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Plattdütsch in de Groafschup

 

 

   
 

 

 

 

November

De wind puust scharp en koult mij üm de Ohren,
de Stroate latt soa kahl, soa stûmp en fucht,
de Pöppeln door hebbt all ehr Loaf verlooren,
see steckt de kahlen Tööge in de Lucht.

Kahl stoaht de Barkenböäme an de Stroate,
nicks löcht mehr, alles is soa matt en swoor,
fahlgröön en welk en doat latt ock de Moate,
en’t Größ an Wegg en Stroate i sock soor.

Unfröindlik snitt de Wind döör Broam en Rüschen,
’nen dichten Newel ligg up Lând en Fäild;
soa ensaam, stumm stoaht door de Woagebüsche,
man sött nich wiet – soa kläin is nu de Wäilt.

Undüüdlik stoaht de Dannen door van wieden,
man sött gin’n Himmel – Newel oawerall;
alleen de Wînter-Eeken an de Sieden
dee hebbt ehr Loaf noch, men’t is welk en fahl.

Dat sind de Dage, dee ûns nich willt passen
en dee doch altied weerkummt, Johr för Johr;
men ut dat Düüster mott dat Lecht doch wassen
en eenmoal wodt weer alles lecht en kloor.

Karl Sauvagerd

 

 
   
   
 
   
   

Schmökern, Klönen und Singen auf Platt

Erste plattdeutsche Buchausstellung
hält Lese- und Geschenketipps bereit

 

Am Mittwoch, den 4. Dezember 2019 ab 17:00 Uhr findet in der Bibliothek des Emsländischen Heimatbundes in Meppen erstmalig eine plattdeutsche Buchausstellung statt. Freunde der plattdeutschen Literatur sind eingeladen, in gemütlicher Atmosphäre in Romanen, Gedichten, Lieder-, Lehr- und Kinderbüchern zu stöbern. Um 18:00 Uhr steht eine Gesprächsrunde mit Buchempfehlungen auf dem Programm.

 

„Plattdeutsche Literatur hat so viel mehr zu bieten als nette Dönkes und traditionelle Heimatgeschichten“, meint Linda Wilken von der Emsländischen Landschaft. Unter ihrer Federführung wurde 2016 das sogenannte „Plattschapp“ in der Bibliothek des Emsländischen Heimatbundes eingerichtet. Hier werden Interessierte in einer eigenen Abteilung fündig. Der rund 1000 plattdeutsche Medien umfassende Bestand wird laufend mit Neuerscheinungen erweitert. „In diesem Jahr sind gut 80 neue plattdeutsche Bücher erschienen.“, berichtet Wilken. Dabei reicht die Bandbreite von Übersetzungen des Kinderbuchklassikers „Hilfe, die Herdmanns kommen“ bis hin zu Geschichten des bekannten Moderators Yared Dibaba. Besonders gefreut habe sie die Auszeichnung des Buches „De Tied blif Baas“ über den Grafschafter Dichter Karl Sauvagerd als „Plattdeutschen Buch des Jahres“, welche von der Carl Töpfer-Stiftung in Hamburg verliehen wird. „Literarisch war es ein spannendes Jahr für die plattdeutsche Sprache. Qualitativ muss sie sich nicht hinter den hochdeutschen Veröffentlichungen verstecken“, findet Wilken.

 

Ab 18:00 Uhr können Besucher der Buchausstellung Empfehlungen mehrerer Literaturexpertinnen lauschen. Tanja Schnetlage von der Stadtbibliothek Meppen und Birgitta Greten von der Buchhandlung Borchers stellen ihre plattdeutschen Lieblingsgeschichten und -romane vor. Auch dabei ist Edith Sassen, die als Beraterin der Niedersächsischen Landesschulbehörde Plattdeutsch-Lehrkräfte im Emsland unterstützt und bereits mehrere Bände des Lehrwerks „Platt löppt“ verfasst hat. Sie wird Empfehlungen für Bücher geben, mit denen sich sowohl Kinder als auch Erwachsene der Regionalsprache nähern können. Linda Wilken wird sich auf plattdeutsche Materialsammlungen konzentrieren. „Oft bekommen wir Anfragen nach Liedern, Sketchen und Geschichten für Seniorennachmittage oder Adventsfeiern. Davon werde ich eine Auswahl vorstellen und wenn es zur Stimmung passt, können wir gerne das ein oder andere Weihnachtslied „up Platt“ anstimmen.“

 

Die plattdeutsche Buchausstellung findet in der Bibliothek des Emsländischen Heimatbundes, Am Neuen Markt 1 (über Kaufland) in Meppen statt. Der Eintritt ist frei.

Bildunterschrift: Birgitta Greten, Linda Wilken, Tanja Schnetlage und Edith Sassen (v.li.) freuen sich auf die Besucher der Buchausstellung (Foto: Emsländische Landschaft).

 
   

GN 19.11.2019

Große Ehre für Buch aus Neuenhaus

Sauvagerd-Werk gewürdigt


 

HAMBURG

Eine zehnköpfige Delegation um die beiden Neuenhauser Heimatfreunde Berend Vette und Klaus Vorrink hat Anfang November in Hamburg den Preis für das „Plattdeutsche Buch des Jahres“ angenommen. „Uns ist eine sehr große Wertschätzung entgegengebracht worden“, sagte Klaus Vorrink. Ausgezeichnet wurde das Buch „De Tied blif Baas“, das Leben und Wirken des 1992 im Alter von 85 Jahren verstorbenen Neuenhauser Heimatdichters Karl Sauvagerd darstellt. Der Preis, der von der Carl-Toepfer-Stiftung verliehen wird, ist mit 2000 Euro dotiert. Die Verleihung war eingebettet in die 22. Plattdeutsche Buchmesse in Hamburg.

„Der Preis ist eine öffentliche Anerkennung nicht nur für die Herausgeber und die Autoren, sondern vor allem eine Würdigung für das Lebenswerk Karl Sauvagerds und somit auch für die Dialektliteratur in Deutschland und in den Niederlanden“, erläuterten Berend Vette und Klaus Vorrink bei der Feierstunde in der Niederdeutschen Bibliothek der Carl-Toepfer-Stiftung. Die aus fünf Mitgliedern bestehende Jury hatte das Werk für ein „herausragendes Beispiel für die Auseinandersetzung mit regionalen Autoren“ gehalten. Das Buch sei „reichhaltig ausgestattet und liebevoll gestaltet“, hieß es. „Die Herausgeber Berend Vette und Klaus Vorrink haben einen Querschnitt des literarischen Schaffens des Autors aus der Grafschaft Bentheim mit Beiträgen kenntnisreicher Fachleute zu einem herausragenden Lesebuch kombiniert“, befanden der Stiftungsvorsitzende Bernd Toepfer sowie Heiko Block, Präsident des Instituts für Niederdeutsche Sprache.

Das Buch kostet 25 Euro. Es ist erhältlich in Emlichheim bei Hannes Laden und bei Borghorst-Unverfehrt, in Neuenhaus bei „by Heike“, in Uelsen bei Mine, in Nordhorn bei „Aus Liebe zum Buch“ (nicht bei Thalia), in Schüttorf bei Moldwurf und in Bad Bentheim in der „Buchhandlung am Schloßpark“. Außerdem ist es bei Amazon zu bestellen. Geplant ist ferner ein Buchverkauf auf den Weihnachtsmärkten in der Innenstadt von Nordhorn und im Tierpark Nordhorn.

 
   
   

„Pattdeutsches Buch des Jahres“
Ablauf der Preisverleihung
am Sonnabend 2. November 2019 um 11.00 in der Niederdeutschen Bibliothek in Hamburg

 

Die Carl-Toepfer-Stiftung ist eine Stiftung, die gemeinnützige und mildtätige Ziele verfolgt. Soweit das Formale. In Hamburg bekannt ist sie durch die Renovierung, Wiederherstellung, Restaurierung der Gegend um die Neanderstraße und Peterstraße mit dem neuen Namen "KomponistenQuartier". Ein gelungene historische Wiederherstellung eines alten Hamburger Quartiers. Dies unter dem Begriff der Denkmal- und Heimatpflege. Zusätzlich beschäftigt sich die Stiftung mit Jugendförderung und sozialem Wirken, Förderung von Kunst, Wissenschaft und Kultur in Hamburg und seinem Umland. Und letztendlich um die Förderung der niederdeutschen Sprache und Literatur.

Begrüßung
Bernd Toepfer,
Vorsitzender des Vorstandes der Carl-Toepfer-Stiftung

 

 

Laudatio auf die Preisträgerin/den Preisträger des Preises „Plattdeutsches Buch des Jahres“
des Instituts für niederdeutsche Sprache, Bremen, und der Carl-Toepfer-Stiftung, Hamburg
durch Heiko Block, Bremen

De Tied blif Baas – Karl Sauvagerd – Ausgewählte Texte und ein Lebensbild Plattdeutsches Buch des Jahres 2019 Laudatio zur Preisverleihung am 02.11.2019 Heiko Block, INS Bremen

Karl Sauvergerd, geboren 1906 in Gronau – Quelle: Lexikon niederdeutscher Autoren, Leer, Schuster Verlag 1976, herausgegeben vom Institut für niederdeutsche Sprache. So lautete der Eintrag auf einer Karteikarte, die ich irgendwann Ende der siebziger Jahre anlegte. Ein Stück spärlich beschriebener Karton, eingereiht in eine sich langsam aufbauende Sammlung von Namen niedersächsischer Autorinnen und Autoren, ein Projekt der Niederdeutschen Abteilung des Seminars für Deutsche Philologie der Uni Göttingen.

Ein Resultat meiner Sammlung von Namen war später meine Magisterarbeit zur Regionalliteratur in Niedersachen – Karl Sauvagerd blieb darin eine Fußnote, neben Karl von der Linde genannt als ein Autor, der in der Grafschaft Bentheim lebte, arbeitete und sich literarisch betätigte. Er blieb für mich ein weitgehend unbeschriebenes Blatt – eine fast leere Karteikarte.

Vor dem Hintergrund dieser spärlichen Kenntnisse können Sie sicherlich meine Verwunderung, mein Erstaunen nachvollziehen, als ich nun das heute zu lobende Buch in die Hand bekam. Die ebenso mutige wie signifikante Aufmachung – die Farbe Lila der Latzhosen der Frauenbewegung der siebziger Jahre als Grundierung für das Portrait eines älteren, sehr zufrieden wirkenden Mannes. Arrangiert vor dem Hintergrund einer Handschrift, wohl seiner Handschrift. Dann das schiere Gewicht der 418 Seiten im festen Einband, aus der ein lilafarbenes Lesebändchen herauslugt. Dieser Titel – „De Tiet blif Baas“. Und dann seine Texte, die mehr als die Hälfte des Buches ausmachen. Zu entdecken ist ein sprachlich versierter Autor, seine Themen sind breit gestreut, seine Texte empfindsam bis nahezu polemisch. Und immer am eigenen Erleben oder am Erleben der Menschen in seiner Umgebung orientiert. Verankert in seiner Umgebung, seiner Heimat im besten Sinne, selten volkstümelnd, selten idealisierend.

„De Tiet blif Baas“ - wiewohl der Dialektgeographie durchaus mächtig, staunte und staune ich über diesen Titel. - „Baas bliewen“, dat kennt een. Vörweg ween, babenup ween, dat Leit hebben - an so wat denk ik. Blots: kann de Tiet „Baas bliewen“, wo geiht dat an und wat hett Karl Sauvagerd meent? De dat rutfinnen will, mutt dat Book in de Hand nehmen - man to!

Un denn maak ik as een, de in de Masch in de Neegde vun Hamborg mit dat – dialektgeographisch - „nordniedersächsische“ Platt groot worrn is, mi so Gedanken, wo denn wull dat „t“ afbleven is, dat för mi to „De Tied blif Baas“ eegens noch darto gehört. – Ik segg blots: In dat Book kieken!

„De Tiet blif Baas“ ist ein hervorragend gestaltetes, klar gegliedertes, höchst informatives und ebenso anspruchsvolles Lesebuch. Es lädt dazu ein, sich mit Karl Sauvagerd, seinem Schreiben und seinem Leben intensiv zu beschäftigen – und gibt dieser Beschäftigung reichlich Lesestoff. Da ist die kurze, informative Einordnung der Texte Sauvagerds in die niederdeutsche Literatur des 20. Jahrhunderts. Da ist eine kenntnisreiche, sorgfältige Auswahl seiner Gedichte, Geschichten, Romane und Erzählungen. Und da sind die ausführlichen Kapitel über Leben und gesellschaftliches Engagement Sauvagerds sowie über seinen sprachlichen Hintergrund. Allesamt ordnen diese Kapitel den Autor und sein Schaffen in seinen Zeitbezügen, in seiner lokalen und regionalen Verankerung und in seiner Geschichte verständlich und nachvollziehbar ein. Dieses Lesebuch eröffnet somit zahlreiche Zugänge zu Karl Sauvagerd und seiner Bedeutung für seine Heimat und weist gleichzeitig über diesen manchmal als eng empfundenen Horizont hinaus.

Eine Preisverleihung wie diese ist nicht der Ort und die Zeit, sich umfassend mit Leben und Werk Sauvagerds auseinander zu setzen. Das zu lobende Buch lädt jedoch jede Leserin, jeden Leser dazu auf höchst attraktive Weise ein.

Zitat

Das sind die Leitlinien für die Jury, die aus jedem Buchjahrgang das „plattdeutsche Buch des Jahres“ auswählt. Die Jury war am Ende einhellig der Meinung, dass für „De Tief blif Baas“ mehrere preiswürdige Leistungen hervorzuheben sind. Verena Kleymann, Dr. Helmut Lensing und Prof. Dr. Dieter Stellmacher eröffnen in den von ihnen verfassten Kapiteln aus unterschiedlichen Perspektiven ebenso kenntnisreich wie umfassend Zugänge zu Leben und Werk Sauvagerds. Das Büro für Gestaltung in Nordhorn hat jede Menge kreative Ideen entwickelt und umgesetzt. Typographie, Komposition von Bild und Text in den einzelnen Artikeln, die sorgfältige Reproduktion der zahlreichen Fotografien folgen einer klaren Gestaltungsidee, die der Orientierung des Lesenden trefflich dient. Besonders zu ehren sind die Herausgeber Berend Vette und Klaus Vorrink, die zusammen mit einem großen Team ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer unter dem Dach der Heimatfreunde Neuenhaus dieses bemerkenswerte Buchprojekt auf die Beine gestellt haben. Von dem eher zufälligen Fund des Nachlasses über die konzeptionelle Arbeit an einem ambitionierten Projekt, die Gewinnung kompetenter Autoren und nicht zuletzt die Finanzierung einer Auflage von 3.000 Exemplaren war es sicher ein langer, anstrengender Weg. Diesen Weg bis zum Erscheinungsdatum Mitte dieses Jahres zu gehen, dafür gebührt Berend Vette und Klaus Vorrink hohe Anerkennung.

Karl Sauvagerd ist nun für mich kein unbeschriebenes Blatt mehr – Dank dieses herausragenden Buches. Gestorben ist der Autor am 6.2.1992 im Krankenhaus in Nordhorn. Selbst dieses biografische Detail rückt dieses Werk zurecht. Man hätte ihm zu seinen Lebzeiten ein solches Werk gewünscht.

Dank an die Carl-Toepfer-Stimmung, Dank an Herrn Töpfer für die großzügige Auslobung des Preises.

Dank an Frau Dr. Möller für die großartige Organisation und fachkundige Beratung rund um diesen Preis und

Dank an meine Mitstreiterin und meine Mitstreiter in der Jury, an Benita Brunnert, Volker Holm und Volker Ipsen.

„De Tiet blif Baas“ – lassen Sie sich von den zahlreichen Freundinnen und Freunden Karl Sauvagerds, die eigens zur Preisverleihung heute nach Hamburg gekommen sind, erklären, was sie unter diesem Titel verstehen. Gestatten Sie mir zum Schluss einen Gedanken abseits der eigentlichen Laudatio: Prägend für den heutigen plattdeutschen Büchermarkts ist es, dass Bücher dieses Formats nicht ohne kräftige finanzielle Unterstützung Dritter auskommen. Eine Bank, die Landschaft Emsland / Bentheim und die Stadt Neuenhaus haben zur Finanzierung eines aufwändigen Buchprojektes entscheidend beigetragen, ohne sie wäre dieses Projekt nicht möglich gewesen. Gibt es vor diesem Hintergrund eigentlich noch einen wirklichen Wettbewerb um das plattdeutsche Buch des Jahres? Namhafte Geldflüsse hier versus verlegerisches Risiko dort? Ist das noch fair? Und: kann und darf ein Wettbewerb derart unterschiedliche Publikations- und Distributionsbedingungen außer Acht lassen? Die Jury hat diese Frage nicht diskutiert, aber meines Erachtens ist sie aufgeworfen und sollte in naher Zukunft diskutiert werden.

Den Wert, den herausragenden Stellenwert von „De Tiet blif Baas“ unter den Publikationen des Jahrgangs 2018 / 2019 schmälern diese Erwägungen allerdings nicht. Nach der Publikation zu Carl von der Linde, die 2008 ebenfalls plattdeutsches Buch des Jahres wurde, ist aus der Grafschafter Ecke wiederum eine Publikation in den Büchermarkt gegeben, die durchaus Maßstäbe setzt.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit

Berend Vette, Heiko Block, Bernd Toepfer, Klaus Vorrink, Simone van Neß

Überreichung des Preises durch Bernd Toepfer

 

Danksagung Klaus Vorrink

Sehr geehrter Herr Töpfer, sehr geehrter Herr Block, sehr geehrte Jury, liebe Freunde der plattdeutschen Sprache.

Bernd Vette und ich, wir fühlen uns zutiefst geehrt, die Auszeichnung „Plattdeutsches Buch des Jahres“ für die Heimatfreunde Neuenhaus entgegennehmen zu dürfen. Wir freuen uns riesig über diese Ehrung, denn durch sie wird die viele Arbeit, unser Einsatz und das Herzblut, dass wir in dieses Werk gelegt haben wertgeschätzt und anerkannt.

Aber dieses Werk ist ein Gemeinschaftswerk und nur deshalb ist es so gut geworden! Bernd Vette und ich, wir waren die Initiatoren, verantwortlich für die Konzeption, die Organisation, die Durchführung und die Finanzierung.

Gefördert wurde diese Buch von der Grafschafter Volksbank, der Emsländischen Landschaft und der Stadt Neuenhaus.

Für das Auswählen, Ordnen und Auswerten der über 400 Werke Sauvagerds konnten wir die Autorin und Expertin Verena Kleymann gewinnen.

Die Biographie Sauvagerds und ihre Einordnung in die Zeitgeschichte lag in der Verantwortung des Historikers Dr. Lensing.

Sauvagerds Bemühungen zur Aussöhnung mit den Niederländern jenseits der Grenze nach dem 2. Weltkrieg durch die gemeinsame Sprache wurden durch
Prof. Dr. Dr. Stellmacher ausgewertet und beurteilt.

Für das Layout, die moderne, leserfreundliche Gestaltung war die Buchdesignerin Simone van Nes, die heute leider aus persönlichen Gründen nicht hier sein kann, verantwortlich.

Alle vier waren Experten! Jeder konnte seine umfangreichen Kenntnisse, Ansichten und Ideen einbringen. An dieser Stelle noch einmal ein ganz herzliches Danke dem ganzen Team für die gute Zusammenarbeit! Dieser Preis gehört uns allen!

Aber---, er gehört auch, und zwar vorrangig, unserem Heimatdichter Karl Sauvagerd! Die Aufgabe des Teams war es, das Vermächtnis dieses Heimatdichters zu erhalten und auszuwerten, damit es nicht verloren geht. Indem Sie, liebe Jury, dieses Buch auszeichnen, ehren und wertschätzen Sie Sauvagerds Lebenswerk und bestätigen uns, dass wir seine Bedeutung richtig eingeschätzt haben.

Was macht nun dieses Buch für alle Freunde der plattdeutschen Sprache so lesenswert?

Da sind zunächst einmal die vielen plattdeutschen Werke zur Heimat, zu nahezu allen Lebenslagen, den Jahreszeiten und zur Natur. Er kannte und beobachtete die Natur sehr gut und legte sogar ein umfangreiches Herbarium an, welches sich auch in seinem Nachlass befand. Wir haben es dem Naturwissenschaftlichen Museum in Münster übergeben. In fast prophetischer Voraussicht sah Sauvagerd die Bedrohung unserer Natur durch uns Menschen und verarbeitete diese Einsichten in seinen Werken. Bedenken Sie, dass seine Werke 50 Jahre und älter sind! Deshalb sind sie auch heute noch aktuell, man darf sie als klassisch bezeichnen.

Zu den Zielen der Heimatfreunde Neuenhaus gehört es, die plattdeutsche Sprache zu fördern, das hat sie mit der Töpferstiftung gemein. Wir tun dies mit diesem Buch und versuchen gleichzeitig, Plattdeutsch für zukünftige Generationen zu erhalten. Bei der Vorstellung unseres Sauvagerd Buches konnten wir 1200 Menschen, junge und alte, für die plattdeutsche Sprache begeistern, auch weil wir ein gutes Rahmenprogramm hatten! In Neuenhaus ist längst angekommen: „Plattdüitsch is cool“!
„To huus dat is doar, woar man miene Sproake proat“ ist der Heimatbegriff vieler Menschen.
Aber „To Huus is ok doar, woar di woarm üm´t Hatte word!“
Möge allen Lesern unseres Buches der Begriff Heimat wieder nähergebracht und dadurch warm ums Herz werden!

Danke

Harald Burmeister (Cello)

Lesung des Preisträgers/der Preisträgerin

Berend Vette

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

auch ich will meiner Freunde darüber, dass dieses Buch, „De Tied blif Baas“ zum plattdeutschen Buch des Jahres gekürt wurde, Ausdruck geben. Der Jury und allen Beteiligten meinen aufrichtigen Dank. Und ich habe mit Freude zur Kenntnis genommen, dass nun auch im Norden des Landes bekannt geworden ist, dass das Emsland und die Grafschaft Bentheim zwei zumindest selbständige Landkreise sind, aber in gewisser Weise auch unterschiedliche Regionen.

Die Auszeichnung „Plattdeutsches Buch des Jahres“ geht also in diesem Jahr in die Grafschaft Bentheim. Noch genauer nach Neuenhaus. Neuenhaus hat das große Glück, zwei bedeutende und über ihre Heimatgrenzen hinaus bekannte Heimatdichter gehabt zu haben: Das waren aus dem Ortsteil Veldhausen Carl van der Linde und aus Neuenhaus Karl Sauvagerd.

Das dichterische Werk des des Erstgenannten, Carl van der Linde, wurde vor 10 Jahren mit dem vielbeachteten Buch „Löö en Tieden“ gewürdigt und auch an dieser Stelle auch ausgezeichnet.

Bei der Arbeit mit Carl van der Linde stießen wir immer, auch weil er jünger war, auf den Namen des Heimatdichters Karl Sauvagerd. Außerdem war er vielen Mitgliedern in unserem Heimatverein noch bekannt.

Und dann trafen einige glückliche Umstände zusammen: Es gab natürlich zahlreiche noch bekannte Geschichten und Gedichte, die zwar in verblichenen, aber gesammelten Tageszeitungen, in Heimatkalendern, in Jahrbüchern des Kreisheimatvereins und in einigen herausgegebenen Büchern verwahrt wurden, aber keinen angemessenen Platz hatten.
Aber dann traf es sich, dass uns eines Tages die Tochter Sauvagerds einen erheblichen Teil aus dem Nachlass ihres Vaters überließ zum Verbleib und zur Verwendung bei dem und durch den Heimatverein Neuenhaus und sie teilte mit, dass auch noch Vieles an Nachlass zu erwarten sei, da es nach Neuenhaus gehöre. Und so sind wir dann eines Tages nach Uelsen, dem Nachbarort von Neuenhaus gefahren, wo die Tochter Sauvagerds lebt, um uns über diesen Nachlass zu erkundigen. Und sie stellte uns dabei den gesamten „dichterischen“ Nachlass ihres Vaters zur Verfügung.

Es war kaum zu fassen, was da an Material vorhanden war. Es war nahezu unfassbar, wieviel Sauvagerd geschrieben hatte: Gedichte, Geschichten, Romane, Lieder, Märchen.

So sind wir zunächst daran gegegangen, das dichterische Material zu digitalisieren. Vieles gab es nur als vergilbte, kaum lesbare Kopien und musste mühevoll abgeschrieben werden, Handschriftliches sowieso.

Bei der Beschäftigung mit dieser Literatur fiel uns auf, welch innige Verbundenheit bestanden haben muss zwischen diesem Dichter, seiner Heimat und seiner Lebenswirklichkeit.

Dabei merkten wir als Laien auch, dass das vorhandene „Material“ eine Qualität haben musste, das der Aufarbeitung von fachkundiger Stelle wert war. Wir waren davon überzeugt, dass das vorhandene Schriftgut mehr war als „plattdeutsches Geschreibsel“. Es sollte bewahrt, im wahrsten Sinn des Wortes aufgehoben und bewertet werden. Dabei entstand die Entscheidung, über das Werk Sauvagerds ein Buch herauszubringen, das allen diesen Ansprüchen genügte. Und davon konnten wir drei sehr kompetente Autoren überzeugen, die dieses Buch besonders wertvoll machen:

Verena Kleymann gibt als Lieraturwissenschaftlerin und Historikerin eine Hinführung in das Werk Sauvagerds und hat die Auswahl der Stücke vorgenommen, die in diesem Buch enthalten sind. Sie wird uns auch gleich noch einige Beispiele und die Begründungen für diese Auswahl nennen.

Dr. Helmut Lensing stellt im Anschluss daran eine Biografie Sauvagerds vor, in dem er auch die umgangreichen Interessensgebiete, Fähigkeiten und Intentionen dieses Mannes darstellt.

Prof. Dr. Stellmacher gibt in seinem besonders wertvollen Aufsatz eine Einordnung der plattdeutschen Literatur Sauvagerds als Dialektliteratur im ostniederländischen- westdeutschen Sprachraum.

Für das Erscheinungsbild dieses Buches haben wir Simone van Nes, eine sehr fähige Buchgestalterin, gewinnen können.

Wenn dann im Augenblick dieses Werk vor uns liegt, dann ist das eine Gemeinschaftsleistung, an der viele beteiligt sind, wobei Klaus Vorrink und ich nur die Fäden in der Hand hatten und zusammengehalten haben.

Worauf wir ein wenig stolz sind, ist die Tatsache, dass mit diesem Werk und auch mit der Herausgabe des Buches an einem Heimatabend am 25. September dieses Jahres mit 1200 Gästen eine posthume Ehrung und Würdigung dieses Mannes vorgenommen worden ist und noch wird, die ihm zeitlebens in seinem Heimatort versagt geblieben ist. Nicht ohne Grund taucht der Begriff „Heimat“ in seinem Werk überdurchschnittlich oft auf.

Heimatland

En as du sochs dat mööjste Lånd,
dann loop men nich soa wie -
de Heimat is dat mööjste Lånd,
dat bliff’t för alle Tied

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

 

Lesung Autorin Verena Kleymann

Sehr geehrte Damen und Herren,

er vermochte es, durch seine Worte das bäuerlich-ländliche Leben einer anderen Zeit, die heimatlich-idyllische Natur – aber auch den Fortschritt mit all seinen positiven wie negativen Seiten zum Leben zu erwecken.

Die Rede ist von Karl Sauvagerd (1906-1992), der in den Jahren von 1932 bis 1989 über 600 Titel (davon über 30 Prosatexte) verfasst hat.

Sein Repertoire umfaßte Gedichte, Märchen, Gebete, Lieder, Theaterstücke und Romane. Thematisch finden sich neben zahlreichen Naturschilderungen und Landschafts-betrachtungen Szenen aus dem täglichen Leben sowie einige wenige politisch motivierte Texte.

Im Folgenden möchte ich Ihnen einen Einblick in das Lebenswerk Karl Sauvagerds geben. Dafür habe ich exemplarisch fünf Gedichte und einen Prosatext ausgewählt, die ich Ihnen nun vortragen möchte. Ich bitte Sie im Vorfeld, eventuelle Versprecher zu entschuldigen. Ich habe plattdeutsch nicht als Muttersprache gelernt. Es ist gewissermaßen eine Fremdsprache für mich. Ich werde mich aber bemühen, alles verständlich vorzutragen.

Ich beginne mit „O, maakt nicht alle Grund terecht...“ (1936; S. 166-167)

Karl Sauvagerd hat sich in vielen Texten intensiv mit der heimatlichen Flora und Fauna beschäftigt. Dieses Gedicht ist ein Beispiel dafür. Er nutzt den Text, um den Rezipienten zu ermahnen, nicht all seine geliebten Moore und Heidegebiete zu vernichten, um Landwirtschaft zu betreiben, wenngleich er die Notwendigkeit dieses Handelns im Zuge der Nahrungsmittelknappheit durchaus nachvollziehen konnte. Sein besonderes Engagement gilt dem heimatliche Lebensraum. Seine Bewahrung ist ihm eine Herzensangelegenheit.

Ich habe dieses Gedicht u.a. ausgewählt, weil es eine gewisse Aktualität birgt. Auch in der heutigen Zeit wird immer wieder die Diskussion um Nachhaltigkeit und Naturbelassenheit im Gegensatz zur industiellen Landwirtschaft geführt gerade im politischen Umfeld.

Politisch wird Karl Sauvagerd auch in dem Antikriegsgedicht: „Stormteken“ (1959; S. 160).

„Nie wieder Krieg“ war das Motto der Friedensbewegung der Weimarer Republik, das in den 50-er Jahren wieder aufgegriffen wurde.

Das Gedicht „Stormteken“ finde ich so beeindruckend, da es gewissermaßen einem musikalischen Stück gleicht: Nach einem sanften Anfang in der ersten Strophe, in der eine Ahnung von Krieg liegt, steigert sich die Intensität des Textes in der zweiten Strophe einem Crescendo (lit. Klimax) gleich, um in der dritten Strophe seinen Höhepunkt zu finden. Gleichzeitig arbeitet Sauvagerd mit einer eindringlich vorgetragenen Wiederholung (löö, geewt acht, dat düüd’t up storm!), die bei dem Rezipienten eine gewisse Beklemmung hervorruft.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges hat sich Karl Sauvagerd gemeinsam mit anderen Autoren der Grenzregion um eine Annäherung mit den niederländischen Nachbarn bemüht. Das Gedicht „Unse Noabers“ (1953; S. 43-44) zeugt von diesen Bestrebungen.

Die grenzüberschreitenden Gemeinsamkeiten werden zum einen landschaftlich hervorgehoben (dieselben Gewächse und Landschaftsbilder sind diesseits wie jenseits der Grenze zu finden); zum anderen finden sich Gemeinsamkeiten zwischen den Bewohnern der Grenzregion. Das ausschlaggebende Merkmal hierfür ist die Sprache, die die Menschen der Grafschaft mit den holländischen Nachbarn verbindet.

Karl Sauvagerd zeigt immer wieder ein besonderes Feingespür für Stimmungen. Das Gedicht „Erinnerung“ (1955; S. 70-71) ist ein Beispiel dafür.

Ich finde, Sauvagerds Wortwahl zeugt von einem besonderen Einfühlungsvermögen. Sie ist präzise und stark, klar und bildgewaltig. Freudige Ereignisse werden neben traurige gestellt – ohne jede Wertung. Im Leben gibt es alles, Anfang und Ende, Kindheit und Alter, Fröhlichkeit und Trauer. Nichts hat Bestand, alles ist in Bewegung und verändert sich. Aber die Erinnerung, die bleibt uns.

Nach diesen vier Gedichten möchte ich Ihnen eine Schauergeschichte mit dem Titel „Dat Brandhuus“ (1948; S. 261) vortragen.

Bei dieser Geschichte handelt es sich um eine Zusammenfassung verwandter Erzählungen aus der Niedergra

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Autoren lesen und signieren
13:00 Uhr Yared Dibaba: „Swatt un platt“

 

Yared Dibaba begrüßte uns als seine Neuenhauser Freunde Und erzählte Spannende plattdeutsche Geschichten aus dem wahren Leben!

Das Leben kann schon kurios sein: da trifft Yared Dibaba bei einem Besuch in seiner Heimat Oromia einen weißen Plattsnacker aus Norddeutschland, der sich bannig freut und in Yared ein Stück Heimat findet – dies ist nur eine von über 30 Geschichten, in denen der swatte Plattsnacker auf seine unverwechselbare Art und Weise über all das erzählt, was ihm so in seinem Alltag begegnet.

14:00 Uhr Ingrid Straumer: „Mammut Hansen“
15:00 Uhr Wolfgang Mahnke: „Returkutsch“
16:00 Uhr Rainer Schobeß: „De Ehrengäst“
17:00 Uhr Carl-Heinz Dirks: „Hayo Schütte -
De Ünnergang vun de Rawalpindi“
17:30 Uhr Günther Ihmels: „Boot un Dood“

Sonntag, 3. November 2019
Evangelische Messe op Platt
Hauptkirche St. Michaelis
10:00 - 11:30 Uhr

Hamburgs Michel

453 Stufen hat der Hamburger Michel, vom Eingang bis zur Spitze. Und die größte Turmuhr Deutschlands - allein der große Zeiger ist fast fünf Meter lang. Das Gotteshaus war lange Zeit das Erste und Letzte, was Seeleute auf großer Fahrt von Hamburg sahen. Das machte ihn zum Wahrzeichen der Hansestadt, denn der Anblick des Michels bedeutet für viele Heimat.

Mehr als eine Kirche

Heute wird die Kirche St. Michaelis nicht nur für Gottesdienste, Konzerte und Hochzeiten genutzt. Auch Wirtschaftskongresse, Motorradgottesdienste und Trauerfeiern finden dort statt. 2015 etwa wurde im Michel die Trauerfeier für den früheren Bundeskanzler Helmut Schmidt ausgerichtet, an der 1.800 geladene Gäste aus dem In- und Ausland teilnahmen.

Zehn Glocken und vier Orgeln

Der Turm des Michels ist mit 132 Metern nach dem Fernsehturm (272 Meter) und dem Turm an der Ruine der Kirche St. Nikolai (147 Meter) der dritthöchste Turm Hamburgs und besitzt insgesamt zehn Glocken. Die beiden Uhrschlagglocken fehlten jedoch fast einhundert Jahre, sie waren 1917 während des Ersten Weltkriegs für die Waffenproduktion eingeschmolzen worden und wurden erst 2016 - finanziert durch Spenden - ersetzt.

Mehr als eine Kirche

Heute wird die Kirche St. Michaelis nicht nur für Gottesdienste, Konzerte und Hochzeiten genutzt. Auch Wirtschaftskongresse, Motorradgottesdienste und Trauerfeiern finden dort statt. 2015 etwa wurde im Michel die Trauerfeier für den früheren Bundeskanzler Helmut Schmidt ausgerichtet, an der 1.800 geladene Gäste aus dem In- und Ausland teilnahmen.

Zehn Glocken und vier Orgeln

Der Turm des Michels ist mit 132 Metern nach dem Fernsehturm (272 Meter) und dem Turm an der Ruine der Kirche St. Nikolai (147 Meter) der dritthöchste Turm Hamburgs und besitzt insgesamt zehn Glocken. Die beiden Uhrschlagglocken fehlten jedoch fast einhundert Jahre, sie waren 1917 während des Ersten Weltkriegs für die Waffenproduktion eingeschmolzen worden und wurden erst 2016 - finanziert durch Spenden - ersetzt.

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Evangelische Messe op Plattdüütsch
zur plattdeutsvchen Buchmesse der Carl Toepfer Stiftung
20 . Sonntag nach Trinitatis
3. November

Mitwirkende
Die Gemephinde der Michaeliskirche
Predigt: Gerd Spiekermann
Liturgie: Pastor em. Volker Schauer
Lektor: Peter Bossen
Orgel: Cristoph Schoener
vielleicht werden wir den Gottesdienst noch in Plattdeutsch veröffentlichen

 

Ab 11.30 wieder zur Buchmesse in den Lichtwarksaal

Autoren lesen und signieren

11:30 Uhr Silke Frakstein: „Voß un Haas“
12:00 Uhr Christoph Prang: „In de Nootopnahm“
13:00 Uhr Matthias Stührwoldt: „Knackwust“
15:00 Uhr Rainer Kramer: „Voltaire - Candid“
15:30 Uhr Anke Ortlieb: „Mäh! Maa! Möh! Versteihst?“
16:00 Uhr Abschlusskonzert in der Bibliothek „Fofftein“

Beantwortung von vielen Fragen auf der Buchmesse:

1. Was beinhaltet dieser Preis?

Der Preis ist eine öffentliche Anerkennung nicht nur für die Herausgeber und die Autoren, sondern vor allem eine Würdigung für das Lebenswerk Karl Sauvagerds und somit auch für die Dialektliteratur in Deutschland und in den Niederlanden.

2. Welches Gedicht Karl Sauvagerds sollte jeder lesen?

I heb gin tied

As Jan noch so ’n kläin jünkien was,
dan mus hee nå de schole hen,
want hee sul jå wat leer’n.
Hee wol nich, – hee wüs noch nich völ
van mötten en van söll’n, –
hee sä: Nå schole gåån? Nee, nee,
ik heb gin tied – , möt spöll’n!

Jan mus wal hen, et hölp em niks,
Nu was ’t mangs så, dat hee in huus
bij schoolarbäiden sat,
sul hee dan dit of dat is doon,
dan wol hee dat nich geern,
dan sä hee: nu bin ’k völls te drock,
ik heb gin tied, – möt leer’n!

As Jan dan later grötter wöörd
door wöörd hee ’n iewrig drocken keerl,
was dull heer achter’t geld.
As eene sä: röst dij is uut!
dan rööp hee: ik bin stark!
Uutrösten? Nee, – ik heb gin tied,
ik heb noch så völ wark!

Jan knoojde, warkde dag en nacht,
hee kennde ginne röst,
hee at nich völ en drünk nich völ
en wöörd schattriek antlest.
Met füftig joor’ mål was’t dåån,
door wöörd hee krank, – o nååd!
„Ik-heb-gin-tied!“, rööp Jan. – En dan,
dan haalde em de Dååd.

O maakt nicht alle Grund torecht

O, maakt nich alle Grund terecht,
to Ackerland, to Moat enn Wäide,
loat’t hier enn doar enn Hökin fry,
enn Streepien Fenn, enn Stückin Häide,
datt hier und doar enn Hökin bliff,
soa, aß ett uns de Herrgott giff.

O, haut nich alle Heegen futt,
verbrannt nich all de Brömmelbüsche,
enn maakt nich alle Kölke to,
woar wijlt noch waßt Wee’n, Löis enn Rüschen,
loat’t wassen doch denn gellen Broam,
denn Woagebuß, denn Barkenboam!

Woar is ’t, uns Vaderland bruukt Broat,
doarföär mött wy nu eärst wall sorgen,
enn hebb’ wy nu ock noch ginn Noat,
wy mött’ doch däinken ock an morgen,
drüm geet datt upp de Duur ock nich,
datt all de Grund doar soa menn ligg!

Men doch: ’t was naar, als all de Grund
Nu wott to Land, to Wege, Stroaten!
Want woarföär heff de Herrgott uns
de Häide doar dann wassen loaten?
Is de Natur hier denn nich weärt,
datt man se ’n bettin acht enn eährt?

Noch is ’t in unse Groafschupp moj,
o sorgt doch, datt datt soa mag bliewen!
Mött wy ut unse Heimatland
dann alle Mojegkäit verdriewen?
En ’n mojsten Goaren upp de Dur,
datt is en bliff doch de Natur!

Drüm maakt nicht alle Grund terecht
loat’t hier enn doar enn Hökin frÿ,
enn Streepien Fenn, enn Stückin Häide,
datt hier und doar enn Hökin blif,
soa, aß ett uns de Herrgott gif.

 

Stormteken

An de see de möwen fleget,
upgereegd se sik beweget
up en daal in ’n groten sworm;
stil wöörd’t eerst, nu wodt et düster,
schipper seg: ’t lat orig biester,
löö, geewt acht, dat düüd ’t up storm!

Ower ’t land de wolkentöppe
trekt heel wild, en grummelköppe
swelt in rare klöör en form;
noch wil ’t onweer nich beginnen,
men de buur rop: gaww na binnen,
löö, geewt acht, dat düdd’t up storm!

„Nooit weer Krieg!“, så heb wij ropen.
Men nu möt’t de jungs weer lopen
in soldaten–uniform;
rüstung wod weer groot bedrewen,
wat is van unse ropen blewen?
Löö, geewt acht, – dat düdd’t up storm!

  Twee Welten

 

„Die Bäume verschwinden!“
Met ’n füüråd gesicht
steet den planer, en bit up de tande:
„Der Fortschritt braucht Straßen! Kapiert ihr das nicht?
Ihr steht uns im Weg – sture Bande!“

„De boeme bliewt ståån! Dit is miene grund,
baut doch wieder door buten uw’ stråten, –
hier wunn ick, hier hebt miene vööraulers wunnt,
will ij uns verdriewen, verståten?“

„Was alt ist, muß fort! Denn was kümmert die Welt
euer Eigentum, Recht und solch’ Sachen?
Und hinter uns steht doch die Macht und das Geld,
wir bestimmen, da könnt ihr nichts machen!“


„Dat wi ’k doch versöken! Noch gif ’t en gericht,
en nen anwalt kan ’k ok noch betalen,
miene heimat, dat seg ik uw glat in ’t gesicht,
dee söl ij så makkelk nich halen!“

Twee welten:
fanatisch rop een ’n: so möt ’t fut,
de mensschen, göörns, hüse en karken!
Den andern wil fastholl’n, wat stark is en guud,
woor ok noch de kinder könnt warken.

En ’t äinde?

Aarm, fut jaagd döör planer, gericht,
verloren goorn, boeme en hüüssien. –
Up ’n asphalt door luurd men sien lepe gesicht
Dan de düwel en lacht sik in ’t füüssien!

Men – baas blif he nich!
Unverdachts kump den slag,
den löt em en sien hoogmootswark starwen ...
De baas blif doch een’n, den besit alle macht,
en den lat sik sien wark nich verdarwen!

Du aule stadt, ik söög dij kottens weer,
tofallig köm ik hier is mål weer döör,
wu lange hadd’ ik dij al nich meer seen,
mij dünkt, hååst dattig jore kun ’t wal wee’n.

Du was så mooj, de stråten schier en schåån,
prachtvulle aule hüse söög men ståån,
nen kläinen see, nen park, nen mojen wall,
en göörns, en blomen, büssche owerall.

Så was dat froger, en ick söög dij geern,
men du bis wassen, du bis nu modeern,
ik was nijsgierig, – man vertellde mij
van grote bauten, grote industrie.

Nu söög ik dij, – ik söög dij met pläseer,
du grote stadt, ik kennde dij foorts weer,
du moje stadt, men hef gin kwååd dij dåån,
wat ault en guut was, dat bleef wal beståån.

De nije große stråte geet ümtoo,
met völ verkeer, völ hååsten en gedoo,
dat aule deel lig up de rechte siet,
en links dat nije industriegebied.

hoog van de brügge keek ik up dij daal,
tweel welten söög ik, – jå, så was et wal:
rechts menschlik wunnen, in natuur en gröön,
en linkerhand niks as beton en steen.

Rechts hüse, groot en kläin, så wij se kennd,
links hoge töörns, wunnsilo’s uut zement,
hier parks, – en hoge wolkenkrabbers door,
men unse tied wil bäides, dat is woor.

 

Twee welten könnt beståån in eene stadt,
as ieder ok den andern lewen lat, –
men: is mål narg’ns meer ’n „Babeltoorn“ te seen,
dan kump weer de natuur döör met eer gröön!

Use Noabers

As wij ower ’n streep gooat kieken,
dan kom wij nich in ’n heel frömd land;
want de natuur döt net soa lieken
an disse as an genne kant’.

Dat sölwde land, de sölwde wäide,
de sölwden boeme hier an door,
de sölwde grund, de sölwde häide,
dat sölwde weer ok joor föör joor.

De äigschen löö ok an weers kanten,
– en of du hier of door nu gees,
du sös de sölwden deer’ en planten,
hoast al’s is hier en door allees.

De Vechte flööjt bij uns.
En later, dan geet se in uns noaberland,
et blif doch een en ’t sölwde water
an disse an an genne kant’.

Best kump ok met ’n streep terechte de
Dinkel: see flööjt Neerland döör,
dan weer, bij Nijnhuus, in de Vechte,
en doormet dann noa ’t Ysselmeer.

In wekke land bint eere quellen,
woor se gooat hen, woor se kommt
heer, dat alles kan eer garniks schellen,
ne grense gif ´t nich föör eer.

Föör us bint nich soa licht de saken,
men as wij ’t us recht owerlegt,
dan denk’ wij: kunn wij ok soa maken,
dan was dat spillechien nich slecht!

As wij is ower’n streep goat kieken,
dan kom wij nich in ’n heel frömd land,
want alles döt presies soa lieken
an disse as an genne kant’.

Weers kanten wunt de äigschen mensschen,
weers kanten wod allees hooast proat’t,
soa kump ’t ok, dat de Groafschup Benthem
en Holland sik soa best verstooat.

En dit verstooan sal altied bliewen,
– lop ok de tied mangs noch soa raar,
möögt mensschen ’t ok mangs arig driewen,
– want noaberlöö holt to mekaar!

 

Unse Heimatland

Mooj is unse heimatland,
mooj de klippen, fen en sand.
sappig gröön löcht’t feld en wäide,
heerlik blööjt de wiede häide;
blomen blööjd an ieder kant’,
mooj is unse heimatland!

Mooij is unse heimatland!
De Vechte flööjd as sülwern band
tüschen land met gauld´ne sååten,
tüschen busch en gröne måten,
bunte klören an den rand,
mooj is unse heimatland!

Mooj is unse heimatland,
’t hault uns fast met gauldnen band.
Aule hüse, fast en krachtig,
starke Eken, breed en machtig,
flietig buur’n en börgerstand,
mooj is unse heimatland!

Mooj is unse heimatland,
woor wij güngen hand in hand,
woor up flinke junge föte
uns de leewde kömp temöte,
fast sik hef in’t harte brannd:
mooj is unse heimatland! 43

Heimatland

En as du sochs dat mööjste Lând,
dann loop men nich soa wiet –
de Heimat is dat mööjste Lând,
dat bliff’t för alle Tied.

 

3. Wie groß war der Anteil der Holländer an dieser "niederdeutschen Koproduktion"?

Der Anteil der Holländer liegt in der Sache selbst begründet, nämlich in einer gemeinsamen Sprachgeschichte mit den "Oosterburen" und den damit zusammenhängenden Gefühlen von "wir" und "ihr".

 

4. Was lässt sich zwar platt sagen, aber nicht in den beiden Hochsprachen?

Prinzipiell lässt sich alles so oder so sagen. Allerdings transportiert jede Sprachform, die dialektale und die standardsprachliche, verschiedene Gefühlswerte und das Wissen, wann und  wo man wie etwas äußern sollte. So kann man niederdeutsch Moors sagen, wo man es hochdeutsch nicht tun würde und umgekehrt. Also, jede Sprache kennt ihre (historisch veränderbaren) Anwendungsregeln, d.h. ihre sozialen Zuständigkeiten.

5. Was hätte Karl Sauvagerd von dieser Anerkennung gehalten?

Er hätte sich sicher gefreut, bestätigt gefühlt und in der Hoffnung bestärkt, dass dat aule Platt diesseits und jenseits der Grenze eine Zukunft hat.

 

Danke Verena, Berend, Dieter, Helmut, Carsten, Edeltraut, Dita + Helga

 
   
 
   
„PlattSatt“ der Emsländischen Landschaft 2019  

 

Vorlesefrühstück bringt drei Generationen zusammen

Neue plattdeutsche Formate in der Papenburger HÖB sehr erfolgreich

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „PlattSatt“ der Emsländischen Landschaft fanden im Zentrum für Generationen der Historisch-ökologischen Bildungsstätte HÖB in Papenburg erstmals zwei Vorlesefrühstücke statt. Die Nachfrage bei dem zweiten Frühstückstermin war so groß, dass kurzfristig auf das Don Bosco-Heim ausgewichen wurde. Interessierte Plattprooter waren eingeladen, Geschichten oder Gedichte vorzutragen. Wer wollte, konnte auch einfach nur zuhören und ein Frühstück mit vielen selbstgemachten Leckereien genießen.

An den Vormittagen beteiligte sich die Ludgerusschule Rhede mit ihren Schülern Finn Esselmann, Gerd-Folkert Conens und Elia Schütte mit der pädagogischen Mitarbeiterin Edeltraud Wotte. Die Schüler hatten bereits erfolgreich am plattdeutschen Lesewettbewerb teilgenommen und beeindruckten die zahlreichen Zuhörer mit ihren lebendigen Vorträgen. Ihr Können kommt nicht von ungefähr, schließlich steht Platt in der Ludgerusschule schon lange auf dem Stundenplan, was ihr im vergangenen Jahr die Auszeichnung „Plattdeutsche Schule“ des Niedersächsischen Kultusministeriums eingebracht hat.

Auch die pensionierte Lehrerin Angela Klaßen unterhielt mit ihren selbstgeschriebenen humorvollen und nachdenklichen Geschichten und Gedichten, die sich zum Beispiel kritisch mit modernen Erziehungsmethoden oder der heutigen Bedeutung von Weihnachten auseinandersetzen.

Helena Brune von der HÖB und Linda Wilken von der Emsländischen Landschaft trugen ebenfalls einige ihrer Lieblingstexte vor. Die Idee für das Vorlesefrühstück kam Linda Wilken, als sie nach einem niedrigschwelligen Angebot suchte, an dem sich alle beteiligen können. „Wir haben im Rahmen zweier Veranstaltungen nun vor insgesamt 90 Leuten gelesen und die Vormittage kam nicht zuletzt wegen des tollen Frühstücksangebots und der qualitativ guten Texte super an“, so ihr Fazit. Eine Wiederholung des Vorlesefrühstücks und weitere plattdeutsche Veranstaltungen sind geplant. „Die Ideen gehen uns nicht aus und es ist schön zu sehen, dass sie so gut angenommen werden.“, freut sich Helena Brune.

Bildunterschrift: Gerd-Folkert Conens, Edeltraud Wotte, Finn Esselmann und Elia Schütte (v.li.) gestalteten das plattdeutsche Vorlesefrühstück (Foto: Emsländische Landschaft).

 
   
 
   

Marie Diot aus Hannover gewinnt den Plattsounds Bandcontest in Stade

Auch Bewerber aus der Grafschaft Bentheim dabei

Emlichheim/Stade. Das beste plattdeutsche Lied des Jahres 2019 kommt aus Hannover: Die Liedermacherin Marie Diot hat das Finale des plattdeutschen Bandcontests Plattsounds gewonnen und erhält dafür die Siegprämie von 1000 Euro. Junge Bands aus ganz Niedersachsen haben am Samstag das Publikum im Alten Schlachthof in Stade mit plattdeutschem Rock, Singer/Songwriter, Pop, Punk und Reggae begeistert. Mit ihrem Titel „Huh, ik bün bang“ zeigte Marie Diot, wie gut Plattdeutsch und moderne Musik zusammenpassen. Die Singer-Songwriterin und ihr Gitarrist Fabian Großberg zogen das Publikum mit ihrem authentischen Auftreten und einer charmant erzählten Geschichte in ihren Bann, die durch die plattdeutsche Sprache noch persönlicher klang.

Auf dem zweiten Platz landete die Band Whale in the desert aus Buxtehude und Neu Wulmstorf. Die Vorjahresdritten überzeugten die Jury mit ihrem Titel „Jümmers sutje“ und erhielten dafür ein Preisgeld von 600 Euro. Auf dem dritten Platz landete Julia Giampietro (16) aus Wittstedt mit ihrem Song "Sülvige Boot", die gemeinsam mit ihrer Schwester Gina (14) auftrat. Das brachte den jüngsten Teilnehmerinnen am Contest 300 Euro ein. Noch einmal 300 Euro gewann Whale in the desert im Online-Voting. Aus der Ferne wählten die Internetnutzer so den groovigen Titel „Jümmers sutje“ zum Publikumsliebling.

Die Punkrocker Pitfeynte aus Emlicheim konnten sich mit ihrem Song leider nicht durchsetzen, lagen beim Online-Voting aber lange vorne und hatten Spaß daran, erstmals auf Platt zu singen. „Die Konkurrenz war hart und die Qualität der diesjährigen Beiträge erfreulich hoch. Es gab sehr viele Bewerber“, so Linda Wilken von der Emsländischen Landschaft, die in der Jury saß. Letztlich schafften es nur elf Bands und Solokünstler ins Finale in Stade. „Das heißt aber nicht, dass man es im nächsten Jahr nicht noch einmal probieren kann“, so Wilken. Für Beratung und Unterstützung, zum Beispiel bei Textübersetzungen, könnten Musiker sie gerne kontaktieren.

Neben Linda Wilken saßen in der Jury auch die plattdeutsche Poetry Slammerin Gesche Gloystein, die Musiklehrerin Angela Martens und Patrick Frerichs, der mit seiner Band „De Winnewupps“ zu den Plattsounds-Urgesteinen gehört. Sie mussten nicht nur Musik, Textqualität und Bühnenperformance bewerten, sondern heraushören, welches Lied das meiste Hitpotential hat.

"Wir waren richtig begeistert von Plattsounds", sagte Gewinnerin Marie Diot. "Die Stimmung hinter der Bühne war sehr spaßig, super Essen, super Sound, super Planung, super Publikum. Alle Bands waren klasse und der Abend war sehr vielfältig und abwechslungsreich. Wir fühlen uns geehrt, dass wir den 1. Platz gemacht haben und verwenden das Preisgeld für die Produktion unseres neuen Albums, das im Frühjahr fertig sein soll."

Moderatorin Annie Heger war teilweise ganz gerührt von den Auftritten. "Wo Plattdeutsch gesprochen wird, fühle ich mich gleich zuhause," sagte die gebürtige Ostfriesin. „Mich hat mit jeder weiteren Band des Abends die unfassbare Qualität beeindruckt und ich wurde immer dankbarer die Moderatorin dieser Veranstaltung sein zu dürfen! In der Haut der Jury hätte ich nicht stecken wollen. Außerdem war ich beeindruckt, dass alle sich ausnahmslos zu gesellschaftspolitischen Themen positioniert haben, entweder in ihren Songs oder aber im Interview.“

Den Auftakt zur Veranstaltung spielten die Platt-Punker „De Schkandolmokers“. Die Oldenburger überbrückten ebenfalls die Jurypause, in der über die Gewinner beraten wurde, und brachten das Publikum zum Tanzen und Mitsingen.

Im kommenden Jahr findet Plattsounds erneut statt. Interessierte Bands finden Informationen zum Bandcontest auf www.plattsounds.de Plattsounds ist ein plattdeutscher „Grand Prix“, der Zeitgeist und Heimatgefühl in moderner Musik vereint und mit dem der beste plattdeutsche Song des Jahres gesucht wird. Seit dem Jahr 2011 sind durch Plattsounds etwa 150 Songs junger Musiker auf Plattdeutsch entstanden.

Der Bandcontest fand bereits zum neunten Mal statt. Veranstalter war in diesem Jahr der Landschaftsverband Stade e.V. Plattsounds ist ein Kooperationsprojekt von sieben Landschaften und Landschaftsverbänden aus Niedersachsen, die das Projekt im Rahmen der Initiative „Platt is cool“ ( www.platt-is-cool.de) durchführen.

Ansprechpartner:

Landschaftsverband Stade
Frau Kerstin Tolkiehn
Johannisstraße 3 (im Johanniskloster), 21682 Stade Telefon: 04141 410520 / 0174 4710085
E-Mail: tolkiehn@landschaftsverband-stade.de

Projektleitung / Musikerbetreuung:

Matthias Kahrs
E-Mail: m.kahrs@plattsounds.de Telefon: 0176 – 7709 4838

Informationen:

http://www.plattsounds.de facebook.com/plattsounds.bandcontest

 

 
 
   

650 Jahrfeier der Stadt Neuenhaus
Heimatabend am 25.9.2019:
1200 Gäste feiern mit Yared Dibaba in Neuenhaus

 
   

Kaum ein Stuhl blieb unbesetzt beim Heimatabend der Heimatfreunde Neuenhaus zur 650-Jahr-Feier der Stadt mit „Plattschnacker“ und NDR-Moderator Yared Dibaba, seiner Band „Die Schlickrutscher“ und vielen weiteren Beiträgen und Darbietungen.

Moderator und bekennender "Entwicklungshelfer" für Plattdeutsch, Yared Dibaba, führte durch den Abend

Stargast des Abends: Yared Dibaba ist selbst ernannter „Entwicklungshelfer“ für die plattdeutsche Sprache und stand mit seiner Band „Die Schlickrutscher“ auf der Bühne. Neuenhaus Moin, Joa und „nützt ja nix“, mehr braucht es laut Yared Dibaba nicht zum „Plattschnacken“. Der NDR-Moderator und selbst ernannte „Entwicklungshelfer“ für das Plattdeutsche führte am Mittwoch durch den Heimatabend zur 650-Jahr-Feier der Stadt Neuenhaus. Der mit Darbietungen, Livemusik und Wortbeiträgen prall gefüllte Abend der Heimatfreunde Neuenhaus stand ganz im Zeichen des Niederdeutschen und des Wirkens des Heimatdichters Karl Sauvagerd.

Die niederdeutsche Sprache zu erhalten ist nicht nur Ansinnen von Kulturförderern, Kommunen und Heimatvereinen der Region, auch Dibaba hat sich ganz dem Plattdeutschen verschrieben. „Nach zwei-drei Bier kann jeder Plattschnacken“, betonte er und ermutigte die rund 1200 Besucher im gut besuchten Festzelt, bei nächster Gelegenheit schlicht drauf loszusprechen. Mit kurzen Comedy-Einlagen – natürlich auf Platt – moderierte der Oldenburger nach den Begrüßungsworten von Gastgeber Georg Hagmann, Vorsitzender der Heimatfreunde, durchs Programm. Als Ehrengast durfte Dibaba sich im Anschluss als erster in das brandneue Goldene Buch der Stadt Neuenhaus eintragen.

Die platttdeutsche Sprache und das Werk des Neuenhauser Heimatdichters Karl Sauvergerd standen im Mittelpunkt des Heimatabends zur 650-Jahrfeier der Stadt Neuenhaus.

Plattdeutsch muss „geschnackt“, „geproatet“ oder „gekürt“ werden, damit es überlebt, waren sich viele Redner an dem Abend einig. Den Grußworten des Grafschafter Landrates Friedrich Kethorn nach, reicht das allein jedoch nicht. „Auf Platt singen, ist das beste Mittel, um die plattdeutsche Sprache zu erhalten“, sagte Kethorn auf Platt und gab sich begeistert von den

rund 70 Kindern der Carl-van-der-Linde Schule in Veldhausen. Unter der Leitung von Marlene Bucher Fenna Monske und Heike Hövels besangen „de Oberrocker ut Neijenhuus“ auf Platt den „Fietzenpatblues“ oder das 650-jährige Bestehen der Stadt.

 

 

Gewidmet war der Heimatabend in besonderer Weise auch dem Neuenhauser Heimatdichter Karl Sauvagerd. Janette Boerrichter gab mit dem Vortrag einiger Gedichte einen kleinen Einblick in das Werk des Lyrikers. Mit ihrer trockenen Art hatte sie die Gunst des Publikums schnell auf ihrer Seite. „Du hast gesagt, zwei Gedichte. Es werden aber vier. Ist das auch in Ordnung?“, beschwerte sie sich auf Platt scherzhaft bei Dibaba. Das Publikum dankte es mit herzhaften Lachern.

Lyrikvortrag: Janette Boerrichter hatte das Publikum auf ihrer Seite.

 

Das Gesamtwerk ist in dem von Berend Vette und Klaus Vorrink im Auftrag der Heimatfreunde Neuenhaus herausgegebenen Buch „De Tied blif Baas“ nachgezeichnet. Vette bedankte sich in einer Gesprächsrunde mit Hermann Bröring, (Präsident Emsländische Landschaft), Jürgen Timmermann (Vorstand Grafschafter Volksbank), Uwe Fietzek (Heimatverein Grafschaft Bentheim), Günter Oldekamp (Stadtdirektor Neuenhaus) und den mitwirkenden Autoren Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Dr. Dieter Stellmacher sowie den Historikern, Verena Kleymannbei und Dr. Helmut Lensing bei allen Beteiligten und Sponsoren.

Mit Sangeskunst, plattdeutschen Liedern, Glitzersakko und seiner Band „Die Schlickrutscher“ im Rücken stürmte auch Dibaba als musikalischer Höhepunkt die Festbühne.

 

Sauvagerd behandelte Plattdeutsch als grenzüberschreitende Verbindung zu den Niederlanden. „Er nutzte Sprache als Verständigungs- und Versöhnungsinstrument“, hatte schon Stadtdirektor Oldekamp in seinen Grußworten betont. Diese Brücke schlugen schließlich auch „De Boerendansers“ aus Ootmarsum mit Akkordeonmusik und historischen Tänzen aus dem 19. Jahrhundert.

Spaß an der Tradition: „De Boerendansers“ aus Ootmarsum zeigten Tänze aus dem 19. Jahrhundert.

 
   
   
   

Unsere Zukunft ist mehrsprachig

Plattdütsch in de Groafschup


Ümdat de „Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen" dat woll, heff denn Bundestag in’n Juli 1998 een Gesetz beslotten, woarin seggt wodd, dat Sproaken van Löö, de in de Minnerhäit bint, un Sproaken, de in bestimmde Konträins proat / küürt wodd, anseen mött wonn'n at Riekdum van mäinschlik Lewen, un doarüm ock bewaart wonn'n mött.

Ock ümdat sick doar immer meär Mäinschen ´ne Masse Möite üm dat Platte hier in’t Norden van ouns Laund geewt, wodd’t doch de Plattproaters minner. Besünners an de jungen Löö wodd de plattdüütsche Sproake hoast nich meär wietergewen. Et stimmt wall, dat d’r meär Mäinschen Platt vestoan könnt as proaten / küren. En et is ock soa, dat d’r up't Laund un in Huus meär platt proat /küürt wodd as in de Stadt.

In de Groafschup sall nu dat Plattdüütsch weär meär proat / küürt wonn'n. Doarüm heff sick ock ´nen Kring van Löö funn'n, de tehoape met Mäinschen van'n Landkreis vesöken willt, besünners in Kinnergöarns un Scholen föar disse Sproake ientetreen. Et geet drüm, junge Mäinschen föar't Plattproaten / Plattküren nij te maken.

     
     
   
     

Plattdeutsch in der Grafschaft Bentheim

Auf Basis der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen des Europarates aus dem Jahr 1992 hat der Bundestag im Juli 1998 ein ganz besonderes Gesetz in Kraft gesetzt. In Artikel 7 wird dort das Ziel formuliert, dass Regional- und Minderheitensprachen als Ausdruck kulturellen Reichtums geschützt und gefördert werden sollten.

Trotz zahlreicher Bemühungen, die plattdeutsche Sprache im norddeutschen Raum zu fördern und zu erhalten, nimmt die Anzahl der Niederdeutsch-Sprecher immer mehr ab. Besonders an junge Leute wird die Sprache heute nicht mehr weitergegeben. Tatsache allerdings ist, dass viel mehr Menschen Plattdeutsch verstehen als sprechen können. Der Gebrauch von Plattdeutsch ist auf dem Lande verbreiteter als in der Stadt, und im privaten Bereich wird stärker Plattdeutsch gesprochen als in der Öffentlichkeit.

In der Grafschaft Bentheim wird seit längerer Zeit für die plattdeutsche Sprache geworben. Gemeinsam mit Vertretern des Landkreises hat sich ein Arbeitskreis, der aus etwa 15 interessierten Personen besteht, gegründet. 

     
 
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