Plattdütsch in de Groafschup

 

 

   

 

 
   

Leserbrief GN 5.5.2020

Wat bin‘t dat rare Tieden

Leewe Lö, wij venemmt upstound alle, dat nicks meär so is at et föar kotte Tied noch was. Wij mött‘t up heel wat vezichten, nich bloos ien Dütschland, et is ien de heele Weärld so. Besünners ouns Aulen fehlt, dat wij nich meär up Visite goan könnt, ounse Äinkelkinner nich mear seen dröawt en ‘ne Masse meär.

Wij hebb‘t Glück, dat de Natur ouns ’n mooij Vöarjoar bracht heff, ock at et an Regen mekeärt. Wij bint bliede, dat wij de mooije Natur üm ouns to hebbt en up‘t Laund leewen düürt. Soagedöanig kump ouns ounse Heimat en wat ien ounse Nöagte is, weär en Stück nöager. Dat makt ouns dankbar.

Man heel wat Lö kumpt nich makkelig döar disse besünnere Tied. Se sörgt doarföar, dat ock de Ölleren en Kraunken unner ouns dat tokoump, wat se brukt en wat se wäint bint. Doarto höart, dat wij iedern Mörgen de Kraunte van de Grafschafter Nachrichten kriegt. Wij wött‘t up disse Wiese gewahr, wat ien der Weärld en ien de Groafschup geböahrt. Nee, nich bloos oawer Corona wött doar schrewen, heel wat annere Noarichten könn wij doar ock lesen. Moije Stückies en ‘ne masse Rätsel, de ouns up annere Gedachten brängt, stoat de‘r ock ien. Wij bedaunkt ouns bij de Löö, de föar de Kraunte schriewt en doarför sörgt, dat se kloarmakt wödd en antleste bij ouns ien‘t Hus kump. Wij däinkt ock an de Dokters en dat Pflegepersonal, de ien de Krankenhüse eären Deenst doot, en de Löö, de met de Kraunkenwagens unnerweggens bint. Wij vegett ock nich de Mäinschen, de sick ien de Altenheime en Pflegestationen iensett, dat‘t et de Löö doar good geht. Besünnere Hölpe brukt upstound ock Mainschen met Behinderungen. Wij bedaunkt ouns bij alle, de föar eär doar bint. Ock däink wij an de Mäinschen ien de veschillenen Winkels, de Apotheken of annerswoar doarföar sörgt, dat wij so good at et geht, döar disse Tied kummt.

Up Stound geböhrt d‘r wat, wat wij ouns nooit han‘n vöarstellen köjnt en wat ouns Schrick makt. Man ick glöawe, wij leärt doarut. Wij möt‘t tohoape hollen en ouns üm de kümmern, de ouns brukt. So könn wij föar eär ien de Winkels goan, at se nich mear ut Hus könnt. Wij könnt Bekäinte en Fröinde Moot tosprekken. Of dat de Mann an de Tankstelle, de Postbote of de Pestoar dött, et is netsölfs, et kann van ouns alle kummen.

Besünners däink wij ock an ounse Politiker, de ien disse Tied Saken beschluten möt‘t, de föar ounse Gesundhäit en de föar de Tokumst van ounse Leewen van hooge Bedüding bint. Ock at se sölfs nich net wet‘t, wu et wieter goan kann.

Wij daunkt alle van Hatten!

At s‘oams de Klocken lüüt, will wij an alle denken en ien ouns Gebett met ienschluten.

Föar de Platt AG bien Landkreis Grafschaft Bentheim

Harm Hindrik Schoo
Bernd Vette
Klaus Vorrink

 
   

Juni

Noch blööjd den brååm, noch blööjd de blomen,
en bœme prunkt met 't satte gröön.
Et wast en grööjd, — en in de göör'ns
kan men de eersten früchte seen.

Löisblomen glööjd in ’t gröön an't water,
en botterblomen, gel as gauld,
Kastanien blööjd, en ok de dannen,
en heerlik ruk dat junge hault.

Stekhäide löcht't wal an de wege,
en klåwer blööjd rååd, gel en wit.
Den kukuuk rop, — en seet, de rogge
al vul van dikke ören sit.

Up weg en feld, an alle kanten
is 't weer van dusend blomen bunt,
ok kukuuksblomen doo't nu blöjen,
en heerlik ruk de häidegrund.

Den sommer kump met dusend blomen,
nu grööjd en blööjd weer allerläi. —
Ja, Juni hef uns völ te schenken,
hååst net så mooj is ‘t as in Mäi!

Karl Sauvagerd

 
 
 
   

Pingsten.

 

Pingsten! O, wat moj is’t buten!
Alles blöiht en all’s is grön!
Suß dien Hatt’ nich mehr versluten,
Owerall mehr Sünne sehn.
Hör’ is, wo de Vögel singet,
Seh’ is, wo de Kinder spöllt!
Wo de Pingsterklocken klinget,
Ower Häide, Barg en Bölt!

Pingsten! Nu smiet weg de Sorgen,
Alles wat dij’t Hatte drückt!
Noa de Nacht kump nu de Morgen,
Gau herrut en Blöömpies plückt!
Vull dervan stoaht alle Moaten,
Gell, roat, blau, van iede Klöör,
Imen könnt nich’t Snööpen loaten,
Flegt pleseerig hen en her.

Pingsten! Mojste van de Feste,
De wij hebbt dat hele Joahr!
Treck’ van Kleer dij an dat beste
En mak dij tot Wandern kloar!
As de Imen, as de Vögel,
As de Kinder, licht en friß,
Soa pleseerig en soa kregel
Wes’ ok du, wenn Pingsten is!

v. d. L.

 
   
   
   

Liebe Plattproater

das Thema Corona und Covid-19 nehmen wir weiterhin sehr ernst. Da uns die Gesundheit unserer Mitglieder am Herzen liegt haben wir eine große Bitte, haltet euch an die vorgeschriebenen Maßnahmen unserer Regierung, Abstand halten, Masken tragen und Kontakte mit mehreren Personen meiden. Nur dann können wir unseren Beitrag leisten, das weniger Menschen angesteckt und am Coronavirus sterben.

Über unsere Internetseite und der GN halten wir euch auf dem laufenden
Achtet auf Euch, seid behütet und bleibt gesund
.

 

 

Corona-Lockerungen:

Das ändert sich ab heute 25.5.20

Im Freizeitsport ist in Niedersachsen ab heute wieder mehr erlaubt.

Die neuen Lockerungen der Einschränkungen wegen des Coronavirus , die heute in Niedersachsen in Kraft treten, betreffen unter anderem die Bereiche Sport und Tourismus. Zahlreiche Einrichtungen dürfen wieder öffnen - vorausgesetzt, die Betreiberinnen und Betreiber sorgen für die Einhaltung von Hygiene- und Abstandsregelungen.

Startschuss für Fitnesscenter

Corona-Verordnung vom 22. Mai

Die "Niedersächsische Verordnung über infektionsschützende Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus" mit Stand 22. Mai 2020 gibt es hier in einer Lesefassung zum Download. Download (272 KB)

Fitnessstudios können wieder aufmachen, wenn die Ansteckungsgefahr durch ein Hygienekonzept minimiert wird und die Kunden jederzeit mindestens zwei Meter Abstand zueinander halten. Wie in Gastronomiebetrieben müssen auch dort Name, Anschrift und Kontaktdaten jeder Person und die Zeit des Betretens und Verlassens des Centers dokumentiert und drei Wochen aufbewahrt werden.

Kontaktloser Sport auch in der Halle

Was für nicht professionelle Sportler geschlossen bleibt, sind Umkleiden und Duschräume. Kontaktloser Sport aber ist in öffentlichen und privaten Anlagen wieder erlaubt, auch in Innenräumen. Hier gelten natürlich ebenfalls Hygiene- und Abstandsvorgaben.

Schwimmen im Freibad möglich

Und während Hallenbäder noch zu bleiben - außer für Physiotherapie und Rettungsschwimmer-Ausbildung -, darf draußen wieder geschwommen
werden. Die Betreiber von Freibädern müssen aber den Zutritt steuern, Warteschlangen vermeiden und auch darauf achten, dass die Besucher auch im Bereich der Umkleiden und Duschen Abstandsvorgaben einhalten können.

Hotels, Jugendherbergen und Co.

Die Neuerungen im Tourismus: Hotels, Campingplätze und andere Beherbergungsbetriebe dürfen mit einer maximalen Auslastung von 60 Prozent Urlaubsgäste empfangen - Voraussetzung ist ein Hygienekonzept. "Eine Überschreitung der Kapazitätsgrenze von 60 Prozent ist zulässig, wenn der Betrieb ausschließlich Geschäftsreisende aufnimmt", heißt es in der Verordnung des Landes. Jugendherbergen und ähnliche Einrichtungen müssen noch auf die Aufnahme von Gruppen verzichten.

Abweichende Regelungen gelten für die Ostfriesischen Inseln : Dort soll die Zahl der Besucher vom Festland begrenzt bleiben. Die Landkreise können per Ausnahmegenehmigung selbst entscheiden, ab wann sie Hotelgäste wieder zulassen.

Mehr Möglichkeiten für Restaurants

Restaurants und andere gastronomische Betriebe können nach dem Wegfall der 50-Prozent-Regel wieder alle Plätze vergeben. Pro Tisch sind allerdings weiterhin nur Angehörige aus höchstens zwei Haushalten erlaubt, außerdem muss der Mindestabstand von 1,50 Meter zwischen den Gästen eingehalten werden.

Schiffstour, Freizeitpark, Minigolf

Viele touristische Angebote sind mit Einschränkungen wieder zulässig. Hygiene und Abstand sowie zum Teil ein Mund-Nasen-Schutz und die Dokumentation aller Personen sind vorgeschrieben. Dann aber kann es Schiffsausflüge und Kutschfahrten, Boots- und Fahrradverleih geben. Freizeitparks, Minigolfanlagen, Kletterparks, Baumwipfelpfade und Ähnliches dürfen den Betrieb wieder aufnehmen. Stadtführungen im Freien sind mit höchstens zehn Personen zulässig, Seilbahnen mit einer Auslastung von maximal 50 Prozent. Weiter verboten bleiben touristische Busreisen.

Weitere Lockerungen:

An Musikschulen dürfen Bläser und Chöre wieder in Gruppen bis zu vier Personen proben.

Bildungsangebote sind unter Auflagen wieder möglich.

Alle körpernahen Dienstleistungen sind wieder gestattet.

Der Betrieb von Wettannahmestellen, Spielhallen sowie Automaten in Spielbanken ist unter Auflagen erlaubt.

Tagespflege-Einrichtungen können unter Auflagen Personen betreuen.

Mit Einschränkungen können Werkstätten und Tagesförderstätten für behinderte Menschen wieder öffnen.

In den Schulen wird für weitere Schüler der Präsenzunterricht wieder aufgenommen.

Alle Regeln und Lockerungen im Detail sind in der aktuellen Version der Niedersächsischen Verordnung gegen die Corona-Ausbreitung nachzulesen.

 
   
   

Liebe Arbeitskreis-Mitglieder,

wir leben gerade in turbulenten Zeiten. Wann wir wieder zusammen kommen und das Thema „Plattdeutsch“ verstärkt in den Fokus rücken kann, ist unklar. Auch den Schultheatertag  am 15. Mai  für die Grafschaft Bentheim musste ich absagen, die Durchführung des Schoolmesterdages in Lingen ist fraglich.

Trotzdem haben wir uns eine Aktion überlegt, die vor allem Freude und Anregung schenken möchte. Wir laden Künstler und andere Akteure aus der Region unter dem Motto „Platt för to Huus“ ein, uns plattdeutsche Videos aus ihren Wohnzimmern zu schicken. Diese werden alle zwei Tage auf der Facebook-Seite der Emsländischen Landschaft gepostet. Mittlerweile habe ich einige Videos mit Geschichten, Gedichten, Märchen, Liedern und Witzen gesammelt und stelle diese nach und nach ein. Die Resonanz ist enorm, die Videos werden vielfach geklickt und geteilt. 

Vielleicht möchtet ihr auf die Aktion aufmerksam machen oder euch sogar selbst mit einem Handyvideo beteiligen und z.B. einen Text im Grafschafter Platt vorlesen. Der  Versand kann unkompliziert über Mail oder WhatsApp erfolgen. Ich würde mich freuen! 

Die bis jetzt geposteten Videos findet ihr (auch wenn ihr nicht bei Facebook angemeldet seid) unter:  https://www.facebook.com/ELLandschaft/

Viele Grüße und passt auf euch auf!

Linda Wilken M.A.

 

Gemeinschaftsaktion „Platt för to Huus“ startet
Emsländische Landschaft zeigt plattdeutsche Onlinevideos und lädt zum Mitmachen ein

Kulturelle Veranstaltungen wurden zur Bekämpfung des Corona-Virus abgesagt und auch andere Bereiche des öffentlichen Lebens sind fast vollständig heruntergefahren worden. Davon betroffen sind auch plattdeutsche Theatergruppen, Musiker und Autoren, die ihre Auftritte absagen oder verschieben mussten. Darum bietet die Emsländische Landschaft nun einen Service für Menschen in der Region an, die nicht auf plattdeutsche Lieder und Geschichten verzichten möchten. „Mir ist bewusst, dass wir aktuell viele andere Sorgen haben. Trotzdem dürfen wir die gemeinschaftsstiftende Kraft der plattdeutschen Sprache nicht unterschätzen. Diese Kraft können wir momentan gut gebrauchen.“, so Landschaftspräsident Hermann Bröring.

Im Rahmen der Aktion „Platt för to Huus“ werden auf der Facebook-Seite der Emsländischen Landschaft regelmäßig Videos plattdeutscher Künstler und anderer Akteure gepostet. Den Anfang machte der Liedermacher Matthias Jan Brungers, der den Song „Bliev to Huus“ beisteuerte. Linda Wilken von der Emsländischen Landschaft erzählt: „Matthias und ich sind schon längere Zeit Facebook-Freunde und als ich ihm von meiner Idee erzählte, hat er innerhalb von wenigen Stunden den Song geschrieben, mit der Handykamera aufgenommen und mir zugeschickt.“ Mittlerweile wurde das Lied von mehr als 6000 Menschen angehört und vielfach geteilt. Weitere Videos werden nun folgen. Daher lädt die Emsländische Landschaft dazu ein, sich an der Aktion zu beteiligen. „Wer mitmachen möchte, kann mich kontaktieren und mir nach Absprache seinen Beitrag zusenden.“ Das könnten kurze Handyvideos mit Liedern, Geschichten, Witzen, Märchen oder Gedichten sein und müssten keinen Profi-Ansprüchen genügen, so Wilken. Wichtig sei es, Freude und Anregung zu schenken und zusammen etwas auf die Beine zu stellen.

Interessenten können sich unter wilken@emslaendische-landschaft.de oder unter Tel. 05931 4964213 melden.

Bildunterschrift: Gemeinsam „löppt sik allns weer torecht“, ist sich Linda Wilken sicher (Foto: Emsländische Landschaft).

Fachstelle Plattdeutsch
Emsländische Landschaft e. V. 
für die Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim
c/o Bibliothek des Emsländischen Heimatbundes e. V.
Am  Neuen Markt 1
49716 Meppen
Telefon:  (05931) 4964213
Telefax:  (05931) 49 64 229
www.emslaendische-landschaft.de

 
   

GN vom 11.12.2019

Plattdeutsch wird Studienfach
Niedersachsen will gefährdete Sprache stärker fördern / Lehrstuhl in Oldenburg geplant

 

Von Klaus Wieschemeyer und Marie Busse

HANNOVER

Plattdeutsch gehört fest zu Norddeutschland. Doch angesichts der Vorherrschaft des Hochdeutschen steht die Regionalsprache unter Druck. Niedersachsen will das Platt nun stärker in den Schulen fördern.

Die Landesregierung hat angekündigt, sich stärker für den Erhalt der „kleinen Sprachen“ Plattdeutsch und Saterfriesisch zu engagieren. Insbesondere in der Schule sollen die Regionalsprache Niederdeutsch und die Minderheitensprache Saterfriesisch gefördert werden. Die Neuauflage eines entsprechenden Erlasses fördert nicht nur die Einstellung von Lehrkräften mit entsprechender Zusatzqualifikation, sondern fordert auch Sprachbegegnungen, die Aufnahme regionaler und regionalsprachlicher Bezüge in den Unterricht.

Plattdeutsch soll künftig als grundständiges studierbares Unterrichtsfach ausgewiesen werden, sagte Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) unserer Redaktion. Das Ministerium

hat dafür 350 000 Euro jährlich zur Verfügung gestellt. An der Universität Oldenburg wurde bereits ein erstes Grobkonzept dafür erstellt und eine Professur ausgeschrieben. Die Suche nach einem Lehrstuhlinhaber läuft derzeit.

Der Lehrstuhl soll darüber hinaus mit zwei ganzen und zwei halben Stellen ausgestattet werden. Für den Haushalt 2020 sind zwei weitere Stellen vorgesehen. Bis der Lehrstuhl läuft, kann es noch ein wenig dauern, doch Thümler sieht die Sprachförderung auf einem guten Weg. Denkbar ist, dass sich das Plattdeutsche als Nebenfach bei Lehramtsanwärtern etabliert, die nach dem Studium gerne in ihre Region zurückkehren wollen.

Schon jetzt gibt es landesweit 90 Projektschulen für Plattdeutsch in Niedersachsen. Diese erhalten maximal drei Schuljahre lang ein bis drei Unterrichtsstunden zur Einbindung der Regionalsprache in den Unterricht beziehungsweise in den Schulalltag. 24 Beratungskräfte arbeiten im Bundesland für die Förderung der Regionalsprachen, meist in der Grundschule oder der Sekundarstufe.

Es gibt einen plattdeutschen Lesewettbewerb, die Aktion „Freedag is Plattdag“ (Freitag ist Plattdeutschtag) und ein Heft mit der Geschichte der „Lüttje Muss“ (kleine Maus) in verschiedenen Platt-Varianten.

Auch an Schulen in der Region wird Plattdeutsch gefördert. Doch die Sprache hat gelitten: „Plattdeutsch hatte jahrzehntelang einen schweren Stand“, sagt Josef Grave von der Emsländischen Landschaft. Mittlerweile werde Platt im Alltag jüngerer Menschen kaum gesprochen. Einige Ausnahmen gibt es: Zu ihnen zählt Keno Veith, der mit seinen plattdeutschen Videos Tausende Nutzer erreicht. Sorgen um die Sprache macht er sich trotzdem.

 
   

Entspanntes Verhältnis zur Sprache: Heute gibt Marie Busse ihren Kollegen Tipps, wie plattdeutsche Begriffe ausgesprochen werden. Foto: Michael Gründel


 

Die-Carl-von-Ossietzky-Universitaet-in-Oldenburg-an-der-bald-Plattdeutsch-gelehrt-wird

„Plattdeutsch ist eine Lebenseinstellung“

Kommt die Förderung der Regionalsprachen zu spät?
Was Experten und Fans aus Niedersachsen dazu sagen

Von Marie Busse und Klaus Wieschemeyer

NORDHORN

Keno Veith liebt die Landwirtschaft, Ostfriesland und Plattdeutsch. Als er mit einem Trecker auf dem Maisfeld feststeckte, zur Kamera griff und sein Missgeschick auf Platt kommentierte, wurde er über Nacht zum Internet-Star. „Hätte ich Hochdeutsch gesprochen, hätte das Video bestimmt nicht so einen Kultstatus“, sagt der Ostfriese auf die Frage, ob das Plattdeutsche gefährdet sei. Trotz seines Erfolges macht Veith sich Sorgen um die Sprache: „Viele Eltern haben in der Vergangenheit aufgehört, mit ihren Kindern Plattdeutsch zu sprechen, weil sie Nachteile in der Schule befürchteten.“ Auch im Emsland ist dieses Problem bekannt. „Es ist schon viel von der Sprache verloren gegangen“, sagt Josef Grave, Geschäftsführer der Emsländischen Landschaft. Der Verein versucht daher, mit Schulunterricht oder der Förderung von Theaterstücken gegenzusteuern. Auch wenn Plattdeutsch bei jüngeren Menschen kaum noch Alltagssprache ist, sieht Grave gerade in der jungen Generation das Bedürfnis, die Sprache zu lernen – weil sie Teil der eigenen Kultur sei.

Die Landesregierung hat sich die Förderung ebendieser Kultur auf die Fahnen geschrieben. Das Land hat sich mit der Unterzeichnung der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen zu deren Schutz verpflichtet. Darüber hinaus sieht Kultusminister Grant Hendrik

Tonne (SPD) auch einige schulische Vorteile. „Die Regionalsprachen und Dialekte erleben eine Renaissance in Niedersachsen und über unsere Landesgrenzen hinaus.“ Sie seien Ausdruck von Vielfalt wie auch von Traditionsbewusstsein.

Zudem wirke sich Mehrsprachigkeit positiv auf das Lernen aus – und dies beziehe sich ausdrücklich auch auf das Niederdeutsche und Saterfriesische. „Schulen, die den Erwerb dieser Sprachen ermöglichen, fördern zum einen ihre Schülerinnen und Schüler, zum anderen tragen sie mit dazu bei, diese Sprachen zu erhalten und als Schatz des Landes Niedersachsen zu bewahren“, sagt Tonne im Gespräch mit unserer Redaktion.

Für Hans Apke, der einmal wöchentlich Plattdeutsch an einer Grundschule im Osnabrücker Land unterrichtet, kommt die Wiederentdeckung des Plattdeutschen dagegen bereits zu spät. „Ich bin nicht so optimistisch, dass die Sprache erhalten werden kann“, sagt der pensionierte Lehrer. Seine Schüler lernten Plattdeutsch wie eine Fremdsprache. „Sie hören die Sprache in ihrem Umfeld gar nicht mehr“, hat er beobachtet. Auf diese Weise gehe die Sprache verloren.

Keno Veith hat sich Plattdeutsch selbst beigebracht, seine Eltern haben es nicht mit ihm gesprochen. Für ihn ist das Plattdeutsche mehr als nur eine Sprache. „Wenn ich auf einen Hof komme und es spreche, ist da sofort eine Verbindung“, sagt er und ergänzt: „Plattdeutsch ist eine Lebenseinstellung.“

 

Plattdeutscher Internetstar: der Ostfriese Keno Veith.
Foto: dpa/Carmen Jaspersen

Traditionsbewusst: Ortsschilder mit plattdeutschem
Zusatz. Foto: dpa/Guido Kirchner

 
   

Unsere Zukunft ist mehrsprachig

Plattdütsch in de Groafschup


Ümdat de „Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen" dat woll, heff denn Bundestag in’n Juli 1998 een Gesetz beslotten, woarin seggt wodd, dat Sproaken van Löö, de in de Minnerhäit bint, un Sproaken, de in bestimmde Konträins proat / küürt wodd, anseen mött wonn'n at Riekdum van mäinschlik Lewen, un doarüm ock bewaart wonn'n mött.

Ock ümdat sick doar immer meär Mäinschen ´ne Masse Möite üm dat Platte hier in’t Norden van ouns Laund geewt, wodd’t doch de Plattproaters minner. Besünners an de jungen Löö wodd de plattdüütsche Sproake hoast nich meär wietergewen. Et stimmt wall, dat d’r meär Mäinschen Platt vestoan könnt as proaten / küren. En et is ock soa, dat d’r up't Laund un in Huus meär platt proat /küürt wodd as in de Stadt.

In de Groafschup sall nu dat Plattdüütsch weär meär proat / küürt wonn'n. Doarüm heff sick ock ´nen Kring van Löö funn'n, de tehoape met Mäinschen van'n Landkreis vesöken willt, besünners in Kinnergöarns un Scholen föar disse Sproake ientetreen. Et geet drüm, junge Mäinschen föar't Plattproaten / Plattküren nij te maken.

     
     
   
     

Plattdeutsch in der Grafschaft Bentheim

Auf Basis der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen des Europarates aus dem Jahr 1992 hat der Bundestag im Juli 1998 ein ganz besonderes Gesetz in Kraft gesetzt. In Artikel 7 wird dort das Ziel formuliert, dass Regional- und Minderheitensprachen als Ausdruck kulturellen Reichtums geschützt und gefördert werden sollten.

Trotz zahlreicher Bemühungen, die plattdeutsche Sprache im norddeutschen Raum zu fördern und zu erhalten, nimmt die Anzahl der Niederdeutsch-Sprecher immer mehr ab. Besonders an junge Leute wird die Sprache heute nicht mehr weitergegeben. Tatsache allerdings ist, dass viel mehr Menschen Plattdeutsch verstehen als sprechen können. Der Gebrauch von Plattdeutsch ist auf dem Lande verbreiteter als in der Stadt, und im privaten Bereich wird stärker Plattdeutsch gesprochen als in der Öffentlichkeit.

In der Grafschaft Bentheim wird seit längerer Zeit für die plattdeutsche Sprache geworben. Gemeinsam mit Vertretern des Landkreises hat sich ein Arbeitskreis, der aus etwa 15 interessierten Personen besteht, gegründet. 

     
 
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