Plattdütsch in de Groafschup

 

 

   

Nyjoahrsleed

Dat aule Joahr is nu vörby,
Dat nye heff’t verdrewen.
De Tied de flög, en dat söllt wy
Bedenken allerwegen.

Glück en Segen! roapt wy alle Löe in’t Oahr,
Glück en Segen breng’ dat nye Joahr!

De Menschen makt mangs soa vull Stoat,
Hebbt Geld, Gut, Acker, Moaten,
Men unverwachs kump an de Dood,
Dann mött se alls hier loaten.

Glück en Segen! roopt wy alle Löe in’t Oahr,
Glück en Segen breng’ dat nye Joahr!

Joa, Riekdom is noch lang gin Glück!
Gesundhäit nich vergetten!
Dann weest tefree met u Geschick
En sorgt vör’n gut Gewetten!

Glück en Segen! roopt wy alle Löe in’t Oahr,
Glück en Segen breng’ dat nye Joahr!

Carl van der Linde

 

 
   
 
   

GN 21.1.2021

Landschaft stellt plattdeutsche Corona-Plakate vor

MEPPEN/GRAFSCHAFT In Kürze will die Emsländische Landschaft Plakate an Gemeinden und Heimatvereine in der Grafschaft Bentheim und im Emsland verteilen, auf denen in Bildern und auf Plattdeutsch an die Einhaltung der Corona-Regeln appelliert werden soll. „Die Corona- Pandemie hat die Region noch immer fest im Griff. Auch in den kommenden Monaten wird es wichtig sein, dass alle zusammen gegen das Virus kämpfen“, erklärt Gesche Gloystein von der Fachstelle Plattdeutsch der Emsländischen Landschaft in Meppen.

Um die Menschen der Region mit einem Augenzwinkern daran zu erinnern, hat die Emsländische Landschaft ein bildhaftes Plakat auf Plattdeutsch entwickelt. Durch die regionale Sprache erhoffen sich die Emsländische Landschaft und der Landkreis

Grafschaft Bentheim „eine direkte Ansprache an die Bevölkerung und einen weiteren Anstoß, in der Pandemie achtsam miteinander umzugehen“ sind sich Landrat Uwe Fietzek und Landschaftspräsident Hermann Bröring einig. Die Plakataktion geht nach Angaben der Emsländischen Landschaft auf eine Idee des Landkreises Rotenburg (Wümme) zurück und ist auf Anregung von Gerlinde Schmidt-Hood von Gesche Gloystein umgesetzt worden.

Das Plakat steht auf www.emslaendische-landschaft.de auch zum Download zur Verfügung.

 

Präsentieren das Plakat: Der Grafschafter Landrat Uwe Fietzek (links) und Hermann Bröring, Präsident der Emsländischen Landschaft.

Foto: privat

Foto Danke Birgit Baumann

 
   

Liebe Freunde der plattdeutschen Sprache !

Das Thema Corona und Covid-19 nehmen wir weiterhin sehr ernst. Da uns die Gesundheit unserer Mitglieder am Herzen liegt haben wir eine große Bitte, haltet euch an die vorgeschriebenen Maßnahmen unserer Regierung, Abstand halten, Masken tragen und Kontakte mit mehreren Personen meiden. Nur dann können wir unseren Beitrag leisten, das weniger Menschen angesteckt und am Coronavirus sterben.

Ab 30.11.2020 die Corona NEWS unter

"dat naijste "

Über unsere Internetseite und der GN halten wir euch auf dem laufenden.

 

 
   
 
   

Plattdeutschkurse in der Volkshochschule Grafschaft Bentheim

Bernhard-Niehues-Strasse49, 48529 Nordhorn 05921/83650

Plattdeutsch - Der besondere Deutschkurs

 

Plattdüütsch - dat maakt Pleseär!

Für alle - ohne und mit Vorkenntnissen

Ist Plattdeutsch für Sie eine interessante Fremdsprache und möchten Sie Grundkenntnisse darin erwerben? Oder können Sie zwar Platt verstehen, sprechen es aber noch nicht? Wir lernen, eine einfache Unterhal­tung auf Plattdeutsch zu führen sowie kurze Texte zu lesen und zu verstehen. Bei Lust auf mehr ist ein Fort­setzungskurs möglich.

Nähere Informationen bei der Kursleiterin,

Tel. 05924/1949.

Anette Bardenhorst

Mi., ab 17.03.2021, 19:45 - 21:15 Uhr, 8 Termine

Nordhorn, VHS, Bemh.-Niehues-Str. 49, Raum 309 Gebühr: 48,50 € 16 UStd.

Kurs-Nr. 4970

Plattdüütsch - Fortsetzung

Treff für Teilnehmer/iimen mit Vorkenntnissen

Wer schon am Plattdeutschkurs teilgenommen und „Pleseär“ daran gefunden hat, kann sich einmal mo­natlich im Fortsetzungskurs zum „Plattproaten“ - Kon­versation auf Platt - treffen, um das Gelernte zu üben. Nähere Informationen beim Kursleiter, Tel. 05921/39292

Harm Hindrik Schoo

Di., 09.02.2021, 20:00 - 21:30 Uhr

Di., 09.03.2021, 20:00 - 21:30 Uhr

Di., 13.04.2021, 20:00 - 21:30 Uhr

Di., 11.05.2021, 20:00- 21:30 Uhr

Di., 08.06.2021, 20:00 - 21:30 Uhr

Di., 06.07.2021, 20:00 - 21:30 Uhr

Nordhorn, VHS, Bemh.-Niehues-Str. 49, Raum 216 Gebühr: 36,50 € 12rUStd.

Kurs-Nr. 4972

 

 
   

Einmal Grafschafter Platt anklicken und schon können Sie diese gelungene Zeitschrift lesen.

Danke Marco Titze

 
   

 
   

 
   

Dat Boot is in Loar ankommen un Schipper Jan segg: „ Nou is usse Reise to Ende kleenet Müsewichtken. De Steene weärd aflad. Kiek es, de näije Molle is all boll kloar, dann könnt de Buuren met de Rogge off de Wittwäiten kummen. Un roop nou es Adi Adebar, denn Storch, de brengt di weer noa t'Huus. Adi Adebar kann heel wiet flegen. Bevöar de koalen Wmtedage koumpt flögg he in de Länder woar et mooij warm is. Men in't Vöarjoar koump he alltied weer trügge. He is immer bliede, wenn he weer hier is, hier is he in't Haus . "Adi! Adi!" röpp Pieps. Doar koump denn groaten mootjen Storch all anfloagen. „Brengs du mi noa t'Huus?" froag Pieps. „Hüpp up mien'n Rügge, du kleenet Müsken , segg Adi Adebar, „un woar sali ick di nou henbrengen?" „ Ick will weer trügge noa miene Femilje un noa miene Fronde. Wi wunnt unner de groate Burg in Bempen. Wi mött nou gaue anmaken. Ick hebb miene Ollern vesprocken, dat ick vöar't Düsterweärn weer in t 'Huus bin , segg Pieps.

 

Das Boot ist in Laar angekommen. Schiffer Jan sagt: „Hier ist dein Abenteuer zu Ende, kleines Mäusemädchen. Die Steine werden jetzt abgeladen. Sieh nur, die neue Mühle ist schon fast fertig. Bald können die Bauern mit ihrem Korn kommen. Ruf nun Adi Adebar, den Storch. Er bringt dich wieder nach Hause. Adi Adebar kann sehr, sehr weit fliegen. Jedes Jahr, wenn der Winter kommt, macht er sich auf eine Lange Reise. Er fliegt in Länder, in denen es schön warm ist. Aber wenn der Winter bei uns vorbei ist, kommt er zurück. Hier ist er glücklich und darum ist hier seine Heimat." „Adi! Adi! , ruft Pieps. Schon kommt der große, wunderschöne Storch angeflogen. „Fliegst du mich nach Hause? ,wünscht sich Pieps. „Hüpf auf meinen Rücken, kleine Maus , klappert Adi Adebar. „Sag, wohin soll ich dich bringen? „Ich will zurück zu meiner Familie und meinen Freunden. Wir wohnen am Fuße der großen Burg Bentheim. Wir müssen uns beeilen. Ich habe meinen Eltern versprochen, dass ich bevor es dunkel wird wieder zu Hause bin , erklärt Pieps.

Liebe Plattpoater,

Helga Wellen hat ein sehr schönes Büchlein herausgebracht in dem sie unseren Kindern die Grafschaft näher bringt. In Plattdeutsch + Hochdeutsch. Erhältlich ist es generell immer für den Postversand unter der Emailadresse, helga.wellen@gmx.de, und per Telefon unter 059221654.

Folgende Verkaufsstellen gibt es in der Grafschaft: , Bad Bentheim: Burg Bentheim, Kleine -Ruse, Touristinformation, Gildehaus: Hölscher&Beernink, Schüttorf: Moldwurf, Nordhorn: „Aus Liebe zum Buch, VVV Nordhorn, Uelsen: Mine´s Buchhandlung, Emlichheim Borghorst-Unverfehrt, Verein Vier an der Vechte, Es kostet 9,90€

 

 
   
 
   

Bronzezeithof in Uelsen

Der Goldene Becher vom Spöllberg. Er stammt aus der Bronzezeit und ist womöglich der berühmteste archäologische Fund aus der Grafschaft Bentheim...

Das Projekt Bronzezeithof Uelsen - eine Erfolgsgeschichte

Spätestens seit dem Fund des goldenen Bechers vom Spöllberg in Gölenkamp im Jahre 1840 war deutlich, dass das Gebiet um Uelsen eine urgeschichtliche Bedeutung hatte. Keine andere Gemeinde im weiteren Umkreis besitzt so viele Grabhügel aus der Bronzezeit wie Uelsen und seine Umgebung. Einige dieser Grabhügel sind allerdings Ende der 60er Jahre der Ausdehnung des Ortes und der Errichtung neuer Siedlungen (Iland, Lasebrook, Steenebarg) zum Opfer gefallen.

Die Karte der Grafschaft Bentheim zeigt, dass die Gegend um Uelsen herum (im nordwestlichen Teil des Landkreises) besonders reich an bronzezeitlichen Fundstellen ist.

Einer der Grabhügel auf dem Spöllberg. In der Gegend um Uelsen gibt es mehrere besonders schöne Grabhügelgruppen, die auf markanten Geländeerhebungen errichtet worden sind: neben dem Grabhügelfeld am Spöllberg z. B. die Negenbarge in Gölenkamp, die Negenbarge in Hilten und die Söven Pölle in Getelo. Die Idee des Bronzezeithofs hängt unmittelbar mit archäologischen Funden am Riedberg im Jahr 2003 zusammen. Ein Anwohner fand in dem geplanten Neubaugebiet Uelsen-Ost Tonscherben. Er bemerkte auch auffällige dunkle Flecken im rötlich-gelben Erdreich. Die herbeigerufenen Wissenschaftler der Bezirksarchäologie Weser-Ems entdeckten dort ein umfangreiches Grabhügelfeld, das - ebenso wie der goldene Becher - der Bronzezeit zuzuordnen ist.

Plan des Gräberfelds auf dem Riedberg in Uelsen

Eine Fläche von beinahe 6500 m² wurde in drei Kampagnen 2003 bis 2005 untersucht. Unter der Leitung von Dr. Jörg Eckert und Michael Wesemann vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege in Oldenburg bargen und dokumentierten die Archäologen mehr als 200 Bestattungen in Urnen und Brandschüttungsgräbern. Im Grabungsplan sind die kreis- oder U-förmigen Einhegungsgräbchen der Grabanlagen zu erkennen. Sie lassen sich etwa auf den Zeitraum 11. bis 6. Jahrhundert v. Chr. datieren.

Plan des Gräberfelds auf dem Riedberg in Uelsen.

Im Zusammenhang mit den Funden brachte Bürgermeister Bernd Wever die Idee eines Bronzezeithauses ins Gespräch. Diese Idee wurde vom ehrenamtlichen Beauftragten für die Bodendenkmalpflege in der Grafschaft Bentheim, Eckhart Woide, und von Michael Wesemann begeistert aufgegriffen. Michael Wesemann entwarf einen Bauplan für eine solche Rekonstruktion. Die Vorlage dazu stammt aus den Niederlanden: in der Prov. Drente wurde nahe dem Ort Hijken eine Siedlung aus der Jungbronze- bis Eisenzeit ausgegraben. Eins der Häuser mit einem idealtypischen Grundriss wurde ausgewählt: Hijken Haus 4. Es gehört zu dem im Norden und Osten der Niederlande, in der Niedergrafschaft und im südlichen Emsland nachgewiesenen Haustyp "Borger A" (nach dem Fundort Borger in der Prov. Drente). Wer mehr darüber erfahren möchte, sei auf den gerade erschienenen Band "Getimmerd verleden. Sporen van voor- en vroehistorische houtbouw op de zanden kleigronden tussen Eems en IJssel" von H. T. Waterbolk hingewiesen.

Während der Grabungsarbeiten 2003, Blick von Südosten auf das Grabungsareal.
Im Vordergrund sind die kreisförmigen Grabeinhegungen als dunklere Streifen zu erkennen.

 

...und zeichnerische Rekonstruktion des Bauplans.

Abweichend von dieser ersten Version verzichteten wir später auf die doppelten Wandpfosten des Originalgrundrisses Hijken Haus 4, die als Stützen für eine Wand aus waagerechten Brettern angesprochen werden. In Uelsen solte das Haus mit einfachen Wandpfosten, zwischen denen Flechtwerkwände stehen, gebaut werden.

Zunächst mussten aber die politischen und finanziellen Voraussetzungen geschaffen werden: Bürgermeister Wever überzeugte als erstes seine Ratskollegen. Außerdem erreichte er bei der Euregio in Gronau eine Förderung des Projekts 'Bronzezeithof'. Man ging nicht zuletzt davon aus, dass dieses Projekt den grenzüberschreitenden Tourismus beleben würde. Als Bauherr wurde die niederländische Stiftung Ribo gewonnen. Architekt Horst Jäkel aus Nordhorn übernahm die Bauleitung. Er hatte z. B. auch die Aussichtstürme auf dem Isterberg und auf dem Lönsberg in Hesingen entworfen.

Den Aufbau des Kerngerüsts und des Dachstuhls übernahmen die Zimmerleute der Werkstätten für Denkmalpflege aus Quedlinburg, die dafür 40 - 50 Jahre alte Eichenstämme verwendeten. Die Pfosten wurden zunächst im Feuer angekohlt und so vor dem Verfaulen geschützt. Die Pfostenpaare des gut 20 Meter langes Hauses sind mit Schotter verkeilt in die 1 Meter tiefen Erdlöcher eingelassen - ein eigentliches Fundament gibt es also nicht. Beim Bau des wurde weitgehend auf modernes Baumaterial verzichtet. Statt mit Nägeln wurde der Dachstuhl vornehmlich mit Seilen und Holznägeln stabilisiert, nur an einigen besonders belasteten Stellen wurden Stahlbolzen eingesetzt - das Haus soll schließlich viele Jahrzehnte stehen...

Einsetzung der Pfosten mit den Jochen in die vorbereiteten Pfostengruben. März 2005

Schon beim Bau des Hauses konnten sich Schülerinnen und Schüler beteiligen. Besonders beliebt war das Verputzen der Flechtwände mit Lehm... Die Seitenwände bestehen aus Flechtwänden mit Lehmputz. Die Flechtwände wurden aus Weideruten hergestellt, die von der Firma de Jong aus Hengelo geliefert wurden. Der Putz, eine Mischung aus Lehm, Sand und Hanffasern wurde mit Unterstützung durch Schüler des Gymnasiums Uelsen aufgetragen. Der Boden des Hauses besteht ebenfalls aus Lehm, der von der Firma Oldekamp aus Emlichheim fachgerecht gestampft wurde.

Der Dachstuhl ist beinahe fertig - nur die Dachlatten fehlen noch, dann können die Reetdachdecker kommen. Der Dachstuhl besteht aus Eichendachbalken, auf die die Dachlatten aus Erle aufgebunden sind. Die Dachhaut wurde von der Firma Rolf Eggersglüß Reet & Lehm aus Dahlenburg bei Lüneburg mit Material gefertigt, das aus Masuren in Polen stammt - rund 1400 Bündel wurden hierfür verarbeitet. Das ergab eine etwa 30 - 40 Zentimeter dicke Dachschicht. Man geht davon aus, dass dieses Dach rund 40 Jahre halten wird.

Die Fertigstellung des Bronzezeithauses dauerte nur etwa 3 Monate. Am 10. Juni 2005 wurde das Haus an den VVV und die Gemeinde Uelsen übergeben und kurz darauf mit einem zweitägigen Programm das Bronzezeithaus der Öffentlichkeit vorgestellt. Dabei boten Mitglieder des VVV und des Archäologischen Netzwerks Archae e.V. aus Ganderkesee bei Oldenburg ( www.archae.net ) Einblicke in das Alltagsleben in der Bronzezeit.

 
   

Plattdeutsche Autoren und ihre Themen - Vier Beispiele aus dem Emsland und der Grafschaft Bentheim

von Linda Wilken

Während Plattdeutsch als Alltagssprache im Emsland und in der Grafschaft Bent­heim zunehmend an Bedeutung verliert, hat Niederdeutsch als Kultursprache noch immer einen hohen Stellenwert. Neben den zahlreichen Theatergruppen und Kon­zertangeboten erfreut sich plattdeutsche Literatur großer Beliebtheit. Lesungen im Rahmen von Heimat- oder Kulturabenden locken viele Besucher an. Im gesamten norddeutschen Raum werden Vertreter innovativer Sprachkünstler ausgezeichnet. Macher von Poetry-Slams oder Live-Hörspielen versuchen, Plattdeutsch in zeitge­mäße Formate zu übertragen. Doch bei näherer Betrachtung ist zuzugeben, dass plattdeutsche Literatur einen verschwindend kleinen Teil des deutschen Buchmarktes ausmacht. Die meisten Neuerscheinungen der letzten Zeit waren Neuauflagen älterer Werke oder Übersetzungen hochdeutscher Romanklassiker sowie bekannter Erzählungen und Märchen. Zudem ist die Popularität plattdeutscher Bücher häufig auf die Sprachregion der jeweiligen Autoren begrenzt, da im Plattdeutschen keine überregionale Schriftsprache existiert.'

Vor dem Hintergrund dieser regionalen Begrenztheit stellt sich die Frage, ob plattdeutsche Literatur einen nachhaltigen Einfluss auf die Popularität und den Erhalt der niederdeutschen Sprache haben kann. Exemplarisch für zahlreiche Dichter des Emslandes und der Grafschaft Bentheim sollen an dieser Stelle vier Autoren vorgestellt werden, deren Texte sich bis heute großer Beliebtheit erfreuen und vor einigen Jahren neu aufgelegt und in hoher Auflage verkauft wurden. Was sind ihre Themen und wodurch zeichnen sich ihre Werke aus?

Albert Trautmann - der aufmerksame Beobachter

Lange blieb die Veröffentlichung niederdeutscher Texte emsländischer und Grafschafter Autoren auf Zeitungen, Zeitschriften und Heimatkalender beschränkt. Erst mit dem Aufkommen der Heimatbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts fand ein Umschwung statt, plattdeutsche Literatur erfreute sich wachsender Beliebtheit. 1910 erschienen die „Hümmlinger Skizzen” des Heimatdichters und Apothekers Albert Trautmann. Seine Geschichten mit plattdeutschen Dialogen wurden 2010 zum 100-jährigen Jubiläum der Erstveröffentlichung vom Emsländischen Heimatbund neu aufgelegt.

Trautmann kam 1867 in Sögel zur Welt und starb 1920 in Werlte. In der „Pillenburg“, wie er seine Apotheke in Werlte scherzhaft zu nennen pflegte, hatte er ausreichend Gelegenheit, die Hümmlinger und ihre Mentalität mit ihren Stärken und Schwächen zu beobachten. Der Inhalt der „Hümmlinger Skizzen“ umfasst Charakterstudien und Umweltbeschreibungen. Trautmann „zeichnet“ naturgetreue, ungeschminkte Bilder von echten Hümmlinger Bauern, Handwerkern, Heuerleuten und Arbeitern, wie sie um 1900 noch in den Heidedörfem und auf einsamen Höfen lebten und ihm auf Wald- und Heidewegen begegneten.

Trautmann wurde häufig gelobt für seine „treffsichere Beobachtungsgabe, das tiefe psychologische Verständnis, die hervorragende Gestaltungskraft (...) und vor allem den wahrhaft goldenen Humor, der das Ganze im milden Schein verklärt, wie die scheidende Sonne an schönen Herbstabenden die weiten Flächen des Hümm­lings noch einmal umfängt (...)“. Er wollte auch erzieherischen Einfluss ausüben und die von ihm kritisierte „Trunk- und Klatschsucht, Angeberei, leichtsinnige Unterschriften, Quacksalberei und Aberglaube“ bekämpfen. Daher wurde er als „väterlich besorgter liebevoller Mahner und Warner“ seiner Landsleute betitelt. Der Historiker Helmut Lensing beschreibt Trautmann als gesellige Frohnatur und guten Erzähler, der mit der Ausdrucksfähigkeit seiner Erzählungen, der Treffsicherheit seiner Schilderungen der Hümmlinger Bewohner und der dortigen Zustände des beginnenden 20. Jahrhunderts hervorstach.

Trautmann war auch in Vereinen und Organisationen aktiv. Er war federführend bei der Gründung des Hümmlinger Heimatbundes am 27. Dezember 1911, gemeinsam mit dem Sögeler Pfarrer Bernard Husmann. Der Bund verfolgte mit dem Theikenmeer als Mittelpunkt große Pläne. An dem 1913 angekauften Meer mit 60 Vierupsaat anliegendem Land sollte ein Bauernhof mit Nebengebäuden, Heuerhäusern und Stallungen erstehen. Damit sollte eine Vorstellung vom früheren Leben auf dem Hümmling vermittelt werden. Diese Pläne wurden durch den Aus­bruch des Ersten Weltkrieges und den frühen Tod Trautmanns zunichte gemacht. Ein Hauskauf wurde rückgängig gemacht, die Ländereien sind 1921 den früheren Eigentümern zurückgegeben worden.

Das Wirken von Albert Trautmann hat auch einen Nachhall im Heimatort des Dichters: Alle drei Jahre lobt der Heimatverein Werlte den „Albert Trautmann-Preis“ aus, der Projekte würdigt, die sich mit regionaler Kunst und Literatur auseinandersetzen und diese bekannter machen möchte.

Sein Werk ist sicherlich vor dem Hintergrund der Heimatbewegung zu sehen, die das Alte und Eigentümliche zuweilen romantisch verklärte. Groß waren die Umbrüche an der Schwelle zum neuen Jahrhundert. Und auch das Aussehen der Hümmlinger Landschaft mit der Urbarmachung von Heideflächen änderte sich massiv. Gleichzeitig verschwanden traditionelle Wohn- und Hausformen, Trachten und viele überlieferte Werkstoffe des Alltags. Dies veranlasste ihn wohl auch zum Schreiben und zum Festhalten „urtümlicher“ Typen des Hümmlings, die viele Leser auch heute noch wiederzuerkennen glauben. Charaktere wie „Postgerd“ oder Ereignisse wie die auf der von Trautmann geschilderten Kirmes oder der „Märhämmelfaohrt“ sind noch vielen Hümmlingern bekannt und besitzen bis heute auch aufgrund ihrer Erzählqualität ihren Reiz. Wie seine Skizzen in einigen Jahrzehnten wahrgenommen werden, bleibt abzuwarten.

Carl van der Linde - der politische Dichter

Ein anderer Autor, der während der Blütezeit der niederdeutschen Literatur in den 1920er- und 1930er-Jahren bekannt wurde, ist Carl van der Linde. Der Buchdrucker, Lyriker und Prosaist Carl van der Linde wurde 1861 als Sohn eines jüdischen Händlers in Veldhausen geboren. Nach seiner Tätigkeit beim „Hamburger Fremdenblatt“ als Schriftsetzer, die er schließlich aufgrund einer Nervenerkrankung nicht mehr ausüben konnte, kehrte er 1911 in sein Heimatdorf Veldhausen zurück und begann im Laufe des Ersten Weltkrieges, plattdeutsche Gedichte zu schreiben. Neben patriotischen Anwandlungen drückt er darin vor allem seinen Wunsch nach Frieden aus.

Während seiner Lehrzeit bei der „Zeitung und Anzeigenblatt“ in Neuenhaus hatte Carl van der Linde persönliche Kontakte zum Seniorchef Heinrich Kip und dessen Sohn Georg aufgebaut. Aufgrund dieser Verbindungen konnte van der Linde zwischen 1920 und 1929 eine große Anzahl von plattdeutschen Gedichten und Erzählungen in den Kipschen Zeitungen und den Organen des Grafschafter Heimatvereins veröffentlichen, die Heinrich Kip ebenfalls verlegte. So fiel die Zeit seiner größten Schaffensphase zwischen sein 60. und 68. Lebensjahr. Die erstmalige Veröffentlichung seiner Texte in Buchform im Jahr 1930, die Sammelpublikation „Grappen en Grillen“, erlebte er nicht mehr. 1986 wurde das seit Jahrzehnten vergriffene Buch leicht erweitert wieder aufgelegt und fand überregionale Beachtung. 2004 nannte sich die Veldhauser Grund- und Hauptschule in „Carl-van-der- Linde-Schule“ um und begann, sich intensiv mit Leben und Werk des Dichters zu beschäftigen. 2008 veröffentlichten die Schulleiterin Helga Vorrink und der Münsteraner Historiker Dr. Siegfried Kessemeier eine Zusammenstellung von Gedichten und Erzählungen. Das Buch wurde von der Hamburger Carl-Toepfer-Stiftung mit dem Titel „Plattdeutsches Buch des Jahres 2009“ ausgezeichnet.

Carl van der Lindes Werk teilt sich in zwei Bereiche: Heimatgedichte und politische Gedichte. Wie auch Albert Trautmann fühlte sich van der Linde der Heimatbewegung verpflichtet. Was ihn aber von anderen Autoren dieser Zeit unterscheide, so der Historiker Siegfried Kessemeler, sei „die besondere poetische Empfindsamkeit, die Bildhaftigkeit, die gekonnte Fügung der Verse, der Schwung und die Klarheit seiner Aussagen“." Neben Naturschilderungen, Anekdoten und Stimmungsbildern werfe van der Linde mit Humor und kritischem Bewusstsein einen Blick auf das politische Zeitgeschehen. Sein Werk ist stark alltags- und ereignisorientiert. Van der Lindes Texte wurzeln in der Mundartdichtung des 19. Jahrhunderts, greifen aber neue Themen und Formen auf. Mit seinen Kommentaren zum Zeitgeschehen überwand er die Fixierung auf das dörflich-ländliche Leben und schlug eine Brücke zur Moderne, ohne traditionelle Werte zu verwerfen. Seine politischen Gedichte spiegeln die spannungsreiche Zeit der Weimarer Republik mit ihrem internationalen Hintergrund von 1920 bis 1928 wider. Plattdeutsch als Medium einer Teilhabe am politischen Leben, damit zeichnete sich van der Linde als einer der Wegbereiter einer modernen, zeitnahen Mundartliteratur aus. Zudem bewies er durch seine Popularität, dass Plattdeutsch als Sprache als verbindendes Element die religiöse Orientierung überspannt.

Maria Mönch-Tegeder - die Begleiterin des Wandels

Maria Mönch-Tegeder ist für ihre Gedichte, Lieder, Romane und Theaterstücke bekannt. Auch ihre plattdeutschen Morgenandachten im Rundfunk fanden eine große Hörerschaft.

Als sich der Geburtstag der „Emsland-Dichterin“ 2003 zum hundertsten Mal jährte, rief der Emsländische Heimatbund ihr zu Ehren ein Gedenkjahr aus. Auf Initiative ihres Neffen Theo Mönch-Tegeder wurde die Neueditierung ihres Werkes vom Emsländischen Heimatbund in Angriff genommen und als dreibändige Ausgabe herausgegeben.

Der erste Band gilt einem thematischen Schwerpunkt im Werk, nämlich der Weihnachtszeit im Emsland. „Wi stickt nu de Kerßen an. Klaostiet un Wiehnachten in't Emsland. Vertellsels, Döönkes un ock wat to't Nachdenken“ konnte im Jahr 2000 vorgestellt werden. Der zweite Band, die „Emsland-Romane“ mit den Werken „Land unner Gottes Thron“, „Imme“ und „Plattdütske Romräse“, erschien 2001. Im November 2002 schließlich erschien der dritte Band mit den „Emsland-Vertellsels. 100 Döönkes un Riemseis“.

Vier Veranstaltungen wurden im Rahmen des Gedenkjahres organisiert, die der Kulturkreis Kirchspiel Emsbüren, die dortige Katholische Landjugend und der örtliche Heimatverein sowie der Heimatverein Meppen und der Emsländische Heimatbund gemeinsam ausrichteten.

Den Auftakt bildete ein Maria Mönch-Tegeder-Abend im Heimathof Emsbüren. Dort warf Hermann Bröring in seinem Grußwort die Frage auf, warum sich die Texte von Maria Mönch-Tegeder nach wie vor großer Beliebtheit erfreuten. Seiner Meinung nach bildete ihr Werk „einen Eckpfeiler im kulturellen leben unseres Raumes“. Sie hätte, so Bröring, dem Emsland in einer tiefgreifenden Umbruchphase ihren literarischen Stempel aufgedrückt und den Emsländern gleichzeitig mitgegeben: „Van dat Olde sali man tehren, kegen dat Neje sall’m sick nich wehren.“

Die 1903 in Mehringen bei Emsbüren geborene Maria Mönch-Tegeder hatte bei ihrer Arbeit das gesamte Emsland als Heimatregion im Blick. Dnd zwar nicht nur das Emsland früherer Tage, sondern auch die damalige Gegenwart und Zukunft dieser Region.

Die waren während der Schaffenszeit Maria Mönch-Tegeders geprägt von der großen Emslanderschließung, die 1950 mit einem entsprechenden Beschluss des Deutschen Bundestages ihren Anfang nahm. Durch sie hat die Randregion längs der niederländischen Grenze den Anschluss an die Lebensverhältnisse und wirt­schaftlichen Entwicklungen des übrigen Deutschland gefunden. Die Emslanderschließung bedeutete für die Menschen dieses Raumes aber auch, dass sie sich einem tiefgreifenden Umbruch und neuen Herausforderungen stellen mussten, welche die deutliche Anhebung der Bildungsqualität, die Anbindung an die großen Verkehrsströme, den Arbeitskräfteabbau in der Landwirtschaft sowie den Aufbau von Industrie und Gewerbe mit sich brachten.

Bei allem Humor, der in vielen Döönkes deutlich wird, ist das Hauptmotiv in fast allen Gedichten, Romanen und Theaterstücken Maria Mönch-Tegeders der Konflikt zwischen Tradition und Moderne.

Ihr Werk hat dem Stellenwert der plattdeutschen Sprache im kulturellen Leben des Emslandes nachhaltige Impulse gegeben. Ihre plattdeutschen Theaterstücke sind auf Freilichtbühnen und von plattdeutschen Amateur-Theatergruppen unzählige Male gespielt worden. Manche ihrer Gedichte wurden vertont. Sie selbst hat viele Jahre in den Sälen im.gesamten Emsland und den angrenzenden Gebieten ihr literarisches Werk auf zahlreichen Veranstaltungen vorgestellt. Über die platt­deutschen Morgen an dachten erreichte sie im gesamten norddeutschen Raum eine große Hörerschaft.

Die Pädagogin Maria Robben beschreibt Maria Mönch-Tegeder in einem Porträt anlässlich ihres 70. Geburtstages keineswegs als weltfremde Heimatdichterin, sondern als Autorin, die mitten im Leben stand und sowohl Leser also auch Zuhörer in ihren zahlreichen Vorträgen von sich zu begeistern wusste, weit über die Grenzen des Emslandes hinaus. Dabei zeichnete sie sich, so Robben, durch „einen hohen Informationsstand über Fragen aus allen Wissensgebieten“ sowie ein großes Ein­fühlungsvermögen in die Probleme der Gegenwart aus.

 

Karl Sauvagerd - der Brückenbauer

Im November 2019 machte sich eine Delegation aus der Grafschaft Bentheim auf den Weg nach Hamburg. Berent Vette und Klaus Vorrink hatten im Auftrag der Heimatfreunde Neuenhaus ein Buch über Leben und Werk des 1992 verstorbenen Heimatdichters Karl Sauvagerd herausgegeben. Die Anthologie mit dem Titel „De Tied blif Baas“ wurde nach Prüfung einer fachkundigen Jury von der Carl-Toepfer- Stiftung mit dem Preis „Plattdeutsches Buch des Jahres 2019“ ausgezeichnet. Eingebettet war die Preisverleihung in die 22. Buchmesse im Lichtwarksaal und der Niederdeutschen Bibliothek unweit des Hamburger Michels. „Der Preis ist eine öffentliche Anerkennung nicht nur für die Herausgeber und die Autoren, sondern vor allem eine Würdigung für das Lebenswerk Karl Sauvagerds und somit auch für die Dialektliteratur in Deutschland und in den Niederlanden“, urteilten Berend Vette und Klaus Vorrink. Die Jury bewertete den umfangreichen Band mit violettem Einband als „herausragendes Beispiel für die Auseinandersetzung mit regionalen Autoren“.

Karl Sauvagerd wurde 1906 in Gronau geboren. 1910 zog seine Familie in die Niedergrafschaft in die Bauernschaft Wilsum. Sauvagerd war im Hauptberuf Schneidermeister, veröffentlichte aber erstmals 1931 unter dem Pseudonym „Lyrikus“ im „Grafschafter Heimatkalender“.

Als „der dichtende Sniederbaas“ machte er sich mit seinen Gedichten bald einen Namen. Seine Texte wurden häufig zu verschiedenen öffentlichen Anlässen gelesen und er selbst war als Rezitator ein gern gesehener Gast. In seinen Gedichten beschäftigt sich Sauvagerd neben lokalen Ereignissen auch mit Natur- und Landschaftsbetrachtungen. In der „Grafschafter Tagespost“ veröffentlichte er vier Romane und schrieb darüber hinaus zahlreiche Kurzgeschichten, die zum einen märchenhaften Charakter besitzen und zum anderen einen tiefen Einblick in das Leben der Bewohner der Grafschaft Bentheim bieten.

Im Herbst 1956 gründeten die regen niederdeutschen Lyriker und Publizisten aus der Region Emsland/Grafschaft Bentheim den „Schrieverkring an Ems un Vechte“. Zum harten Kern dieser Gruppe gehörten neben Karl Sauvagerd die Emsländerin Maria Mönch-Tegeder, Hans Wessels, Bernhard Uphus und Josef Hugenberg, der Grafschafter Ludwig Sager sowie die aus der Grafschaft stammende, aber im Emsland lebende Christa Brinkers. Vorsitzender dieser Autorenvereinigung war der Grafschafter Sprachwissenschaftler und Lehrer Dr. Arnold Rakers. Der Schrieverkring pflegte enge Kontakte in die benachbarten niederländischen Regionen Twente, Drenthe und Salland (Overijssel). Sauvagerds Mutter Alberta wurde in der niederländischen Provinz Friesland geboren, in der die Umgangssprache Nedersaksisch war, das niederländische Plattdeutsch. Daher fühlte Sauvagerd sich auch aufgrund seiner familiären Herkunft stark mit den Nachbarnjenseits der Grenze verbunden. Er unterstützte sowohl die deutsch-niederländischen Annäherungen nach dem Krieg als auch die niederdeutsche Szene, die Anfang der 1950er Jahre auf beiden Seiten der Grenze einen starken Aufschwung erfuhr. Grenzüberschreitende Ver­anstaltungen im Rahmen seines Engagements für den Verkehrs- und Veranstaltungsverein Neuenhaus und den Heimatverein Grafschaft Bentheim führten immer wieder zu Begegnungen mit den Niederdeutsch sprechenden Nachbarn. Er wurde zu Lesungen auf niederländischer Seite eingeladen und auch Sauvagerds Gedichte wurden in der grenznahen Presse abgedruckt. Er steigerte seinen Bekanntheitsgrad durch Kontakte zu Akteuren im Heimatvereinswesen und vor allem zu nedersaksischen Autoren. Aus diesen Kontakten heraus entstand der „Nedersaksische Schrieversbund“ der sich 1955 im niederländischen Markelo konstituierte. Diese Vereinigung hatte das Ziel, niederdeutsche Literatur und die gemeinsame Muttersprache in der Grenzregion zu fördern und zu erhalten. Dazu seien die Erweiterung der Prä­senz des Niederdeutschen im Alltag und in den Medien sowie die Erarbeitung einer einheitlichen Rechtschreibung notwendig. Mit der Schaffung einer gemeinsamen Schriftsprache sollte ein neues, gemeinschaftsstiftendes Zusammengehörigkeitsge­fühl entstehen, und das nur wenige Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges.

Neue Themen, neue Autoren - ein zukünftiges Arbeitsfeld der Fachstelle Plattdeutsch?

Die Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim haben eine Vielzahl nieder­deutscher Autoren hervorgebracht, für die die Wertschätzung bis heute ungebrochen ist. Vielen ist bewusst, dass die über 1 000 Jahre alte plattdeutsche Sprache ein tragender Teil der regionalen Identität ist, ein Kulturgut, das nicht sang- und klanglos untergehen darf. Doch andererseits ist das Plattdeutsche als Alltagssprache auf dem Rückmarsch. Bemühungen, die noch vorhandene plattdeutsche Kompetenz an die nachwachsende Generation weiterzugeben, erweisen sich häufig als schwieriges Unterfangen. Nur noch wenige Lehrer sind aktive Plattdeutschsprecher und nicht nur die Elterngeneration, sondern zunehmend auch die Großelterngeneration sind nicht mehr in der Lage, mit ihren Kindern und Enkeln Platt zu sprechen. Wenn sich diese Entwicklung weiter fortsetzt, wird Plattdeutsch langfristig lediglich als Kultursprache weiterexistieren: im Theater, in der Musik und vor allem in der Literatur.

Die vorgestellten Autoren haben sich an ihrem eigenen gesellschaftlichen und sozialen Umfeld und auch an dem ihrer Leser orientiert. Die von ihnen gezeichnete Welt entspricht nur noch in Teilen der heutigen Realität. Zwar gibt es Autoren wie den Meppener Dichter Hermann May, der die plattdeutsche Sprache modern und innovativ verarbeitet und dafür große Anerkennung findet. Dennoch gibt es einen starken Bedarf an Nachwuchsautoren, wenn plattdeutsche Literatur nicht nur als harmlose Wohlfühlkunst zur Unterhaltung und zum Schwelgen in früheren Zeiten wahrgenommen werden soll. Sie muss sich zeitgemäßer Ausdrucksformen bedienen und Themen aufgreifen, die der aktuellen Lebenswirklichkeit entsprechen. Gerade heute wäre die Chance, mit der gemeinschaftsstiftenden Kraft der plattdeutschen Sprache Diskurse anzustoßen und gesellschaftsrelevante Themen aufzugreifen, sehr groß. Auch die Erarbeitung neuer plattdeutscher Theaterstücke und die Förderung von Drehbuchautoren wären Mittel, die Themenpalette niederdeutscher Bühnen zu erweitern, die sich im Emsland und der Grafschaft Bentheim häufig auf launige Abendunterhaltung beschränkt.

Die Fachstelle Plattdeutsch hat sich die Förderung niederdeutscher Kultur auf die Fahnen geschrieben. Es dürfte zu diskutieren sein, auf welche Weise plattdeutsche Nachwuchsautoren animiert und gefördert werden können. Gute Schriftsteller und lesenswerte Themen sind vorhanden. Der jährlich stattfindende Schreibwettbewerb des Norddeutschen Rundfunks ist ein Beweis dafür. Im Emsland und der Grafschaft Bentheim machen erfolgreiche Projekte wie das Krimi-Theaterstück „Water-Fall“ der AG Plattdeutsches Theater Hoffnung. Und auch im Vorfeld des plattdeutschen Lesewettbewerbs gibt es viele Nachfragen nach altersgemäßen Texten für Kinder und Jugendliche, die nur im begrenzten Umfang bedient werden können.Vielleicht könnte die Einrichtung eines Schreibwettbewerbs, einer regelmäßig stattfmdenden Schreibwerkstatt oder eines Literaturprojekts in Kooperation mit Schulen ein Mittel gegen das Nachwuchsproblem in der Region sein. Es gibt im­mer noch viele Menschen, die auf die Gedanken und Worte dieses Nachwuchses gespannt wären.

 
   
   

 

„Schüttruper Allerlei“

Döönkes, Geschichten, Gedichte und Wissenswertes rund um die Stadt und Samtgemeinde Schüttorf

Herausgegeben von Rainer Harmsen

Rainer Harmsen hat die Sammlung plattdeutscher Döönkes seines Vaters Hermann Harmsen, die ins Hochdeutsche übersetzt wurden, mit Geschichten und Gedichten von Hilde Hofstede und eigenen Geschichten, Wissenswertem und Anmerkungen ergänzt. Entstanden ist ein unterhaltsames Buch, welches interessante Einblicke in das das Leben und die Menschen von Schüttorf und Umgebung erfährt, aber auch viel Wissenswertes der Schüttorfer Geschichte.

Ein Buch, das sich zu Lesen lohnt, nicht nur für Schüttorfer.

Erhältlich ist es beim Herausgeber Rainer Harmsen, Weißdornweg 6, 48465 Schüttorf

 

ENKELKINNER von Hermann Harmsen

Omas un Opas datt wassen för us fröger heel oale Löde. Ock wann se vellicht eerst üm de 50 Joar oalt wassen, de drögen immer schwarte Kleedung. In tüschen bin ick ock Groatvader. Doar kanns du sölls ja ock nich vull ti bidrägen, doarför sorget diene Kinner un Enkelkinner. Watt in' loap van de Tiet so ails mett de Blagen belebben kanns, doar kann ick van mettküren.

In' Kinnergoarden woeden alle Kinner upnommen, egoal off se evangelisch off katolsch wassen. Eerst bi de Inschoolung kämmen de Kinner dann in de evangelische off katolsche Schoole. As de Kleene an' lessten Dag van Kinnergoarden noa Huus kämm, veteilde ett, datt eene van de Wichter ut'n Kinnergoarden nich mett in de evangelische Schoole güng. Up miene Froage, woarüm datt denn nich, meende ett: „Die ist anders evange­lisch."

Ick stönn met de Enkelkinner in' Gorden un bekäken de Vöggelkes biet foaren van eere Jungen. Ick segg to de Kinner: „Guckt mal, die Vogelmutter füttert ihre Jungen." Doar segg datt Jüngste to mi: „Und die Mädchen nicht?"

Datt Jüngste van de Enkelkinner was ne richtige Nachtule. Oabens nich inschloapen un monnens up Tiet wa­cker. Doarför was et dann öwwer Dag ock wall vaaken mode un moss dann' Stündken upt Oar. För de Öllern is datt nich sö moi, wenn schnachens boale kein Gage tokriggs. Eenes Dages segg denn Vader van datt Kind mett'n heel plesärig Gesicht to mi: „Datt Kind schlöpp nun endlich döör." „Oh“, segg ich, „datt is ja'n moi Spill." „Joa," segg he, „ett schlöpp nun van monnens acht Uhr bis oa­bens acht Uhr un is dann de heele Nacht wacker."

Ick satt biet schriewen van' plattdütsch Döönken. Ussen Enkel satt mett an' Disch un keek sick an, watt ick so döe. As ick dann mien Pollot mett'n Anspitzer weer spitzen woll, meende he: „Opa, ist der Bleistift jetzt beim Friseur?"

Twee Enkelkinner wasen bi us to besöek. Biet weggoon woll ick de beiden noch ne Mark inne Hand drücken. Ick ha aber kein Kleingeld in' Tück, bloos nen Tien-Mark- Schien. Ick segg to de Kleene: „Hier hast du zehn Mark, die musst du dir mit deinem Bruder teilen." Ick konn gar nich so gaue kieken wu se denn Schien anpackte un in twee Deele schörde un eären Broar de eene Hälfte gaff. Bekken konn ick mett er doarüm aber nich, weil ick ja solle seggt ha, datt se datt Geld deelen soll.

De Kinner kommt vandage ja all boale mett'n Computer up de Welt. Ussereener kennt doarvan so vull as de Koh van' Sundag. Usse Kleene woll mi datt mett de Knöpe un de Schalters un Tasten wiesen. Dorbie segg ett dann: „Opa, das ist die Maus, die musst du hochnehmen." Ick mett mienen Computervestand hebb de Muus inne Hand nommen un inne Höchte böert. Datt lachen van de Blagen üm mi to heff mi wieset, datt ick van datt Computerspill keine Ahnung hebbe un doarüm hebb ick datt ock lange nich weer anpackt.

Eene van miene Enkelkinner kämm vanne Schoole nooa Huus un veteilde seine Moder, watt denn Meester döör- nommen ha. „Der Lehrer hat gesagt, die Holländer spre­chen Holländisch und wohnen in Holland. Die Engländer sprechen englisch und leben in England und die Deut­schen sprechen deutsch und wohnen in Deutschland." „Joa," segg de Mamma „datt stimmt." „Dazu habe ich noch eine Frage. Oma und Opa sprechen plattdeutsch. Wohnen die in Plattdeutschland?"

 
   
   
 

Die Jantje, ein sehr schönes Fotomotiv in der Adventszeit

Als „rundum gelungen“ lobte Nordhorns Bürgermeister Thomas Berling die „Jantje“-Beleuchtung. „Auch wenn wir dieses Jahr leider auf den Weihnachtsmarkt verzichten müssen, wollen wir mit unserem Beleuchtungskonzept in der Innenstadt für vorweihnachtliche Wohlfühlatmosphäre sorgen“, sagt VVV-Geschäftsführer Matthias Bönemann. Neues Element und optisches Highlight in diesem Beleuchtungskonzept ist die illuminierte „Jantje“. Graf-Ship-Vorsitzender Andreas Kinser sprach von einem „schönen Gemeinschaftsprojekt“, das den Citybesuchern „ein Lächeln aufs Gesicht zaubern“ könne.  Danke Matthias Bönnemann

 
   

Jantje

Die Jantje ist ein Plattbodenschiff vom Typ Steilsteven und wurde 1923 in Delftzijl gebaut und als Mabé in Dienst gestellt. Nach Kurzer zeit wurde sie in Neeltje umgetauft und verrichtete dann ihren Dienst als Frachtsegelschiff auf der damaligen Zuiderzee ( dem jetzigen Ijsselmeer ), den Friesischen Meeren, der Waddenzee und den Kanälen der Niederlande. 1958 wurde sie mit einem 80 PS Kromhout Diesel versehen und erhielt bis 1969 eine Zulassung als Frachtschiff. Mit einer Ladefähigkeit von 60 to war sie aber schon längs nicht mehr konkurrenzfähig und so wurde diese Genehmigung auch nicht mehr verlängert und Jantje aufgelegt. Mitte der 70er Jahre des vorigen jahrhundert wurde der erste Versuch einer Restaurierung unternommen, dieser scheiterte aber an der Insolvenz des Besitzers. 1976 wurde es dann für sage und schreibe 8000.- Gulden aus der Konkursmasse verkauft. Der neue Eigner ging mit großem Schwung daran die Jantje wieder herzustellen, aber sehr schnell erlahmte dieser Elan. Ab Mitte der 1980er Jahre dümpelte die Jantje nur so vor sich hin. Der Laderaum füllte sich mit allerlei Krimskram von dem der Eigner wohl dachte, dass er ihn irgendwann für das Schiff gebrauchen könne. Als er 2009 verstarb hinterließ er ein rummeliges Schiff und eine Erbengemeinschaft, die nur eins wollte: Jantje schnell loswerden. Zu diesem Zeitpunkt traten einige engagierte Bürger an Graf Ship heran mit dem Wunsch heran, etwas für das Projekt „Wasserstadt Nordhorn“ zu tun. Ihnen schwebte ein Restaurantschiff am historischer Stelle, dem “Alten Hafen“ an der Marktkirche vor. Schnell war klar, dass mit den vorhandenen Spendengeldern diese Idee nicht zu verwirklichen war, aber ein Schiff sollte es trotzdem werden. In dieser Situation stießen wir auf Jantje. Sofort war den Beteiligten klar, dass hier ein Dornröschen auf seinen Kuss wartete. In scharfen Verhandlungen konnte Udo Bernsen den Preis noch drücken und schließlich wechselte das Schiff seinen Besitzer. Ein bestellter Gutachter bestätigte uns, was wir schon vermutet hatten: die jantje ist ein Schatz, eines der letzten unverbauten Schiffe vom Typ Steilsteven. Damit war ach klar, dass jegliche angedachte Umbaupläne ad acta gelegt würden. Die jantje sollte ein schwimmendes Denkmal führ Nordhorns maritime Geschichte werden. Allerdings auch ein fahrendes. So wurde sie gestrahlt und lackiert und am 03.11.2009 nach Nordhorn gebracht und am Alten Hafen in einer spektakulären Aktion zu Wasser gelassen. Nach vielen, vielen Jahren lag wieder ein Frachtschiff im an der historischen Stätte. Die Bevölkerung nahm das Schiff begeistert auf, im Nu war es „unsere Jantje“. Die Stadt Nordhorn und alle anderen beteiligten Behörden arbeiteten gut zusammen um einen schönen Liegplatz für den „kleinen, grünen Frachter“ (Zitat GN) herzurichten. Die meiste zeit wird Jantje an diesem neuen Anleger am Alten Hafen verbringe. Aber 4-5 Mal im Jahr wird sie zu besonderen Anlässen ihren Liegeplatz verlassen und als schwimmender Sympathieträger für Nordhorn in der Region unterwegs sein.

 

 
   

Wir, die Plattproater der Grafschaft Bentheim, bedanken uns

alle merken, dass der normale Alltag aus den Fugen geraten ist. Wir müssen auf viel verzichten und zwar weltweit, vor allem auf soziale Kontakte, Feste, Reisen.

Wir entdecken unsere Heimat und die nähere Umgebung.

Nicht alle Menschen kommen so entspannt durch diese Zeit, sondern sorgen unter anderem dafür, dass wir Alten ein Stück Normalität haben.

Jeden Morgen werden wir mit den Grafschafter Nachrichten versorgt. Nicht vorzustellen ein Frühstück ohne die Zeitung mit aktuellen Nachrichten aus der Region und aller Welt. Nicht nur Corona-Informationen erfahren wir, sondern eben auch noch erfreulich viel Anderes – wohltuend „Normales“. Wir danken den Zeitungszusteller/innen, den Redakteuren der GN für diesen Service.

Besonderen Belastungen sind die Ärzte/Hausärzte, das Pflegepersonal, sowie die Besatzungen der Krankenwagen ausgesetzt. Aufopferungsvoll kümmern und versorgen sie unsere Alten und Kranken in den vielen Altenheimen und Pflegestationen, in der Euregioklinik und auf den Krankenstationen. Ihnen gilt unsere Wertschätzung und unser Dank. Aber auch den vielen Angestellten in den Supermärkten und Lebensmittelgeschäften sowie den Apotheken danken wir. Sie haben zurzeit besonders viel zu bedenken wegen der zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen und der starken Nachfrage.

Viele Menschen sind das erste Mal in ihrem Leben mit einer so Angst einflößenden Situation konfrontiert. Aber das Gute: Die Menschen halten zusammen. Zahlreiche, kreative „Gutes-Tun“-Mitmenschen, wie z B. die Jugendlichen, die für uns einkaufen, Nachbarn, Bekannte und Freunde, die uns Mut zusprechen. Dazu gehört auch der Mann an der Tankstelle, der Postbote, die Polizei, der Pastor. Nicht zu vergessen die Politiker, die sich für unsere Gesundheit einsetzen und wichtige Entscheidungen treffen. Kurzum allen die uns in dieser schwierigen Zeit helfen und uns durch sie leiten. Allen danken wir von ganzem Herzen!

Beim abendlichen Glockenläuten wollen wir an sie denken und sie in unser Gebet einschließen.

 
   

Unsere Zukunft ist mehrsprachig

Plattdütsch in de Groafschup


Ümdat de „Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen" dat woll, heff denn Bundestag in’n Juli 1998 een Gesetz beslotten, woarin seggt wodd, dat Sproaken van Löö, de in de Minnerhäit bint, un Sproaken, de in bestimmde Konträins proat / küürt wodd, anseen mött wonn'n at Riekdum van mäinschlik Lewen, un doarüm ock bewaart wonn'n mött.

Ock ümdat sick doar immer meär Mäinschen ´ne Masse Möite üm dat Platte hier in’t Norden van ouns Laund geewt, wodd’t doch de Plattproaters minner. Besünners an de jungen Löö wodd de plattdüütsche Sproake hoast nich meär wietergewen. Et stimmt wall, dat d’r meär Mäinschen Platt vestoan könnt as proaten / küren. En et is ock soa, dat d’r up't Laund un in Huus meär platt proat /küürt wodd as in de Stadt.

In de Groafschup sall nu dat Plattdüütsch weär meär proat / küürt wonn'n. Doarüm heff sick ock ´nen Kring van Löö funn'n, de tehoape met Mäinschen van'n Landkreis vesöken willt, besünners in Kinnergöarns un Scholen föar disse Sproake ientetreen. Et geet drüm, junge Mäinschen föar't Plattproaten / Plattküren nij te maken.

   
   
 
   

Plattdeutsch in der Grafschaft Bentheim

Auf Basis der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen des Europarates aus dem Jahr 1992 hat der Bundestag im Juli 1998 ein ganz besonderes Gesetz in Kraft gesetzt. In Artikel 7 wird dort das Ziel formuliert, dass Regional- und Minderheitensprachen als Ausdruck kulturellen Reichtums geschützt und gefördert werden sollten.

Trotz zahlreicher Bemühungen, die plattdeutsche Sprache im norddeutschen Raum zu fördern und zu erhalten, nimmt die Anzahl der Niederdeutsch-Sprecher immer mehr ab. Besonders an junge Leute wird die Sprache heute nicht mehr weitergegeben. Tatsache allerdings ist, dass viel mehr Menschen Plattdeutsch verstehen als sprechen können. Der Gebrauch von Plattdeutsch ist auf dem Lande verbreiteter als in der Stadt, und im privaten Bereich wird stärker Plattdeutsch gesprochen als in der Öffentlichkeit.

In der Grafschaft Bentheim wird seit längerer Zeit für die plattdeutsche Sprache geworben. Gemeinsam mit Vertretern des Landkreises hat sich ein Arbeitskreis, der aus etwa 15 interessierten Personen besteht, gegründet.