Plattdütsch in de Groafschup

 

 

   
 

 

 

De Neeijahrstog

 

Dat olle Jahr raast as een Tog,
in een Tunnel ohn Licht,
de lesd Roop: „Ik hebb genoog“,
klingt as sien: “Vergeet mi nich!”

Kuum is de lesd Ofdeel weg,
kummt mit kraakend Getöös,
up Gleis Twee an glieken Steeg,
een neei Tog – as Oflöös.

Vörn steiht de Naam – Neeijahr,
mit Glückssymbolen stevig ziert,
glieker so, as bi sien Vörfahr,
daarachter twalv Waggons platzeert.

De Utstattung besteiht noch nich,
de Fahrgast mutt se sülvst gestalten,
jedereen wordt mögelk maakt,
sük bi`d Utbau to entfalten.

Is de Arbeid denn ok lungen,
talv Waggons schafft för wahr,
dat bleuth nu neei Hoopnungen,
de token Tog is al ganz nah.

Der Neujahrszug


Das alte Jahr rast wie ein Zug,
in einen Tunnel ohne Licht,
der letzte Ruf: „Ich hab genug“,
verhallt wie sein: „Vergiss mein nicht !“

Kaum ist das letzte Abteil fort,
kommt mit krachendem Getöse,
auf Gleis Zwei am gleichen Ort,
ein neuer Zug - als Ablöse.

Vorne steht der Name - Neujahr,
mit Glückssymbolen stark verziert,
gleich so, wie bei seinem Vorfahr,
dahinter zwölf Waggons platziert.

Die Ausstattung besteht noch nicht,
der Fahrgast muss sie selbst gestalten,
jedem wird es auch ermöglicht,
sich beim Ausbau zu entfalten.

Ist die Arbeit dann gelungen,
zwölf Waggons geschafft für wahr,
es blühen neue Hoffnungen, -
der nächste Zug ist schon sehr nah.

Horst Rehmann
29.12.2014

 
 
   

Jannewari

Snee en fost en newel, regen,
så beginnt dat nije joor,
en wij roopt: Völ glük en segen!
En wij hopt, dat all's wod woor,
wat wij menschen
uns doot wenschen, —
lat 't ok düüster wied en sied:
't wodt nich lieder,
't löp wal wieder,
nich meer lang', dan is 't så wied!

An de büsche eerste knoppen
swelt al an en wod't al rund,
en sneeklökkies leerd uns hoppen,
luurd al sacht weer uut de grund.
Noch is 't winter,
en de kinder
maakt dat ok jå völ pläseer,
men heel sachte
köt't de nachte
en de dage längt al weer.

Jannewar — de wintertieden
bint noch lange nich vöörbij,
men dat vöörjoor wocht van wieden,
en dat lewen drif weer nij.
Unse sinnen
en beginnen
richt't sik sacht up't vöörjoor al.
Is ’t ok düüster,
lat' 't noch biester:
Eenmål kump dat lecht doch wal.

K.S

 

 
   
   

GN vom 11.12.2019

Plattdeutsch wird Studienfach
Niedersachsen will gefährdete Sprache stärker fördern / Lehrstuhl in Oldenburg geplant

 

Von Klaus Wieschemeyer und Marie Busse

HANNOVER

Plattdeutsch gehört fest zu Norddeutschland. Doch angesichts der Vorherrschaft des Hochdeutschen steht die Regionalsprache unter Druck. Niedersachsen will das Platt nun stärker in den Schulen fördern.

Die Landesregierung hat angekündigt, sich stärker für den Erhalt der „kleinen Sprachen“ Plattdeutsch und Saterfriesisch zu engagieren. Insbesondere in der Schule sollen die Regionalsprache Niederdeutsch und die Minderheitensprache Saterfriesisch gefördert werden. Die Neuauflage eines entsprechenden Erlasses fördert nicht nur die Einstellung von Lehrkräften mit entsprechender Zusatzqualifikation, sondern fordert auch Sprachbegegnungen, die Aufnahme regionaler und regionalsprachlicher Bezüge in den Unterricht.

Plattdeutsch soll künftig als grundständiges studierbares Unterrichtsfach ausgewiesen werden, sagte Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) unserer Redaktion. Das Ministerium

hat dafür 350 000 Euro jährlich zur Verfügung gestellt. An der Universität Oldenburg wurde bereits ein erstes Grobkonzept dafür erstellt und eine Professur ausgeschrieben. Die Suche nach einem Lehrstuhlinhaber läuft derzeit.

Der Lehrstuhl soll darüber hinaus mit zwei ganzen und zwei halben Stellen ausgestattet werden. Für den Haushalt 2020 sind zwei weitere Stellen vorgesehen. Bis der Lehrstuhl läuft, kann es noch ein wenig dauern, doch Thümler sieht die Sprachförderung auf einem guten Weg. Denkbar ist, dass sich das Plattdeutsche als Nebenfach bei Lehramtsanwärtern etabliert, die nach dem Studium gerne in ihre Region zurückkehren wollen.

Schon jetzt gibt es landesweit 90 Projektschulen für Plattdeutsch in Niedersachsen. Diese erhalten maximal drei Schuljahre lang ein bis drei Unterrichtsstunden zur Einbindung der Regionalsprache in den Unterricht beziehungsweise in den Schulalltag. 24 Beratungskräfte arbeiten im Bundesland für die Förderung der Regionalsprachen, meist in der Grundschule oder der Sekundarstufe.

Es gibt einen plattdeutschen Lesewettbewerb, die Aktion „Freedag is Plattdag“ (Freitag ist Plattdeutschtag) und ein Heft mit der Geschichte der „Lüttje Muss“ (kleine Maus) in verschiedenen Platt-Varianten.

Auch an Schulen in der Region wird Plattdeutsch gefördert. Doch die Sprache hat gelitten: „Plattdeutsch hatte jahrzehntelang einen schweren Stand“, sagt Josef Grave von der Emsländischen Landschaft. Mittlerweile werde Platt im Alltag jüngerer Menschen kaum gesprochen. Einige Ausnahmen gibt es: Zu ihnen zählt Keno Veith, der mit seinen plattdeutschen Videos Tausende Nutzer erreicht. Sorgen um die Sprache macht er sich trotzdem.

 
   

Entspanntes Verhältnis zur Sprache: Heute gibt Marie Busse ihren Kollegen Tipps, wie plattdeutsche Begriffe ausgesprochen werden. Foto: Michael Gründel


 

Die-Carl-von-Ossietzky-Universitaet-in-Oldenburg-an-der-bald-Plattdeutsch-gelehrt-wird

 

Oldenburg (dpa/lni) –
Das Land Niedersachsen

will Plattdeutsch stärker fördern und stellt dafür 350 000 Euro jährlich zur Verfügung. Plattdeutsch soll mit dem Geld als eigenes Unterrichtsfach ausgewiesen werden, wie das niedersächsische Wissenschaftsministerium am Mittwoch bestätigte. Die Universität Oldenburg richtet dafür einen eigenen Lehrstuhl ein. Zunächst hatte die «Neue Osnabrücker Zeitung» darüber berichtet.

In Oldenburg soll zeitnah ein Lehrstuhl für Niederdeutsche Literatur entstehen, wie eine Sprecherin der dortigen Carl von Ossietzky Universität bestätigte. Bis Ende Oktober lief hier die Ausschreibung für eine Juniorprofessur, aktuell befinde man sich im Auswahlverfahren. Nach Angaben des Ministeriums und der Universität soll der Lehrstuhl mit zwei ganzen und zwei halben Stellen ausgestattet werden. Für den Haushalt 2020 sind zwei weitere Stellen vorgesehen. Plattdeutsch ist einer von mehreren niederdeutschen Dialekten.

Mit der neuen Professur wird Plattdeutsch aber nicht komplett neu an der Universität eingeführt: Seit mehr als zehn Jahren können Studierende der Germanistik hier Niederdeutsch und Saterfriesisch als Schwerpunkt belegen. Angehende Lehrer bekommen dabei vermittelt, wie sie den Dialekt an Schulen unterrichten und damit zum Erhalt der Sprache beitragen können. In vielen Grundschulen vor allem im Nordwesten wird der Unterricht in bestimmten Fächern wie etwa Sport «op platt» abgehalten.

Studierende lernen in Seminaren, sich kreativ mit der plattdeutschen Sprache auseinanderzusetzen - zum Beispiel in Form von Black-Out-Poetry (niederdeutsch: Swarttexten). Die Idee: Ein Gedicht entsteht dadurch, dass man in einem bestehenden Text die nicht benötigten Wörter streicht. Foto: Universität Oldenburg.

Kontakt

Schwerpunkt Niederdeutsch und Saterfriesisch
Prof. Dr. Jörg Peters
Institut für Germanistik
+49 (0)441 798-4589
joerg.peters@uol.de

Nedderdüütsch studeern

Niederdeutsch soll sich als Unterrichtsfach an niedersächsischen Schulen etablieren – und auch als solches studiert werden können. Die Universität baut gerade ihr Studienangebot aus. Germanistik-Studierende können die Sprache schon heute als Schwerpunkt wählen.

Über die Frage, ob er ein plattdeutsches Lieblingswort habe, muss Tobias Kremer nicht lange grübeln. „Ketteket – Eichhörnchen“, antwortet er wie aus der Pistole geschossen. „Das Wort hat sich in meiner Kindheit eingeprägt. Meine Mutter hat es immer verwendet.“ Der 23-jährige Masterstudent ist im Nordwesten Niedersachsens, nahe der niederländischen Grenze mit der niederdeutschen Sprache aufgewachsen: „Für meine Großeltern war Plattdeutsch die Haussprache, auch meine Mutter spricht es fließend.“ Im Alltag sei dennoch vor allem Hochdeutsch gesprochen worden, auch in der Schule, erzählt Kremer, sodass er selbst nur rudimentär platt spreche.

Mit seiner Erfahrung steht Kremer beispielhaft für eine Generation, die Plattdeutsch zwar noch versteht, aber nicht mehr sprechen kann. Um die Sprache vor dem Aussterben zu bewahren, wird sie seit einigen Jahren in den Schulen wieder verstärkt unterrichtet. Wer sich als angehender Lehrer für diese Aufgabe interessiert, hat in Oldenburg die Möglichkeit, sich im Studium entsprechend zu profilieren: „Die Universität Oldenburg ist die einzige in Niedersachsen, an der man im Germanistik-Studium den Schwerpunkt Niederdeutsch wählen kann“, erzählt Prof. Dr. Jörg Peters, Hochschullehrer für Pragmatik und Soziolinguistik sowie Niederdeutsch. Tobias Kremer, der heute im Master Germanistik und Politik-Wirtschaft für das Gymnasiallehramt studiert, hatte sich bereits im Bachelor für den Schwerpunkt entschieden. Für ihn ist es eine Herzenssache: „Ich möchte die Sprache meiner Großeltern erhalten“, sagt er.

Vorteile für die kognitive Entwicklung

Lange Zeit hatte Niederdeutsch einen schlechten Ruf. „Bis in die 1970er Jahre hinein gab es in der Soziolinguistik die Auffassung, dass Plattdeutsch eine eher bildungsferne Sprache ist. Man ging davon aus, dass Kinder Nachteile in der Schule haben, wenn sie zu Hause platt sprechen – denn die Schulsprache war Hochdeutsch“, erklärt Peters. Entsprechend sei Plattdeutsch als Familiensprache zurückgedrängt worden.

Dass Niederdeutsch heute als bedeutendes regionales Kulturgut wieder an Bedeutung gewinnt und sich auch die Politik um die Erhaltung der Sprache bemüht, hat verschiedene Gründe. 1998 trat in Deutschland die Europäische „Charta der Regional- oder Minderheitensprachen“ in Kraft, mit der Regional- und Minderheitensprachen als Teil des kulturellen Erbes Europas anerkannt, geschützt und gefördert werden. Als einzige deutsche Regionalsprache steht Niederdeutsch unter dem Schutz der Charta – in Niedersachsen ebenso die Minderheitensprache Saterfriesisch. „Das war ein wichtiger Schritt“, betont Peters.

Mit der Ratifizierung der Charta haben sich die Bundesländer verpflichtet, die sogenannten kleinen Sprachen zu fördern. Zudem sei heute wissenschaftlich belegt, dass es Kindern nicht schade, wenn sie mehrsprachig aufwachsen. „Man geht davon aus, dass es sogar Vorteile für die kognitive Entwicklung hat“, sagt Peters. Für ihn ein gewichtiges Argument, um Eltern und Großeltern davon zu überzeugen, mit ihren Kindern und Enkeln im Alltag wieder Plattdeutsch zu reden. „Für die Kinder ist das die Chance, eine natürliche Mehrsprachigkeit zu erwerben.“

"Zertifikat Niederdeutsch" bereitet auf Plattdeutsch-Unterricht in der Schule vor

Dennoch stehen vor allem die Bildungseinrichtungen in der Verantwortung, entsprechende Angebote zu unterbreiten. Schulen setzen dafür häufig auf AGs oder Vorlesewettbewerbe. In Ostfriesland, wo die Sprache noch am weitesten verbreitet ist, bieten viele Grundschulen außerdem Immersionsunterricht an – dabei werden Fächer wie Sport oder Sachkunde auf Plattdeutsch unterrichtet. Das Engagement hat offensichtlich Erfolg: Einer Studie des Bremer Instituts für Niederdeutsche Sprache zufolge ist die Zahl der Plattdeutschsprecher seit 2007 einigermaßen stabil geblieben.

Mit welchen Methoden sie Niederdeutsch in den Schulen vermitteln können, lernen angehende Lehrer im Oldenburger Niederdeutsch-Studium. Hinzu kommen Seminare und Übungen zur Sprachgeschichte und Dialektik sowie Sprachkurse. Sind alle für den Schwerpunkt vorgesehenen Veranstaltungen erfolgreich abgeschlossen, wird dies mit dem „Zertifikat Niederdeutsch“ bestätigt. Tobias Kremer war schon von der Einführungsveranstaltung begeistert. Besonders viel Spaß habe ihm dann der Sprachkurs gemacht. „Man muss zwar auch Vokabeln lernen, aber statt stumpfem Auswendiglernen haben wir viel anhand von Geschichten, Liedern oder populären Formaten wie ‚Inas Nacht‘ erarbeitet.“ Durch die persönliche Verbindung zur Sprache sei es ihm leicht gefallen, sich zum Lernen zu motivieren.

Niederdeutsch als eigenes Schulfach

Um künftig Niederdeutsch im Bildungssystem fester zu verankern, hat die Landesregierung 2017 beschlossen, ein eigenes Unterrichtsfach einzurichten – als Fremdsprache im Wahlpflichtbereich der Sekundarstufen I und II. „Das ist ein Riesenfortschritt“, freut sich Peters. Für die Universität Oldenburg geht mit dieser Entscheidung der Auftrag einher, die Aus- und Weiterbildung der Lehrerinnen und Lehrer für das Fach aufzubauen. „Zunächst soll es möglich sein, Niederdeutsch als Erweiterungsfach zu studieren.“ In einigen Jahren habe sich das Fach dann hoffentlich soweit etabliert, dass es zusätzlich auch als vollwertiges Zweitfach studiert werden könne. Als Erweiterungsfach werde es aber bestehen bleiben und insbesondere für die Lehrerfortbildung offenstehen, so Peters.

Das Interesse der Studierenden ist in jedem Falle da: Derzeit kommt von den Oldenburger Germanistik-Studierenden etwa jeder Dritte im Laufe seines Studiums mit dem Fach Niederdeutsch in Berührung. Rund zehn bis fünfzehn Studierende pro Jahrgang erwerben darüber hinaus das Zertifikat Niederdeutsch. Von ihnen kämen viele aus Regionen, in denen Plattdeutsch noch verbreitet ist, sagt Peters. „Es ist nicht unwahrscheinlich, dass diejenigen, die Niederdeutsch in der Schule unterrichten wollen, schließlich auch in ihre Heimatregion zurückkehren“, so seine Vermutung. Auch Tobias Kremer kann sich vorstellen, später in der Schule Plattdeutsch zu unterrichten: „Eine Plattdeutsch-AG anzubieten würde ich mir schon zutrauen.“

 

„Plattdeutsch ist eine Lebenseinstellung“

Kommt die Förderung der Regionalsprachen zu spät?
Was Experten und Fans aus Niedersachsen dazu sagen

Von Marie Busse und Klaus Wieschemeyer

NORDHORN

Keno Veith liebt die Landwirtschaft, Ostfriesland und Plattdeutsch. Als er mit einem Trecker auf dem Maisfeld feststeckte, zur Kamera griff und sein Missgeschick auf Platt kommentierte, wurde er über Nacht zum Internet-Star. „Hätte ich Hochdeutsch gesprochen, hätte das Video bestimmt nicht so einen Kultstatus“, sagt der Ostfriese auf die Frage, ob das Plattdeutsche gefährdet sei. Trotz seines Erfolges macht Veith sich Sorgen um die Sprache: „Viele Eltern haben in der Vergangenheit aufgehört, mit ihren Kindern Plattdeutsch zu sprechen, weil sie Nachteile in der Schule befürchteten.“ Auch im Emsland ist dieses Problem bekannt. „Es ist schon viel von der Sprache verloren gegangen“, sagt Josef Grave, Geschäftsführer der Emsländischen Landschaft. Der Verein versucht daher, mit Schulunterricht oder der Förderung von Theaterstücken gegenzusteuern. Auch wenn Plattdeutsch bei jüngeren Menschen kaum noch Alltagssprache ist, sieht Grave gerade in der jungen Generation das Bedürfnis, die Sprache zu lernen – weil sie Teil der eigenen Kultur sei.

Die Landesregierung hat sich die Förderung ebendieser Kultur auf die Fahnen geschrieben. Das Land hat sich mit der Unterzeichnung der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen zu deren Schutz verpflichtet. Darüber hinaus sieht Kultusminister Grant Hendrik

Tonne (SPD) auch einige schulische Vorteile. „Die Regionalsprachen und Dialekte erleben eine Renaissance in Niedersachsen und über unsere Landesgrenzen hinaus.“ Sie seien Ausdruck von Vielfalt wie auch von Traditionsbewusstsein.

Zudem wirke sich Mehrsprachigkeit positiv auf das Lernen aus – und dies beziehe sich ausdrücklich auch auf das Niederdeutsche und Saterfriesische. „Schulen, die den Erwerb dieser Sprachen ermöglichen, fördern zum einen ihre Schülerinnen und Schüler, zum anderen tragen sie mit dazu bei, diese Sprachen zu erhalten und als Schatz des Landes Niedersachsen zu bewahren“, sagt Tonne im Gespräch mit unserer Redaktion.

Für Hans Apke, der einmal wöchentlich Plattdeutsch an einer Grundschule im Osnabrücker Land unterrichtet, kommt die Wiederentdeckung des Plattdeutschen dagegen bereits zu spät. „Ich bin nicht so optimistisch, dass die Sprache erhalten werden kann“, sagt der pensionierte Lehrer. Seine Schüler lernten Plattdeutsch wie eine Fremdsprache. „Sie hören die Sprache in ihrem Umfeld gar nicht mehr“, hat er beobachtet. Auf diese Weise gehe die Sprache verloren.

Keno Veith hat sich Plattdeutsch selbst beigebracht, seine Eltern haben es nicht mit ihm gesprochen. Für ihn ist das Plattdeutsche mehr als nur eine Sprache. „Wenn ich auf einen Hof komme und es spreche, ist da sofort eine Verbindung“, sagt er und ergänzt: „Plattdeutsch ist eine Lebenseinstellung.“

 

Plattdeutscher Internetstar: der Ostfriese Keno Veith.
Foto: dpa/Carmen Jaspersen

Traditionsbewusst: Ortsschilder mit plattdeutschem
Zusatz. Foto: dpa/Guido Kirchner


 

 
   
   
   

 
   
   

 

Würdigung eines Ausnahmekünstlers auf Platt

Kinder aus Rhede drehen Film über Bernhard Heller

 

Schülerinnen und Schüler der Ludgerusschule Rhede beteiligten sich an dem Plattdeutsch-Projekt „Platt-Patt“ der Emsländischen Landschaft e.V. Dabei haben sie sich mit einem berühmten Bürger der Gemeinde auseinandergesetzt: Dem Bildhauer, Schriftsteller und Tischler Bernhard Heller, genannt "Hellerbernd". Der 1878 geborene und 1937 verstorbene Künstler schuf im Laufe seines Lebens rund 500 Werke. Viele davon entstanden in Rhede, wo er fast fünfzehn Jahre lang lebte. Daran erinnert ein Denkmal, das heute auf dem Marktplatz der Gemeinde steht.

Neben dem Denkmal können sich Vorübergehende nun genauer über Hellerbernd informieren. Die Platt-AG der Ludgerusschule hat einen plattdeutschen Film über den Künstler gedreht. Das Drehbuch schrieben sie mit Unterstützung der pädagogischen Mitarbeiterin Edeltraud Wotte. Hilfreich war dabei die Biografie von Hellerbernd, die unter anderem vom Heimatforscher Albert Vinke geschrieben wurde. Er und seine Frau Magdalena haben es sich nicht nehmen lassen, auch in dem Film mitzuspielen. Auch Gerd Conens als Mitglied der Fachgruppe Niederdeutsch der Emsländischen Landschaft freute sich über die Fertigstellung der neuen Schautafel.

Der Film kann über eine Schautafel am Denkmal von Hellerbernd abgerufen und über Handy oder Smartphone angesehen werden. Ein QR-Code führt zum richtigen Link. Der Film kann aber auch über die Homepage der Emsländischen Landschaft angeschaut werden.

Dort sind auch weitere Filme zu finden, die von der Ludgerusschule über Sehenswürdigkeiten der Gemeinde auf Platt gedreht wurde. „Auf diese Weise wird die Begegnung regionaler Sprache und Geschichte mit der Begegnung digitaler Medien verknüpft.“, so Schulleiter Otto Büning. Der Film reiht sich ein in die zahlreichen Aktionen, die der Ludgerusschule im vergangenen Jahr die Auszeichnung „Plattdeutsche Schule“ eingebracht haben.

Auch das Projekt „Platt-Patt“ soll weitergeführt werden. „Auf dem „Platt-Patt“ ist es möglich, spannende Orte aus dem Emsland und der Grafschaft Bentheim digital und auf Plattdeutsch zu erleben. Dabei kann es um interessante Gebäude, Historisches über die Gemeinde aber auch um Aktivitäten von örtlichen Kultureinrichtungen, Schulen oder Vereinen gehen“, so Linda Wilken von der Emsländischen Landschaft. Es sollen noch weitere Stationen entstehen, dabei unterstützt die Emsländische Landschaft. Interessierte können sich unter wilken@emslaendische-landschaft.de oder Tel. 05931-4964213 melden.

Bildunterschrift: Otto Büning, die Kinder der Platt-AG, Gerd Conens, Edeltraud Wotte, Linda Wilken, Magdalena und Albert Vinke (v. li.) bei der Übergabe der Schautafel am Hellerbernd-Denkmal (Foto: Ludgerusschule Rhede).Kontakt: Emsländische Landschaft e.V. , Linda Wilken M.A., Am Neuen Markt 1, 49716 Meppen, Tel: 059314964213. Mail: wilken@emslaendische-landschaft.de,
www.emslaendische-landschaft.de

 
   
   

Unsere Zukunft ist mehrsprachig

Plattdütsch in de Groafschup


Ümdat de „Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen" dat woll, heff denn Bundestag in’n Juli 1998 een Gesetz beslotten, woarin seggt wodd, dat Sproaken van Löö, de in de Minnerhäit bint, un Sproaken, de in bestimmde Konträins proat / küürt wodd, anseen mött wonn'n at Riekdum van mäinschlik Lewen, un doarüm ock bewaart wonn'n mött.

Ock ümdat sick doar immer meär Mäinschen ´ne Masse Möite üm dat Platte hier in’t Norden van ouns Laund geewt, wodd’t doch de Plattproaters minner. Besünners an de jungen Löö wodd de plattdüütsche Sproake hoast nich meär wietergewen. Et stimmt wall, dat d’r meär Mäinschen Platt vestoan könnt as proaten / küren. En et is ock soa, dat d’r up't Laund un in Huus meär platt proat /küürt wodd as in de Stadt.

In de Groafschup sall nu dat Plattdüütsch weär meär proat / küürt wonn'n. Doarüm heff sick ock ´nen Kring van Löö funn'n, de tehoape met Mäinschen van'n Landkreis vesöken willt, besünners in Kinnergöarns un Scholen föar disse Sproake ientetreen. Et geet drüm, junge Mäinschen föar't Plattproaten / Plattküren nij te maken.

     
     
   
     

Plattdeutsch in der Grafschaft Bentheim

Auf Basis der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen des Europarates aus dem Jahr 1992 hat der Bundestag im Juli 1998 ein ganz besonderes Gesetz in Kraft gesetzt. In Artikel 7 wird dort das Ziel formuliert, dass Regional- und Minderheitensprachen als Ausdruck kulturellen Reichtums geschützt und gefördert werden sollten.

Trotz zahlreicher Bemühungen, die plattdeutsche Sprache im norddeutschen Raum zu fördern und zu erhalten, nimmt die Anzahl der Niederdeutsch-Sprecher immer mehr ab. Besonders an junge Leute wird die Sprache heute nicht mehr weitergegeben. Tatsache allerdings ist, dass viel mehr Menschen Plattdeutsch verstehen als sprechen können. Der Gebrauch von Plattdeutsch ist auf dem Lande verbreiteter als in der Stadt, und im privaten Bereich wird stärker Plattdeutsch gesprochen als in der Öffentlichkeit.

In der Grafschaft Bentheim wird seit längerer Zeit für die plattdeutsche Sprache geworben. Gemeinsam mit Vertretern des Landkreises hat sich ein Arbeitskreis, der aus etwa 15 interessierten Personen besteht, gegründet. 

     
 
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