Gedichte und Geschichten auf Platt
von Grafschafter Heimatdichtern

 
     
 

Carl van der Linde 1861- 1930

Carl van der Linde (* 4. April 1861 in Veldhausen; † 13. Januar 1930 in Veldhausen) war ein jüdischer Buchdrucker und niederdeutscher Dichter

Beruf und Lebensweg

Carl van der Linde wurde als eines von sieben Kindern in einer jüdischen Händlerfamilie in Veldhausen in der Grafschaft Bentheim geboren. Da sein Vater früh starb, ging es der Familie sehr schlecht. Carl van der Linde absolvierte ab 1874 nach einer dürftigen Schulausbildung eine Buchdruckerlehre in Neuenhaus beim Verlag Heinrich Kip. Anschließend ging er als Geselle für zwei Jahre auf Wanderschaft, die ihn durch Deutschland, Böhmen, Österreich, Ungarn und Norditalien führte. Er fand schließlich 1884 in Hamburg beim „Hamburger Fremdenblatt“, eines der großen und traditionsreichen Blätter der Hansestadt, die eine nationale, bismarckfreundliche Haltung verfolgte, eine feste Anstellung als Setzer. Er bildete sich stetig weiter und veröffentlichte einige Beiträge für die „Fliegenden Blätter“, die „Lustigen Blätter“ und die Münchener „Jugend“, die zumeist mit seinem Kürzel C.v.d.L. gekennzeichnet waren. 1909 schied er aus dem Unternehmen aus, das vollkommen umstrukturiert wurde. Da er jährlich in seiner Urlaubszeit seine in Veldhausen lebende Schwester besuchte, kehrte er 1911 in sein Heimatdorf zurück, wo er als Pensionär lebte und sich 1912 ein Haus baute.

Öffentliches Wirken

Seit 1920 veröffentlichte Carl van der Linde eine Vielzahl von Gedicht- und gelegentlich auch Prosatexten, zumeist im Grafschafter Plattdeutsch, aber auch in hochdeutscher Sprache. Sie erschienen vor allem in den beiden Blättern des Verlags Kip, dem „Zeitung und Anzeigeblatt“ aus Neuenhaus und den „Nordhorner Nachrichten“, doch ebenso in der Beilage der Grafschafter Zeitungen „Der Grafschafter“, in den „Grafschafter Heimatkalendern“ oder in der Wochenzeitung „Grafschafter Wochen-Rundschau“. Die Bandbreite seiner Gedichte reicht von Naturschilderungen und Stimmungsbildern über Anekdotisches bis hin zu tiefsinnigen Betrachtungen. Kennzeichnend für ihn waren jedoch vor allem seine plattdeutschen Kommentare und Betrachtungen zum politischen Geschehen. Seine bildhafte Sprache, die gekonnte Fügung der Verse sowie die Vielfalt der Themen machten ihn rasch populär, so dass er seine Gedichte, die zum Vortrag geschrieben waren, auf viel besuchten Rezitationsabenden im deutsch-niederländischen Grenzgebiet einer breiten Zuhörerschaft bekannt machte. 1924 verfasste er auch das plattdeutsche Theaterstück "Wenn twee sick möögt lien", das zwar aufgeführt wurde, aber inzwischen verschollen ist. Allerdings erschien erst 1930, einige Monate nach seinem Tod, sein erster Gedichtband „Grappen en Grillen“, der vom Heimatverein der Grafschaft Bentheim herausgegeben wurde und die politischen Gedichte vollkommen ausklammerte. Während der NS-Zeit verfemt, blieb van der Linde im Bentheimer Land jedoch weiterhin durch zahlreiche Abdrucke seiner Werke vor allem im „Bentheimer Jahrbuch“, dem „Grafschafter“ und der „Emsländischen Geschichte“ weithin bekannt. 1986 wurde sein Gedichtband neu aufgelegt. Weiterhin erfolgte eine Verbreitung seiner Texte durch Rezitationen auf Kassette oder CD. Erst spät wurde er auch als politischer Dichter, der sich dabei u. a. mit der antisemitischen Zeitströmung auseinandersetzte, wiederentdeckt.

Werke

Carl van der Linde: Grappen en Grillen., Nordhorn i. H. Verlag Pötters, 1930. (1986 neu aufgelegt.)
Carl van der Linde: Löö en Tieden. Ausgewählte Texte und ein Lebensbild. Hrsg. von Helga Vorrink/Siegfried Kessemeier, Veldhausen 2008 (mit Biographie und Bibliographie) ISBN 3-938552-03-4.
Buch des Jahres

 
         
 

<autor> van der Linde, Carl
<titel> Groafschupp Benthem
<quelle> Heft Carl van der Linde Mai 1930 Seite 1DG 18.10.20
<herausgeber> Heimatverein für Carl van der Linde

Groafschupp Benthem

De Grofschupp Benthem is nich groot,
Een, de en bettien gut te Foot,
Wenn he men gerne lopen mag,
Lopp dwaß derdör in eenen Dag.
Men unse Ländtien, dat is fien,
Gineen finn Y, de’t nich mag lien —
Wy lewt en starwt för’n Vechtestrand
För’n Dinkelstrand, uns‘ Heimatland.

Uns‘ Heimatland! Wo moj dat klingt!
As wenn de Engelties et singt
In ehre moje Himmelswies‘,
As was’t en Woort ut’t Paradies.
Wo proat se ok dat aule Platt
Soa moj as hier in Dorp en Stadt?
Hochdütsch krigg noit de Owerhand
In unse lewe Heimatland.

Unse Platt is nich an Wöre riek,
Wot proat ok owerall nich gliek:
Hier „Pöttien“, „Schötteltien“ men segg,
Dor „Pöttken“, „Schöttelken“ kottweg,
Hier seggt se „Moder“ en dor „Moar“,
Hier is et „söwen“, „sewwen“ dor.
Men Buren-, Stadt- en Borgerstand
Verstoaht sick in uns‘ Heimatland.

Joa, dat Verstoahn, dor kummpt up an,
Up Enighäit van Frau en Mann,
Up Enighäit van Arm en Riek,
Wat sall hier ok de Schäidediek?
Noit kann de Groafschupp undergoahn,
Wenn wy men all tehoapestoahn,
Dann hault de Herrgott siene Hand
Ok ower unse Heimatland.

Eine sprachlich und inhaltlich veränderte Version findet sich in: Handel und Wandel in der Grafschaft Bentheim, Verlag für Architektur-, Industrie- und Stadtwerke Düsseldorf, S. 3.

 

<autor> van der Linde, Carl
<titel> De Reichtagswahl
<quelle>

 

De Reichtagswahl

Gott Dank! Nu is de Wahl vörby!
Was dat ne grote Wöhlery!
Was dat en Lopen un Rumoren!
Et klingt uns nu noch in de Ohren
Van all de Flugblaa, all de Reden,
Uns´ Nerven hebben derunter leden.

De erste Redner spröck nich slecht.
Foort sän de Lö: “De Mann heff Recht!“
Dor kwamp nen andern Rechtsverfechter,
Dor sän se all: “De heff noch rechter!“-
Men aß sick nu nen Redner fünd,
De´t Schmeicheln better noch verstünd
En sä:“ Landlö sind noit de slecht´sten!“
Sä wy: “De Mann heff noch am recht´sten!“

Men dorby blew´t nich! Kott derup
Tredd´ wer nen andern Redner up,
De sä:“ Wy sitt ja deep in ´n Kolk,
Schuld heff dran met dat Judenvolk,
Drum mörr y wählen de Partei,
De christlich is en judenfrei!“
Aß nu de noächste Redner kwamp,
Mök de van anner Siet den Damp,
Sä:” “De Partei vull Judenhaß,
Sölvs heel versippt, verjudet was!”

My dücht, da´t altied wall soa bliff,
Dat´t schlecht´un gude Juden giff,
Maria, Josef en telest,
D´Apostel sind ok Juden west.

Dann höllen Reden Soziallisten,
En „Frei-Hannover-Separisten“,
De hebbt ne Masse Stimmen kregen,
Men völle wassen ok dortegen:
Wenn Dütschland utenander fallt,
De Feinde uns noch slimmer krallt,
Dann könnt´s uns noch hel anners ducken,
Uns enkelt better noch verslucken.

Et was en Glück, dat endliks dann,
De sesde Juni kwamp heran.
Ne Masse gaff´t, de´t noch nich wüssen:
Nemm ick denn Zettel nu, of düssen?
Nu is et ut, dat slimme fechten! -
Men wählden wy nu wall den Rechten?

 
         
  Mien Aulershus

Doar vöar in't dorp, doar stünd en hus,
Dat kann ick noit vergetten,
Doar he'ck miene klümpies, de ersten de'ck harr,
Met trippeln en trappeln versletten.

Ick seh' noch mien moder, de flietigste frau,
Van morgen bis oawend sick ploagen,
Ick seh' noch de winkel met allerläi tüüg,
Met elle, gewichte en woagen.

Ick stell' my noch vöar ieder kamer en hook,
De köcken, de dälle, de lange,
De ieserne heerd en dat glöiende füür,
De röäster, de püster en tange.

De swattbunte katte ick düdlik noch seh'
Doar liggen by't füür up de plate,
Ick seh' noch mien moder, de flietigste frau,
In de floar de gliewen en gate.

Völl hebb ick vergetten, wat fröger geböört,
Wat wall van belang, üm te wetten,
Men vöar in't dorp mien aulershus
Dat kann ick noit vergetten.

Carl van der Linde

  So moij is dat Groafschupper Land

Ick lagg in de Häide, dat Weer moj en sacht,
der Lewerteies süngen, den Sünne heff lacht,
de Imen se summden,
de Horpen se brummden
dor achter de Dannenkampswand -
wat moj is dat Groafschupper Land!

Dann stünn ick up't Venne - wat wiet kunn men sehn!
Gin Hüse, gin Böäme, gin Büsche, gin Steen,
en doch all's so prachtig,
de Wietde soa machtig,
van Wolken ne Krone gespannt -
O, moj ist dat Groafschupper Land!

By Frenswegens Kloster. De Wind puusde kault
dör Müren en Pöste, Joahrhunnerte ault.
Wo völl hebbt hier lewet,
wo völle hier strewet,
nich wiet van de Vechtwaterkant!
O, ault is dat Groafschupper Land!

Ich lagg an de Vechte, de Himmel was blau,
up't Gröss an de Kanten moj glitzerd de Dau.
De Golwen so glömmden,
de Fissies se swömmden.
De Vechte al sülwernet Band
tröck sick dör dat Groafschupper Land.

Dör't Benthemsche Hault froh am Morgen ick günk,
de Drossel, de Fink en de Nachtigall sünk. -
Giff't buten en binnen
wall Mojres te finnen?
Nöömt uo men an Pracht allerhand -
nix tegen dat Groafschupper Land!

Carl van der Linde

 
         
 

<autor> van der Linde, Carl
<titel> De nye Borgermester
<quelle> Das Bentheimer Land Band 79, Seite 13

De nye Borgermester
Een Vertellsel ut aule Tieden

De aule Borgermester, Geert Rechtemann, was storwen. Lange, lange Joahre harr he dat Amt hat en soa gut, as he kunn, ieder Recht doan en dat Beste för 't Dorp willt. Dat nich alle met em tefree wassen, dat wüß´t he wall, men dor kunn he nix
an don. Wecke saen, he was nich klook genog, andre meenden, dat he sick van de Amtslö in de Stadt te völl gefallen löt, en wecke säen, nen guden Borgermester de muß manges is enen utgewen. Geert Rechtemann kümmerde sick nich dorüm, wat de Lö ower em töatden, günk liek dör, en wat he dö, kunn he vör sien Gewetten verantwoorden. Nu was he doad. En völle, de froger ower em soa völle te seggen hat harren. meenden nu, dat he doch de slechste nich west was. Soa geht 't ja altied, wenn de Lö doad sind. Men nu muß 't Dorp nen nyen Borgermester hebben. Twee wassen d'r in de Gemeente, de 't geern wesen wullen: Jan Wullenbieter en Hinnerk Wostefatt. Wullenbieter siene Frau harr, as men so segg, de Buxen an, verkehrde geern met grote Lö en harr altied dat grote Woort. „Frau Borgermester" nöömd te wodden! Was ok nich te verachten, besünders wenn dat ehre Noabers, de mißgünstige Klummermieke en de gröatze Haultmine, hörden. Also kott geseggt: de Wullen bietersche strewde met alle Kracht dorhen, dat ehr Mann Borgermester wörre. Jan Wullenbieter sölws was d'r wall ok ower ut, dat Pössien te kriegen. In een Deel was he d'r wall nich soa vör, üm dat sien Frau all seggt harr, dat se as Frau Borgermester ok 'n ny Kleed en nen nyen Hoot hebben muß. Men siene Frau wüß 't em doch soa moj vörteproaten, dat he endliks sölws insög: gineen paßde soa gut to 'n Borgermester, as he. Wat nu Hinnerk Wostefatt was, soa muß ´m seggen, dat he van Person besünders gut as Borgermester paßde. He was de längste en de dickste in 't hele Dorp; en dat nich alleen, he harr ok nen richtigen Borgermesterbuuk en stellde also wat vör. „Wenn wy Wostefatt as Borgermester krieget", sä de Snieder, „dann köwwe up 't Amt in de Stadt wat dörsetten, want för siene Person hebbt se Respekt." Men dat was 't nich allennig. Hinnerk Wostefatt was ok anders nich dumm en wüß, wenn 't drup ankwamp, wall sien Woort te maken. Ider von de bäiden Kandidaten harr siene Fräunde. Men de Wullenbieters harren ne grote Familie, de doch alle för ehren Jan wassen. En up disse Wiese sög 't a!l ut', as wenn Wullenbieter doch wall de meesten Stimmen kreeg. Up 'n Markdag satten oawens 'n heel Pössien Buren en Hürlö in de Weertschupp. üm (soa was 't in 't Dorp bekennt makt wodden) sick is ower de Borgermesterwahl uttesprecken. Wostefatt en Wullenbieter wassen d'r ok en doen erst soa, as wenn ehr dat hele Karwäi nix angünk Buten regende et, wat 't men kunn, en dat paßde de Lö gar nich, üm dat 't all 'n paar Wecke lang altied gotten harre. „Hört is, wat 't wr regent", sä de Schuster, „wenn dat noch 'n paar Dage soa verdann geht, dann goaht alle Früchten kapott!" „En dann kann d'r ok noch gineene wat an don", meende de Snieder. „Is de Utfindung ok noch soa grot, dat Weer könnt de Menschen nich andern, dat mot
nommen wodden, as 't kump." „Soa was dat froger", sä Hinnerk Wostefatt, „men kottens he 'ck lesen, dat d'r doch wall 'n bettien an te don was. Et muß men up de rechte Oart anfangen wodden." Alle lusterden up, en Wullenbieter begünnt all met de Ohren te wackeln en de Oagen te verdräien. „Dat glöwfie doch wall sölws nich!" röp he dann. „Söcke Hexengeschichten vertell an diene Frau! Hier paßt se nich hen!"
„Hier paßt se wall hen", röp Wostefatt en häug up de Toafel, „hier sind verstandige Lö, de för de Wissenschaft wall Intresse hebbt!" „Dat hesse gut seggt, Hinnerk", sä de Snieder, „wy sind nich alle soa dumm, as du utsöß, Wullenbieter!"
Dor stünd de lange Hinnerk Wostefatt up en tickde an 't Glas, üm dat se effen stille wesen sullen. En dann holt he siene Wahlrede, de men heel kott was. He sa: „lck will nich völle Wöre maken, Lö; dat heff ja gar ginnen Wert. ,Kottof en
krachtig', dat is mien Oart. Also hört is: Soa effen hebb Y van 't Weer sprocken, dat upstund ja soa slecht is. Nu wi 'ck U is wat seggen, Lö: Wenn Y my as Borgermester wählt, dann söije dat Weer hebben, net as Y willt!" „Bravo! Bravo!" röpen de Buren, „Sonnen Borgermester köwwe bruuken!" röpen de Hürlö, „O, Y Schoapsköppe!" röpen de Wullenbieters. Men disse kwammen gar nich mehr te Woorde. Alle wassen för Wostefatt, en as en paar Dage later de Borgermesterwahl was, dor harr he hoast alle Stimmen kregen. De Wullenbietersche argerde sick am meesten, noch mehr, as ehr Mann. Men dor was nu nix an te don: Wostefatt harr 't Spill wunnen en was Borgermester. He paßde ok as Dorpsbaas heel gut up, dö wat he kunn för 't Dorp, soa dat men em nix Slechts noaseggen kunn. Dat günk so lange gut, bis d'r is in 't Sommer ne heel grote Dröägte kwamp. De Früchte welkden up 't Land, en ieder keek noa de Lucht, of d'r sick nich 'n Grummelschuur tehoapetrecken sull. Natürlik gaff 't by de grote Hette ok groten Dost. En as dann de meesten Mannlö is oawens in 't Weertshus satten en de Sweet ehr van de Plette löp, proatde ok dor wer alles ower de Dröägte.„Wenn dat noch lange soa verdann geht", sä de Snieder, „geht alles up ’t Land kapott!" „Joa", sä Wullenbieter, „'t is slimm . . . Men" (en dorby keek he den Borgermester soa gnieseachtig van de Siet an) „heff uns Hinnerk Wostefatt nich beloawet, dat he 't Weer maken wull, net as wy 't hebben willt?" „Dat heff he, joa, dat heff he!" röpen de meesten en drüngen foort up den Borgermester loß. „Nu wiese is, wasse kanns!" schräwden de Wullenbieters alle. Dat was nu 'n slimm Spill för Hinnerk Wostefatt, men he löt sick nich verblüffen. He stoppde sick 'n friß Prüümpien achter de Kusen, sprünk up, soa as sick dat för 'nen Borgermester gehört, en röp: „Wat för Weer wyje hebben, Lö?"
„Regen, Regen natürlik!" gröhlden de Buren, „dor bruukste doch gar nich erst te froagen!" „Dor morr ick wall noa froagen", griende de Borgermester, „Will Y alle foort Regen?" „Nee, nee!" sä dor de Schuster, „ick nich, ick will erst mien Höi in Hus hebben." „Ick hebbt ok noch buten", sä Plantengeert. „Ick ok, ick ok", röpen Hülsemans en Hogemann, „wy muggen de hele Wecke noch gin Regen!" En nu schräwde alles dörmekar — de ene wull dit en de andre dat. Et gaff 'n Gekakel, as wenn ne Koppel Ganse Vergaderung hadden. Dor reckde sick de Borgermester met siene hele Längte in de Höchte en röp: „Nu weest is effen stille en hört to: De ene will 't soa en de andre soa, en Enighäit mot d'r wesen, wenn ick dat Weer beschaffen sall! . . . Unse lewe Heergott hefft 't bis nu to altied noch wall gut doan — ick glöwe, wy sullen 't em men ok verdann owerloaten!" „Bravo!" säen de Höijers. „Nen kloken Borgermester hewwe doch!" säen de andern. „Schoapsköppe bye alle, grote Schoapsköppe!" röpen de Wullenbieters. Hinnerk Wostefatt dö net, as wenn he nix hörde. He gluupde wall ’n bettien vernienig noa de Wullenbieterkante hen, men dann günk he wer sitten, tröck sienen geblöömten Tückdook ut de Jasse en wisgede sick den Sweet van de Plette. „Borgermester wesen is doch noch nich soa lichte", meende de Snieder, „dor mot men wall wat achter de Plette hebben!"
Wostefatt lachde: „Wesse, wat men hebben mot?
Wo 't ok kump, by ieder Weer
Een Fell soa dick as Sollenleer!"

 
         
 

Carl Sauvagerd 1906-1992

Karl Sauvagerd (* 19. August 1906 in Gronau; † 6. Februar 1992 in Uelsen) war ein evangelisch-reformierter Schneidermeister, niederdeutscher Dichter und Romanautor sowie Heimatforscher.

Beruf und Lebensweg

Karl Sauvagerd war das älteste Kind eines Schneidermeisters aus dem münsterländischen Gronau. Seine Familie zog 1910 in die Niedergrafschafter Bauerschaft Wilsum, wo sich sein Vater als Maßschneider selbstständig machte. Sauvagerd besuchte hier von 1912 bis 1920 die reformierte Volksschule. Sein Vater wurde nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs eingezogen, so dass seine Mutter mit drei unmündigen Kindern in Not geriet. Karl als Ältester musste auf den Bauernhöfen der Umgebung mithelfen und kam so in engem Kontakt mit dem bäuerlich-ländlichen Leben. Die Wilsumer Schüler hatten im Ersten Weltkrieg viel Zeit mit dem Sammeln von Heilkräutern und Arzneipflanzen zu verbringen, was bei Karl Sauvagerd zu einem lebenslangen Interesse an der heimischen Flora führte. Er sammelte später selbst viele heimische Pflanzen und legte ein Herbarium an, in dem er diese mit ihren botanischen und deutschen Namen, Fundort und Fundtag versah. 1921 nahm Sauvagerd bei seinem Vater eine Lehre auf. 1924 bestand er seine Gesellenprüfung als Innungsbester. Anschließend arbeitete der Schneidergeselle in Uelsen, dann in Bentheim, wo er sich jeweils musikalisch als Chorsänger und Musiker betätigte. Seine Eltern hatten 1928 im Niedergrafschafter Gerichtsort Neuenhaus in der Hauptstraße ein Haus gekauft und dort ein Geschäft eröffnet. 1929 zog Karl Sauvagerd dorthin. Im Dezember 1931 legte er in Lingen seine Meisterprüfung ab und wurde anschließend in Neuenhaus selbstständiger Maßschneider. Am Zweiten Weltkrieg nahm Sauvagerd als Nachrichtensoldat teil. Er war verheiratet mit Auguste Hilfers aus Bentheim. Die Eheleute hatten eine Tochter. 1981 zog Sauvagerd zur Familie seiner Tochter in Uelsen, wo er seinen Lebensabend verbrachte.

Werke

Als Luftnachrichtensoldat im Felde, in: Grafschafter Heimatkalender 1941. Das Bentheimer Land, Bd. XXVI, Bentheim 1940, S. 44-48.
Häideblomen: Gedichten en Geschichten ut de Groafschup Bentheim. Met Noawoord en Woordliste van Arnold Rakers (Das Bentheimer Land, Bd. 31), Paderborn/Osnabrück 1948.
De Tied blif Baas: Gedichten et Joor rund (Das Bentheimer Land, Bd. 90; De Junge Graafschupp, 1), Nordhorn 1955 (2., vom Verfasser neu bearbeitete Auflage, Nordhorn 1976).
Von der neuen Rechtschreibung für das Plattdeutsche, in: Jahrbuch des Heimatvereins der Grafschaft Bentheim 1957 (Das Bentheimer Land, Bd. 47), o.O.u.J., S. 144-147.
Bunte Bilder, in: Grafschafter Tagespost von 1958 - 1959 (27. Fortsetzungen)
Godi en sien söwende Kind, in: Grafschafter Tagespost von 1959-1960 (27 Fortsetzungen).
Das Neuenhauser Gaswerk, in: Jahrbuch des Heimatvereins der Grafschaft Bentheim 1960 (Das Bentheimer Land, Bd. 51), o.O.u.J., S. 182-184.
Seltsame Geschichten, in: Grafschafter Tagespost von 1960-1962 (40 Fortsetzungen).
Dat teken van de doadenburg, in: Grafschafter Tagespost von 1964 (47 Fortsetzungen).
Aus der Geschichte eines Niedergrafschafter Bauernhofes, in: Der Grafschafter, Folge 182, Nordhorn 1968, S. 509-510.
Die evangelisch-reformierte Kirche von Neuenhaus und ihre Pastoren, in: Jahrbuch des Heimatvereins der Grafschaft Bentheim 1966 (Das Bentheimer Land, Bd. 60), o.O.u.J., S. 103-111.
Die reformierte Kirche in Neuenhaus, in: 1369-1969. 600 Jahre Stadt Neuenhaus. Festschrift zum 600-jährigen Stadtjubiläum der Stadt Neuenhaus am 29. September 1969, Neuenhaus/Schüttorf 1969, S. 59-61.
Botanische Sehenswürdigkeiten, in: Jahrbuch des Heimatvereins der Grafschaft Bentheim 1972 (Das Bentheimer Land, Bd. 75), Nordhorn (1971), S. 41-49.
Die Wunderorgel, Roman, in: Zwischen Burg und Bohrturm Folge 2-12, Nordhorn 1975, und in: Zwischen Burg und Bohrturm Folge 1-12, Nordhorn 1976, und in: Zwischen Burg und Bohrturm Folge 1-6, Nordhorn 1977.
Heimatliche Naturheilkräfte (Das Bentheimer Land, Bd. 83), Nordhorn 1973.
Unser Grafschafter Platt,


 
         
 

Broam *)

Den gellen broam, den mag ikgeerne lie'n,
den löcht't soa frisch in'n sommer - sünnenschien,
den blööjt soa stark, vul owerfloot en kracht,
breng in de weit ne wunderlike pracht.
Stoat dunkler door dee dannen, deep in'n droam,
löcht't bliede bunthäid up, woor blööjt den broam,
dee gelle gloot, see glööjt soa gül **), en gif
uns blieae bosschup, dat't nu better blif.
Du gellen broam, du hes mij völ al segt,
du maaks dat land soa fröindlik en soa lecht,
van'n himmel krigs du dienen gauld'nen schien
en schenks doorvan an dee, dee dij möögt lie'n.
*) broam = Ginster
**) gül = treu

 

Brömmelbus

Den Bus door möt blööjn en dat mötte,
dan kan he ok dregen van't Joor.
Den Brömmelbus stekten dat dötte,
men blööjn dötte mooj, dat is woor.
Nich fake plükt Löö van dee Töge
en sett se in't Glas of in'n Pott —
men wu fake schöört wal de Hegge
de Mensschen de Kladden kapot!
Want as du Brömmel wis plükken,
dan schöörs du dy licht wat kapot,
en wis an de Kante se drükken,
dan krabt dy de Döörn dat et blodt.
De Löö sind begeerlik dat sind se,
en Brömmel wil iederman geem;
se bint ok heel lekker dat bint se —
men waam mags dy wal vor de Döörn.
Du hes sölws de Schuld en dat hesse,
wat grips in de Döörne as gek?
Versichtig mös ween en dat mösse --
ik heb dy’t joa segt en dat he’k.
Karl Sauvagerd

 
         
  Heergods Natuur

O maakt nich alle grund torecht
tot akkerland, tot maat en weide,
laat hier en door een hökien frij,
een strepien fen, een stückien heide,
dat hier en door een steechien blief
soa, as et uns de Heergod gif.

O haut nich alle hegen fut,
verbrant nich all' de brömmelbüsche,
en maakt nich alle kölke to,
woor wild noch grööjt wee'n, lois en rüschen.
Laat wassen doch den gellen braam,
den wagebus, den barkenbaam!

Noch is't in unse Groafschup moij:
O sorgt doch, dat dat so mag blieven!
Wij möt uut unse Moderland
nich alle moijigheid verdrieven!
En'n moijsten goorn up de duur,
dat is en blif doch Gods natuur!

Drüm maakt nich alle grund torecht,
tot akkerland, tot maat en weide,
laat hier en door een hökien frij,
een strepien fen, een stückien heide,
dat hier en door een steechien blief
soa't unsen Leven Heer uns gif.

Karl Sauvagerd

  Wilssem

"Wilsum ist so wohl gelegen,"
süng'n de Kinder froger al
en dan güng'n se door ant Flegen-
in de Barge kann dat wal.

Lange bin ik nich mehr hier weßt,
men nu bin'k d'r is moal wier,
nu goah ik de Haidepättkes
alle noch is moal wier düür.

Van de oulen Hünengrawe
ik hier al nich völl mehr finn
düür de Barge, düür de Haide
goah ik nu noa Wilssem in.

Wilssem ligg hoast heel in't Gröne
Löö hollt hier wal van Natur,
en nen Goorn heff iedereene
Koapmann, Ambachtsmann, Pastuur.

Seh, de mooje nijje Schoole,
nette Burenhüse all,
ik glöäw, de Wilssmer sind soädöänig
met alles up de Höögte wal.

Nich to natt en nich too dröäge
is et hier, friß is de Lucht,
hier ne Becke, door ne Becke,
dee hoult Lând en Wäiden fucht.

Rund üm Wilssem Barge, Häide,
heel für sik ligg wilssem door-
"Wilsum ist so wohl gelegen"
segg dat Leed- en dat is wohr.

Karl Sauvagerd

 
         
  De Groafschup Benthem

De Groafschup is et mööjste Land,
wat up de Eerde ligg;
in Oost en West, in Süd en Noord
giff’t mööjre Läindties nich.
Söökt owerall men, woor ij willt –
ginn bettre Gegend giff’t.
De Groafschup is doch ‘t mööjste Lând;
soa is et en soa bliff’t. In Bênthem, Gillhus is et mooj.
mooj in de Barge wal,
en doorbij Ülsen, Wilssem ock,
mooj is’t hier owerall.
De heele Groafschup is ‘n Stoat –
ginn mööjer Lând ik kenn.
Men sött hier Barge, Häide, Buß
en Moaten, Lând en Fenn.

Soa röstig en soa still is’t hier,
völl mööjer doorüm ock
as in de Stadt; door geht et joa
den heelen Dag soa drock.
Goaht men is noa de „Großstadt“ hen
met all den Hoast en Drifft –
de Groafschup is doch ‘t mööjste Lând;
soa is et en soa bliff’t. Hier in de Groafschup sind de Löö
olldags flietig an’t Wark,
en söndags treckt se mooj sik an
en goaht dann noa de Kark.
Dann dânket ehren Heergott see
för dat, wat hee heff doan –
soalang hier Gottvertrouen is,
könn wij nich ûndergoahn.

Mooj is’t hier, as de Häide blööjt –
wat sött dat prachtig ut!
En is’t mooj Weer, dann goah wij ock
int Sommer söndags ut.
De Vögel singt, de Quellen springt,
de Sünne schient en lacht –
wat heff de Heergott ûns doch hier
hengewen för ‘ne Pracht. Joa, an de Groafschup holl wij fast,
soalang dat Hart noch kann –
en wij weet’t dat: As doat wij sind,
de Kinder warkt verdann.
En wij vertrout up ûnsen Gott –
ginn bettre Hölpe giff’t:
So is de Groafschup ‘t beste Lând –
dat is et en dat bliff’

     
         
 

Wilhelm Buddenberg 1914 -1992
Wilhelm Buddenberg (* 27. Juli 1914 in Neuenhaus, Landkreis Grafschaft Bentheim; † 14. Februar 1992 in Nordhorn) war ein deutscher Lehrer und Politiker (CDU).

Leben

Buddenberg wurde mit dem Bundesverdienstkreuz I. Klasse ausgezeichnet und war Träger des Ehrenringes der Stadt Nordhorn sowie des Großen Verdienstkreuzes des niedersächsischen Verdienstordens. In der 6. bis 8. Wahlperiode war er vom 6. Juni 1967 bis 20. Juni 1978 für die CDU Mitglied des Niedersächsischen Landtages.
Von 1952 bis zu seinem Tod war Buddenberg im Vorstand des Heimatvereins der Grafschaft Bentheim. Er interessierte sich für die Regionalgeschichte, die Grafschafter Heimatdichtung und die plattdeutsche Sprache. Er war Autor, Herausgeber und Mitherausgeber einer Reihe von Werken, auch in „Groafschupper Platt“ (Grafschafter Platt), so unter anderem von „Heimatdichtung der Grafschaft Bentheim“ (1989) und „Ut de Pütte. Groafschupper Platt föar groot en kläin“ (1994). Von 1980 bis 1988 veröffentlichte er im Selbstverlag sechs schmale Bände mit Anekdoten und Erzählungen in Grafschafter Platt. Die Titel dieser Büchlein lauten: „Kaalchen un Lieschen“ (1980), „Freu di met“ (1981), „Freu di noch moal“ (1982), „Freu di weär“ (1983), „Freu di verdann“ (1985), „Freu di altied“, (1988). Der Untertitel lautet jeweils: „Pleseärege Geschichten föar jung en ault“. Einen weiten Leserkreis erreichte Wilhelm Buddenberg mit der Spalte „Groafschupper Platt in`t Wochenblatt“, die er seit 1983 regelmäßig schrieb

 
         
 

Bi'n Dokter

De Frau was bi'n Dokter wesst.
De Mann frogg:
"Wat hef he seggt?"
"Datteg Mark." -
"Nee, ick meene, wat du hat hes."
"Twintig Mark." -
"Wat bis du doch 'ne dumme Frau. Ick meene, wat di fehlt hef." -
"Tien Mark."
Wilhelm Buddenberg

     
         
 

Kompjuter

Dat is 'n heel modern Wort, up Dütsch hett et van Rechner. Et is also 'n Meschientien, woar 'm ock met recken kann.
De Schoolkijner hebbt ock al mangs sönn Kässien. Men ick will hoppen, dat se ock noch Kopprecken leährt, want see hebbt eähren Kopp ja nich bloß doarföar, dat d'r Hoare up wasst. Vull Mäinschen meent, dat denn Kompjuter altied recht hef. Men dat stimmt nich. Mine Nichte hadde mi kottens an't Telefon seggt, ick sull is moal Appenzeller Käse koapen, denn sull besüiners lecker wesen. Ick woll is eärst 'n kläin Stückien probeären un güing in 'nen Laden. De Verkäuferin schneet 'n Stückien of un leggde et up de Woage. Un nu was denn Kompjuter an de Riege. Hee schmeet 'n Zettel¬ten ut ower 4,99 Mark. Denn Käse was würklek lecker, dat mock seggen. Wu ick mine Placke Stute met denn Appenzeller att, keek ick tofalleg up dat Zetteltien: 0,128 kg 21,90 DM/kg 4,99 DM. Ick däinke: Wenn een Kilo 21,90 DM kost', dann kost' 100 g 2,19 DM un 200 g 4,38 DM, un ick hebb föar 128 g 4,99 DM befahlt, dat kann nich stimmen. Also: Pepier un' Pottloat nemmen un noarek-ken: 0,128 x 21,90 = 2,82320, also 2,82 DM.
'nen Taschenkompjuter hebb ick ock: Inschalten, de Zahlen intip¬pen un up't Knöppien drücken: Tatsächlek 2,82 DM - also 2,17 DM te vull befahlt! De 2,17 Mark makt mi nich arm, men ick bin doch in dat Koaphus goahn un hebb eähr dat Zetteltien wesen. „Das kann doch nicht", meende de freundleke Verkäuferin, „der Computer hat das doch ausgerechnet". Ick dachde, dat de „Computergläubigkeit" vandage doch wal oareg wiet geht, un sä: „Minen Kopp hef 2,82 Mark utreckent un minen kläinen Kompjuter ock." Se woll mi de 2,17 Mark weärge-wen, men dee woll ick nich hebben un sä: „Schniet mi men 'n moj Stück of, un dann recken wie et tehoape ut. Dee 2,17 Mark treck wi dann of." Dat hebb wi soa doan. Denn Kompjuter kump nu noa 'n Kompjuterdokter, denn sali em dat verkeärde Recken wal ofleähren. Denkt is ower disse woahre Geschichte noa un owerprüft is de Kompjuterzettelties. Velicht loahnt et Sick!
Wilhelm Buddenberg

 
         
 

Heinrich Kuiper 1937

Neuenhauser Dichter und Schriftsteller Heinrich Kuiper (geboren 1937) Heinrich Kuiper lebt nahe dem Vechtewehr in Grasdorf. Er besuchte die Grasdorfer Volkschule. Bereits im Alter von zehn Jahren schrieb er seine ersten Gedichte, zu denen ihn der Deutschunterricht von Frau Klotz anregte. Damals war es noch üblich, dass Lehrer ihre Schüler Gedichte auswendig lernen ließen . Heinrich Kuiper hat seit dem Jahre 1968 regelmäßig Gedichte und Prosabeiträge in den Jahrbüchern des Heimatvereins der Grafschaft Bentheim (später auch im „Grafschafter") veröffentlicht, und zwar zumeist in Plattdeutsch.

 
         
  Sommeroawend

Denn heeten Dag verssackt in`n Droam,

Wienroat glööjt dat Sünnenfüür,
De Wijnd dee sijnk in`n Pöppelboam
`N Leedtien to de Offschäidsfier.

Nen Kickfoss schrääwt uut`n Rüschenkolk;
Et bliff verdann mooi Sommerwäer.
An`n kloaren Hemel schwömmt ne Wolk`,
Liekt as `n Schipp up`t wiede Meer.

Uut`t fäere Dörpien ropp ne Klock:
„Schloapt nu! Denn Dag is lang` to Äind.“
De Nacht in`n griesen Newelrock
Owernäimp et Regimäint.

 

Plattdeutsche Weisheiten

Vergänglich ist die Weltenpracht,
Verzicht das Leben tiefer macht.

Hang nich dien Hatt` an wäerldsche Saken?
Könnt dee alleene glükkig maken?
Wat helpt et, as soa völl gewins?
Hess`n Huus, daags` Broat, de nöär`gen Kleer
En bis gesound, verlang nich mäer!
O, wat du dann `n riek Mäinsche sinds!

 
     
 
  Dinkeldorp

Du bis 'ne kläin' oase en 'n idyll
'ne gauldne kron' an Hollands gräinse,
romatisch is't in di en märchenstill
en prunks met would- en wäidenkräinse!

Dien kärkin stroald in wundermoje klöör'n
Wis na'n himmel, spreckt dankeswöörde.
Dat möllenrad vertelld van soat en köörn,
van 'n eenfach lewen up Gods eerde.

Völ oorlogs hes beleewd, wöörs faak besiegt,
mus seerte, noat en aarmood lieden.
De deepen lieksteen an dien licham tüügt
Van kriegsvolk ut den feeren süden.

Üm boem' en borgruin sik iloaf wün,
farwd aule müren bunt en belder
en 'nen smaragdden schemer göt de sünn'
up bus en gröne hawerfelder.

In küüle rüme kruud en blomen lacht
Wunt free wied fut van steenern wöösten,
En waterwell'n geewt kranke seelen kracht,
könnt stresbefal'ne städter trösten.

An blaue oadern is't so märchenstill. Fischräiher waakt up könningstrone.
Du bis 'ne kläin' oase en 'n idyll
'ne heerlikhäid en gauldne krone!

Heinrich Kuiper

     
         
  Van't mark nich futt te däinken is denn veekoapman Krusemann. Hee is gin`n Groafschupper en kump ut't Westfoelsche, is 'nen groten, starken keerl met upfallend lange tande, heff ait denn schalk in'n nakken, steckt geern de buren de geck an, legg groten weert up kwallität en koff van de biggen ait dat krööntien d'r uut. To markbeginn stigg hee up ieder wage en luurt denn aap ut'n baoam. Is ok an de biggen niks uuttesetten, hee schmitt geern nen klakkert d`r up. Dat hett, hee maakt se schlecht an latt d'r gin guud hoar an. „Deine Ferkel will ich nicht, zwei haben einen Buckel!“ segg hee. Men de buur, denn se höört, is nich up'n beck fallen en segg: „Et is better, dat de biggen 'nen pukkel hebbt as dat ik eene hebbe! See dreegt em sölws. lk bin d'r nich met traut en heb noch noojt ginne hollen. Ik finne wal huus-sittende löö, dee nich soa up kwallität acht en se wal geern koapen wilt!“ Dat huus-schlachten was dumoals noch nich uutstorwen. -- Hee is se wal kwiet wodden. 'N paar mark guudkoaper muss hee se an`n man brengen.
Krusemann kann't van twee kanten. Hee maakt de borstenviecher slecht en hee kann se ok puchen. Mangs steet hee millen up de wage tüschen `ne koppel biggen. Kump d'r starke wind, dann wääjt de tippen van sien'n langen mantel in de höögte. Den „flegenden engel“is de hele tied in beweging: Hee haut met de hande üm sik too en liekt net as nen pestoar, den up ne wiede flackte unner frijen himmel ne preeke hault. Hee röpp luudhals ait weer de sölwen wöörde: „0 was schöne Ferkel! Solche Ferkel habe ich noch nie gesehen. Die stammen gewiss aus einer Elitezucht! Ich werde Besitzer dieser prächtigen Tiere und zahle dafür den höchsten Tagespreis!“

Siene ruhmesreden schient gin äinde te nemmen. Äinkelte buren spitzt de oaren en däinkt nu, dat de biggen upstund schlimm düür bint. Men door sind ok wiese profeeten, dee denn praalhans al lange kennt en siene proeties gin'n gloawen schäinkt. See verhollt sik neutral en schwiegt. De buur'n klettert met eere priese hoog in de boeme en treckt de melk up. See froagt wucherpriese, dee gineene betalen kan. Kruseman bött völl meer, as se weert bint en drääjt dan dee halsoffschnieders de kaule rügge too en verhault sik, as of hee gin bigge meer seen wil. 'N üür later kriegt de buren de arg d'r-uut en markt, dat hee meer boden hef, as se weert bint. 'N bettien eerder as't mark te äinde is, wodd Kruseman weer flügge en will biggen koapen. Denn handel geböört met handschlag, en doarbi wodd soa niets toschloan, dat men hoast bloaren in de hande krigg. Hee koff nu de mööjsten biggen föör 'nen heel lägen pries. Is denn handel vöörmekaa, dan kloppt hee de buur sachies up de schulder, gnis lük en segg heel bedaat: „0 was hab ich diesmal billige Ferkel gekauft. Ich hätte dir viel mehr gegeben, aber du wolltest es ja tun!“ Kruseman is 'nen lepen keerl, weet best, wu hee met de buren ümgoahn mött en kan't naar mooj seggen. Moal kick hee nijsgierig up'n namensschild van 'nen wagen en ropp dan denn buur, denn d'r tegen steht, too: „Bist du noch ein Anhänger und Verehrer des Führers? Zählst du zu den Unverbesserlichen?“ De buur begrip eerst nich, wat hee meent. Denn namen an sien'n wagen is nich meer düüdlik te lesen. Door steht den oortsnamen „Hilten“. Krusemann hef doar „Hitler“ van maakt, men hee weet't wal better. In de Junimoand is noch wal faker denn handel schleppend en de noafroage noa biggen schlapp. Dann posaunt Kruseman unner't burenvolk in`t-runde: „Sind die Kirschen rot, ist der Handel tot!“ -- Et is noch wall spietig, dat man dit original nich in't bild fasthollen heff.
 
     
 

 

Jan Smoor 1905 - 1993, Dichter hinter dem Pflug

In Alte Piccardie starb am 15. Februar 1993 der Altbauer Jan Smoor. Er wurde 87 Jahre alt. Jan Smoor hat sich um seine engere Heimat verdient gemacht. Plattdeutsch und hochdeutsch, in Poesie und Prosa, schrieb er seine Erlebnisse und Empfindungen nieder. Gleichsam hinter dem Pflug entstanden seine »Tausend Verse«, in denen sich das menschliche Leben mit seinen Höhen und Tiefen und das Werden und Vergehen in der Natur widerspiegeln. Unzählige Arbeiten blieben der Nachwelt im Heimatschrifttum der Grafschaft Bentheim erhalten. Zu ihnen gehört nicht nur eine zusammenfassende Geschichte der evangelisch-reformierten Kirchengemeinden. Während des Zweiten Weltkrieges hat der Verstorbene Kriegserlebnisse, soweit sie Alte Piccardie und die Umgebung betrafen, sowie die Schicksale der heimgekehrten Soldaten, der Gefallenen und Vermissten chronologisch festgehalten. Neben dem Ernst des Lebens stand bei Jan Smoor auch immer der stille, tiefgründige Humor. Das machen seine lustigen Erzählungen und die von ihm verfassten Bühnenstücke deutlich. Jan Smoor liebte seine angestammte Heimat sehr. Um so weniger Verständnis brachte er für großräumige Entwässerungs- und Erschließungsarbeit auf, durch die einst wertvolle Naturreservate in Moor und Heide gefährdet wurden.

Wenngleich auch der Verstorbene zeitlebens ein Niedergrafschafter Landmann von echten Schrot und Korn geblieben ist, zog es ihn doch immer wieder in die »weite Welt«. Insbesondere die Tiroler Berge hatten es ihm angetan. Mit Jan Smoor verloren die Freunde der Grafschafter Heimat einen tatkräftigen Mitstreiter, dessen Andenken sie stets in Ehren halten werden.

Willy Friedrich

 
         
  Denn Unnerscheed ...

De Menschen sind met Unnerscheed.
Lang nich all ewen fix.
End doar, wo Harm nen Utweg weet,
weet Hinnerk meest Tied nixt!
Denn eenen makt de Lö Plesäer.
Denn annern groot Vedreet.
Denn eenen helpt de Menschen voart.
Denn annern „stille" steht.

Denn eenen is met dat tefree,
wat em soa todeelt is.
Denn annern segg alltied: „O nee,
dat is joa alle missl"
Denn eenen proat' mit iedermann.
He beelt sick nojt wat in.
Denn Ingebeelden doartegen kann,
en mag gin eene lien.

Bij Menschen, de tehoape höart,
men nicht tehoape passt,
löpp up de Duhr doch wat vekäert;
dorüm vull beter wasst:
Erst denken an denn Unnerscheedl
Det gäilt vöar Jung'n en Wicht.
Is denn te groot, dann gifft Vedreetl
Nemmt dorüm nich te licht!

Jan Smoor

  Et dött mij leed...

Ast aule Joahr
te Eljnde geht;
dat nije nu weär
vöar uns steht,
dann mött ick prakkeseären:
Et is hoast üm te reären,
dat van moje Sitten
ut de aulen Tieden
nich meähr vull besteht.
Et dött mij woarlick leed,
dat wij de langen Koken,
de soa lecker smöken,
hoaste nich meähr seht.

Jan Smoor

 
         
 

De Georgsdorper Mölle

Vegetten en veloaten
Steht an dat wieder Moor,
Kott an Kanoal en Stroaten
De Möll', baul hundert Joahr.
Wennt froger oarig wäijde,
Dann löp den Möllensteen.
Et Flölelrad sick dräijde,
Doch dat is lange leen. —

Nu kann men an de Mölle
De Flügel nich meähr sehn.
En deepe, döadsche Stille
Ligg üm den Möllensteen.
Wenn sick doar ginn' üm kümmert,
En doar wott nicks an doahn,
Nicks weär torechte timmert,
Dann mött de Möll vegoahn. —

Loat de doaroawer proaten,
De wat te seggen hebbt.
De Mölle nich vestoaten,
Nich soa döart Lewen sleppt.
De noa uns kump soll danken,
Netsölf, of jung of ault,
Well mett nije Flögelplanken,
De Möll' in Eähren hault.

Jan Smoor

 

De söwen Kölke

Achter, wiet int Venne,
Woar de Aa geboaren is,
Bij Tieben-Hermann, de ick kenne.
Woar du misschien nich künnig bis„
Liggt söwen Kölke ingeslotten
In lange Heijde, Rüschen, Seck.
Se liggt doar nich an faste Stroaten,
Se liggt doar tüschen Törf en Dreck.

Wat was et hier doch froger Joahren
Veloaten, eensam, frij en still.
Blos nen Vogel kumm' mangs höaren,
Van enkelt Soarten gafft hier vull.
Hier kunn men noch soa recht belewen,
De Natür, soa reijn en kloar,
Hier kunn se uns dumoals gewen,
Free un Röst, dat heele Joahr. -

Du hebbt Menschen Törwe stocken,
Rund üm de söwen Kölke her.
De groote Eensamkeit ist brocken.
De deepe Stillte is nich meähr.
Denn aulen Boam, denn heel alleene,
Eensam an de Kölke steht,
Heef siene meesten Joahre sehne.
Et schient, dat he gaww unnergeht.

Jan Smoor

 
         
  Janette Boerrigter  
 
Darteen Wilsemer up 'n Pad noa Emmelkaump

Darteen Wilsemer Buren güngen is moal met mekaar noa de Emmelkaumper Karmse. Ear at se futtgüngen, täilde ear ierst eene, of se d'r wal alle wa'n. Men het was best vür mekaar, doar schäilde (fehlte) gineene. Se wa'n net darteen Maunlö.

Dür 't Wagenspür göngen se achter mekaar liek up Emmelkaump an en wa'n al hoast ien 'n „Ballast", ien Öaveringen. Du schöat up 't Moal eene van de Buren wat ien 't Sinn. He rööp: „Wocht' is ääm! Wi bint nu gauw ien Emmelkaump. At wi temett up de Karmse bint, könn wi ons häinig verlöaren kriegen. Loat wi ons doch vür de Wissigheet noch ääm wier tellen. Wat sull dat naa' (furchtbar) wään, at wi unnerweggens eene verlöaren kregen hadd'n."

En du wööd d'r täilt. Den iersten köimp bis twölm. Du begüint den tweeden. Em göing dat net soa. Elk was moal an Büürt met dat Tellen. Men het güing ear alle allees. Se täilden ... negen, tiene, elm, twölm..., en dann was 't gebüürt. Gineene had doar an dacht, sik sölm met te tellen. Wat 'n Spill! Se wa'n met darteen futtgoahn en nu wa'n se bloß noch met 'n twölm. Nümms (niemand) kunn sik begriepen, wo of dat kunn. Hadd'n se unnerweggens eene verlöaren kregen of hadd'n se verkiert täilt? Se kunn' met 'n besten Willen ok nich noagoahn, well of d'r nich mehr bi was.

Gelükkig was d'r eene bi, dee Roat wüss, wo se doar nu met anmuss'n. (Anners hadd'n se d'r mischien vandage noch stoahn te prakkesieren.) Of dat de kloke Jan was, dat weet ik nich, men dissen Buur sää: „ Kiekt is, hier ligg nen mooien frischen Koh-Flott. Nu loat wi is alle noa mekaar onse Nöse doar ien stippen."

Dat kunn gebüren. Doar wa'n se foart met eens. Elk stöck siene Nöse d'r ien. Darteen kläine Kuhlen blewen dütlik ien den Koh-Flott achter, en elk had 'n Bettken van de Kohschiete an de Nöse.

Men de Wilsemer wa'n heel bliede, dat se alle darteen noch bi mekaar wa'n en güngen met Plesier verdan noa de Karmse.

Upschreeven van Janette Boerrigter

 
         
  Millen düür!

'n Döönken uut de Schole

Geesken passt vandage ien de Schole gar nich up. Ierst had se nen schoanen Tückdook vergetten. En nu kann se ok dat Gedicht nich uut 'n Kopp. Doarüm geff de Mäister ear met sienen Stock düftig welle vür 'n Ears.

Geesken reart en jammert het uut: „Herr Lehrer, ich kann 's nich mehr länger aushalten! Ich werde flau!" Later löpp se ien 'n Draff noa Huus.

Eare Mama höart ear Wicht al van wieten ankummen. Se will ear ien de Arme nemmen en frogg: „Wat is d'r doch, mien Wicht? Well heff di wat doan?"

Men Geesken gooit earen Tornüster ien 'n Hook, löpp rearend an eare Mama langs, liekuut in de Schloapkamer met dat grote Spegel. Mama is besorgt en nijschierig. Se geht stillekes achter ear an. En wat sött se doar?

Geesken steht für den Spegel, ... treckt sik de Bukse dale, ... dräit sik üm, ... geht krumm vür 'n Spegel stoahn ... en ... faung noch hätter an te rearen: „Mama, kiek is! ... Mien'n Ears! ... Had ik mi wal dacht: Millen düür!!!“

Upschreewen van Janette Boerrigter

  Dat göing noch moal goot!

(Ne Geschichte van Friedel Ostermann, noavertäilt up Wilsemer Platt)

Dat was dissen Wijnter bi den Schnee un dat Glatties. Mensch, wat was dat glatt bi ons ien Wilsem (Emmelkaump)! Well nich van hooge Noat druut muss, bleef ien Huus. Et was buten te geföahrlik. Teminsten soa lange as de Stroaten en Footpättkes noch nich sträit war’n. De Schoolkinner bruukden ja ok nich noa de Schole de Dage. Bloaß bi de Apotheke ien Uelsen (Emmelkaump), doar was Hochbetrieb bi dat Wear.

Kott vür ’n Middag köimp doar soa ’n öller Fraumäinsch uut de Düre van de Apotheke en marschierde heel trankiel oawer dat Pättken up de Stroate an. En doar was ’t ok al gebüürt. Bumms, satt se up ’n Nears! – Och, et was noch wal oarig goot goahn. Se was foart wier up de Beene. Men eare Haundtasche, de was ien ’n hogen Bogen ien ’n Schnee te launde kömmen.

En was ok noch löss goahn!! Dat heele Spill lag up de Ground: ear Tablettengedoo, Tückdöke, Schlöttels, ’n Rülleken Pemüntkes en wat ’t alle was. Men de aule Taunte gatterde dat heele Marakel wier bi mekaar. ’n häinig Fäntken hölp ear doar ääm bi. Se stoppte alles wier ien de Haundtasche. Men nu heel versichtig up Huus an!

Foart ümdewiele röp de Junge achter ear an: „ Oma, doar ligg noch wat!! Stopp, Oma, wocht is!!“ En he bückt sik noa wat. De Tante bliff stoahn. …

Heff se doch nich alles metkregen? ... „Kiek is, Oma, hier! … O Mann, dat sind ja Tanne!“

Tatsächlik, doar lig ’n Gebitt ien ’n Schnee. ’n Stück of wat Löö blieft stoahn en gniest. De Junge schreewt: „Hier, Oma, diene Tanne!“, en giff ear dat Gebitt ien de Haund.

Dat Mäinsche faung harre an te lachen en segg: „Nee, Junge, miene Tanne bint dat nich! De höart mienen Mann too! Wi hebt nijs nen Schijnken anschneen. En nu nemm ik aait mien’n Mann sien Gebitt met, at ik uut ’t Huus goah! Anners geht mi den Döiker albott bi den Schijnken!“

Gauw stoppt se ’t Gebitt ien de Haundtasche. „Hä“, sää se, „dat is noch moal goot goahn!“ En futt was se, soa gauw as ’t güing bi dat Glatties.

Upschreewen van Janette Boerrigter

 
         
  Lucie Rakers  
         
  Ja nich plattdeuts, merk dich das!

Plattdeuts sprechen mit die kinner?
Nee, frau Battels, tun wir nich!
Diese oulderwetsche sprache
is ja fürchterlich!

Was die leute da mangs schreiben
in die zeitung, cheen och cheen!
Da muss ich ja über lachen:
Plattdeuts darf nich unnergehn!

Was mein mann is, der sagt immer:
"Everdina, weiß du was?
Sprech man hochdeuts mit die kinner,
ja nich plattdeuts, merk dich das!"

"Ja, frau Klomp, ich sag auch immer:
Man muss mit doch mit die Zeit!
Meiner is so für das platte,
und das tut mich furchtbar leid.

Albert, sag ich, geb dich mühe!
Wir wohn' hier doch in die stadt,
wir sin doch moderne leute
un die sprechen nich mehr platt.

Denk doch man an unsre kinner.
Wenn die nach die schule gehn,
die könn' sicher dann vons deutsche
heelemals kein Wort verstehn."

"Recht, frau Battels! Für das platte,
da sin ich auch gaarnich für.
Un ich will sie mal was sagen:
Drüm verwesseln unsre blagen
auch kein einmal mich und mir!"

Lucie Rakers

  O disse jungs

Wel stapt door met blâte föötkes
döör dat moddergat?
Junge, papa mus't mââl wetten!
Men da gaf't noch wat!

Dij met drek sâ te bespütttern!
Fuj, du slüngelan!
Wel sal al dien töög weer waschen?
Denks du door nich an?

Gittegit, wat bis du smerig!
Kiek es an, dien hoor!
Schaam dij wat, du grote junge,
bis jâ al vief joor!

Hoge tied is't, dat du weneer
in de schole mös!
Mester sal dij door wal kriegen,
as du unrecht dös!

Lucie Rakers

 
         
 

Heinrich Hensen 1914-1989

 
         
 
en Nettelkönning

Den Nettelkönning hadde sien Nöst unner't Offdak van de Schüre. Nu wass'n de baiiden Aulen moal teglieke uutflöagen - se muss'n ja watte fretten halen für eare Jungen - en hadd'n de Kläinen heel alleene loaten
'n Settken later kummt de Aulen wier noa Huus. ,,Wat is d'r doch?", frögen se. ,,Well heff u wat doahn? Ij bintja heel up'n biestern! Will Ij dann niks etten?"
,,Och", sään se, ,,Hier is net soa'n heel raa Dier langs kömmen. Heel grieselik, met soa ne rouwe Nacke! En dat keek met siene grote Oagen ien onse Nöst! Hä, nee - wat heb wi ,n Schrick kregen!" ,,Soa", sä den aulen Nettelkönning, ,,en woar is he dann blewen?" ,,He is doar up an goahn", sään de Kinner. ,,Loat den men wochen!", meende de Vaa. ,,Ik goah em noa. Den kann wat beläwen, dat kann 'e!" En den Nettelkönning flöag achter em an. En du he doar üm den Hook koump, du is dat de Löwe, de geht doar langs. (Mischien was't ok bloß ne Katte.) Men den Nettelkönning is d'r nich benauwd für west, dat mö'ij nich glöawen! He sett' sik bi den Löwen up de Rügge en begijnt met em te futern: ,,Wat hess du bi mien Huus verlöaren, hä? Woarüm hess du miene Kinner bange maakt, hä? Du biss wa' nich goot wies!? Wat fault di ien!?" Men de Löwe treckt sik doar niks van an en geht sien'n Gaung. Du wödd den Nettelkönning noch helliger en begijnt noch hädder met em te blecken: ,,Du hess doar gar niks verlöarn, höars du? Ik sall di is wat segg'n: Koumms du noch eenmoal wier en maaks miene Kinner up'n biestern, dann kauns du wat beläwen!!! Ik magg't ja nich doon", sä he en büürde sien rechter Been hoch, ,,anners tredde ik di nu foart all de Rügge ien mekaar!" En du flöag he wierüm noa sien Nöst. ,,Soa, Kinner", sä he. ,,Den hebb ik dat ääm offleart! Den koump hier nich wier!" Uut Holsteiner Platt vrij noavertäilt van Heinrich Hensen


 
         
  Pröatkes up Nijioahrsvisiten

Bakkers Hinnerk heff sien'n Mähdrescher ok noch nich betaalt. Unse Jungs vertäilden dat.Joa, men dat sind ja ok sökke düre Dinger. `n paar Dage wödt se bruukt, en dann stoaht se't heele Joahr. Dee liedt mehr van't Stoahn as van't Lopen. Sienen Öllsten, denn is ja nu soa üm de twintig , de hadde ko'nns sien Vaa is anschötten, dat he nu verdan ok wal is moal soa'n Auto hebbn woll, nett as de annern Jungs ok. Et bruukde ja nick nijt te wään.

"Och", hadde Hinnerk seggt, "ik weet't wall, Junge. Du hess düftig warkt, van't Summer. - Men soa lange as den Mähdrescher nicht betaalt is, möss du mi doar nich van proaten." Du hadde den tweeden, den is sessteen, is versichtig froagt, of d'r dann föar em nich `ne Brummfietse ansatt. Men - he hadde desölwde Antwoart kregen. Dann hebt se noch soa nen Kläinen, den geht noch noa de Schoole. De probeerde et ok is: "Papa, en wo is dat met ne nije Fietse föar mi? Den mienn, dat is doch niks mehr!" "Ik weet't wal, mien'n Jungen", hadde Hinnerk seggt. "Men soa lange as den Mähdrescher nich betaalt is, möss du noch wochten." De Junge, de hadde dat ja gar nich passt. En du he later oawer den Hoff geht, du sitt doar nett den Hahn up ne Henne. - He giff den Hahn nen Trapp ien'n Ärs, dat he wegflög en segg: "En soa lange as den Mähdrescher nich betaalt is, gehs du gefälligst ok te Foote!"

Heinrich Hensen

 
         
  Gerhard Butke  
         
  Dat Müsken

Müssken, Müüsken flink un kleen,
wat spölls du door soa heel alleen,
springs munter öwwer Stock und Steen,
hess ien denn Busch de Voss nich seen?
As he di krich, helpt di kieneen!

Un dat Müüsken flink und frech,
lepp denn Voss jüst öwwern'n Wech,
men dann hör ik wu he sech:
"Du bis to kleen, war hebb ik Pech."
Swupps - door is dat Müüsken wech!

Gerhard Butke