Ältestenprediger Georg Schüürhuis aus Wilsum. Weiter werden Pastor Hubert Bischof von der katholischen Kirche und die Chorgemeinschaft Immergrün Wilarem mitwirken.

Albert Rötterink vom Plattproater Kring wird zu Beginn die Besucher begrüßen.

Der gesamte Gottesdienst erfolgt auf „Platt“. Die ökumenischen Gottesdienste in dieser Form haben bei den Plattproatern schon Tradition. Sie finden bereits seit 1983 statt. Plattdeutsch Interessierte, auch von anderen Gemeinden, sind herzlich eingeladen.


 

2017

Große und Kleine waren begeistert von den Vorträgen der Lesefüchse aus Itterbeck Lars Meijer hat "Wiehnachtsmann ick wüinsch mij watt" vorgelesen. Hanna Hüüskes hat verschiedene Texte aus dem Buch "Kinnerrieme up Platt", welches vom Plattproaterkring rausgegeben wurde, vorgelesen. Nele Wolterink, hat auf Wunsch deutsche Weihnachtsgeschichten vorgelesen. Die Zuhörer dankten den dreien mit einem großem Applaus.

Frieda Kampherbeek, hat zum Schluß noch die Geschichte "Denn Wiehnachtsboam" von Heinrich Hensen  vorgelesen.

Danke Anni Semlow

 

2017

Spielerisch das Platt entdecken

Musiknachmittag für Kinder in Laar
am 20. Oktober um 15.30 Uhr zum „Singen un danzen up Platt“

Die Emsländische Landschaft hält für den Herbst ein besonderes Kulturprogramm für das Emsland und die Grafschaft Bentheim bereit. Vom 19. bis zum 22. Oktober findet erstmals in mehreren Gemeinden der beiden Landkreise das plattdeutsche Festival „PlattSatt!“ statt.
Im Rahmen des Festivals laden Saskia Spinder und Marlene Bücher am 20. Oktober um 15.30 Uhr zum „Singen un danzen up Platt“ ein. Kindergarten- und Grundschulkinder können gemeinsam mit ihren Eltern und Großeltern spielerisch die plattdeutsche Sprache entdecken. Auch Gruppen sind willkommen. Die Veranstaltung findet im Dorfgmeinschaftshaus Laar an der Hauptstraße 47 in Laar
statt.
Die Musikpädagoginnen Marlene Bücher und Saskia Spinder sind Autorinnen des dreisprachigen
Liederbuches „Kinderleicht & Grenzenlos“, das im Herbst 2016 erschienen ist und an Kindergärten und Grundschulen der Region verteilt wurde. Schnell entstand die Idee, die darin enthaltenen Lieder im Rahmen eines Musiknachmittags lebendig werden zu lassen. Die Veranstaltung wird kostenlos angeboten, um Anmeldung bis zum 17. Oktober unter der Telefonnummer 05931 4964213 oder unter E-Mail plattsatt@emslaendischelandschaft.de wird gebeten.
„Singen un danzen up Platt“ wird ein weiteres Mal am 19. Oktober um 16.30 Uhr in der Grund und Oberschule Lathen angeboten. Weitere Programmpunkte des Festivals sind auf der Homepage der Emsländischen Landschaft einsehbar: www.emslaendiche-landschaft.de.

 

 

2017

Snick un Waal – Die Schnecke und der Buckelwal

Kindertheater auf Hoch- und Plattdeutsch in Neuenhaus

Am Samstag, den 21. Oktober um 15:00 Uhr

findet in der Aula des Lise-Meitner-Gymnasiums in Neuenhaus die Aufführung „Snick un Waal – Die Schnecke und der Buckelwal“ statt. Das Theaterstück erzählt von der Freundschaft zweier ungleicher Wesen, von der Sehnsucht, die Welt zu entdecken und von den Stärken der ganz Kleinen. Mit viel Humor, Musik und Mitteln des Erzähltheaters bringt das Theater Fata Morgana in Kooperation mit dem Ohnsorg-Studio hintergründiges Theater auf höchstem Niveau auf die Bühne.

Das Stück basiert auf der vom "Grüffelo"-Traumpaar Axel Scheffler und Julia Donaldson erzählten Geschichte um eine reiselustige Schnecke, die auf der Spitze einer Walschwanzflosse die ganze Welt erkundet und ihrem "Kapitän" am Ende sogar das Leben rettet. Sie ist von Cornelia Ehlers auf so feinsinnige Weise ins Plattdeutsche übersetzt worden, dass die Fassung nicht nur Kinder ab fünf Jahren, sondern auch die begleitenden Eltern entzückt. Plattdeutsche Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, das Drei-Personen-Stück hat eine klare Aufgabenverteilung: Die "Snick" spricht Hochdeutsch, der "Waal" snackt Platt – und wo das zu kompliziert zu werden droht, springt der musizierende Erzähler Thomas Esser als Übersetzer und Vermittler ein. Andrea zum Felde und Karl-Heinz Ahlers spielen mit Herz und Leidenschaft und sorgen mit liebevoller Ausstattung samt Discokugeltiefseezauber für einen unvergesslichen Theaternachmittag.

Das Stück findet im Rahmen des Festivals „PlattSatt“ der Emsländischen Landschaft statt, der Eintritt beträgt 7 Euro. „Snick un Waal“ wird ein weiteres Mal am Sonntag, den 22. Oktober um 15:00 Uhr im Theater Forum Alte Werft in Papenburg aufgeführt.

 

2017

Beatles-Songs singen „up Platt“
Plattdeutsches Rudelsingen im Klavierhaus Dausin in Meppen

Am Freitag, den 20. Oktober um 19:30 Uhr
findet ein plattdeutsches Rudelsingen im Klavierhaus Dausin/Menke Werbeagentur in Meppen statt. Die Veranstaltung ist Teil des Festivals „PlattSatt!“, das vom 19. bis 22. Oktober von der Emsländischen Landschaft ausgerichtet wird. Beim Rudelsingen treffen sich seit über fünf Jahren die unterschiedlichsten Menschen in über 100 Städten in ganz Deutschland, um gemeinsam die schönsten Lieder zu singen. Das Rudelsing „Nord“ Team um Kurt und Simon Bröker, hat ein plattdeutsches Programm mit alten, aber auch neuen „übersetzten“ Hits entwickelt. Dazu gehören Klassiker wie „Dat du mien Leevsten büst“ genauso wie modernere Stücke von den Beatles oder aktuelle Chartstürmer wie „Chöre“ von Mark Forster.

Kurt und Simon Bröker begleiten die Sängerinnen und Sänger live, die Texte werden mit einem Beamer für alle gut lesbar an eine Leinwand projiziert. Der Eintritt an der Abendkasse beträgt 5 €, eine Anmeldung unter plattsatt@emslaendische-landschaft.de ist möglich.

Bildunterschrift: Kurt und Simon Bröker laden zum plattdeutschen Rudelsingen ein (Foto: White Note, Münster)

Kontakt:
Emsländische Landschaft e.V. , Linda Wilken M.A.
Am Neuen Markt 1, 49716 Meppen, Tel: 059314964213 Mail: wilken@emslaendische-landschaft.de