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Plattdütsch in de Groafschup

 

 

     
     
 
 
     
     
     
 

GN Sonntagszeitung 16. Dezember 2018

Plattdeutsch: Mehr als Dönkes und Folklore

„Arbeitskreis Plattdeutsch“ beim Landkreis Grafschaft Bentheim
zieht positive Jahresbilanz

Wenn der Arbeitskreis Plattdeutsch des Landkreises Grafschaft Bentheim zusammenkommt, wird natürlich „proat't“ und „kürt“. So war es auch beim Jahresabschlusstreffen im Kreis- und Kommunalarchiv in Nordhorn, wo die Mitglieder eine positive Bilanz über das Jahr 2018 zogen.

Die ehrenamtlichen Mitglieder kommen aus allen Teilen der Grafschaft, sind in Heimat- und Theatervereinen, im Groafschupper Plattproater Kring sowie im Bildungsbereich aktiv und haben es sich zur Aufgabe gemacht, zum Erhalt und zur Förderung des Grafschafter Platts beizutragen. Die Gruppe ist in guter Zusammenarbeit mit der Kulturabteilung des Landkreises aktiv.

Seit zwei Jahren ist mit Linda Wilken auch eine Vertreterin der Emsländischen Landschaft dabei, die sich mit einer Fachstelle Plattdeutsch für die Sprache im Emsland und der Grafschaft Bentheim einsetzt.

Der Arbeitskreis Plattdeutsch existiert bereits seit 2006 und wurde seinerzeit mit Unterstützung des Landrates Friedrich Kethorn ins Leben gerufen. Seitdem wurde von ihm bereits zwei Grafschafter Wörterbücher herausgegeben. Die Mitglieder setzten sich außerdem für das Aufstellen plattdeutscher Ortseingangsschilder und die Veröffentlichung einer Plattdeutsch-CD mit den verschiedenen Sprachvarianten der Grafschaft ein. Seit 2011 zeichnet der Arbeitskreis Kindertagesstätten aus, die Plattdeutsch anbieten. Außerdem wurden Materialien zum Spracherwerb erarbeitet, dazu gehören ein umfangreicher Ordner mit Unterrichtsmaterialien für den Plattdeutschunterricht sowie das Buch „Kinnerrieme up Platt“.  Wer als Erwachsener Platt lernen möchte, kann bei Mitgliedern der AG Sprachkurse an der Volkshochschule Nordhorn besuchen. Auch die plattdeutsche Internetseite www.kiek-is-an.de wird vom Arbeitskreis betrieben, die täglich gut 100 Besucher zählt.

„Was den Arbeitskreis antreibt, ist das Wissen um den Wert der plattdeutschen Sprache für unsere Region“, so Friedrich Kethorn, Landrat in der Grafschaft Bentheim. Niederdeutsch ist 1999 im Rahmen der europäischen Spachencharta für Regional- und Minderheitensprachen als einzigartiger und schützenswerter Bestandteil des europäischen Kulturerbes anerkannt worden und bedarf bildungspolitischer und kulturpolitischer Aufmerksamkeit, so Linda Wilken von der Fachstelle Plattdeutsch der Emsländischen Landschaft. Die Verankerung der plattdeutschen Sprache im Lehrplan ist darüber hinaus durch den Erlass „Die Region und ihre Sprache im Unterricht“ verpflichtend. „Es ist heute wissenschaftlich erwiesen, dass Plattdeutsch die Sprachentwicklung von Kindern fördert“, so Wilken. „Wer bereits mit Regionalsprachen in Berührung gekommen ist, tut sich auch mit anderen Sprachen leichter.“ Die Einführung eines Schulfaches Plattdeutsch von der Landesregierung Niedersachsens wäre nun das nächste Etappenziel, ein Lehrstuhl an der Uni Oldenburg zur Ausbildung von Niederdeutsch-Lehrkräften ist gerade im Aufbau.

„Wir gehen zuversichtlich in das nächste Jahr und haben schon jede Menge Ideen“, meinen die Mitglieder der Platt-AG. Angedacht sei unter anderem die Sammlung und Herausgabe von plattdeutschen Sprichwörtern und Redensarten, die Erarbeitung eines plattdeutschen Spiels sowie die Einbeziehung des Einzelhandels, etwa in Form plattdeutscher Warentrenner oder Werbeschilder im Supermarkt. „Alles, was auf Hochdeutsch geht, ist auch auf Platt möglich.“ Darin sind sich die Mitglieder des Arbeitskreises einig.

 


Foto: Der Arbeitskreis Platt der Grafschaft Bentheim (v. li n. re.): Linda Wilken, Hubert Titz, Bernd Vette, Gerda Rieger, Anette Bardenhorst, Berndine ten Cate, Gertrud Stegemerten, Steven Lambers, Fenna Weusmann, Henny Johannink, Karl-Heinz Elskamp, Klaus Vorrink, Albert Rötterink, Gerhard Olthuis (Foto: AG Platt Grafschaft Bentheim

 
     
     
 

Nyjoahrsleed

 

Dat aule Joahr is nu vörby,
Dat nye heff’t verdrewen.
De Tied de flög, en dat söllt wy
Bedenken allerwegen.

Glück en Segen! roapt wy alle Löe in’t Oahr,
Glück en Segen breng’ dat nye Joahr!

 

De Menschen makt mangs soa vull Stoat,
Hebbt Geld, Gut, Acker, Moaten,
Men unverwachs kump an de Dood,
Dann mött se alls hier loaten.

Glück en Segen! roopt wy alle Löe in’t Oahr,
Glück en Segen breng’ dat nye Joahr!

 

Joa, Riekdom is noch lang gin Glück!
Gesundhäit nich vergetten!
Dann weest tefree met u Geschick
En sorgt vör’n gut Gewetten!

 

Glück en Segen! roopt wy alle Löe in’t Oahr,
Glück en Segen breng’ dat nye Joahr!

Carlö van der Linde

 
         
         

Unsere Zukunft ist mehrsprachig

Plattdütsch in de Groafschup


Ümdat de „Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen" dat woll, heff denn Bundestag in’n Juli 1998 een Gesetz beslotten, woarin seggt wodd, dat Sproaken van Löö, de in de Minnerhäit bint, un Sproaken, de in bestimmde Konträins proat / küürt wodd, anseen mött wonn'n at Riekdum van mäinschlik Lewen, un doarüm ock bewaart wonn'n mött.

Ock ümdat sick doar immer meär Mäinschen ´ne Masse Möite üm dat Platte hier in’t Norden van ouns Laund geewt, wodd’t doch de Plattproaters minner. Besünners an de jungen Löö wodd de plattdüütsche Sproake hoast nich meär wietergewen. Et stimmt wall, dat d’r meär Mäinschen Platt vestoan könnt as proaten / küren. En et is ock soa, dat d’r up't Laund un in Huus meär platt proat /küürt wodd as in de Stadt.

In de Groafschup sall nu dat Plattdüütsch weär meär proat / küürt wonn'n. Doarüm heff sick ock ´nen Kring van Löö funn'n, de tehoape met Mäinschen van'n Landkreis vesöken willt, besünners in Kinnergöarns un Scholen föar disse Sproake ientetreen. Et geet drüm, junge Mäinschen föar't Plattproaten / Plattküren nij te maken.

         
         
     
         

Plattdeutsch in der Grafschaft Bentheim

Auf Basis der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen des Europarates aus dem Jahr 1992 hat der Bundestag im Juli 1998 ein ganz besonderes Gesetz in Kraft gesetzt. In Artikel 7 wird dort das Ziel formuliert, dass Regional- und Minderheitensprachen als Ausdruck kulturellen Reichtums geschützt und gefördert werden sollten.

Trotz zahlreicher Bemühungen, die plattdeutsche Sprache im norddeutschen Raum zu fördern und zu erhalten, nimmt die Anzahl der Niederdeutsch-Sprecher immer mehr ab. Besonders an junge Leute wird die Sprache heute nicht mehr weitergegeben. Tatsache allerdings ist, dass viel mehr Menschen Plattdeutsch verstehen als sprechen können. Der Gebrauch von Plattdeutsch ist auf dem Lande verbreiteter als in der Stadt, und im privaten Bereich wird stärker Plattdeutsch gesprochen als in der Öffentlichkeit.

In der Grafschaft Bentheim wird seit längerer Zeit für die plattdeutsche Sprache geworben. Gemeinsam mit Vertretern des Landkreises hat sich ein Arbeitskreis, der aus etwa 15 interessierten Personen besteht, gegründet. 

         
         
         
     
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