GN9.2.2017 von Andre Berends  
     
 

"Großer Sohn der Stadt Neuenhaus“

Heimatfreunde wecken Erinnerung an
Heimatdichter Karl Sauvagerd

 
       
 
 
       
       
 

NEUENHAUS. Vor 25 Jahren, am 6. Februar 1992, starb in Uelsen mit Karl Sauvagerd einer der bekanntesten Grafschafter Heimatdichter. Die Heimatfreunde Neuenhaus haben gestern mit einer Gedenkstunde an den Schneidermeister erinnert, der mit seiner Familie in einem kleinen (Anfang der 1980er-Jahre abgerissenen) Haus an der Hauptstraße in Neuenhaus lebte und dessen Begabungen äußerst vielfältig waren. Karl Sauvagerd – 1906 in Gronau geboren, 1910 nach Wilsum gezogen und seit 1929 Bürger von Neuenhaus – hinterließ nicht nur mehr als 400 Texte, er malte auch Bilder, spielte mehrere Instrumente – und er sammelte heimische Pflanzen.

Berti Radicke ist die Tochter von Karl Sauvagerd. Sie lebt heute mit ihrem Mann Heinz-Hermann Radicke in Uelsen, wo ihr Vater ab 1981 den Lebensabend verbrachte und schließlich im Alter von 85 Jahren starb. In seinem Nachlass fand sich ein Bestand heimischer Pflanzenarten. Karl Sauvagerd pflückte, presste und trocknete von 1933 bis 1939 rund 300 wild wachsende Pflanzen. Er versah jedes Exemplar mit Ort und Datum des Fundes und auch mit dem jeweiligen lateinischen Namen. „Er war ein guter Kenner der heimischen Flora: Die Arten sind durchweg richtig bestimmt“, meint Dr. Klaus Kaplan, Biologe aus Bad Bentheim in einer Stellungnahme.

Das Herbarium, so wird eine Sammlung gepresster und getrockneter Pflanzen für wissenschaftliche Zwecke genannt, fristete lange Zeit ein unbeachtetes Dasein im Hause Radicke. Nun hat Berti Radicke sich dazu entschieden, die Sammlung ihres Vaters den Heimatfreunden zur Verfügung zu stellen. Sie hatte dem Verein auch zuvor schon einen Teil des Nachlasses zukommen lassen. „Auch kleinere Sammlungen wie die von Karl Sauvagerd haben einen hohen Wert. Um über die Jahrhunderte ihren Wert zu bewahren, ist es allerdings wichtig, dass sie in große, öffentlich zugängliche Herbarien überführt werden“, empfiehlt Klaus Kaplan den Heimatfreunden. Das Naturkundemuseum in Münster sei ein geeigneter Ort.

Georg Hagmann, Vorsitzender der Heimatfreunde, kann sich gut vorstellen, die einzelnen Exemplare zu fotografieren und auf diese Weise in den Bestand des Vereins aufzunehmen. Er würdigte das Schaffen von Karl Sauvagerd. Dieser hatte seine botanischen Erkenntnisse zudem 1973 in einem Buch veröffentlicht. Der weitgehend vergriffene Band, dessen Illustrationen von Tochter Berti stammen, biete auch heute noch „ein reiches Wissen über fast vergessene Heilkräuter“, sagte Georg Hagmann.

Karl Sauvagerd sei gewiss kein Genie wie Mozart gewesen, fügte der Heimatdichter Heinrich Küper aus Grasdorf hinzu, „aber er war ein großer Sohn der Stadt Neuenhaus“. „Für mich war er nicht der Heimatdichter, für mich war er der Vater“, sagte Berti Radicke gestern bei der kleinen Feier in den neuen Räumlichkeiten der Heimatfreunde an der Lager Straße. Sie hatte noch ein paar weitere Funde mitgebracht, unter anderem ein Tagebuch aus den 1920er-Jahren. Die Heimatfreunde nutzten die Gelegenheit, sie mit Fragen über ihren Vater zu löchern. Gibt es noch alte Fotos oder unveröffentlichte Texte? Der Schatz, den Karl Sauvagerd hinterlassen hat, scheint noch nicht ganz gehoben zu sein und bietet ein Vierteljahrhundert nach seinem Tod noch viel Potenzial für eine Aufarbeitung.

 
       
   
       
 
Heergotts Natur



O maakt nich alle Grund torecht;
to Ackerland, tot Moat en Wäide,
loat’t hier en door een Höökien frij,
een Streepien Fenn, een Stückien Häide,
dat hier en door een Stechien bliff,
soa, as et uns de Heergott giff.

O hout nich alle Heegen futt,
verbrant nicht all dee Brömmelbüsche,
en maakt nich alle Kölke too,
woor wild noch grööjt Wee’n, Löis en Rüschen;
loat’t wassen doch dän gellen Broam,
dän Woagebusch, dän Barkenboam!

Noch is’t in unse Groafschup mooj!
O sorgt doch, dat dat soa mag bliewen!
Wij mött’t ut unse Heimatland
nich alle Moojechait verdriewen!
En’n mööjsten Gooren up de Duur,
dat is en bliff doch Gotts Natuur!

Aus Karl Sauvagerds Band „Häideblomen“ (1948)