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Plattdütsch in de Groafschup

 

 

 

 

 

 
 

„Für mich ist Platt eine Melodie“

Zum Erhalt der Sprache:
Gildehauserin sammelt plattdeutsche Geschichten und Sprüche in einem Buch

GN 20.11.2018

Plattdeutsch ist eine gemütliche, eine präzise und manchmal auch eine derbe Sprache, sagt Gertrud Stegemerten. Vor allem sei sie erhaltenswert – deshalb veröffentlicht die Gildehauserin jetzt ein Buch mit plattdeutschen Weisheiten, Sprüchen und Geschichten, denn: „Gilhus kürt Platt“.

Von David Hausfeld

GILDEHAUS Fünf schwere Aktenordner hat Gertrud Stegemerten mittlerweile angesammelt. Sie alle sind voll mit Geschichten, Sprüchen, Weisheiten, Gedichten und allem, was der Gildehauserin in den vergangenen 40 bis 50 Jahren noch an plattdeutschen Schriften in die Hände gefallen ist. Eine Auswahl der aus ihrer Sicht besten, schönsten und lustigsten Texte hat Stegemerten in dem Buch „Gilhus kürt – Wat tot Noadenken – un vull Pleseäriges“ („Gildehaus redet Plattdeutsch – Nachdenkliches – und viel Heiteres“) zusammengestellt. Viele berichten aus dem Alltag in der Grafschaft Bentheim.

„Für mich ist Platt eine Melodie, mit der kann ich spielen“, sagt Stegemerten. Mit Plattdeutsch ließen sich viele Sachverhalte sehr präzise formulieren. Oft reiche ein kurzer Satz, um eine Situation so treffend zu beschreiben, wie es im Hochdeutschen kaum möglich wäre. Manch einem Menschen in der Öffentlichkeit würde sie gerne einen plattdeutschen Rat geben: „I leven Löde in Stadt un Land, gebrukt af un to meär ‚Dat dagsche Vestand‘“ („Ihr lieben Leute in Stadt und auf dem Land, gebraucht ab und zu mehr das ‚normale Denken‘“), sagt sie. „Dann wäre vieles leichter und einfacher in der Welt.“ Gleichzeitig sei Platt aber auch eine sehr gemütliche Sprache; mitunter auch grob und deftig. Aber: „In Plattdeutsch kann man jemandem deutlich seine Meinung sagen, ohne ihn zu verletzen.“ Obwohl sich viele Wörter und Sätze nicht einfach eins zu eins ins Hochdeutsche übersetzen lassen, ist der plattdeutsche Einfluss auf das Hochdeutsch in der Grafschaft unüberhörbar, Stichwort: Grependeutsch. Manch einem Neuenhauser oder Schüttorfer dürfte gar nicht bewusst sein, dass er mit Sätzen wie „Da seh ich gegen an.“ oder „Habt ihr jetzt alles voreinander?“ eigentlich

auf Hoch übersetztes Plattdeutsch spricht – Grependeutsch, eben. Auch für Stegemerten ist Plattdeutsch deutlich mehr als eine Leidenschaft – „in unserer Grafschaft gehört die plattdeutsche Sprache einfach dazu“, sagt sie.

Umso trauriger findet sie es, dass die Sprache zunehmend in Vergessenheit gerät und gerade von der Jugend nicht gesprochen wird. Sie könne der plattdeutschen Sprache weder ein Schloss bauen, Denkmal setzen oder ein Bild malen, das später im Louvre hängt, schildert die Autorin. „Die Leute interessieren sich nur für das, was sie sehen können. Nicht nur Baudenkmäler sind erhaltenswert, zur Kultur gehört vor allen Dingen die Sprache, wenn man sie auch nicht sehen kann.“ Plattdeutsch müsse gesprochen und gehört werden, nur so lasse sich dieses Kulturgut erhalten. Platt sei nun mal keine Schriftsprache. Für ein Buch ist das wiederum etwas hinderlich: Eine einheitliche Rechtschreibung sucht man vergebens, auch manche Vokabel ändert sich schon an der Ortsgrenze – auch innerhalb der Grafschaft.

Bei der Schreibweise orientierte sich Stegemerten deshalb an der Gildehauser Mundart. Viele der Beiträge kämen aus dem Kirchspiel der Gemeinde. Manche mündliche Überlieferung habe sie selber zu Papier gebracht. Ein halbes Jahr lang arbeitete sie an der Zusammenstellung. Bei der optischen Gestaltung wurde sie von ihrem Vetter Jan Leutenantsmeyer unterstützt.

Angefangen hat alles mit einem kleinen Heftchen – 26 Seiten, simpel zusammengetackert – in dem sie plattdeutsche Sprüche für die Gemeindenachrichten der reformierten Kirche Gildehaus sammelte. Den Pastoren Gerhard Kortmann und Lütger Voget hätte die Idee dann so gut gefallen, dass sie ihr rieten, das Heft zu veröffentlichen, erinnert sich Stegemerten. Aus dem Heftchen ist nun ein Büchlein geworden, mit „Dönkes“ und „Vetellsel“, also lustigen Kurzgeschichten und auch mal nachdenklichen Erzählungen – ein „Plädoyer für die plattdeutsche Sprache“.

„Gilhus kürt Platt“

ist für 7,50 Euro in der Buchhandlung Hölscher & Beernink, Spiel- und Schreibwaren Bonikowski, Blumen Schulte Nordholt sowie im Raiffeisen-Markt in Gildehaus, Moldwurf lesen und schreiben sowie Pluspunkt in Schüttorf und der Mine Buchhandlung in Uelsen erhältlich.

 

Ein Plädoyer für die plattdeutsche Sprache möchte die Gildehauserin Gertud Stegemerten mit ihrem Buch halten. Über Jahrzehnte hat sie plattdeutsche Sprüche, Weisheiten und Geschichten gesammelt.

 
     
 
 
     
 

PlattSatt!

Plattdüütsch höört to't Emsland un de Groafschup Benthem un to de Lüe, dei hier leevet. De Fachstääe Plattdüütsch van de Emsländske Landschup daiht'n Bült dorför, dat de Sproake erhollen bliff un hav masse in Gang bröcht un Kontakt to Börgers, Schaulen un Vereeine söcht. Dat ehr Arbeid rääket weerd, drückt sik uck dorin ut, dat de Kreise Emsland un Groafschup Benthem un uck dat Land Niedersassen beschlooten hebbt, för de Fachstääe Plattdüütsch wiederhen Geld to gääven. Mit dat Festival„PlattSatt" will de Emsländske Landschup masse Lüe anprooten un dorbi an dat eerste Festival 2017, dat gaut ankoamen is, ansluten. Dat Programm ist weer wat för jedet Öller un wieset in Lesungen, Konzerten un Theaterspeelen, wat för masse Klang un Klöör de plattdüütsche Sproake heff. Use Dank gaiht an aale Lüe, dei ehr Wark un ehr Tied för disset Festival insettet. De Besökers wünschket wi masse Pläseer bi't Tokieken, Tolustern un Prooten un villichte ok dorbie, dat de eein of annere de plattdüütschke Sproake för sik süfvest weerfinnd.

Hermann Bröring
Präsident der Emsländischen Landschaft für
die Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim

 
     
 

Ökumenischer Gottesdienst
zum Abschluss des niederdeutschen Festivals ..PlattSatt!"

Platt is för alle doar!

Sönndag, 04.11. 2018,17 Uhr, Alte Pfarrkirche St. Vitus, Meppen-Bokeloh
Mit doarbi bint: Pfarrer Ralf Wellbrock, Meppen-Bokeloh, Pastorin Anna Riese, Papenburg
Arbeitskreis „Platt inne Kärke" des Emsländischen Heimatbundes
De Klampfenwichter, Heimatverein Versen


 
 

Lied: Melodie „Irischer Segensgruß"

Laot däi Straote us tohopebrengen un de Wind in dienen Rüggen wään. Smöi fallt de Räägen up diene Felder un warm up dien Gesicht de Sünnenschien.

Refrain: Un bis wi us aale weerträfft holl nu Gott di fast in siene Hand. Un bis wi us aale weerträfft holl nu Gott di fast in siene Hand.

Führe däi Straote, däi du gaihst, immer nur tau dien Ziel bergaff. Häbtf wenn et koold weerd, warme Gedanken un denn vullen Maond in düstrer Nacht.
Refrain:

Häbtf annern Kopp äin wäiket Küssen, aaltied Tuch un uk dat Dagesbrot. Bliev immer froh un aaltied munter, niemaols schöss du lieen groote Not.
Refrain:

Häi giff di noch vääle Jaohre hier bi us up düsse moije Welt. Un bis wi us äinmoal weerträfft haope ick dat Gott di nich verlätt.
Refrain:

Übersetzungen Lieder und Vater Unser: Bernd Büter und Anne Hilckmann

 
     
 

Lied: Melodie „Lobet den Herren"

Kaomt aal tauhope den Heergott tau priesen un ehren in use Spraoke, däi Vader un Mauder us lehrden. Plattdüsken Sang, fraomen un freudigen Klang, will use Heergott wall hören.

Häi is us' Vader, dät häbbt wi all hunnert Maol funnen, dör häile Lande schenkt häi us so bliede Stunnen. Lüttke un Groot, beide nümmp häi in sien Schoot, dor häbbt wi aales mit wunnen.

Lobet den Heergott, däi gnädig is tau aale Mensken. Prieset um aale, däi tau um hört, mehr äs man denket Koamt aale her, danket um immer weer mehr, daut loben um aohne Ende.

 
     
  Begrüßung: Hermann Bröring, Präsident der Emsländischen Landschaft  
     
 

Lied: Melodie „Großer Gott wir loben dich"

Heergott, groot is diene Macht Heer wi willt die immer priesen Du kanns us bi Dag un Nacht ganz alläin den Weg bloss wiesen. Mag de ganze Welt vergaohn, diene Macht, däi bliff bestaohn.

Aals, wat lääwt up düsse Welt, in de Luft, up't wiede Water, baowen aowert Wolkenzelt, aals ropp tau di, use Vader. Help us all dör Christi Dood, nimm us up in dienen Schoot

Heergott, giff us diene Hand, aowerhör doch nich use Bääen. Giff us Fräiden, giff us Glück, giff us aale dienen Säägen. Help us rut ut Not un Nacht, Heergott, groot is diene Macht.

 
     
 

Tagesgebet
Lesung: Matthäus 25,14-26
Fürbitten
Predigt

 
     
 

Vaterunser

Use Vader in'n Himmel. Dien Name is heilig. Dien Riek kump.
Wat du wuss, soll weern in'n Himmel un up dei Erde.
Giff us van daoge dät Brot wat wi brukt Vergiff us use Schuld;
so, wi wi dei vergäwt, an dei wi schuldig woorn bunt
Laot us nich van dienen Pädd offkaomen
un maok us frei van aale dät Schlechte.
Du wuss dät. - Du kanns dät - Du dais dät, Dät is waohr.
Amen.

 
     
 

Lied: Melodie „Da berühren sich Himmel und Erde"

Wor Mensken sück vergäätet, de Wääge verlaotet, un näi anfanget, ganz näi.

Refrain : Kaomt tauhope Himmel un Erde, dät Fräiden weerd nu unner us. Kaomt tauhope Himmel un Erde, dät Fräiden weerd nu unner us.

Wor Mensken sück verschenket, de Läiwe bedenket, und näi anfanget, ganz näi.
Refrain : Koamt tauhope...

Wor Mensken sück verbündet, den Hass aowerwindet, un näi anfanget, ganz näi
Refrain : Koamt tauhope...

Segen

 
     
 

Liebe Linda Wilken, wir möchten uns bei dir für deinen unermüdlichen und kompetenten Einsatz bei allen PlattSatt Veranstaltungen bedanken.

 
     
 

November

Dat joor wod sachte möde,
et sökkeld en wod auld;
nu kump de åwendfrede,
en de natuur wod kauld.

Noch wil de sünne schienen,
men see hef nich meer kracht,
uut fucht-swore gardinen
se mangs noch 'n bettien lachd.

De bœme dee wilt slåpen,
trekt uut eer sommerkleed,
den harwst hault hoog sien wåpen,
woor wind en storm up steet.

Nu liggt ok feld en wäide
så stumm en kaal weer door,
en ower fenn en häide
brööjd newel dump en swoor.

Dat joor geet sacht te röste,
niks wasst en grööjd nu meer. —
Men still! Up 't allerbeste
Kump all's in ’t vöörjoor weer!

Karl Sauvagerd

 
         
         

Unsere Zukunft ist mehrsprachig

Plattdütsch in de Groafschup


Ümdat de „Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen" dat woll, heff denn Bundestag in’n Juli 1998 een Gesetz beslotten, woarin seggt wodd, dat Sproaken van Löö, de in de Minnerhäit bint, un Sproaken, de in bestimmde Konträins proat / küürt wodd, anseen mött wonn'n at Riekdum van mäinschlik Lewen, un doarüm ock bewaart wonn'n mött.

Ock ümdat sick doar immer meär Mäinschen ´ne Masse Möite üm dat Platte hier in’t Norden van ouns Laund geewt, wodd’t doch de Plattproaters minner. Besünners an de jungen Löö wodd de plattdüütsche Sproake hoast nich meär wietergewen. Et stimmt wall, dat d’r meär Mäinschen Platt vestoan könnt as proaten / küren. En et is ock soa, dat d’r up't Laund un in Huus meär platt proat /küürt wodd as in de Stadt.

In de Groafschup sall nu dat Plattdüütsch weär meär proat / küürt wonn'n. Doarüm heff sick ock ´nen Kring van Löö funn'n, de tehoape met Mäinschen van'n Landkreis vesöken willt, besünners in Kinnergöarns un Scholen föar disse Sproake ientetreen. Et geet drüm, junge Mäinschen föar't Plattproaten / Plattküren nij te maken.

         
         
     
         

Plattdeutsch in der Grafschaft Bentheim

Auf Basis der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen des Europarates aus dem Jahr 1992 hat der Bundestag im Juli 1998 ein ganz besonderes Gesetz in Kraft gesetzt. In Artikel 7 wird dort das Ziel formuliert, dass Regional- und Minderheitensprachen als Ausdruck kulturellen Reichtums geschützt und gefördert werden sollten.

Trotz zahlreicher Bemühungen, die plattdeutsche Sprache im norddeutschen Raum zu fördern und zu erhalten, nimmt die Anzahl der Niederdeutsch-Sprecher immer mehr ab. Besonders an junge Leute wird die Sprache heute nicht mehr weitergegeben. Tatsache allerdings ist, dass viel mehr Menschen Plattdeutsch verstehen als sprechen können. Der Gebrauch von Plattdeutsch ist auf dem Lande verbreiteter als in der Stadt, und im privaten Bereich wird stärker Plattdeutsch gesprochen als in der Öffentlichkeit.

In der Grafschaft Bentheim wird seit längerer Zeit für die plattdeutsche Sprache geworben. Gemeinsam mit Vertretern des Landkreises hat sich ein Arbeitskreis, der aus etwa 15 interessierten Personen besteht, gegründet. 

         
         
         
     
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